Lasst euch mit Gott versöhnen!
Die Versöhnung mit Gott durch das Sühnopfer Jesu Christi führt zu unerschütterlichem Glauben
Beim Schriftstudium stoße ich oft auf Wörter, die mir richtig auffallen, vor allem, weil sie aufgrund von Erfahrungen, die ich schon gemacht habe, eine besondere Bedeutung haben. Ich war von Beruf forensischer Buchhalter. Insofern fiel mir das englische Wort reconcile, was „abstimmen“, aber auch „versöhnen“ bedeutet, beim Schriftstudium ins Auge. Beruflich musste ich gemeldete Beträge mit Finanzberichten abstimmen und setzte dazu meine Kenntnisse in Buchhaltung, Buchprüfung und Untersuchung von Finanzdaten ein. Mit anderen Worten: Mein Ziel bestand darin, Finanzberichte mit den zugrunde liegenden Finanzunterlagen abzugleichen, um sicherzustellen, dass sie fehlerfrei und valide waren. Ich setzte alles daran, Unstimmigkeiten zu klären, und häufig verbrachte ich viel Zeit damit, selbst kleinste Unstimmigkeiten zu klären.
Der Apostel Paulus bat die Korinther eindringlich: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“ Sich mit Gott versöhnen zu lassen bedeutet, wieder mit ihm in Einklang zu sein, also eine Beziehung zu Gott wiederherzustellen, die aufgrund unserer Sünden oder Taten angespannt oder zerrüttet ist. Einfach ausgedrückt bedeutet die Versöhnung mit Gott, dass wir unseren Willen und unsere Taten mit Gottes Willen in Einklang bringen oder dass wir, wie Präsident Russell M. Nelson erklärt hat, Gott in unserem Leben siegen lassen.
Wie wir aus den heiligen Schriften erfahren, sind wir frei, für uns „selbst zu handeln – den Weg des immerwährenden Todes zu wählen oder den Weg des ewigen Lebens“. Wenn wir dies aber nicht gewissenhaft tun, kann die Freiheit, für uns selbst zu handeln, dazu führen, dass wir nicht mehr mit dem Willen Gottes in Einklang sind.
Der Prophet Jakob lehrte: Wenn wir feststellen, dass wir nicht mit Gott in Einklang oder Übereinstimmung sind, können wir dies nur dadurch korrigieren, dass wir uns mit Gott durch das Sühnopfer Christi versöhnen. Uns muss bewusst sein, dass Versöhnung an Gnade gebunden ist, das heißt, dass das gnadenreiche Sühnopfer Jesu Christi Versöhnung erst ermöglicht.
Denken Sie einmal an Ihr eigenes Leben und an eine Zeit, als Sie meinten, vom Vater im Himmel weit entfernt zu sein, weil Sie sich von ihm distanziert hatten. Vielleicht haben Sie beispielsweise weniger zu ihm gebetet oder seine Gebote nicht so gewissenhaft gehalten. Ebenso, wie wir uns entscheiden, uns von Gott zu distanzieren, müssen wir uns auch entscheiden, die ersten Schritte zur Versöhnung anzugehen. Der Herr hat unsere Verantwortung dabei betont, als er sagte: „Naht euch mir, und ich werde mich euch nahen; sucht mich eifrig, dann werdet ihr mich finden; bittet, und ihr werdet empfangen; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.“
Wie hilft uns der Erretter dabei, diese wichtige Beziehung wiederaufzurichten und zur Versöhnung zu gelangen? Ich persönlich mache großen Fortschritt dabei, mich mit Gott versöhnen zu lassen, wenn ich den Rat von Präsident Nelson befolge und jeden Tag umkehre. Der Grund dafür ist, dass Versöhnung die Wiederherstellung einer zerrütteten Beziehung – besonders zwischen Gott und dem Menschen – kennzeichnet, indem sie nämlich die Barriere der Sünde entfernt.
Eine ganz besonders schöne Versöhnungsgeschichte, über die wir in den heiligen Schriften lesen, ist die von Enos. Irgendetwas in seinem Leben war mit Gott nicht in Einklang. Er gab uns ein Beispiel dafür, wie man sich auf das Sühnopfer Jesu Christi stützt, um sich mit Gott zu versöhnen. Er brachte seinen Wunsch, umzukehren, seine Demut, seine Zielgerichtetheit und seine Entschlossenheit zum Ausdruck. Seine Versöhnung mit Gott wurde bestätigt, als eine Stimme an ihn erging, nämlich: „Enos, deine Sünden sind dir vergeben, und du wirst gesegnet sein.“ Enos spürte, wie sich Umkehr und Versöhnung auf ihn auswirkten, denn er erklärte: „Und ich, Enos, wusste, dass Gott nicht lügen kann; darum war meine Schuld weggefegt.“
Versöhnung befreit uns nicht nur von Schuldgefühlen, sondern schenkt uns auch inneren Frieden und Frieden mit anderen. Sie heilt Beziehungen, erweicht das Herz, stärkt uns als Jünger Christi und schenkt uns mehr Vertrauen vor Gott. Was mir große Hoffnung und großes Vertrauen schenkt, ist eine weitere Frucht der Versöhnung, die Enos wie folgt beschrieb: „Und nachdem ich, Enos, diese Worte gehört hatte, fing mein Glaube an den Herrn unerschütterlich zu werden an.“
In meiner Kindheit hatte mein Großvater mütterlicherseits einen großen Obstgarten mit Kirschbäumen. Ich durfte in dem Obstgarten arbeiten, vor allem im Sommer während der Kirschernte. Als ich noch sehr jung war, bestand meine Aufgabe lediglich darin, einen Eimer zu nehmen, den man mir reichte, und dann oben im Baum die Kirschen zu pflücken.
