2025
Mitwirken, um uns auf die Rückkehr Christi vorzubereiten
Mai 2025


11:24

Mitwirken, um uns auf die Rückkehr Christi vorzubereiten

Berufungen und andere Gelegenheiten, im Werk Gottes mitzuwirken, bereiten uns in besonderer Weise darauf vor, dem Erretter zu begegnen

Vor ein paar Monaten stand ich gerade in einem Flur, als Elder Neil L. Andersen vorbeiging. Ich war gerade als neue Generalautorität berufen worden. Vermutlich nahm er meine Gefühle der Unzulänglichkeit wahr, denn er lächelte und sagte: „So sieht ein Mann aus, der keine Ahnung hat, was er machen soll.“

Und ich dachte: „Das ist ein wahrer Prophet und Seher!“

Elder Andersen flüsterte dann: „Keine Sorge, Elder Shumway, es wird besser – in fünf oder sechs Jahren.“

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wir gebeten werden, im Reich Gottes manches zu tun, was unsere Fähigkeiten anscheinend übersteigt? Haben Sie sich gefragt, warum wir bei allem, was das Leben uns abverlangt, überhaupt Berufungen in der Kirche brauchen? Ich schon.

Ich erhielt dann eine Antwort bei der Generalkonferenz, als Präsident Russell M. Nelson erklärte: „Jetzt ist für Sie – und für mich – die Zeit, uns vorzubereiten auf das Zweite Kommen unseres Herrn und Erretters, Jesus Christus.“ Als Präsident Nelson dies sagte, lehrte mich der Geist: Wenn wir uns an Gottes Werk beteiligen, bereiten wir uns und andere auf die Rückkehr Christi vor. Der Herr hat die beeindruckende Verheißung gegeben, dass Berufungen, Betreuung, Gottesverehrung im Tempel, das Befolgen von Eingebungen und andere Gelegenheiten, im Werk Gottes mitzuwirken, uns in besonderer Weise darauf vorbereiten, dem Erretter zu begegnen.

Gott freut sich, wenn wir in seinem Werk tätig sind

In der „Erhabenheit dieses Augenblicks“, da sich das Reich Gottes ausbreitet und es rund um den Globus Tempel gibt, werden immer mehr bereitwillige Seelen benötigt, die sich im Werk Gottes einbringen. Selbstloses Dienen ist der Wesenskern der christlichen Nachfolge. Solch ein Dienst kommt allerdings selten gelegen. Daher bewundere ich Sie, die bündnistreuen Jünger wie etwa unsere Missionarinnen und Missionare, die Sie Ihre Wünsche und Herausforderungen zurückstellen, um Gott zu dienen, indem Sie seinen Kindern dienen. Gott freut sich, Sie „zu ehren, [die Sie ihm] in Rechtschaffenheit … dienen“. Er verheißt: „Groß wird [Ihr] Lohn sein und ewig wird [Ihre] Herrlichkeit sein.“ Wenn wir zum Dienen Ja sagen, sagen wir Ja zu Jesus Christus. Und wenn wir zu Christus Ja sagen, sagen wir Ja zu einem Leben in größtmöglicher Fülle.

Dies habe ich gelernt, als ich bereits arbeitete und zugleich Chemietechnik studierte. Ich wurde gebeten, die Aktivitäten für eine JAE-Gemeinde zu planen. Das war mein Albtraum. Dennoch nahm ich die Berufung an. Anfangs war es Schinderei, bis ein hübsches Mädchen bei einer Aktivität davon fasziniert war, wie ich das Eis servierte. Sie kehrte dreimal zurück und hoffte, ich würde auf sie aufmerksam werden. Wir verliebten uns, und sie machte mir nur zwei Wochen später einen Heiratsantrag. Na ja, vielleicht lief es nicht ganz so schnell, und ich war derjenige, der den Antrag machte, aber Tatsache ist: Mich schaudert bei dem Gedanken, dass ich die Chance verpasst hätte, Heidi kennenzulernen, wenn ich die Berufung abgelehnt hätte.

Durch unsere Mitwirkung bereiten wir uns auf die Rückkehr Christi vor

Wir beteiligen uns an Gottes Werk nicht deshalb, weil Gott uns braucht, sondern weil wir Gott und seine mächtigen Segnungen brauchen. Er verheißt uns: „Denn siehe, ich werde alle diejenigen, die in meinem Weingarten arbeiten, mit einem mächtigen Segen segnen.“ Ich möchte drei Grundsätze anführen, die deutlich machen, wie unsere Mitwirkung in Gottes Werk uns segnet und uns hilft, uns darauf vorzubereiten, dem Erretter zu begegnen.

