Geh und handle genauso
Ich möchte besonders die Missionare hervorheben, die auf eine Service-Mission berufen wurden. Sie sind uns ein Vorbild.
Als der Erretter in Betsaida unterwegs war, brachten ein paar Leute einen Blinden zu ihm. Vielleicht hofften sie, ein Wunder miterleben zu dürfen. Der Erretter „nahm den Blinden bei der Hand [und] führte ihn vor das Dorf hinaus“, um ihn unbeobachtet zu heilen. Zunächst schien die Heilung nur geringe Wirkung zu zeigen. Der Mann „blickte auf und sagte: Ich sehe Menschen; denn ich sehe etwas, das wie Bäume aussieht und umhergeht.“ Von Mitleid bewegt, „legte [Jesus] ihm nochmals die Hände auf die Augen“. Infolge dieser weiteren Berührung durch die Hände des Erretters konnte der Blinde nun „ganz genau sehen“.
Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie sich das Leben des Erretters dadurch auszeichnete, dass er den Menschen demütig diente. Er erinnert uns daran, dass er „nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“, und lädt uns daraufhin ein, nach seinem Vorbild die zweite Meile zu gehen, dem zu geben, der uns bittet, und unseren Nächsten zu lieben. Als man ihn fragte: „Wer ist mein Nächster?“, erzählte Christus das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, gefolgt von dem Auftrag: „Geh und handle du genauso!“
Die Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind in der heutigen Zeit ein Beispiel für den barmherzigen Samariter, den Christus sich wünscht und der wir werden sollen. Ich möchte besonders die Missionare hervorheben, die auf eine Service-Mission berufen wurden. Sie sind uns ein Vorbild darin, wie das Dienen 1.) das Herz für das Evangelium Jesu Christi öffnet, 2.) uns allen gestattet, uns ungeachtet unserer Lebensumstände um andere zu kümmern, und 3.) die Macht Christi in unserem Leben zur Entfaltung bringt.
1. Das Dienen öffnet das Herz für das Evangelium Jesu Christi
Etwa 91 v. Chr. stellte sich Ammon, ein Missionar im Buch Mormon, dem König Lamoni mit den Worten vor: „Ich wünsche, eine Zeit lang unter diesem Volk zu leben, [und] ich will dein Diener sein.“ Wegen seiner Dienste für den König durfte Ammon unerschrocken reden und König Lamoni erzählen, mit was für einer Macht er seinen Dienst verrichtet hatte. Im Gegenzug versprach der König: „Was auch immer du wünschst, werde ich dir geben.“ Ammons einziges Anliegen war, dass der König sich die Botschaft vom Evangelium Jesu Christi anhören möge. Ammons Dienst gipfelte darin, dass Tausende Seelen zur Umkehr gebracht wurden.
In der heutigen Zeit bringt das Dienen immer noch Menschen zum Evangelium. Sister Bevan war Verkündungsmissionarin, als sich gesundheitliche Probleme bei ihr einstellten und sie zur Behandlung nach Hause zurückkehren musste. Statt entlassen zu werden, konnte sie ihren Dienst von zuhause aus als Service-Missionarin fortsetzen.
In einem Park fühlten sich Sister Bevan und eine Freundin vom Heiligen Geist dazu gedrängt, eine Frau mit vier kleinen Kindern anzusprechen. Sie zögerten jedoch, und die Familie fuhr davon. Tags darauf gingen sie wieder in den Park und beteten, dass die Familie dort sein möge. Wie durch ein Wunder saß die Mutter an genau derselben Stelle wie am Tag zuvor. Dieses Mal traten Sister Bevan und ihre Freundin an die Mutter heran, lernten sie ein wenig kennen und erfuhren, dass sie dringend zeitliche Hilfe brauchte. Sie halfen ihr und boten ihr dann an, mehr über das Evangelium zu erfahren.
