2025
Die Proklamation zur Familie – Worte von Gott
November 2025


13:58

Die Proklamation zur Familie – Worte von Gott

Die Proklamation ist göttlichen Ursprungs; wir müssen sie daher mit der Ehrfurcht behandeln, die dem Gotteswort zukommt

Bei dieser Generalkonferenz im Herbst 2025 jährt sich zum 30. Mal die Veröffentlichung der Proklamation zur Familie. Diese Proklamation an die Welt mit ihren aufschlussreichen Worten ist von Gott vorgesehen zu dem Zweck, „die Familie als Grundeinheit der Gesellschaft zu bewahren und zu stärken“.

Jeder gehört zu einer Familie – als Mutter, Vater, Tochter, Sohn, Enkelkind, Großvater, Großmutter, Tante, Onkel, Bruder, Schwester, Cousin oder Cousine. Am allerwichtigsten ist jedoch: Jeder Mensch ist, wie es in der Proklamation heißt, „ein geliebter Geistsohn oder eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern“ mit göttlichem Wesen und göttlicher Bestimmung.

Als ich 2015 ins heilige Apostelamt berufen wurde, wurde ich angewiesen: „Diese Proklamation ist nun dir anvertraut. Dein Name [mit dem Zeigefinger auf die Worte ‚Rat der Zwölf Apostel‘ im Titel deutend] steht hier. Erfasse das und verficht sie, als wäre sie dein Eigen.“

Mir bedeutet die Proklamation zur Familie sehr viel. Von Afrika bis Australien und auch sonst überall in der Welt lege ich für die Rolle der Familie in Gottes ewigem Plan Zeugnis ab. Die Proklamation ist göttlichen Ursprungs. Wir müssen sie daher mit der Ehrfurcht behandeln, die dem Gotteswort zukommt.

Denken Sie daran, Brüder und Schwestern, dass ich bei einer früheren Generalkonferenz genau an diesem Rednerpult gesagt habe: „Worte sind wichtig.“

Ich möchte gern etwas über die Vorgeschichte der Proklamation – dieser Kernbotschaft unseres Glaubens – sagen.

1994, also ein Jahr vor der Veröffentlichung der Proklamation, machte sich das Kollegium der Zwölf Apostel darüber Gedanken, inwiefern sich Gesellschaft und Staat von Gottes Gesetzen in Bezug auf Familie, Ehe und Geschlecht entfernen. „Aber das war nicht das Ende dessen, was wir sahen“, erläuterte Präsident Russell M. Nelson später. „Wir sahen die Bemühungen verschiedener Gruppierungen, sämtliche Maßstäbe und Einschränkungen im Hinblick auf sexuelle Betätigung abzuschaffen. Wir sahen die Verwirrung der Geschlechter. Wir konnten es alles kommen sehen.“

Die Zwölf beschlossen, eine offizielle Proklamation herauszugeben, in der die Haltung der Kirche zur Familie zum Ausdruck kommt. Im Verlauf dieses einen Jahres verfassten die Apostel als von Gott berufene Seher eine Erklärung zur Familie. Präsident Dallin H. Oaks erinnerte sich daran, wie sie gebeterfüllt zum Herrn flehten, „was [sie] sagen und wie [sie] es sagen sollten“. Sie legten ihren Entwurf der Ersten Präsidentschaft vor: Präsident Howard W. Hunter, Präsident Gordon B. Hinckley und Präsident Thomas S. Monson.

Nur wenige Monate später verstarb Präsident Hunter im März 1995 und Präsident Hinckley wurde der 15. Präsident der Kirche. Die Proklamation fiel nunmehr in seinen Verantwortungsbereich. Wann wäre denn der passende Zeitpunkt, um der Kirche diese Erklärung zu verlesen? Sechs Monate später war es so weit.

Einige Tage vor der Allgemeinen Versammlung der Frauenhilfsvereinigung, die am 23. September der Generalkonferenz vorausging, trafen sich Präsident Hinckley und seine Ratgeber mit der Präsidentschaft der Frauenhilfsvereinigung der Kirche. So wie die Apostel hatten sich auch die Schwestern zum Thema Frauen und Familie Gedanken gemacht. Der Schwerpunkt der Versammlung lag auf dem Thema Familie.

Präsident Hinckley sollte dort zu den Frauen sprechen. Er hatte sich über die Ausrichtung seiner Worte Gedanken gemacht. Im Laufe der Besprechung erwähnte er namentlich die neu verfasste, aber noch nicht veröffentlichte Proklamation zur Familie. War die Schwesternversammlung der richtige Rahmen, um die so richtungsweisende Erklärung zur Familie abzugeben?