Erstens: Durch unsere Mitwirkung kommen wir dem Maß unserer Erschaffung näher.

Dieses Muster lernen wir im Bericht über die Schöpfung kennen. Nach jedem Arbeitstag würdigte Gott den Fortschritt, der gemacht wurde, indem er sagte, „dass es gut war“. Er sagte nicht, die Arbeit sei fertig oder vollkommen. Aber er brachte zum Ausdruck, dass es Fortschritt gab, und das ist in Gottes Augen gut!

Berufungen bestimmen oder bestätigen nicht den Wert oder die Würdigkeit eines Menschen. Vielmehr kommen wir, wenn wir in jedweder Aufgabe, die Gott uns aufträgt, mit ihm zusammenarbeiten, dem Maß unserer Erschaffung näher.

Gott freut sich über unseren Fortschritt, und das sollten wir auch, selbst wenn wir immer noch Arbeit vor uns haben. Manchmal haben wir vielleicht nicht genügend Kraft oder Mittel, um in einer Berufung zu dienen. Dennoch können wir uns in sein Werk einbringen und unser Zeugnis schützen, wie etwa durch das Gebet und das Schriftstudium. Unser liebevoller Vater im Himmel verurteilt uns nicht, wenn wir bereit, aber nicht in der Lage sind zu dienen.

Zweitens: Durch das Dienen werden unser Zuhause und unsere Gemeindehäuser zu heiligen Orten, an denen wir üben können, gemäß unseren Bündnissen zu leben.

Unseren Bund, immer an Christus zu denken, schließen wir beispielsweise jeder für sich, aber wir leben diesen Bund dadurch, dass wir unseren Mitmenschen dienen. Berufungen bieten uns viele Gelegenheiten, des anderen Last zu tragen und somit das Gesetz Christi zu erfüllen. Wenn wir dienen, weil wir Gott lieben und gemäß unseren Bündnissen leben wollen, wird ein Dienst, der eine Pflicht und kräftezehrend zu sein scheint, uns Freude bereiten und uns verändern.

Heilige Handlungen erretten uns nicht, weil sie Punkte auf einer himmlischen Checkliste sind. Vielmehr werden wir, wenn wir gemäß den zu diesen Verordnungen gehörenden Bündnissen leben, zu der Sorte Mensch, die in der Gegenwart Gottes sein möchte. Dieses Verständnis überwindet jegliches Zögern, zu dienen, oder die Neigung, nicht dienen zu wollen. Unsere Vorbereitung, Jesus Christus zu begegnen, wird beschleunigt, wenn wir aufhören zu fragen, was Gott erlaubt, und anfangen zu fragen, was Gott lieber wäre.

Drittens: Die Mitwirkung in Gottes Werk hilft uns, Gottes Gabe der Gnade zu empfangen und seine größere Liebe zu verspüren.

Wir erhalten keine finanzielle Vergütung für unseren Dienst. Vielmehr heißt es in den Schriften, dass wir für unsere Mühen die Gnade Gottes empfangen, damit wir im Geist stark werden und Gotteserkenntnis haben und mit Macht und Vollmacht von Gott predigen können. Das ist doch ein gutes Geschäft!

Dank Gottes Gnade ist unsere Fähigkeit oder Unfähigkeit nicht die entscheidende Basis dafür, dass eine Berufung ausgesprochen oder angenommen wird. Gott erwartet keine vollkommene Leistung oder außergewöhnliches Talent, wenn wir uns an seinem Werk beteiligen. Wenn es so wäre, hätte Königin Ester nicht ihr Volk gerettet, Petrus hätte nicht die Urkirche geleitet, und Joseph Smith wäre nicht der Prophet der Wiederherstellung.

Wenn wir voller Glauben handeln und etwas tun, was unsere Fähigkeiten übersteigt, kommt unsere Schwäche zutage. Dies ist nie angenehm, aber es ist notwendig, damit wir wissen, dass wir die Macht, dies alles zu tun, durch Gottes Gnade erhalten.

Wir werden bei unserer Mitwirkung in Gottes Werk oft fallen. Aber wenn wir uns bemühen, fängt uns Jesus Christus auf und hebt uns allmählich empor, sodass wir unsere Fehler und Ängste und das Gefühl, dass wir nie genug sein werden, überwinden. Wenn wir unsere dürftigen, aber besten Bemühungen weihen, macht Gott sie groß. Wenn wir für Jesus Christus Opfer bringen, heiligt er uns. Dies ist die Gnade Gottes, die alles zu wandeln vermag. Wenn wir dienen, nehmen wir an Gnade zu, bis wir bereit sind, vom Vater emporgehoben zu werden, um vor Jesus Christus zu stehen.

