2025
Der Plan der Barmherzigkeit
Mai 2025


11:6

Der Plan der Barmherzigkeit

Der Herr ist barmherzig und der Erlösungsplan des himmlischen Vaters ist wahrhaftig ein Plan der Barmherzigkeit

Der Aufruf eines Propheten

Nach der erfreulichen Nachricht, die Kirche habe den Kirtland-Tempel erworben, hat uns Präsident Russell M. Nelson bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2024 aufgerufen, uns gründlich mit dem Weihungsgebet für den Kirtland-Tempel in Abschnitt 109 des Buches Lehre und Bündnisse zu befassen. Das Weihungsgebet ist laut Präsident Nelson „eine Anleitung dazu, wie der Tempel Sie und mich geistig befähigt, die Herausforderungen des Lebens in diesen Letzten Tagen zu meistern“.

Ganz bestimmt haben auch Sie aus Abschnitt 109 segensreiche Erkenntnisse gewonnen. Ich möchte heute Abend auf einiges eingehen, was ich gelernt habe, als ich dem Aufruf unseres Propheten gefolgt bin. Dieser Leseauftrag hat mir inneren Frieden geschenkt und mir gezeigt, wie barmherzig der Herr ist und dass der Erlösungsplan des himmlischen Vaters wahrhaftig ein Plan der Barmherzigkeit ist.

Neu berufene Missionare als Tempelarbeiter

Wie Sie vielleicht wissen, wird „neu berufenen Missionaren … empfohlen, so bald wie möglich das Endowment zu empfangen und so oft in den Tempel zu gehen, wie es die Umstände erlauben. Missionare, die das Endowment empfangen haben, können als Tempelarbeiter dienen, bevor sie den Missionsdienst antreten.

Die Zeit im Tempel vor dem Eintritt in die Missionarsschule kann für neue Missionare ein wunderbarer Segen sein, denn dort erfahren sie mehr über die Tempelbündnisse, bevor sie die Segnungen dieser Bündnisse der Welt verkünden.

Meinem Studium von Abschnitt 109 entnehme ich aber auch, dass Gott neuen Missionaren – und grundsätzlich uns allen – im Tempel zusätzlich auf heilige Weise Kraft verleiht. In dem Weihungsgebet, das ja durch Offenbarung gegeben wurde, betete der Prophet Joseph Smith darum, dass dann, „wenn deine Diener … aus deinem Haus hingehen und von deinem Namen Zeugnis geben“, das Herz aller erweicht werde, sowohl „der Großen auf Erden“ als auch „aller Armen, der Bedürftigen und Bedrängten“. Er betete, dass „ihre Vorurteile vor der Wahrheit zurückweichen und dein Volk Gunst finde in den Augen aller; damit alle Enden der Erde wissen mögen, dass wir, deine Diener, deine Stimme vernommen haben und dass du uns gesandt hast“.

Das ist für jeden neu berufenen Missionar doch eine wundervolle Verheißung – dass „Vorurteile vor der Wahrheit zurückweichen“ und man „Gunst finde in den Augen aller“ und die Welt wisse, dass sie vom Herrn gesandt sind! Jeder von uns braucht doch diese Segnungen ebenso. Was wäre das für ein wundervoller Segen, wenn bei unserem Umgang mit Nachbarn und Kollegen das Herz erweicht würde! In dem Weihungsgebet wird nicht im Einzelnen dargelegt, wie unsere Zeit im Tempel das Herz unserer Mitmenschen erweicht, doch ich bin mir sicher, es hängt damit zusammen, dass die Zeit im Haus des Herrn unser eigenes Herz erweicht, weil wir uns auf Jesus Christus und seine Barmherzigkeit ausrichten.

Der Herr erhört Joseph Smiths Flehen um Erbarmen

Beim Studium des Weihungsgebets von Kirtland fiel mir auf, dass Joseph immer wieder um Erbarmen flehte – Erbarmen mit den Mitgliedern der Kirche, den Feinden der Kirche, den Herrschenden des Landes, den Nationen der Erde. In eigener Sache flehte er den Herrn an, seiner zu gedenken und seiner lieben Emma und ihren Kindern Erbarmen zu erweisen.

