2025
Demutsvoll am Altar knien
November 2025


11:24

Demutsvoll am Altar knien

Wenn wir Bündnisse schließen und in Ehren halten, binden wir uns an den Erretter und erhalten vermehrt Zugang zu seiner Barmherzigkeit, seinem Schutz, seiner Heiligung, seiner Heilung und seiner Ruhe

Vielen Dank, lieber Chor, für euer Zeugnis durch dieses neue Lied.

Das neue Abendmahlslied „Lebensbrot, Quell des Lebens“ nährt meine Seele. In einer der Strophen heißt es: „Wenn vom Abendmahl ich nehme, bringe ich mein Herz ihm dar.“

Dieser Text erschloss sich mir noch mehr, nachdem unsere Familie 2015 von Newbury Park in Kalifornien nach Utah umgezogen war, wo wir in der Utah-Mission Ogden tätig sein sollten. Ich wurde zu einer Besichtigung der Hill Air Force Base, einem Luftwaffenstützpunkt bei Layton in Utah, eingeladen. Weder war ich je auf einem Militärstützpunkt gewesen noch war ich je einem Militärgeistlichen begegnet oder den Soldaten und Soldatinnen, die sich an einem solchen Ort für den Schutz und die Sicherheit ihrer Heimat engagieren.

Kaplan Harp – einer von Tausenden, die ehrenamtlich oder hauptberuflich in Gefängnissen, Krankenhäusern oder Militäreinrichtungen in aller Welt ihren Dienst versehen – hat mich inspiriert und erbaut. Am Ende unseres Rundgangs machten wir in der Militärkapelle Halt. Ich erkundigte mich bei dem Geistlichen, ob er dort Gottesdienste für alle abhalte, die nachdenken, beten, in sich gehen und Gott verehren wollen. Er ging zur Stirnwand der Kapelle und zog hinter einem Vorhang ein Kreuz hervor. Er erklärte, er verwende das Kreuz in protestantischen und katholischen Gottesdiensten. Ich fragte, was er denn bei unseren jüdischen Brüdern und Schwestern verwende, und er holte von der anderen Seite der Stirnwand einen Davidstern hervor.

Dann fragte ich: „Und was nehmen Sie für den Gottesdienst der Heiligen der Letzten Tage?“ Er verstaute die anderen Symbole wieder und deutete auf den großen, hölzernen Altar in der Mitte der Kapelle. Am Altar, erläuterte er, bereiten die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Brot und Wasser vor und segnen es. Ich fragte, ob der große, offenbar fest montierte Altar vor einem Gottesdienst für unsere jüdischen, muslimischen, katholischen oder protestantischen Brüder und Schwestern entfernt werde. Er erwiderte, der Altar bleibe immer an seinem Platz, da ihn auch andere Glaubensgemeinschaften nutzten.

Abraham errichtete einen Altar, band Isaak und schickte sich an, seinen einzigen Sohn zu opfern, doch seine Hand wurde zurückgehalten, und er rief aus, wie es auch der Herr getan hatte: „Hier bin ich.“ Wie oft hat sich der große „Ich bin“ oder einer seiner Propheten nicht schon mit den Worten „Hier bin ich“ dienstbereit gezeigt?

In der Bergpredigt hat uns der Erretter aufgefordert, uns mit unseren Brüdern und Schwestern zu versöhnen, ehe wir an den Altar treten. Paulus hat verkündet, dass wir am Altar durch das Sühnopfer Jesu Christi „geheiligt“ werden.

Der Prophet Lehi „ließ sein Haus zurück … und seine Kostbarkeiten[. Dann baute er] einen Altar … und brachte dem Herrn ein Opfer dar und dankte dem Herrn.“

In der Bibel und dem Buch Mormon erfahren wir, dass wir den Sohn Gottes an einem Altar verehren sollen. Warum?

Unsere ersten Eltern, Adam und Eva, errichteten zur Gottesverehrung einen Altar. Nachdem sie aus dem Garten von Eden ausgestoßen worden waren und bereits „viele Tage“ lang Gott verehrt hatten, erschien ihnen ein Engel und stellte eine bewegende Frage, die auch jedem von uns gestellt werden könnte: „Warum bringst du dem Herrn Opfer dar?“

Adam antwortete: „Ich weiß nicht.“

Die Entgegnung des Engels auf Adams demütiges Eingeständnis ist erstaunlich: „Dies ist ein Sinnbild für das Opfer des Einziggezeugten des Vaters. … Darum sollst du alles, was du tust, im Namen des Sohnes tun, und du sollst umkehren und Gott im Namen des Sohnes anrufen immerdar.“

Der Abendmahlstisch und die Altäre im Tempel stehen für das Opfer Jesu Christi, sein unbegrenztes Sühnopfer.