Anderen helfen, Berufungen anzunehmen und sich über diese Gabe zu freuen

Ich weiß nicht alles, was der Erretter mich fragen wird, wenn ich vor ihm stehe, aber vielleicht wird eine Frage lauten: „Wen hast du mitgebracht?“ Berufungen sind heilige Gaben eines liebevollen Vaters im Himmel, die uns helfen sollen, andere zu Jesus Christus mitzubringen. Ich fordere also die Führungsverantwortlichen und jeden von uns auf, uns bewusster denjenigen zuzuwenden, die keine Berufung haben. Ermuntern Sie sie und helfen Sie ihnen, sich an Gottes Werk zu beteiligen und sich dadurch auf die Rückkehr Christi vorzubereiten.

John war nicht in der Kirche aktiv, als sein Bischof ihn besuchte und erklärte, der Herr habe eine Arbeit für ihn zu tun. Er forderte John auf, mit dem Rauchen aufzuhören. John hatte zwar bereits öfter versucht aufzuhören, aber dieses Mal hatte er das Gefühl, eine unsichtbare Macht helfe ihm.

Nur drei Wochen später erhielt John einen Besuch von seinem Pfahlpräsidenten. Er berief ihn in die Bischofschaft. Das war ein Schock. John sagte dem Pfahlpräsidenten, dass er gerade erst mit dem Rauchen aufgehört habe. Wenn dies bedeute, dass er auch seine Tradition aufgeben müsse, sonntags ins Stadion zu gehen, um Football-Spiele anzusehen, sei das einfach zu viel verlangt. Die inspirierte Antwort des Pfahlpräsidenten lautete schlicht: „John, nicht ich bitte Sie darum, sondern der Herr.“

Daraufhin erwiderte John: „Nun ja, wenn es so ist, bin ich bereit.“

John erzählte mir, dass diese Opfer im Dienst für den Herrn für ihn und seine Familie der Wendepunkt zu mehr geistigem Fortschritt gewesen waren.

Ich frage mich, ob wir einen blinden Fleck haben und es versäumen, Berufungen auszusprechen, weil jemand unserer irdischen Ansicht nach ungeeignet oder unwürdig zu sein scheint. Oder vielleicht liegt uns mehr an einer Leistungskultur als an der Lehre des Fortschritts, und wir sehen nicht, wie der Erretter die Fähigkeit der scheinbar Ungeeigneten und Unerprobten erweitert, indem er ihnen Gelegenheiten zum Dienen gibt.

Elder David A. Bednar hat betont, wie wichtig dieser Auftrag in den Schriften ist: „Lasst nun einen jeden seine Pflicht lernen und … ausüben.“ Tun wir das? Wenn Führungsverantwortliche und Eltern andere lernen und eigenständig handeln lassen, blühen diese Menschen auf und gedeihen. Es mag der einfachere Weg sein, treuen Mitgliedern eine zweite Berufung zu geben, der vortrefflichere Weg ist es jedoch, die scheinbar Ungeeigneten aufzufordern, zu dienen, und dann zuzulassen, dass sie lernen und wachsen.

Wenn Christus physisch hier wäre, würde er die Kranken besuchen, in der Sonntagsschule unterrichten, neben der von Kummer bedrückten Jungen Dame sitzen und die Kinder segnen. Er kann sein Werk selbst tun. Aber er handelt nach dem Grundsatz, uns handeln und lernen zu lassen, also schickt er uns an seiner Stelle.

Mit der Beteiligung an Gottes Werk sind „das Recht, der Vorzug und die Aufgabe verbunden, den Herrn [Jesus Christus] zu vertreten“. Wenn wir dienen, um Christus und nicht uns selbst groß zu machen, bringt uns unser Dienst Freude. Wenn andere nach unserem Unterricht, unserer Versammlung, unserem Betreuungsbesuch oder unserer Aktivität mehr an Christus denken als an uns, ist die Arbeit belebend.

Wenn wir uns aufrichtig bemühen, den Erretter zu vertreten, werden wir mehr wie er. Dies ist die beste Vorbereitung auf den heiligen Augenblick, wenn jeder von uns niederknien und bekennen wird, dass Jesus der Messias ist. Ich bezeuge, dass er es ist und dass Präsident Russell M. Nelson die „Stimme des Herrn an die Enden der Erde“ ist und uns hilft, uns bereitzumachen „für das, was kommen wird“. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.