2025
Lächelnde Gesichter und dankbare Herzen
November 2025


10:53

Lächelnde Gesichter und dankbare Herzen

Wie großartig unsere Heiligen in Afrika sind, lässt sich daran erkennen, wie sie sich den Herausforderungen des Lebens und den Anforderungen einer wachsenden Kirche stellen

Vor gut einem Jahr wurde ich aus meinen Aufgaben in der Präsidentschaft der Siebziger entlassen. Diese Änderung wurde hier bei der Generalkonferenz bekanntgegeben. Da mein Name kurz nach den Namen der Generalautoritäten genannt wurde, die emeritiert wurden, nahmen viele an, auch meine Amtszeit sei vorbei. Nach der Konferenz erhielt ich zahlreiche Mitteilungen, in denen man mir dankte und mir für meinen nächsten Lebensabschnitt alles Gute wünschte. Manche boten sogar an, mein Haus in North Salt Lake zu kaufen. Es war schön zu sehen, dass man mich vermissen würde, und auch gut zu wissen, dass wir einmal kein Problem haben werden, unser Haus zu verkaufen. Es ist aber noch nicht so weit.

Meine neue Aufgabe hat Monica und mich in das schöne Afrika geführt, wo die Kirche gedeiht. Es ist ein Segen, unter den treuen Heiligen im Gebiet Afrika Süd zu dienen und mitzuerleben, welch eine Liebe der Herr für sie empfindet. Es tut gut, Familien aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten zu sehen, bei denen Generationen der Kirche angehören – auch viele erfolgreiche und sehr gebildete Mitglieder, die ihre Zeit und ihre Talente in den Dienst am Nächsten stellen.

Gleichzeitig schließen sich aufgrund der Bevölkerungsstruktur in der Region auch viele Menschen mit bescheidenen Mitteln der Kirche an. Sie ändern ihr Leben dank der Segnungen, die sie als treue Zehntenzahler erhalten, und dank der Bildungsmöglichkeiten, die die Kirche ihnen bietet. Programme wie Succeed in School, EnglishConnect, BYU Pathway Worldwide und der Ständige Ausbildungsfonds sind für viele ein Segen, besonders für die heranwachsende Generation.

Präsident James E. Faust hat einmal erklärt: „Es heißt, dass diese Kirche nicht unbedingt großartige Menschen anzieht, sondern eher einfache Menschen großartig macht.“

Wie großartig unsere Heiligen in Afrika sind, lässt sich daran erkennen, wie sie sich den Herausforderungen des Lebens und den Anforderungen einer wachsenden Kirche stellen. Sie tun es stets mit einer positiven Einstellung. Sie verkörpern beispielhaft die wohlbekannte Aussage von Präsident Russell M. Nelson:

„Die Freude, die wir empfinden, hat wenig mit unseren Lebensumständen und vielmehr damit zu tun, worauf wir im Leben den Blick richten.

Wenn wir Gottes Plan der Erlösung und Jesus Christus und sein Evangelium in unserem Leben in den Mittelpunkt stellen[,] können wir Freude verspüren – ganz gleich, was in unserem Leben geschieht oder nicht geschieht.“

Trotz ihrer Herausforderungen verspüren sie Freude. Ihnen ist bewusst, dass unsere Beziehung zum Erretter uns in die Lage versetzt, Schwierigkeiten mit lächelndem Gesicht und dankbarem Herzen anzugehen.

Mitglieder in Afrika

Ich möchte von einigen Erlebnissen mit diesen treuen Heiligen erzählen, die diesen Grundsatz verdeutlichen. Beginnen wir in Mosambik.

Mosambik

Vor ein paar Monaten präsidierte ich über eine Pfahlkonferenz. Der Pfahl bestand erst seit einem Jahr, umfasste jedoch bereits zehn Einheiten. Über 2000 Menschen füllten die kleine Kapelle und die drei Zelte, die draußen aufgestellt waren. Der Pfahlpräsident ist 31 Jahre alt, seine Frau ist 26, und sie haben zwei kleine Kinder. Er führt diesen wachsenden und anspruchsvollen Pfahl ohne ein Wort der Klage – stets mit lächelndem Gesicht und dankbarem Herzen.

Beim Interview mit dem Patriarchen erfuhr ich, dass dessen Frau schwerkrank war und er Mühe hatte, für sie zu sorgen. Nachdem wir das Problem mit dem Pfahlpräsidenten besprochen hatten, gaben wir ihr einen Priestertumssegen. Ich fragte den Patriarchen, wie viele Patriarchalische Segen er durchschnittlich gebe.

„Acht bis zehn“, erwiderte er.

Ich fragte: „Im Monat?“

Er antwortete: „In der Woche.“ Ich erklärte ihm, dass es nicht ratsam sei, an einem Wochenende so viele zu geben.

„Elder Godoy“, entgegnete er, „jede Woche kommen welche – auch neue Mitglieder und viele Jugendliche.“ Auch hier gab es keine Klagen – nur ein lächelndes Gesicht und ein dankbares Herz.

Nach der Samstagabendversammlung der Pfahlkonferenz bemerkte ich auf dem Heimweg zum Hotel, dass entlang der Straße spätabends Essen verkauft wurde. Ich fragte meinen Fahrer, weshalb die Leute denn einkaufen gehen, wenn es schon dunkel ist, und nicht tagsüber. Er erwiderte, dass sie tagsüber arbeiteten, um später das Geld dafür zu haben.

„Sie haben also heute gearbeitet, um morgen Essen zu haben“, meinte ich.

