2025
Der Name, mit dem ihr gerufen werdet
November 2025


11:2

Der Name, mit dem ihr gerufen werdet

Was bedeutet es, mit dem Namen Christi gerufen zu werden?

Präsident Russell M. Nelson hat gesagt, wenn der Herr direkt zu uns spräche, würde er uns als Erstes unsere wahre Identität vor Augen führen: Wir sind Kinder Gottes, Kinder des Bundes und Jünger Jesu Christi. Jede andere Bezeichnung bringt uns letztlich nichts.

Das habe ich selbst erfahren, als mein ältester Sohn sein erstes Handy bekam. Mit großer Begeisterung fing er an, die Namen seiner Familie und seiner Freunde als Kontakte einzugeben. Eines Tages sah ich, dass seine Mutter ihn anrief. Im Display erschien der Name „Mutter“. Das klang vernünftig und würdevoll und war, wie ich zugeben muss, ein Zeichen des Respekts vor dem besseren Elternteil unserer Familie. Natürlich wurde ich neugierig. Worunter hatte er mich eingespeichert?

Ich scrollte durch seine Kontakte und nahm an: Wenn Wendi „Mutter“ war, musste ich ja wohl „Vater“ sein. Nicht zu finden. Ich suchte nach „Papa“. Wieder nichts. Aus Neugier wurde leichtes Unbehagen. „Vielleicht bin ich bei ihm Corey?“ Nein. In einem letzten verzweifelten Versuch dachte ich: „Wir sind Fußballer – vielleicht nennt er mich Pelé.“ Wunschdenken. Schließlich rief ich selbst seine Nummer an und im Display erschienen zwei Wörter: „Nicht Mutter“!

Brüder und Schwestern, mit welchem Namen werden Sie gerufen?

Jesus rief diejenigen, die ihm folgten, mit vielen Namen: Jünger. Söhne und Töchter. Kinder der Propheten. Schafe. Freunde. Das Licht der Welt. Heilige. Diese Namen sind von ewiger Tragweite und unterstreichen eine persönliche Beziehung zum Erretter.

Doch einer davon hebt sich von den anderen ab – der Name Christi. Im Buch Mormon macht König Benjamin unmissverständlich klar:

„Es ist kein anderer Name gegeben, wodurch die Errettung kommt; darum möchte ich, dass ihr den Namen Christi auf euch nehmt. …

Und es wird sich begeben: Wer auch immer dies tut, wird zur rechten Hand Gottes gefunden werden, denn er wird den Namen kennen, mit dem er gerufen wird; denn er wird mit dem Namen Christi gerufen werden.“

Wer den Namen Christi auf sich nimmt, wird sein Jünger und Zeuge. In der Apostelgeschichte lesen wir, dass nach der Auferstehung Jesu Christi erwählten Zeugen geboten wurde, zu bezeugen, dass jedem, der an Jesus glaubt, sich taufen lässt und den Heiligen Geist empfängt, die Sünden vergeben werden. Diejenigen, die diese heiligen Handlungen empfingen, versammelten sich mit der Kirche, wurden Jünger und wurden Christen genannt. Das Buch Mormon bezeichnet diejenigen, die an Christus glauben, ebenso als Christen und diejenigen, die Bündnisse geschlossen haben, als „Kinder Christi …, seine Söhne und seine Töchter“.

Was bedeutet es, mit dem Namen Christi gerufen zu werden? Es bedeutet, Bündnisse einzugehen und zu halten, immer an ihn zu denken, seine Gebote zu halten und willens zu sein, allzeit und in allem „als Zeugen Gottes aufzutreten“. Es bedeutet, an der Seite von Propheten und Aposteln zu stehen, wenn sie die Botschaft Christi – mit den dazugehörigen Lehren, Bündnissen und Verordnungen – in die ganze Welt tragen. Es bedeutet auch, anderen zu dienen, um Leid zu lindern, ein Licht zu sein und allen Menschen Hoffnung in Christus zu bringen. Natürlich ist dies ein lebenslanges Bestreben. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt, „dass dies ein Zustand ist, den noch nie jemand von einem Augenblick zum nächsten erreicht hat“.