Elaine Jack, zu jener Zeit Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung der Kirche, schrieb später: „Wir wussten damals noch nicht, was die Proklamation zur Familie war. … Wir konnten wohl einiges aus dem Titel herauslesen – jedenfalls spürten wir, dass jede Äußerung zur Familie … eine gute Sache wäre. … Ich war froh, dass wir Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel hatten, die Offenbarung empfingen.“

Die Versammlung der Frauenhilfsvereinigung am Samstag war geschichtsträchtig. Präsident Hinckley leitete die Proklamation zur Familie mit diesen wegweisenden Worten ein: „Wir wissen, dass wir warnen und ermahnen müssen, weil es heute … so viele falsche Lehren gibt, die als Wahrheit dargestellt werden, so viele falsche Ansichten in Bezug auf Maßstäbe und Wertvorstellungen und so viele Verlockungen, sich nach und nach von der Welt beflecken zu lassen. Daher verkünden wir … die für das Familienleben notwendigen Maßstäbe, Lehren und Gewohnheiten …, die die Propheten, Seher und Offenbarer dieser Kirche in der Vergangenheit immer wieder betont haben.“

Danach verlas er die Proklamation in ihrer ganzen Länge. Denn der Herr hat ja gesagt: „Sei es durch meine eigene Stimme oder durch die Stimme meiner Diener, das ist dasselbe.“

In der Proklamation steht, dass die Familie „von Gott eingerichtet“ ist. Ich mag diese deutlichen Worte! Die Proklamation ist ein Aufruf an uns, zwar sehr wohl auf der Erde zu leben, uns jedoch immer der göttlichen Natur in uns und der ewigen Zukunft, die vor uns liegt, bewusst zu sein. Präsident Nelson hat erklärt: „Jeder von euch ist im wahrsten Sinn des Wortes ein Geistkind Gottes. … Lasst euch nicht beirren. Euer Potenzial ist von göttlicher Natur. Und wenn ihr eifrig danach strebt, gewährt euch Gott Einblicke [darein], wer ihr werden könnt.“

Als die Proklamation verlesen wurde, entsprach sie kaum den gängigen Ansichten in der Welt. Damals nicht. Und heute auch nicht. So manche nehmen Anstoß an dieser Erklärung zu Familie, Ehe und Geschlecht. Einige äußern die Ansicht, die Kirche solle die Proklamation zurücknehmen, überarbeiten oder überhaupt ganz beiseitelegen.

Die Proklamation zur Familie ist aber, wie Präsident Hinckley damals festgestellt hat, Lehre der Kirche, liebe Brüder und Schwestern. Die Grundsätze schweifen nicht von den Wegen des Herrn und seinem Weg der Bündnisse ab, sondern stehen damit vollkommen in Einklang. Die Lehren in der Proklamation wurden seinen Aposteln – damaligen wie heutigen – vom Herrn Jesus Christus offenbart. Dies ist seine Kirche. Er hat die Wahrheiten festgelegt, nach denen wir leben.

Einige von Ihnen denken sich vielleicht in Hinblick auf die Proklamation: „Nichts für mich.“ „Das ist doch taktlos.“ „Meine Familie ist ganz anders.“ „Ich falle nicht in dieses Schema.“

Falls Sie derlei Bedenken hegen, seien Sie sich bewusst, dass Sie das Kind himmlischer Eltern sind – Teil der Familie Ihres Vaters im Himmel. Niemand kennt Sie besser als er, niemandem liegen Sie mehr am Herzen als ihm. Wenden Sie sich ihm zu, schütten Sie ihm das Herz aus, vertrauen Sie ihm und seinen Verheißungen. Im Erretter Jesus Christus, der Sie liebhat, haben Sie einen Bruder. Er kam auf die Erde, um für unsere Sünden zu sühnen und die Last unserer Fehler und all unserer schlimmen Zeiten zu tragen. Er versteht, womit Sie ringen und wie Ihnen zumute ist. Wenden Sie sich ihm zu und vertrauen Sie darauf, dass er den Heiligen Geist zu Ihnen sendet, damit er Sie begleite, aufrichte und leite. Spüren Sie deren Liebe, „die sich überall den Menschenkindern ins Herz ergießt; [sie ist] das Begehrenswerteste von allem … und die größte Freude für die Seele“.