Wegen dieser Hilfe und der Einladung wurden die Mutter und ihr ältestes Kind getauft. Das zweitälteste folgte ein Jahr später. Sie sind auch heute noch aktive Mitglieder der Kirche. Sister Bevan wusste, dass dieses Erlebnis auf göttlicher Eingebung beruhte. „Für [sie] war es der Beweis, dass [sie] genau dort war, wo Gott [sie] brauchte.“
Wenn wir anderen dienen, so wie Ammon und Sister Bevan, zeigen wir „ihnen gutes Beispiel“, und sie fragen sich nach dem Grund für „die Hoffnung, die [uns] erfüllt“.
Jesus fordert uns auf: „Geh und handle du genauso!“
2. Das Dienen gestattet uns allen, uns ungeachtet unserer Lebensumstände um andere zu kümmern
Präsident Russell M. Nelson hat „jeden würdigen jungen Mann, der dazu in der Lage ist, aufgerufen …, sich auf eine Mission vorzubereiten und sie zu erfüllen.“ Junge Schwestern, die dazu in der Lage sind, bat er: „Betet und fragt, ob der Herr möchte, dass ihr eine Mission erfüllt.“ Er verhieß: „Euer Entschluss, eine Mission zu erfüllen, sei es eine Verkündungs- oder eine Service-Mission, wird euch und vielen anderen ein Segen sein.“ Service-Missionare haben die Vorstellung davon geändert, was es bedeutet, zu etwas in der Lage zu sein. Heute kann jeder würdige junge Mann und jede würdige junge Frau, die für den Herrn eine Vollzeitmission erfüllen möchten, das auch tun – mit sehr wenigen Ausnahmen.
Elder Holgado ist ein Beispiel dafür, dass man ungeachtet der eigenen Lebensumstände dienen kann. Er wurde mit einer seltenen, genetisch bedingten Erkrankung geboren, die es ihm unmöglich machte, eine Verkündungsmission zu erfüllen. Elder Holgado wurde als Service-Missionar berufen und arbeitete ehrenamtlich im Vorratshaus des Bischofs, wo er mithalf, Menschen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie brauchten. Er bestückte Regale, tütete Gemüse ein und stampfte Pappkartons flach.
Als Elder Holgado nach seiner Mission in der Abendmahlsversammlung sprach, sagte er: „Gott braucht Service-Missionare. Er braucht Menschen, die andere lieben und ihnen dienen. Solche Menschen stapeln Toilettenpapier auf, tüten Brokkoli ein, bauen Möbel zusammen und sind gut zu den Menschen.“
Man braucht weder eine Missionsberufung noch ein Namensschild, um Gutes zu tun. Jeder Dienst, den man leistet, wird vom Herrn anerkannt. Wir alle können anderen helfen, zu Christus zu kommen, indem wir ihnen liebevoll und gütig dienen. Wir alle können im Namen Christi und durch die Macht des Heiligen Geistes dem Einzelnen dienen und so leben, dass wir ein Vorbild für den Glauben an Jesus Christus darstellen. Das Dienen gestattet es uns, uns als „lebendiges … und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen“.
Jesus fordert uns auf: „Geh und handle du genauso!“
3. Das Dienen bringt die Macht Christi in unserem Leben zur Entfaltung
Ein junger Missionar, der von einer Verkündungsmission in eine Service-Mission versetzt wurde, hatte einige persönliche Schwierigkeiten und brauchte daher die heilende Macht Christi. Hingebungsvolles Dienen brachte diese Macht in seinem Leben zur Entfaltung. Er sagte: „Immer wenn mir etwas zu schaffen machte, hatte ich das Gefühl, dass Christus mich emporhob. Es ist etwas Besonderes, zu sehen, wie er die Menschen segnet – durch eine Essensausgabe, im Tempel oder durch sein Evangelium.“
Dieser Älteste fing an, eine noch tiefere Freude zu empfinden, und seine wiederentdeckte Begeisterung war ein Segen für ihn und seine ganze Familie. Der Heilige Geist trat bei ihnen zuhause noch mehr in Erscheinung, sie gingen regelmäßiger gemeinsam in den Tempel, und Christus stand bei ihnen immer mehr im Mittelpunkt. Dieser Missionar ist überzeugt, dass Christus ihm durch Dienen das Leben gerettet hat und ein Segen für seine Familie war.