Wie muss Joseph wohl zumute gewesen sein, als ihm und Oliver Cowdery eine Woche später zu Ostern, am 3. April 1836, im Kirtland-Tempel der Erretter erschien und ihnen, wie in Abschnitt 110 von Lehre und Bündnisse steht, zusicherte: „Ich habe dieses Haus angenommen, und mein Name wird hier sein, und ich werde mich meinem Volk mit Barmherzigkeit in diesem Haus kundtun.“ Die verheißene Barmherzigkeit muss Joseph also viel bedeutet haben. Wie es Präsident Nelson vergangenen April ausgedrückt hat, erstreckt sich diese Verheißung auf „jeden geweihten Tempel“.

Im Haus des Herrn finden wir Barmherzigkeit

Es gibt unterschiedliche Arten, wie jeder von uns im Haus des Herrn Barmherzigkeit findet. Dies ist schon seit damals so, als der Herr dem Volk Israel erstmals geboten hatte, ein Heiligtum zu bauen und in der Mitte eine „Sühneplatte“ aufzustellen. Im Tempel wird uns Barmherzigkeit in den Bündnissen zuteil, die wir schließen. Diese Bündnisse binden uns – zusätzlich zum Taufbund – an den Vater und den Sohn und schenken uns vermehrt Zugang zu dem, was Präsident Nelson als besondere „Art der Liebe und Barmherzigkeit“ bezeichnet hat, die im Hebräischen hesed genannt wird.

In der Möglichkeit, für die Ewigkeit an unsere Familie gesiegelt zu sein, wird uns Barmherzigkeit zuteil. Im Tempel wird uns auch deutlicher klar, dass die Schöpfung, der Fall, das Sühnopfer des Erretters und unsere Fähigkeit, wieder in die Gegenwart unseres himmlischen Vaters einzutreten – jeder Teilbereich des Erlösungsplans also –, von Barmherzigkeit zeugen. Man könnte sagen, der Erlösungsplan sei genau deswegen ein Plan des Glücklichseins, weil er ein „Plan der Barmherzigkeit“ ist.

Das Streben nach Vergebung öffnet das Tor zum Heiligen Geist

Ich bin dankbar für die schöne Verheißung in Abschnitt 110, dass sich der Herr in seinen Tempeln mit Barmherzigkeit kundtut. Ich bin froh, dass daraus hervorgeht: Der Herr tut sich mit Barmherzigkeit kund, wann immer wir – so wie Joseph – um Erbarmen flehen.

Joseph Smiths Bitte um Erbarmen in Abschnitt 109 war nicht das erste Mal, dass sein Flehen um Barmherzigkeit zu einer Offenbarung geführt hat. Im heiligen Hain betete der junge Joseph nicht bloß darum, zu wissen, welche Kirche wahr sei – seinen Worten nach flehte er auch „den Herrn um Gnade an, denn es gab niemand sonst, zu dem ich gehen konnte, um Gnade zu erlangen“. Das Bewusstsein, er brauche Barmherzigkeit, wie sie allein der Herr schenken kann, trug also gewissermaßen dazu bei, dass sich die Schleusen des Himmels öffneten. Drei Jahre später erschien Joseph der Engel Moroni im Anschluss an Josephs, wie er sagt, „Gebet und Flehen an den allmächtigen Gott, er möge mir alle meine Sünden und Torheiten vergeben“.

Das Muster, dass nach dem Flehen um Barmherzigkeit Offenbarung erfolgt, kennen wir aus der Schrift. Enos vernahm erst nach seinem Gebet um Vergebung die Stimme des Herrn. Die Bekehrung von König Lamonis Vater setzte mit diesem Gebet ein: „Ich werde alle meine Sünden aufgeben, um dich zu erkennen.“ Wir erleben vielleicht nichts derart Aufsehenerregendes, doch für jemanden, dem es bisweilen schwerfällt, die Antwort auf ein Gebet zu fühlen, besteht eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, das Zeugnis des Heiligen Geistes zu verspüren, darin, dass man sich um Barmherzigkeit vom Herrn bemüht.