Da der Weg eines Jüngers „Zeile um Zeile, Weisung um Weisung“ beschritten wird und Zeit und Mühe erfordert, verfängt man sich leicht in weltlichen Titeln. Diese sind nur vorübergehend von Wert und für sich allein nie genug. Die Erlösung und alles, was die Ewigkeit betrifft, kommt nur „im heiligen Messias und durch ihn“. Daher ist es jetzt genau an der richtigen Zeit und klug, dem Rat des Propheten, die Nachfolge Christi zu einer Priorität zu machen, zu folgen – besonders in einer Zeit, in der so viele Stimmen und Einflüsse miteinander konkurrieren. Das ist genau, was König Benjamin meinte, als er sagte: „Ich möchte, dass ihr daran denkt, dass ihr euch den Namen [Christi] immer ins Herz geschrieben bewahrt, … damit ihr die Stimme vernehmt und erkennt, von der ihr gerufen werdet, und auch den Namen, womit er euch rufen wird.“

Martin Gassner

Das habe ich in meiner eigenen Familie erlebt. Mein Urgroßvater Martin Gassner wurde ein anderer Mensch, weil ein demütiger Zweigpräsident dem Ruf des Erretters gefolgt ist. Im Jahr 1909 waren die Zeiten in Deutschland schwierig, und das Geld war knapp. Martin arbeitete als Schweißer in einer Fabrik, die Rohre herstellte. Wie er selbst gestand, verprasste er seinen Lohn meistens schon am Zahltag für Alkohol, Zigaretten und Runden, die er in der Kneipe ausgab. Seine Frau warnte ihn schließlich, dass sie ihn verlassen würde, sollte er sich nicht ändern.

Eines Tages traf er auf dem Weg in die Kneipe einen Kollegen mit einer ramponierten Broschüre einer Kirche in der Hand. Er hatte sie auf der Straße gefunden und erzählte Martin, dass das Lesen etwas mit ihm gemacht hatte. Die Broschüre trug den Titel Was wissen Sie von den Mormonen?. Sicher wurde der Titel inzwischen geändert.

Der Adressstempel auf der Rückseite war gerade noch lesbar genug, dass man entziffern konnte, wo sich die Kirche befand. Sie war recht weit weg, aber was sie lasen, machte einen solchen Eindruck auf sie, dass sie noch am selben Sonntag den Zug nahmen, um sie sich anzusehen. Als sie ankamen, stellten sie fest, dass es sich nicht um die Kirche handelte, die sie erwartet hatten, sondern um ein Bestattungsinstitut. Martin zögerte, denn eine Kirche in einem Bestattungsinstitut klang ein bisschen zu sehr nach einem Pauschalangebot.

Doch oben, in einem gemieteten Saal, fanden sie eine kleine Gruppe Heiliger vor. Ein Mann lud sie zur Zeugnisversammlung ein. Martin wurde vom Heiligen Geist berührt und war so beeindruckt von den einfachen, innigen Zeugnissen, dass er selbst Zeugnis gab. Und genau dort, an diesem höchst ungewöhnlichem Ort, sagte er, er wisse bereits, dass es wahr sein müsse.

Nach der Versammlung stellte sich der Mann als Zweigpräsident vor und fragte sie, ob sie wiederkommen würden. Martin erklärte, dass sie zu weit weg wohnten und sich die Fahrt nicht jede Woche leisten konnten. Der Zweigpräsident hieß sie schlicht, ihm zu folgen.

Sie gingen ein paar Straßen weiter in eine Fabrik, wo ein Freund des Zweigpräsidenten arbeitete. Nach einem kurzen Gespräch hatten Martin und sein Freund jeder eine Stelle. Dann führte der Zweigpräsident sie zu einem Wohnhaus und besorgte ihren Familien dort eine Wohnung.

