Hilfen für das Schriftstudium
Rut; 1 Samuel 1 bis 7
Wegen einer Hungersnot zieht Noomi mit ihrer Familie von Betlehem in das Land Moab. Noomis Mann und ihre beiden Söhne sterben in Moab. Noomi kehrt mit ihrer moabitischen Schwiegertochter Rut nach Betlehem zurück. In Betlehem nimmt ein Mann namens Boas Rut zur Frau und sorgt für Rut und Noomi. Rut und Boas sind Vorfahren von David und Jesus Christus. Hanna, eine rechtschaffene Israelitin, sehnt sich nach einem Kind. Ihre demütigen Gebete werden erhört und sie wird mit einem Sohn gesegnet, den sie Samuel nennt. Hanna hält ihr Versprechen, ihren Sohn dem Herrn zu weihen, und bringt Samuel zum Hohepriester Eli, damit er dem Herrn im Offenbarungszelt dient. Samuel erhält eine Offenbarung über die Strafgerichte, die wegen der Schlechtigkeit der Söhne Elis über ihn und seinen Haushalt kommen würden. Als Samuel heranwächst, spricht der Herr weiterhin durch ihn, und das Volk erkennt ihn als Propheten an.
Material
Hinweis: Wird eine Quelle zitiert, die nicht von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausgegeben wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Quelle oder ihr Verfasser von der Kirche unterstützt wird oder den offiziellen Standpunkt der Kirche vertritt.
Hintergrund und Kontext
Was ist das Buch Rut?
Im Buch Rut wird die Geschichte der Familie von Noomi und Elimelech beschrieben, die zur Zeit der Richter lebte. Es ist eines von nur zwei Büchern im Alten Testament, die nach einer Frau benannt sind. In dem Buch werden das Mitgefühl und die Liebe hervorgehoben, die Noomi und ihre Schwiegertochter Rut empfanden, während sie die Herausforderungen der Witwenschaft bewältigen mussten.
Ein zentrales Thema im Buch Rut ist die Erlösung. Da Rut eine Fremde, kinderlos und Witwe war, war sie völlig mittellos und wurde von niemandem unterstützt. Trotz ihrer Lebensumstände entschied sie sich dafür, Jehova nachzufolgen und Teil seines Bundesvolkes zu werden. Rut heiratete schließlich erneut, wurde vollständig als Israelitin anerkannt und wurde mit Kindern gesegnet. Angesichts des Themas Erlösung ist es wichtig zu beachten, dass Jesus Christus, der Erlöser der Welt, ein direkter Nachkomme Ruts war.
Wer waren die Moabiter?
Die Moabiter waren Nachkommen Lots und seiner erstgeborenen Tochter. Die Moabiter lieferten sich in verschiedenen Kriegen oft Gefechte mit den Israeliten. Sie verehrten Kemosch, eine Gottheit, die bisweilen mit dem Brauch, Menschen zu opfern, in Verbindung gestanden haben könnte. Das Land Moab lag östlich des Toten Meeres, im heutigen Jordanien.
Was bedeutete es, Ähren vom Acker zu lesen?
Der Herr gebot im Gesetz des Mose, dass diejenigen, die ein Feld besaßen, das Getreide am Rand ihres Feldes nicht abernten durften. Dadurch konnten die Armen diese Feldfrüchte ernten und hatten zu essen. Nachdem die Ernte eingebracht war, durften die Armen auch das wenige Getreide auflesen, das die Erntehelfer übersehen oder fallen gelassen hatten. In biblischen Zeiten wurde das Auflesen von Getreide und anderen Erzeugnissen, die bei der Ernte zurückgelassen wurden, als „Nachlese“ bezeichnet.
Rut bei der Ährenlese, Darstellung von Judith Mehr
Wie viel war ein Efa Gerste?