Der Gedanke, wie barmherzig der Herr ist, öffnet das Tor zu einem Zeugnis vom Buch Mormon

So ähnlich kommt dieser Grundsatz auch in Moroni 10:3-5 gut zum Ausdruck. Diese Verse fassen wir oft in dem Sinne kurz zusammen, dass wir durch aufrichtiges Beten wissen können, ob das Buch Mormon wahr ist. Doch bei dieser Kurzfassung kommt die wesentliche Rolle der Barmherzigkeit mitunter gar nicht zum Tragen. Moroni beginnt seine Aufforderung dergestalt: „Ich möchte euch ermahnen, wenn ihr dieses hier lesen werdet, … dass ihr daran denkt, wie barmherzig der Herr zu den Menschenkindern gewesen ist, von der Erschaffung Adams an bis herab zu der Zeit, da ihr dieses hier empfangen werdet, und dass ihr im Herzen darüber nachdenkt.“

Moroni bittet uns nicht nur eindringlich, dies zu lesen – den Bericht nämlich, den er nun bald versiegeln sollte –, sondern auch im Herzen daran zu denken, was das Buch Mormon dazu kundtut, „wie barmherzig der Herr zu den Menschenkindern gewesen ist“. Gerade der Gedanke, wie barmherzig der Herr ist, versetzt uns ja in die Lage, „Gott, den ewigen Vater, im Namen Christi [zu fragen], ob es wahr ist“.

Wenn wir uns über das Buch Mormon Gedanken machen, könnten wir uns etwa fragen: Ist wirklich wahr, was Alma lehrt, dass Gottes Plan der Barmherzigkeit dafür sorgt, dass jeder Mensch, der je auf dieser Erde gelebt hat, auferstehen wird und dass jeder zu seiner vollkommenen Gestalt wiederhergestellt wird? Hat Amulek Recht? Kann die Barmherzigkeit des Erretters alle schmerzhaft realen Forderungen der Gerechtigkeit befriedigen, für die wir sonst bezahlen müssten, und uns stattdessen „mit den Armen der Sicherheit [umschließen]“?

Stimmt es, wie Alma bezeugt, dass Christus nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für unsere „Schmerzen und Bedrängnisse“ gelitten hat, damit er „wisse, wie er seinem Volk beistehen könne gemäß dessen Schwächen“? Ist der Herr wirklich so barmherzig, wie König Benjamin sagt, dass er aus freien Stücken „für die Sünden derjenigen [sühnt], die gestorben sind, ohne den Willen Gottes in Bezug auf sich zu kennen, oder die unwissentlich gesündigt haben“?

Stimmt es, wie Lehi erklärt, dass „Adam fiel, damit Menschen sein können, und Menschen sind, damit sie Freude haben können“? Ist wirklich wahr, was Abinadi bezeugt, als er Jesaja zitiert, dass Jesus Christus nämlich verwundet wurde „für unsere Übertretungen, er wurde zerschlagen für unsere Übeltaten. Die Züchtigung um unseres Friedens willen war auf ihm; und durch seine Striemen sind wir geheilt“?

Zusammengefasst: Ist der Plan des Vaters, wie er aus dem Buch Mormon hervorgeht, wirklich dermaßen barmherzig? Ich bezeuge, dass dem so ist, und dass die Lehren des Buches Mormon von der Barmherzigkeit, die uns Frieden und Hoffnung schenken, wahr sind.

Ich kann mir vorstellen, dass es dennoch manchen schwerfallen mag, obwohl sie treu lesen und beten, Moronis Verheißung als wahr zu erkennen, dass uns der Vater im Himmel „durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun [wird], dass es wahr ist“. Ich kenne diese Problematik, weil ich dies vor vielen Jahren selbst empfunden habe, nachdem ich das Buch Mormon bereits einige Male durchgelesen und nie eine sofortige, eindeutige Antwort auf meine Gebete erhalten hatte.