All dies geschah innerhalb von zwei Stunden. Martins Familie zog in der darauffolgenden Woche um. Sechs Monate später ließen sie sich alle taufen. Der Mann, der einst als hoffnungsloser Säufer bekannt war, wurde ein solch glühender Verfechter seines neuen Glaubens, dass die Menschen in der Stadt ihn – auch wenn das vielleicht nicht als Kompliment gemeint war – „den Priester“ nannten.

Was den Zweigpräsidenten betrifft, kann ich nicht sagen, wie er hieß – es ist nichts mehr über ihn bekannt. Ich aber nenne ihn Jünger, Gesandter, Christ, barmherziger Samariter und Freund. Sein Einfluss ist auch 116 Jahre später noch spürbar, und ich stehe auf den Schultern seiner Nachfolge Christi.

Die Gassners am Tempel

„Ein Sprichwort besagt, dass man zwar die Kerne in einem Apfel zählen kann, nicht jedoch die Äpfel, die aus einem Kern entstehen.“ Der Same, den der Zweigpräsident gesät hat, hat unzählige Früchte hervorgebracht. Er hätte wohl kaum gedacht, dass 48 Jahre später mehrere Generationen von Martins Familie auf beiden Seiten des Schleiers im Bern-Tempel in der Schweiz gesiegelt werden würden.

Die besten Predigten sind wohl die, die wir nie hören, sondern in den stillen, bescheidenen Taten im Leben gewöhnlicher Menschen sehen, die versuchen, wie Jesus zu sein, und umherziehen und Gutes tun. Was dieser liebenswürdige Zweigpräsident tat, stand nicht auf einer Checkliste. Er lebte einfach das Evangelium, so wie es im Buch Alma beschrieben wird: Sie schickten „keinen fort, … der hungrig war oder der durstig war oder der krank war“, sie waren „freigebig zu allen, seien sie alt oder jung, … seien sie männlich oder weiblich“. Und, was wir nicht übersehen sollten, sie schickten niemanden weg, „sei es außerhalb der Kirche oder in der Kirche“.

Wer den Namen Christi auf sich nimmt, begreift, so wie es Joseph Smith gesagt hat, dass jemand, der „von der Liebe Gottes durchdrungen ist, … nicht allein seiner Familie ein Segen sein [will], vielmehr will er überall, wo er ist, der ganzen Menschheit zum Segen gereichen“.

Genau das hat Jesus verkörpert. Er tat sogar so vieles, dass seine Jünger nicht alles aufschreiben konnten. Der Apostel Johannes schrieb: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen.“

Bemühen wir uns, dem Beispiel Christi zu folgen, Gutes zu tun und die Nachfolge Jesu zu einer beständigen Priorität zu machen. So können andere, immer wenn sie mit uns in Kontakt kommen, Gottes Liebe und die Macht des Heiligen Geistes spüren, der Zeugnis gibt. Dann können wir unsere Stimme mit der meines Urgroßvaters und Millionen anderer vereinen, die wie der Jünger Andreas verkündet haben: „Wir haben den Messias gefunden.“

Letztlich wird unsere Identität nicht von der Welt bestimmt. Unsere Nachfolge Christi wird jedoch durch die heiligen Handlungen bestimmt, die wir empfangen, die Bündnisse, die wir halten, und die Liebe, die wir Gott und unserem Nächsten dadurch erweisen, dass wir einfach Gutes tun. Wie Präsident Nelson bekräftigt hat, sind wir wahrhaftig Kinder Gottes, Kinder des Bundes und Jünger Jesu Christi.

Ich bezeuge, dass Jesus Christus lebt und uns erlöst hat. Er selbst hat gesagt: „Ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!“ Im Namen Jesu Christi. Amen.