Das Vorgehen bei der Kirschernte änderte sich erheblich, als mein Großvater einen sogenannten Obstschüttler kaufte. Diese Maschine schiebt und drückt den Baumstamm, und beim Schütteln des Baumes fallen die Kirschen in Netze, die zum Auffangen gespannt werden. Ich bemerkte, dass fast alle Kirschen, sobald der Schüttler mit der Arbeit begann, innerhalb von Sekunden vom Baum herunterfielen. Außerdem fiel mir auf, dass es keine Rolle spielte, ob der Baum zehn Sekunden lang geschüttelt wurde oder eine ganze Minute lang – manche Kirschen fielen nicht ab. Sie ließen sich einfach nicht abschütteln.
Kirschen lassen sich grundsätzlich deshalb vom Baum abschütteln, weil Ethylen freigesetzt wird. Dieses Hormon führt dazu, dass die Zellschicht zwischen dem Stängel der Kirsche und dem Baum schwächer wird. Der Stängel einer reifen Kirsche löst sich wegen der geschwächten Verbindung dann leichter vom Baum.
Aus den Schriften erfahren wir, dass der „Baumstumpf Isais“ eine Metapher für den Messias, Jesus Christus, ist, über den prophezeit wurde, er werde von Isai, dem Vater König Davids, abstammen. So wie Ethylen die Verbindung eines reifen Kirschstängels zum Baum schwächt, können Ungehorsam, Zweifel und Ängste unsere Verbindung zum Baumstumpf Isais – zu Jesus Christus – schwächen, und dann lassen wir uns womöglich leicht erschüttern und werden von ihm getrennt. So treu wir auch sein mögen: Wir müssen uns davor hüten, dass unsere Verbindung zu Jesus Christus geschwächt wird.
Im Buch Lehre und Bündnisse werden selbst die Treuen gewarnt: „Aber es ist möglich, dass der Mensch aus der Gnade fallen und den lebendigen Gott verlassen kann.“ Der Herr fährt fort: „Ja, und selbst diejenigen, die geheiligt sind, sollen auch achtgeben.“ Damit wir nicht abfallen, rät uns der Herr: „Darum soll die Kirche achtgeben und immer beten, damit sie nicht in Versuchung fallen.“
Man könnte den Zustand, dass man sich leicht erschüttern lässt, mit dem gleichsetzen, dass man – wie es in den Schriften beschrieben wird – reif zur Vernichtung wird und Konsequenzen für bestimmte Taten unausweichlich sind. Man kann diese Formulierung auch allgemeiner verwenden und damit einen Zustand des Verfalls, der Verderbnis oder des Niedergangs andeuten, wodurch etwas zusammenbrechen oder zunichte gemacht werden könnte.
Wofür steht diese Reife? Bedeutet sie, dass wir einen Punkt erreichen können, an dem wir nicht mehr in der Lage sind, uns zu ändern? Nein, ich glaube, sie bedeutet, dass wir irgendwann einen Punkt erreichen können, an dem wir nicht bereit sind, uns zu ändern. Das Gegenmittel dafür, reif zur Vernichtung zu werden, besteht darin, das zu tun, was unsere Verbindung zu Jesus Christus stärkt. Wie bereits erwähnt, gelangte Enos durch Umkehr an den Punkt, an dem er unerschütterlichen Glauben hatte. In der Umkehr liegt Kraft – in regelmäßiger, sofortiger und häufiger Umkehr. Präsident Nelson hat es so formuliert: „Nichts ist befreiender, erhebender oder entscheidender für unseren persönlichen Fortschritt, als sich regelmäßig jeden Tag mit der Umkehr zu befassen.“
Außer Umkehr verkündete der Prophet Jakob auch: Wenn wir uns der Hand Gottes in unserem Leben bewusst sind, uns um Offenbarung bemühen und sie empfangen und auf Gott hören, wenn er spricht, hilft uns all dies, nicht erschüttert zu werden. Jakob erklärte außerdem: „Darum forschen wir in den Propheten, und wir haben viele Offenbarungen und den Geist der Prophezeiung, und da wir all diese Zeugnisse haben, erlangen wir Hoffnung, und unser Glaube wird unerschütterlich.“ Wenn wir auf die Worte und Aufforderungen der Propheten und Apostel hören und dementsprechend handeln, kann uns das mit Hoffnung, Vertrauen und Kraft erfüllen, wodurch unser Glaube dann unerschütterlich wird.
Ich habe gelernt, dass wir außer dem Wunsch, uns mit Gott versöhnen zu lassen, auch den Wunsch haben müssen, umzukehren. Wenn wir umkehren und die Segnungen des Sühnopfers Jesu Christi erleben, führt dies zu unerschütterlichem Glauben. Unerschütterlicher Glaube wiederum führt zu dem Wunsch, uns stets mit Gott versöhnen zu lassen. Dies ist ein Kreislauf, ein sich wiederholendes Muster.
Brüder und Schwestern, ich lege Ihnen ans Herz, sich durch das Sühnopfer Jesu Christi mit Gott versöhnen zu lassen. Ich bezeuge: Wenn wir Bündnisse eingehen und halten, wird unsere Verbindung zum Erretter stark, und wir werden dann nicht reif zur Vernichtung. Ich bezeuge, dass diese Versöhnung mit Gott durch das Sühnopfer Jesu Christi zu unerschütterlichem Glauben führt.
Ich weiß, dass der Vater im Himmel Sie und mich liebt und dass er seinen geliebten Sohn Jesus Christus als unseren Erretter, Erlöser und den großen Versöhner gesandt hat. Ich gebe Zeugnis für Jesus Christus und tue dies im Namen Jesu Christi. Amen.