Alle Apostel des Herrn haben Sie sehr lieb. Wir beten für Sie und streben um Ihretwillen nach Führung durch den Herrn. Bleiben Sie bei uns! Sie leben in schwierigen Zeiten, in denen der Widersacher versucht, Sie zu seinem Eigentum zu machen. Lassen Sie sich nicht hinwegziehen. Und falls das bereits geschehen ist: Kommen Sie zurück! Unsere Arme sind Ihnen entgegengestreckt, ebenso die Arme derer, denen Sie am Herzen liegen.

In der Proklamation heißt es: „Eltern haben die heilige Pflicht, ihre Kinder in Liebe und Rechtschaffenheit zu erziehen.“ Für diese Wahrheit steht das Buch Mormon als weiterer Zeuge da. Schon im ersten Vers des ersten Kapitels steht: „Ich, Nephi, stamme von guten Eltern.“ Wie viele von uns haben begonnen, das Buch Mormon zu lesen – immer wieder begonnen und sich dabei diese Worte eingeprägt? Lernen Sie sie auswendig.

Eine meiner Lieblingsstellen in der Proklamation lautet: „Ein glückliches Familienleben kann am ehesten erreicht werden, wenn die Lehren [Jesu Christi] seine Grundlage sind.“

Wer möchte denn nicht glücklich sein?

Und worin bestehen die Lehren Jesu Christi? Dazu heißt es in der Proklamation: „Glaube, Gebet, Umkehr, Vergebungsbereitschaft, gegenseitige Achtung, Liebe, Mitgefühl, Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung.“

Wessen Leben wird nicht besser, wenn er diese entscheidenden Grundsätze anwendet? Keiner von uns schafft das perfekt, doch wir können Präsident Hinckleys weisen Rat beherzigen: „Tun Sie Ihr Bestes.“

In der Proklamation steht weiter, „dass der Vater in Liebe und Rechtschaffenheit“ präsidieren soll und die Mutter „in erster Linie für das Umsorgen und die Erziehung der Kinder zuständig“ ist. Präsidieren bedeutet nicht herrschen, und umsorgen heißt nicht, eine untergeordnete Rolle einnehmen. Gott hat Mann und Frau unterschiedliche, jedoch gleichwertige und bedeutsame Aufgaben übertragen, die einander ergänzen.

Ich möchte ein persönliches Beispiel erwähnen.

Meine Frau und ich haben gelernt, besser als gleichwertige Partner zusammenzuarbeiten, nachdem ich eines Tages eine wichtige Entscheidung getroffen hatte, ohne erst ihre Meinung einzuholen. Dieses Vorpreschen meinerseits war unerwartet, brachte sie aus der Fassung und bescherte ihr große Schwierigkeiten. Danach legte sie mir die Hand auf die Schulter und sagte nachdrücklich: „Ron, tu mir so etwas bitte nie wieder an.“ Seither sind wir eher auf der gleichen Wellenlänge.

In der Proklamation zur Familie steht weiter: „Vater und Mutter müssen einander … als gleichwertige Partner zur Seite stehen.“

Das Wort gleichwertig ist wichtig. Im Laufe der Jahre haben meine Frau und ich „in diesen heiligen Aufgaben“, wie es in der Proklamation heißt, zusammengearbeitet und eine Ehe geschaffen, in der wir Seite an Seite partnerschaftlich miteinander verbunden sind. Alle unsere Kinder sind mittlerweile verheiratet, und meine Frau und ich geben ihnen und ihren Ehepartnern nach wie vor Anregungen, wie man eine gleichwertige Partnerschaft pflegt.

Wenn wir so leben, dass das Auge nur auf die Herrlichkeit Gottes gerichtet ist, achten und unterstützen wir einander. Diese göttlichen Muster der Rechtschaffenheit verleihen dem eigenen Leben, der Familie und der Gesellschaft Bestand.

Der Vater im Himmel hat uns die Proklamation zur Familie gegeben, damit sie dazu beiträgt, uns den Weg nach Hause zu ihm zu weisen und zu lernen und von Liebe, Kraft, Zielbewusstsein und ewigem Verständnis erfüllt zu sein. Ich bitte Sie inständig: Leben Sie so, dass Sie ihm und seinem geliebten Sohn nahe sind. Dann nämlich, das verheiße ich Ihnen, wird der Geist Sie inspirieren und leiten und Ihnen helfen, den verheißenen Frieden im Herzen zu verspüren, „der alles Verstehen übersteigt“. Im Namen Jesu Christi. Amen.