Wenn wir Bündnisse schließen und in Ehren halten, wenn wir in der Kirche das Abendmahl und im Tempel das Endowment und die Siegelung empfangen – heilige Handlungen –, binden wir uns an den Erretter und erhalten vermehrt Zugang zu seiner Barmherzigkeit, seinem Schutz, seiner Heiligung, seiner Heilung und seiner Ruhe.

Barmherzigkeit und Schutz durch Bündnisse

Als 15-Jähriger bat ich meinen Vater, die Abendmahlsversammlung auslassen zu dürfen – nur an einem einzigen Sonntag im Januar, und zwar um ein bestimmtes Footballspiel zu verfolgen. Mein Vater entgegnete, ich sei alt genug, diese Entscheidung selbst zu treffen, bat mich jedoch, diesen einen Rat zu bedenken: „Entscheidest du dich dafür, das Abendmahl einmal zu verpassen, wird es viel leichter, sich erneut dafür zu entscheiden, es zu verpassen.“

Der Erretter ist Meister darin, Verbindungen herzustellen, wohingegen der Widersacher uns von allem loslösen will. Der Satan will uns dazu verleiten, uns von unseren geweihten Stätten der Gottesverehrung zu lösen und ebenso von dem Schutz, den Jesus Christus bietet. Wenn wir den Erretter verehren, erhalten wir „die Kraft, gegen die natürliche Strömung der Welt anzugehen“. Wenn wir Zeit dafür aufbringen, die Gemeinschaft mit ihm zu pflegen, haben wir die Verheißung, dass wir vom Satan befreit werden. „Wenn wir dann unsere Bündnisse halten, stattet [der Herr] uns mit seiner … stärkenden Macht aus.“ Oh, wie sehr ich die Gemeinschaft mit dem Erretter durch Bündnisse, die an einem heiligen Altar geschlossen werden, doch schätze!

Das ewige Sühnopfer des Erretters Zeile um Zeile, Weisung um Weisung immer besser zu verstehen, dient als geistige Impfung gegen die Tücke des Widersachers. Der junge Elder Jaggi in Mexiko, Zuster Jaggi in Belgien und die anderen Missionare in aller Welt erleben mit viel höherer Wahrscheinlichkeit, dass Freunde der Kirche die Segnungen ergreifen, die aus der Taufe und dem Empfang der Gabe des Heiligen Geistes erwachsen, wenn diese Freunde schon in der Woche der ersten Kontaktaufnahme die Abendmahlsversammlung besuchen.

Ein junger Erwachsener in Tonga oder Samoa lässt sich mit höherer Wahrscheinlichkeit im Haus des Herrn siegeln, wenn er sich schon bald nach dem Schulabschluss auf das Endowment vorbereitet und es empfängt. Beim Endowment wird das jeweilige Mitglied aufgefordert, fünf Gesetze zu leben, zu beachten und zu befolgen, die sein Leben mit Macht und Schutz anfüllen. Durch unsere Bündnisse mit dem Herrn entsteht eine wechselseitige Beziehung. Wir zeigen ihm unsere Treue und Liebe. Unsere Kraft und Macht nimmt mit jedem Versprechen, das wir geben und halten, zu.

Nachdenken und Heiligung

Demütig und sinnbildlich vor dem Altar des Herrn zu knien, bietet uns die Gelegenheit, nachzudenken, „in Bezug auf [unseren] Herzensstolz“ innezuhalten und uns „vor Gott zu demütigen“. Wenn ich als Jugendlicher mit Freunden etwas unternehmen wollte, sagte meine Mutter oft: „Denk daran, wer du bist, und sag bitte Bescheid, wenn du wieder zuhause bist.“ Manches Mal kam ich zu spät heim, als dass ich noch hätte Bescheid sagen können. Ich bedaure, dass ich mir diese Gespräche mit meiner Mutter habe entgehen lassen.

Heute freue ich mich darauf, mit dem Vater im Himmel in Verbindung zu treten und ihm „Bescheid zu sagen“. Zu meiner täglichen Gottesverehrung gehört, dass ich mich zum Beten niederknie – am Bett oder gemeinsam mit der Familie – und mir vorstelle, dass ich an einem Altar knie, über mein Leben nachdenke und es prüfe. Mir kommt das Abendmahl in den Sinn – ganze Brotstücke, die für uns gebrochen und zerrissen werden. Jedes davon steht sinnbildlich für den gebrochenen Leib unseres Erretters. Ich muss daran denken, dass Präsident Dallin H. Oaks darauf hingewiesen hat, dass jedes Stückchen Brot einzigartig ist – „genau wie diejenigen einzigartig sind, die davon nehmen“. Wenn ich zum Gebet niederknie, denke ich darüber nach, wie ich Gott meinen Willen darbringen kann.