Boas war sehr freundlich zu Rut und wies seine Arbeiter an, eine zusätzliche Menge Getreide für Rut zurückzulassen. Als Rut zu Noomi zurückkehrte, brachte sie etwa ein Efa Gerste mit – das sind ungefähr 23 Liter oder 13,5 kg. Das war viel mehr als das, was die meisten Ährenleser normalerweise an einem Tag sammelten.
Warum war es von Bedeutung, dass Boas einer von Noomis „Lösern“ war?
Der Begriff „Löser“ in der Einheitsübersetzung des Alten Testaments stammt von dem hebräischen Wort gō‘el, was „Erlöser“ bedeutet. Im alten Israel bezog sich der Begriff Löser auf einen nahen Verwandten, der die Aufgabe hatte, Familienmitglieder von Schulden zu befreien, die sie aus eigener Kraft nicht begleichen konnten. Dazu gehörte auch, Familienmitglieder aus der Knechtschaft zu befreien oder Familienland zu kaufen, das andernfalls wegen unbezahlter Schulden konfisziert werden würde.
Nur im Buch Rut wird diese Rolle des Lösers mit dem Gesetz der Schwagerehe in Verbindung gebracht. Falls ein Ehemann kinderlos starb, war es nach dem Gesetz der Schwagerehe die Pflicht des Bruders oder des nächsten männlichen Verwandten, die Witwe zu heiraten. Als Noomi zu Rut sagte: „[Boas] ist mit uns verwandt, er ist einer unserer Löser“, bezeichnetet sie damit Boas als jemanden, der sie aus ihrem Elend erlösen konnte. Boas kaufte dazu nicht nur Elimelechs Land, sondern hielt sich auch an die Gepflogenheiten im Zusammenhang mit der Schwagerehe und heiratete Rut.
Wie Noomi und Rut können auch wir uns nicht selbst erretten, sondern müssen auf unseren Erlöser Jesus Christus vertrauen, der uns „durch sein eigenes Blut erworben hat“. Elder D. Todd Christofferson hat erklärt: „Eine der aussagekräftigsten Bezeichnungen von Jesus Christus ist der Begriff Erlöser. … Das Prinzip der Ablöse [ist] die finanzielle Begleichung einer Verpflichtung oder Schuld. Jemanden auszulösen bedeutet also, ihn freizukaufen und durch eine Ablösesumme zu retten oder zu befreien. … Jede dieser Bedeutungen ist ein Aspekt der großen Erlösung, die durch das Sühnopfer Jesu Christi vollbracht wurde.“ Durch sein Sühnopfer begleicht Jesus Christus unsere geistigen Schulden, errettet uns von Sünde und Tod und bietet uns ein ewiges Erbe an.
Was war eine Tenne?
Nach der Ernte versammelten sich die Arbeiter auf einem runden, erhöhten Platz, der sogenannten Tenne. Hier trennten sie die Getreidekörner von den Hülsen, die sie umhüllten – die sogenannte Spreu. Dies geschah oft abends, wenn kräftige Winde die Spreu forttragen konnten. Das Dreschen auf der Tenne war eine Zeit der Feierlichkeiten, mit der die Zeit des Pflanzenwachstums und die Ernte zu Ende gingen. Der Eigentümer des Feldes blieb oft über Nacht auf der Tenne, um die Ernte vor Dieben zu schützen.
Warum wies Noomi Rut an, sich Boas zu Füßen zu legen?
Nachdem Noomi erfahren hatte, wie freundlich Boas zu Rut gewesen war, und in ihm daher einen möglichen Löser erkannt hatte, legte Noomi Rut nahe, sich um eine Heirat mit ihm zu bemühen. Wie Noomi es angewiesen hatte, legte sich Rut zu Füßen des Boas, der auf der Tenne schlief. In der Einheitsübersetzung des Alten Testaments ist Ruts Bitte an Boas folgendermaßen formuliert: „Breite doch den Saum deines Gewandes über deine Magd; denn du bist Löser.“ Eine wörtlichere Übersetzung wäre: „Breite deine Flügel über deine Magd, denn du bist ein Erlöser.“ Damit bat Rut Boas im Grunde genommen, sie zu heiraten, damit er sie unter seinen Schutz nehmen und für sie sorgen könnte.