Falls es Ihnen also auch so geht, möchte ich Sie bitten, Moronis Rat zu befolgen und sich Gedanken darüber zu machen, auf welch unterschiedliche Weise das Buch Mormon zum Ausdruck bringt, „wie barmherzig der Herr zu den Menschenkindern gewesen ist“. Auf Basis eigener Erfahrung hoffe ich, dass Ihnen dann der Frieden des Heiligen Geistes ins Herz dringt und Sie wissen, glauben und spüren, dass das Buch Mormon und der Plan der Barmherzigkeit, von dem es zeugt, wahr sind.

Ich bin dankbar für des Vaters großen Plan der Barmherzigkeit und für des Erretters Bereitschaft, ihn auszuführen. Ich weiß: Wenn wir ihn suchen, tut er sich in Barmherzigkeit in seinem heiligen Tempel kund und ebenso in jedem Teilbereich unseres Lebens. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Anmerkungen

  1. Russell M. Nelson, „Freude über die Gabe der Priestertumsschlüssel“, Liahona, Mai 2024, Seite 121

  2. Russell M. Nelson, „Freude über die Gabe der Priestertumsschlüssel“, S. 121

  3. Siehe Allgemeines Handbuch: Wie man in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dient, 24.5.1, Archiv Kirchenliteratur

  4. Wie bei allen Tempelsegnungen werden uns diese nur dann von Gott zuteil, wenn wir die Bündnisse halten, die wir im Tempel schließen; siehe Russell M. Nelson, „Die Welt überwinden und Ruhe finden“, Liahona, November 2022, S. 96: „Jeder, der in einem … Tempel Bündnisse schließt und diese dann hält, kann vermehrt auf die Macht Jesu Christi zugreifen.“

    Führen Sie sich als weiteres Beispiel die Aussage der Ersten Präsidentschaft zum Tragen des Garments vor Augen: „Wenn Sie Ihre Bündnisse halten – darunter der heilige Vorzug, das Garment so zu tragen, wie es bei den Vorverordnungen erklärt wird –, haben Sie vermehrt Zugang zu der Barmherzigkeit, dem Schutz, der Kraft und der Macht des Erretters.“ (Allgemeines Handbuch, 26.3.3.2; Hervorhebung hinzugefügt.)

  5. Lehre und Bündnisse 109:55-57

  6. Siehe Russell M. Nelson, „Der Herr Jesus Christus wird wiederkommen“, Liahona, November 2024, S. 121f.: „Hier ist meine Verheißung an Sie: Jeder, der Jesus Christus aufrichtig sucht, findet ihn im Tempel. Sie werden seine Barmherzigkeit spüren.“

  7. Siehe Lehre und Bündnisse 109:34: „Sei barmherzig zu diesem Volk, und da alle Menschen sündigen, so vergib deinem Volk seine Übertretungen und lass sie für immer ausgelöscht sein.“

  8. Siehe Lehre und Bündnisse 109:50

  9. Siehe Lehre und Bündnisse 109:54. Joseph flehte den Herrn auch an: „Habe Erbarmen mit den Kindern Jakob, damit die Erlösung Jerusalems von dieser Stunde an ihren Anfang nehme und das Joch der Knechtschaft von nun an vom Haus David weggebrochen werde und die Kinder Juda anfangen können, in die Länder zurückzukehren, die du ihrem Vater Abraham gegeben hast.“ (Lehre und Bündnisse 109:62-64.)

  10. Siehe Lehre und Bündnisse 109:68

  11. Siehe Lehre und Bündnisse 109:69. Das Oxford English Dictionary definiert den englischen Begriff mercy als „Milde und Mitgefühl einem Machtlosen gegenüber“ („mercy“, oed.com). Somit stehen Begriffe wie Barmherzigkeit, Erbarmen oder auch Gnade für Gottes liebevolles Wohlwollen, für hesed also. Erbarmen bedeutet dabei eher, dass eine verdiente Strafe ausgesetzt wird, wohingegen unter Gnade im Normalfall eine Segnung verstanden wird, die wir ohne eigene Verdienste von Gott erhalten.

  12. Lehre und Bündnisse 110:7

  13. In einer auf die beiden persönlich zugeschnittenen Kundgebung der Barmherzigkeit erfuhren Joseph und Oliver: „Siehe, eure Sünden sind euch vergeben; ihr seid rein vor mir; darum hebt euer Haupt empor und freut euch.“ (Lehre und Bündnisse 110:5.)