Präsident Nelson hat gesagt: „Unsere Bereitschaft, anderen zu dienen und sie zu stärken, zeigt, inwieweit wir bereit sind, [durch die erlösende Macht des Erretters] geheilt zu werden.“
Jesus fordert uns auf: „Geh und handle du genauso!“
Service-Missionare sind ein Vorbild als hingebungsvolle Jünger Jesu Christi
Wenn Sie oder ein Angehöriger die Berufung zum Service-Missionar erhalten, ist das ein Grund zum Feiern. Ihre Familie hat nun einen eingesetzten Stellvertreter des Herrn Jesus Christus unter ihrem Dach. Das verändert Sie alle zum Besseren. Enttäuschung ist hier fehl am Platz, ganz gleich, zu welchem Dienst man berufen wurde. Wir singen: „Ich gehe, wohin du mich heißt“ und „wie du willst, so will ich sein.“ Dies ist eine Gelegenheit, zu zeigen, dass wir es damit auch ernst meinen!
Ihnen allen, die so dienen, und besonders den über 4.000 jungen Service-Missionaren sage ich: Wir haben Sie lieb! Wenn Verkündungsmissionare der Mund des Herrn sind, dann sind Service-Missionare die Hände des Herrn; und Sie sind keine Missionare zweiter Klasse. Jeder von Ihnen ist für die Sammlung Israels unverzichtbar. Präsident Nelson hat gesagt: „Jedes Mal, wenn wir irgendetwas tun, was irgendjemandem … hilft, Bündnisse mit Gott zu schließen und zu halten, helfen wir mit, Israel zu sammeln.“
Sie, die Service-Missionare, sammeln Israel auf vielfältigste Art und Weise, und Ihr Dienen verändert das Leben der Menschen. Oftmals wissen Sie gar nicht, wem Ihre Dienste nützen, aber Gott weiß es. Denken Sie immer daran: Wenn Sie Ihren Mitmenschen dienen, auch den geringsten, dann dienen Sie Gott. Wir hören Ihre Stimme, wenn Sie in einem Callcenter der Kirche arbeiten, wir sehen Ihr Lächeln, wenn Sie in einer kommunalen Einrichtung mithelfen, und wir verspüren Ihr Licht, wenn Sie im Tempel Dienst tun. Sie speisen die Hungrigen, kleiden die Nackten und geben den Durstigen zu trinken.
Für uns alle gilt: Geh und handle genauso!
Das Dienen ist das Herzblut eines Jüngers Christi
Dem Dienen wohnt die Macht inne, ein Herz für das Evangelium zu öffnen, und es ermöglicht es uns, unsere ganze Seele Christus hinzugeben. Es verwandelt unser Herz, sodass wir mehr wie Christus werden. Dabei heben wir auch andere empor. Präsident Nelson fragte einmal: „Können [Einzelne] in einer Welt voll geistigen Verfalls … etwas bewirken?“ Seine Antwort: „Ja! … ‚Das Bundesvolk des Herrn, … mit der Macht Gottes in großer Herrlichkeit ausgerüstet‘, … kann das Leben der gesamten Menschheit emporheben.“ Durch das Dienen verwandeln wir Herzen – und die Welt.
Jesus zog umher und tat Gutes. Er kümmerte sich um die Kranken, gab den Blinden das Augenlicht und nahm sich der Bedrückten an. Er bereitete Mahlzeiten zu, half bei Hochzeiten aus und speiste Tausende Hungrige. Wenn wir im Namen Christi dem Einzelnen dienen, werden wir zunehmend heilig und der Gabe des ewigen Lebens würdig. Jesus Christus lebt. Er ist mein Erretter und Ihr Erretter. Er ist unser Erlöser. Er ist unser großes Vorbild dafür, wie man anderen dient. Ich fordere jeden von uns auf: Geh und handle genauso! Im Namen Jesu Christi. Amen.