Warum lehnte es der eigentliche nächste Löser ab, Rut zu heiraten?
Noomis nächster Löser war zunächst bereit, Elimelechs Ländereien zurückzukaufen, doch er änderte seine Meinung, als er erfuhr, dass von ihm auch erwartet wurde, Rut zu heiraten. Er befürchtete, dass die Ausübung seines Rücknahmerechts „sein eigenes Erbe schädigen“ würde. Diese Bedenken lassen darauf schließen, dass er nicht wollte, dass das Land, das er kaufte, an Ruts zukünftige Söhne anstatt an Mitglieder seiner eigenen Familie überging.
Was ist das Buch 1 Samuel?
In 1 Samuel wird das Wirken des Propheten Samuel geschildert, des letzten Richters der Israeliten. In der Zeit der Richter vergaßen viele Israeliten den Herrn und wandten sich dem Götzendienst zu. In 1 Samuel werden Samuels Bemühungen beschrieben, die regelmäßige Verehrung Jehovas wiederherzustellen. In diesem Buch wird außerdem Israels schwieriger Übergang von den Richtern zu den Königen beschrieben. Auf Weisung des Herrn berief und salbte Samuel Saul zum ersten König Israels und David zum zukünftigen König Israels.
Warum sicherte Hanna zu, dass kein Schermesser an das Haupt ihres Sohnes kommen würde?
Hanna gelobte: Wenn der Herr sie mit einem Sohn segnen würde, würde sie ihn „für sein ganzes Leben dem Herrn überlassen“. Dieses Gelübde und ihre Zusicherung, dass kein Schermesser jemals an sein Haupt kommen würde, deuten darauf hin, dass Samuel als Nasiräer erzogen wurde und für den Dienst an Gott bestimmt war. Die Nasiräer waren Menschen, die ein besonderes Gelübde ablegten, sich für eine bestimmte Zeit Gott zu weihen. Die Nasiräer versprachen, sich in dieser Zeit nicht die Haare zu schneiden, keinen Wein zu trinken und nichts Totes zu berühren.
Ich habe um diesen Knaben gebetet, Darstellung von Elspeth Young
Worin bestand das Vergehen der Söhne Elis?
Die Söhne Elis werden als „nichtsnutzig“ beschrieben. Ähnliche Wörter (nichtswürdig, übel, niederträchtig usw.) werden im Alten Testament häufig verwendet, um Menschen zu beschreiben, die sich gegen die Lehren des Herrn und gesellschaftliche Normen auflehnen. Elis Söhne wurden wegen ihrer sündhaften Handlungen bei ihrem Dienst als Priester im Offenbarungszelt so bezeichnet. Zu ihren Vergehen gehörten, Fleich von den Tieropfern zu nehmen und unsittliches Verhalten mit den Frauen, die zur Gottesverehrung zum Offenbarungszelt kamen.
In diesem Vers heißt es: „In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten.“
Das Wort selten ist eine treffendere Übersetzung als das Wort „kostbar“, das in manchen Übersetzungen steht. Präsident Harold B. Lee hat erklärt, dass es in diesem Zeitabschnitt in der Geschichte Israels „keinen Propheten auf Erden gab, durch den der Herr seinen Willen kundtun konnte, sei es durch persönliche Erfahrung oder durch Offenbarung“. Diese Zeit ohne Offenbarung endete, als der Herr zu Samuel sprach, der schließlich von ganz Israel als Prophet des Herrn anerkannt wurde.
Der junge Samuel wird vom Herrn gerufen, Darstellung von Harry Anderson
Warum nahmen die Israeliten die Bundeslade mit in die Schlacht?
