2025
Damit alle erbaut sein mögen
November 2025


11:21

Damit alle erbaut sein mögen

Wenn wir Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen, seine Lehre darlegen und eifrig lernen, laden wir den Heiligen Geist ein, unseren Glauben an Jesus Christus zu vertiefen und uns zu helfen, mehr wie er zu werden

Es gibt eine Geschichte über einen jungen Studenten, der sich mit einem anspruchsvollen Kurs abplagte und deshalb einen Nachhilfelehrer engagierte. Gegen Ende des Kurses gab der Professor bekannt, dass die Studenten zur Abschlussprüfung ein Blatt Papier mitbringen dürften, auf dem alles stehen könne, was sie wollten. Einige Studenten bereiteten winzig geschriebene Notizen mit Informationen aus Vorlesungen und Lehrbüchern vor, die nur mit einer Lupe zu lesen waren. Der junge Mann aber erschien zur Abschlussprüfung mit einem leeren Blatt Papier und einem Fremden. Als der Professor ihn darauf ansprach, erwiderte der junge Mann: „Sie sagten, ich könne ein Blatt Papier mitbringen, auf dem alles stehen darf.“ Dann legte er den Zettel neben seinem Tisch auf den Boden und sagte: „Ich möchte, dass mein Nachhilfelehrer auf meinem Stück Papier steht.“

Der Heilige Geist

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die den Segen genießen, dass ein Mitglied der Gottheit sie begleitet, können wir die Hilfe des vollkommenen Lehrers in Anspruch nehmen. Der Heilige Geist weiß alles, bezeugt die Wahrheit und wird „[uns] an alles erinnern“. Präsident Russell M. Nelson hat wiederholt darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die Stimme des Herrn zu hören. Er hat uns erläutert, wie man sich der Führung durch den Heiligen Geist öffnet, und uns immer wieder eindringlich ermahnt, unsere geistige Fähigkeit, Offenbarung zu empfangen, auszubauen.

Heute bitte ich Sie, über die Funktion des Heiligen Geistes nachzudenken, vor allem in Bezug auf das Lernen und Lehren des Evangeliums zuhause und in der Kirche. Der Heilige Geist wird uns durch das Gebet des Glaubens gegeben, sofern wir bestrebt sind, dieser kostbaren Gabe würdig zu sein. In dem inspirierten Leitfaden der Kirche Auf die Weise des Erretters lehren werden weitere Grundsätze umrissen, die der Herr festgelegt hat und die dem Einfluss des Heiligen Geistes förderlich sind.

Zu eifrigem Lernen anregen

Einer dieser Grundsätze lautet: „Zu eifrigem Lernen anregen“. In der Vergangenheit mag man das Lehren als eine Gelegenheit für Eltern oder Lehrer angesehen haben, den Heiligen Geist in die eigene Vorbereitung einzubeziehen und dann das Gelernte an Kinder oder Schüler weiterzugeben, deren Aufgabe es war, zuzuhören. Noch zielführender ist es jedoch, wenn wir als Lernende ebenfalls vorbereitet sind und wenn die Lehrer Lernerfahrungen schaffen, die der unmittelbaren persönlichen Offenbarung an Herz und Verstand förderlich sind. Erhalten wir dann die Gelegenheit, davon zu erzählen, was wir durch unser Studium und durch den Heiligen Geist dazulernen, helfen wir einander, unterwiesen und erbaut zu werden. Wenn wir Evangeliumsgrundsätze in die Tat umsetzen, legt der Heilige Geist erneut Zeugnis für deren Wahrheit ab.

Möglichkeiten des Austauschs

Wie in allem ist Jesus Christus auch in dieser Hinsicht das vollkommene Vorbild. Er hat jeden von uns aufgefordert, eifrig zu lernen und Verantwortung für unser eigenes Zeugnis zu übernehmen. Er rief seine Jünger dazu auf, sich auf das Lernen vorzubereiten, das Gelernte weiterzugeben und im Glauben zu handeln. Er betete für sie, sah ihr göttliches Potenzial, hörte ihnen zu und ließ sie wissen, dass sie geliebt und gebraucht wurden.

Als Lehrer können wir vermehrt auf den Fortschritt der Lernenden achten, vermehrt auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihnen vermehrt helfen, sich die geistigen Gewohnheiten eines beständigen Nachfolgers Christi anzueignen. Wenn wir als Lernende im Lernprozess unsere Entscheidungsfreiheit ausüben, signalisieren wir dem Heiligen Geist unsere Bereitschaft, von ihm unterwiesen zu werden.