Elder David A. Bednar hat erklärt: „Das Abendmahl ist eine heilige und immer wiederkehrende Einladung, aufrichtig umzukehren und geistig erneuert zu werden. Allein dadurch, dass man vom Abendmahl nimmt, werden keine Sünden vergeben. Doch wenn wir uns gewissenhaft vorbereiten und an dieser heiligen Handlung mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist teilnehmen, ist uns verheißen, dass der Geist des Herrn immer mit uns sein wird. Und dadurch, dass die heiligende Macht des Heiligen Geistes immer bei uns ist, können wir uns stets Vergebung für unsere Sünden bewahren.“

Wenn Amy und ich bisweilen unser Leben Revue passieren lassen, sind wir von Herzen dankbar für das Geschenk der vollkommenen Liebe Jesu Christi und seines Opfers. Wir sehen auch, dass auf Erden die Hölle los ist. Warum können wir verurteilende Blicke, Angststörungen, Depressionen, Krebs, Diabetes, Cybermobbing, Identitätsdiebstahl, Fehlgeburten, den Tod eines Kindes, eines Bruders oder eines Vaters bewältigen? Weil Jesus den bitteren und betäubenden Kelch, den Becher des Zorns getrunken hat – für mich, für meine Familie und für uns alle!

Der Erretter in Getsemani

Getsemani, Darstellung von Adam Abram, Verwendung mit freundlicher Genehmigung von altusfineart.com © 2025

Der „bittere Kelch“, den der Herr im Garten Getsemani getrunken hat, und sein Leid, das am Kreuz auf Golgota „noch schmerzlicher“ wurde, ermöglicht uns, Verhärtetes, Ungebührliches, Gewalttätiges, Wutentbranntes und Zitterndes auf den Altar des Herrn zu legen und stets „durch den Empfang des Heiligen Geistes geheiligt“ zu werden.

Schwester Patricia Holland hat gesagt: „Aus tiefstem Herzen erbitte ich heute, dass wir uns ganz und gar hingeben und vor dem Altar der Verheißungen und des Friedens Gottes niederwerfen mögen, ganz gleich, wo wir sind und was wir getan haben.“

Eine Stätte der Heilung und Ruhe

Wenn wir uns dem Altar nahen, gebührt uns kein Lohn, sondern wir lernen mehr über den, der die Gabe gibt. Auf diese Weise zu lernen und sich durch Bündnisse zu binden, führt zur Heilung. Nephi hat erklärt: „Er hat mich mit seiner Liebe erfüllt, selbst bis es mir mein Fleisch verzehrt.“ Und unser liebevoller Erretter hat uns aufgefordert: „Wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile?“

Als unsere beiden ältesten Töchter Mackenzie und Emma noch klein waren, war eine ihrer Lieblingsgeschichten Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia. Wir alle schlossen Aslan, den Löwen, ins Herz. Unvergesslich ist für mich unter anderem der Abend, an dem wir die Stelle in dem Buch lasen, an der der Große Löwe sein Leben für Edmund gibt. Unvergesslich, weil sowohl wir Eltern als auch unsere Töchter Tränen vergossen, als die Hexe dem Löwen am Steintisch das Leben nahm. Unvergesslich, weil selbst angesichts dieses Schicksalsschlags die Hoffnung weiterlebte, bis das Unglaubliche geschah. Freudenschreie ertönten in dem kleinen Kinderzimmer, als Aslan von den Toten auferstand und erklärte: Würde die Hexe die wahre Bedeutung des Opferns kennen, so „hätte [sie] erkannt: Wenn sich einer, der nichts verbrochen hat, freiwillig für einen Schuldigen opfert, dann bricht der Steintisch entzwei und der Tod weicht zurück“.

Jesus Christus heilt alle Wunden. Jesus Christus macht es möglich, dass wir wieder leben werden.

In seiner Ansprache bei der Herbst-Generalkonferenz 2022 erzählte Präsident Russell M. Nelson von einer Gruppe, die während der Tage der offenen Tür einen Tempel besichtigte. Unter diesen Besuchern war ein kleiner Junge. Präsident Nelson führte aus:

„Als die Gruppe einen Endowment-Raum betrat, deutete der Junge auf den Altar, an dem man sich hinkniet, um Bündnisse mit Gott zu schließen, und sagte: ‚Ach, wie schön! Hier können sich die Leute auf ihrer Tempelreise ausruhen.‘ …

Vermutlich wusste er nichts über die direkte Verbindung zwischen dem Schließen von Bündnissen mit Gott im Tempel und der beachtlichen Verheißung des Erretters:

‚Kommt her zu mir alle, die ihr niedergedrückt und belastet seid! Ich will euch Ruhe schaffen!

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir[:] So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen;

denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.‘ [Matthäus 11:28-30, Menge-Bibel; Hervorhebung hinzugefügt.]“

„Der Menschensohn … hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“, und dennoch lud er seine Jünger – Sie und mich – an den Abendmahlstisch ein, um dort mit ihm auszuruhen. Wenn wir demutsvoll am Altar knien, „spürn Frieden wir“. Die Arme unseres Erretters sind ausgestreckt; sein Tisch ist gedeckt. Kommen Sie und verehren Sie den Sohn Gottes an seinem heiligen Altar! Im Namen Jesu Christi. Amen.