Die Bundeslade stand für die Gegenwart des Herrn. Normalerweise wurde sie im Allerheiligsten innerhalb des Offenbarungszeltes aufbewahrt. Bei der Eroberung des verheißenen Landes hatten die Israeliten die Lade bei sich, als Symbol und Erinnerung daran, dass Gott mit ihnen war.
Die Ältesten der Israeliten gingen davon aus, dass die Lade ihnen helfen würde, die Schlacht gegen die Philister zu gewinnen. Möglicherweise setzten sie ihr Vertrauen eher in die Lade als in den Herrn. Ihre Schlechtigkeit hinderte sie daran, die Stärke und den Schutz des Herrn zu empfangen. Weil der Herr nicht mit ihnen war, wurden die Israeliten von den Philistern besiegt, Elis Söhne getötet, und die Lade wurde erbeutet. Als Eli vom Tod seiner Söhne und von der Erbeutung der Lade erfuhr, wurde er so von der Trauer überwältigt, dass er von seinem Sitz fiel und starb. Diese Ereignisse erfüllten Samuels Prophezeiung, dass Elis Familie ein tragisches Ende finden würde.
Was machten die Philister mit der Bundeslade?
Dagon war einer der Götter, den die Philister anbeteten. Die Philister glaubten, Dagon habe ihnen den Sieg über Jehova und die Israeliten geschenkt. Sie brachten die Bundeslade in den Tempel Dagons und stellten sie als Kriegstrophäe zu Füßen der Statue des Dagon auf. Am zweiten Morgen entdeckten die Philister, dass die Statue des Dagon mit dem Gesicht nach unten vor die Lade gestürzt war, wobei Kopf und Handflächen abgebrochen waren. Daraufhin ließ der Herr Geschwüre und eine Mausplage über die Philister kommen, was erst ein Ende nahm, als die Lade den Israeliten zurückgegeben worden war. Diese Ereignisse zeigten, dass Jehova Dagon überlegen war.
Warum nannte Samuel einen Stein „Eben-Eser“?
Nachdem die Israeliten die Philister besiegt hatten, errichtete Samuel einen Stein als Denkmal zum Gedenken an den Herrn, den er „Eben-Eser“ nannte. Im Hebräischen bedeutet Eben-Eser „Stein der Hilfe“.
Welche Vollmacht hatte Samuel?
Obwohl der Herr den Israeliten das Melchisedekische Priestertum weitgehend vorenthielt, als er das Gesetz des Mose einführte, wurde es nicht vollständig von der Erde genommen. Joseph Smith hat erklärt: „Alle Propheten hatten das Melchisedekische Priestertum.“ Dazu gehörte vermutlich auch Samuel, der von ganz Israel als Prophet des Herrn anerkannt wurde. Da Samuel das Melchisedekische Priestertum trug, war er befugt, Opfer darzubringen und andere Aufgaben zu erfüllen, die normalerweise den levitischen Priestern vorbehalten waren.
Mehr dazu
Tenne
-
„The Threshing Floor“, Ensign, September 2017, S. 70f.
Erlösung
-
Kristin M. Yee, „Die Freude unserer Erlösung“, Liahona, November 2024, S. 57–60
Rut und Hanna
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Elaine S. Dalton, „Lessons from the Old Testament: Lessons from Ruth and Hannah“, Ensign, April 2006, S. 34–37
Auf die Stimme des Herrn hören
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Walter F. González, „Listening as Samuel Listened“, Ensign, August 2010, S. 38–41
Medien
Videos
Musik
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„Herr, unser Erlöser“, Gesangbuch, Nr. 5
-
„Komm, du Quelle jedes Segens“, Gesangbuch – für zuhause und für die Kirche, Nr. 1001
Bilder
Mit festem Sinn, Darstellung von Eva Timothy
Rut, Darstellung von Dilleen Marsh
Hanna betet, Darstellung von Paul Mann
Hanna und Samuel, Darstellung von Michael Parker
Hanna übergibt Eli ihren Sohn Samuel, Darstellung von Robert T. Barrett
Jehova ruft Samuel, Darstellung von Sam Lawlor