Ich bin dankbar für eine Lehrerin, die mich dazu angehalten hat, mich als Lernender zu verbessern. Als ich mein Studium aufnahm, hielt ich den Unterricht fälschlicherweise für etwas, was man ertragen müsse, um Sport treiben zu dürfen. Eines Tages sagte mir meine Professorin, nachdem sie einen Aufsatz von mir gelesen hatte, sie halte mich für einen begabten Analytiker. Ich wusste nicht einmal, was das bedeutete. Sie war der Meinung, dass ich mit mehr Einsatz und Konzentration ein guter Student sein könne. Das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ihr Interesse, ihr Zuspruch und ihre Ermunterungen änderten den Verlauf meiner weiteren Ausbildung und erwiesen sich als äußerst segensreich.

Die Lehre darlegen

Ein weiterer Grundsatz, der von Bedeutung ist, um den Heiligen Geist einzuladen, ist das Darlegen wahrer Lehre. Das bedeutet, dass unser Evangeliumsstudium und unser Unterricht im Wort Gottes verankert sind und dass wir nichts aufbauschen oder über etwas spekulieren, was der Herr nicht offenbart hat. Stattdessen richten wir das Augenmerk auf wesentliche und ewige Evangeliumsgrundsätze, was es dem Heiligen Geist ermöglicht, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Auch hier folgen wir dem Beispiel des Erretters. Er hat gesagt: „Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.“

Wahre Lehre ist in den heiligen Schriften und den Worten der neuzeitlichen Propheten zu finden. Der Aufruf des Herrn, die Schriften allein und als Familie zu studieren und jede Woche in die Kirche zu gehen, um sich mit seinem Evangelium zu befassen, bietet einen hervorragenden Rahmen, um seine Lehre zu verinnerlichen und seine Stimme zu hören. Wir forschen in den Schriften, um zu verstehen, was uns dort erzählt wird, welche Grundsätze daraus hervorgehen und wie wir diese Wahrheiten in unserem Leben umsetzen können. Welch ein Segen ist es doch, dass uns die Schriften auf Knopfdruck immer bereitstehen! Stellen Sie sich vor, Adam und Eva, Abinadi oder sogar der größte aller Lehrer, Jesus Christus, würden uns zuhause oder in unseren Klassen besuchen, um uns zu unterweisen. Dies kann geschehen, wenn wir uns am Wort Gottes weiden. Mit Beharrlichkeit und Eifer können wir die heiligen Schriften verstehen und schätzen lernen und darauf vertrauen, dass sie die Antworten auf Fragen enthalten, die die Seele bewegen.

Bevor wir geheiratet haben, gab es eine Zeit, in der meine Frau Kristi Schwierigkeiten hatte, die Liebe des himmlischen Vaters zu spüren und seinen Plan für sie zu verstehen. Als sie um Führung betete, hatte sie die Eingebung, sie solle das Institut besuchen. Daraufhin schrieb sie sich für einen Kurs über das Neue Testament ein. Die Art und Weise, wie ihr Institutslehrer aus den heiligen Schriften lehrte, ja, schon wie er diese in der Hand hielt, zeigte klar, wie sehr er das Wort Gottes liebte. Während sie zuhörte, flüsterte ihr der Heilige Geist zu, dass es in den Schriften etwas gebe, was sie brauchte. Die Liebe ihres Lehrers zu den Schriften und die Eingebungen des Heiligen Geistes weckten in ihr den Wunsch, sich ernsthaft mit dem Wort Gottes zu beschäftigen – was sie auf ihren Lebensweg hin zu tiefer Bekehrung und zu hingebungsvollem Dienen brachte.

Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen

Zu guter Letzt sollte, wie in der Anleitung Auf die Weise des Erretters lehren dargelegt, bei unserem Lehren und Lernen stets Jesus Christus im Mittelpunkt stehen. Wir können öfter und ehrfürchtiger über ihn sprechen und mehr Gelegenheiten suchen, unser Zeugnis von ihm, unsere Dankbarkeit für ihn und unsere Liebe zu ihm zum Ausdruck zu bringen. Unabhängig von den äußeren Gegebenheiten können wir seinen Geist immer mit uns haben, wenn wir an ihn denken.

Eine Möglichkeit, Jesus Christus in den Mittelpunkt unseres Unterrichts zu stellen, besteht darin, zu betonen, dass er das vollkommene Beispiel für alle Evangeliumsgrundsätze ist, sie verkörpert und zum Ausdruck bringt. Selbst wenn es in einer Begebenheit in den heiligen Schriften nicht direkt um ihn geht, können wir auf ihn als Vorbild für den darin vermittelten Grundsatz verweisen. Beispielsweise könnten wir einfach fragen: „Fällt Ihnen eine Situation ein, in der Jesus Christus diesen Grundsatz vorgelebt hat?“