Doch er korrigierte mich: „Nein, sie haben tagsüber gearbeitet, damit sie heute Abend etwas zu essen haben.“ Ich hatte gehofft, unsere Mitglieder befänden sich in einer besseren Lage, doch er versicherte mir, dass in diesem Teil des Landes viele vor ähnlichen Problemen stehen. Während der Sonntagsversammlung am nächsten Vormittag bewegten mich ihre lächelnden Gesichter und ihre dankbaren Herzen nun, da mir ihre Situation bewusst war, umso mehr.

Sambia

Auf dem Weg zur Sonntagsversammlung sahen der Pfahlpräsident und ich ein Ehepaar, das mit einem Baby und zwei kleinen Kindern die Straße entlangging. Wir hielten an und boten ihnen an, sie mitzunehmen. Sie waren überrascht und höchst erfreut. Als ich fragte, wie weit sie zum Gemeindehaus gehen müssten, erwiderte der Vater, es könne 45 Minuten bis zu einer Stunde dauern – je nachdem, wie schnell die Kinder gingen. Sie legten diese Strecke jeden Sonntag zurück – Hinweg und Rückweg, ohne Klage, sondern mit lächelndem Gesicht und dankbarem Herzen.

Malawi

Eines Sonntags vor einer Pfahlkonferenz besuchte ich zwei Zweige, die öffentliche Schulen als Gemeindehaus nutzen. Ich war schockiert, wie einfach und bescheiden diese Gebäude waren, in denen teilweise selbst die Grundausstattung fehlte. Als ich dort mit ein paar Mitgliedern sprach, wollte ich mich schon für die unzulänglichen Verhältnisse in ihrem Gemeindehaus entschuldigen, aber sie waren froh, dass sie einen Versammlungsort in der Nähe hatten und nicht mehr einen langen Fußmarsch in Kauf nehmen mussten. Auch hier gab es keine Klagen – nur lächelnde Gesichter und dankbare Herzen.

Simbabwe

Nach einem Samstag, an dem eine Führerschaftsschulung stattgefunden hatte, nahm mich der Pfahlpräsident am Sonntag zu einem Gottesdienst mit, der in einem gemieteten Haus stattfand. 240 Personen waren dort anwesend. Dann stellte der Bischof zehn neue Mitglieder vor, die in der Woche davor getauft worden waren. Die Gemeinde war auf zwei kleine Räume verteilt, und einige Mitglieder saßen draußen im Freien und sahen sich die Versammlung durch die Fenster und Türen an. Auch hier gab es keine Klagen – nur lächelnde Gesichter und dankbare Herzen.

Lesotho

Ich bereiste dieses schöne kleine Land, das man auch das „Königreich in den Bergen“ nennt, weil ich einen Distrikt besuchen wollte, aus dem ein Pfahl werden sollte. Nachdem am Samstag mehrere Versammlungen stattgefunden hatten, besuchte ich den sonntäglichen Gottesdienst in einem Zweig, der in einem gemieteten Haus zusammenkam. Der Raum, in dem die Abendmahlsversammlung abgehalten wurde, war zum Bersten voll, und vor der Tür standen weitere Besucher. Ich sagte dem Zweigpräsidenten, er brauche ein größeres Haus. Zu meiner Überraschung informierte er mich, dass dies nur die Hälfte seiner Mitglieder sei. Die andere Hälfte nahm nach der zweiten Stunde an einer zweiten Abendmahlsversammlung teil. Auch hier gab es keine Klagen – nur lächelnde Gesichter und dankbare Herzen.

Wegen eines Verkehrsunfalls, der mehrere unserer Jugendlichen das Leben gekostet hatte – Elder D. Todd Christofferson hat bereits davon berichtet –, kehrte ich später erneut nach Lesotho zurück. Als ich die Familien und die Führungsverantwortlichen besuchte, erwartete ich, sie in düsterer Stimmung vorzufinden. Stattdessen traf ich auf starke, gefestigte Heilige, die die Lage lebensbejahend und inspirierend meisterten.

Mpho Aniciah Nku

Mpho Aniciah Nku, eine 14-Jährige auf diesem Bild, die den Unfall überlebt hatte, drückte es sehr schön aus: „Vertraue auf Jesus und blicke stets auf ihn, denn durch ihn findest du Frieden, und er hilft dir bei der Genesung.“

Dies sind nur ein paar Beispiele, aus denen ihre positive Einstellung ersichtlich ist, weil sie das Evangelium Jesu Christi in den Mittelpunkt stellen. Sie wissen, wo sie Hilfe und Hoffnung finden.

Die Heilkraft des Erretters

Warum kann der Heiland ihnen und uns in jeglichen Lebensumständen beistehen? Die Antwort ist in den heiligen Schriften zu finden:

„Und er wird hingehen und Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art leiden. …

Und er wird [ihre] Schwächen auf sich nehmen, auf dass sein Inneres von Barmherzigkeit erfüllt sei …, damit er … wisse, wie er seinem Volk beistehen könne gemäß dessen Schwächen.“

Wie schon Elder David A. Bednar zum Ausdruck gebracht hat, gibt es keinen körperlichen Schmerz, keine Qual und keine Schwäche, die wir durchmachen, die der Erlöser nicht auch kennt: „In einem schwachen Moment mögen wir ausrufen: ‚Niemand versteht[, was ich durchmache].‘ Vielleicht gibt es tatsächlich keinen Menschen, der es versteht. Aber der Sohn Gottes weiß und versteht es nur zu gut.“ Und warum? Weil er „unsere Last gespürt und getragen [hat], lange bevor wir sie getragen haben.“

Ich schließe mit meinem Zeugnis von den Worten Christi in Matthäus 11:

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“

Wie diese Heiligen in Afrika weiß auch ich, dass diese Verheißung wahr ist! Sie ist dort wahr, und sie ist überall wahr. Dafür gebe ich Zeugnis im Namen Jesu Christi. Amen.