Wir können ihn auch in den Mittelpunkt stellen, indem wir uns mit seinen Titeln, Aufgaben und Eigenschaften beschäftigen und nicht nur erfahren wollen, was er getan hat, sondern auch besser verstehen wollen, wer er ist. Wenn wir uns beispielsweise mit dem Grundsatz Umkehr befassen, ist es wichtig zu verstehen, wie man umkehrt. Wir müssen uns aber auch vor Augen halten, wodurch Jesus Christus uns Umkehr ermöglicht hat, und uns klarmachen, was uns Umkehr über ihn, über sein wahres Wesen und seine Eigenschaften lehrt. Was sagt die Möglichkeit, dass wir umkehren können, über seine Liebe, Geduld und Barmherzigkeit aus, über seinen Glauben an unser göttliches Potenzial, seine Bereitschaft, für unsere Sünden zu sühnen, und die Freude, die ihm das Vergeben bereitet? Wenn wir zudem ein Verständnis seiner Titel erlangen – wie Lamm Gottes, Erlöser und Arzt –, erkennen wir, dass er uns mit seiner Aufforderung zur Umkehr anbietet, uns zu reinigen, zu verändern und zu heilen. Legen wir den Schwerpunkt darauf, was er für uns getan hat und was dies über ihn aussagt, kann uns das helfen, „Glauben zur Umkehr“ zu erlangen.

Manchmal erkennen wir die Eigenschaften des Erretters, die in einer Schriftstelle umrissen werden, nicht unbedingt auf den ersten Blick. Wenn wir etwa lesen, wie Nephi ein Schiff baut, beschäftigen wir uns vielleicht lediglich mit Nephi. Wenn wir aber den Erretter in den Mittelpunkt stellen, können wir erkennen, dass dieser Bericht nicht bewahrt wurde, um uns die Größe Nephis vor Augen zu führen, sondern um uns die Größe Gottes bewusstzumachen – dass er uns die Kraft gibt, seine Gebote zu halten, und uns in Zeiten der Not befreit.

Wir können auch die entscheidende Rolle Jesu Christi in Gottes vollkommenem Plan des Glücklichseins ins Auge fassen. Unser Leben kann sich grundlegend ändern, wenn wir unsere Lebensumstände aus der Sicht von Gottes ewigem Plan betrachten statt aus der Sicht unserer gegenwärtigen Lebensumstände. Das Evangelium ist keine Liste von Anforderungen, sondern die frohe Botschaft, dass Jesus Christus Sünde und Tod überwunden hat. Indem wir unsere Bündnisse mit Gott halten und so Zugang zu seiner wunderbaren Gnade erlangen, können wir jetzt ein glückliches Leben führen und uns auf das Leben mit unserem Vater im Himmel in der Ewigkeit vorbereiten. Während wir lernen, den himmlischen Vater und den Erretter in den heiligen Schriften zu erkennen, lernen wir sie besser kennen und erkennen ihre Liebe und ihren Einfluss häufiger und stärker in unserem eigenen Leben.

Ich werde nie vergessen, wie stark ich als Jugendlicher den Geist verspürte, als unser Lehrer über die letzten Tage im Leben des Erretters sprach. Er half uns, die Bedeutung der Ereignisse im Obergemach, in Getsemani, auf Golgota und am leeren Grab zu erkennen. Er brachte seine tiefe Dankbarkeit für den Erretter und seinen brennenden Wunsch, ihm nachzufolgen, zum Ausdruck. Sein Unterricht war eine Einladung an den Heiligen Geist, Zeugnis für Jesus Christus abzulegen. Und der Geist, den ich in dieser Klasse verspürte, ließ meinen Glauben stärker werden und meine Liebe zum Erretter und die Wertschätzung für ihn wachsen. Der Einfluss dieses Lehrers begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Wie über einen anderen Lehrer gesagt wurde: „Wir konnten unsere Hände am Feuer seines Glaubens wärmen.“

Zum Abschluss

Wenn wir zuhause und in den kirchlichen Versammlungen Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen, seine Lehre darlegen und eifrig lernen, laden wir den Heiligen Geist ein, unseren Glauben an Jesus Christus zu vertiefen und uns zu helfen, mehr wie er zu werden, was das Ziel hinter allem Lehren und Lernen im Evangelium ist.

Schaubild zum Thema Unterrichten

Ich bin dankbar für die Lehrer in meinem Leben, von meinen guten Eltern und örtlichen Führern und Lehrern bis hin zu den Männern und Frauen, die berufen wurden, von diesem Podium aus zu lehren und Zeugnis abzulegen, und die uns helfen, Jesus Christus kennenzulernen und ihm nachzufolgen. Und ich bin dankbar für den Heiligen Geist – den vollkommenen Lehrer. Durch ihn nämlich, den Heiligen Geist, weiß ich, dass der Vater im Himmel uns liebt und einen vollkommenen Plan für uns hat, dass Jesus der Messias, der Erretter und Erlöser der Welt ist und dass sein Evangelium und seine Kirche wiederhergestellt worden sind. All dies bezeuge ich dankbar im Namen Jesu Christi. Amen.