  14. Russell M. Nelson, „Freude über die Gabe der Priestertumsschlüssel“, S. 119. Präsident Nelson hat uns aufgefordert: „Ich ermuntere Sie, darüber nachzudenken, was die Verheißung des Herrn für Sie persönlich bedeutet.“

  15. Siehe Bible Dictionary, Stichwort „Tabernacle“: „Das Allerheiligste enthielt nur einen einzigen Einrichtungsgegenstand – die Lade des Bundes. … Auf der Lade befand sich als Deckel die Sühneplatte. Die Sühneplatte diente (mit der Lade des Bundes darunter) als Altar, auf dem die höchste Sühne vollzogen wurde, die es nach jüdischem Gesetz gab. Darauf wurde am Versöhnungstag das Blut des Sündopfers gespritzt (siehe Levitikus 16:14,15). Die Sühneplatte war der Ort, wo sich Gottes Herrlichkeit kundtat (Exodus 25:22).“

  16. Russell M. Nelson, „Der immerwährende Bund“, Liahona, Oktober 2022, Seite 5. Präsident Nelson weist darauf hin, dass hesed „weder im Englischen noch in vielen anderen Sprachen eine eindeutige Entsprechung“ hat. Wo im Hebräischen hesed steht, finden wir in deutschen Übersetzungen des Alten Testaments Begriffe wie Barmherzigkeit, Erbarmen, Gnade, Liebe oder liebevolles Wohlwollen.

  17. Siehe Allgemeines Handbuch, 27.2. Der Erretter lehrt, dass außer durch den Erretter niemand von uns zum Vater kommen kann (siehe Johannes 14:6). Im Buch Lehre und Bündnisse beschreibt der Herr auf wunderschöne Weise, wie er für uns um Barmherzigkeit fleht:

    „Hört auf ihn, der der Fürsprecher beim Vater ist, der sich vor ihm für eure Sache einsetzt –

    nämlich: Vater, sieh die Leiden und den Tod dessen, der keine Sünde getan hat, an dem du Wohlgefallen gehabt hast; sieh das Blut deines Sohnes, das vergossen wurde, das Blut dessen, den du hingegeben hast, damit du selbst verherrlicht werdest;

    darum, Vater, verschone diese meine Brüder, die an meinen Namen glauben, auf dass sie zu mir kommen können und immerwährendes Leben haben.“ (Lehre und Bündnisse 45:4,5.)

  18. Präsident Jeffrey R. Holland hat einmal gesagt, dass „Gott am Gottsein gewiss die Tatsache am besten gefällt, dass er barmherzig sein darf – vor allem auch denen gegenüber, die es nicht erwarten und oft auch meinen, es nicht zu verdienen“ („Die Arbeiter im Weinberg“, Liahona, Mai 2012, S. 33). Siehe auch Lehre und Bündnisse 128:19: „Nun, was vernehmen wir in dem Evangelium, das wir empfangen haben? Eine Stimme der Freude! Eine Stimme der Barmherzigkeit vom Himmel und eine Stimme der Wahrheit aus der Erde; frohe Nachricht für die Toten; eine Stimme der Freude für die Lebenden und die Toten; frohe Nachricht von großer Freude.“

  19. Alma 42:15. Barmherzigkeit steht seit jeher im Mittelpunkt des Erlösungsplans. Drei Schriftstellen über das Wirken Christi sind hier bezeichnend. Nephi schreibt ganz am Ende des ersten Kapitels im Buch Mormon: „Siehe, ich, Nephi, werde euch zeigen, dass die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn über all denen waltet, die er ihres Glaubens wegen erwählt hat, um sie mächtig zu machen, ja, zur Kraft der Befreiung.“ (1 Nephi 1:20.)

    In Exodus 34:6 bezeichnet der Herr seinen Namen Mose gegenüber als „der Herr, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue“. Vereinzelt wird angenommen, dass von Propheten des Alten Testaments öfter auf diesen Vers Bezug genommen wird als auf sonst eine Schriftstelle im Alten Testament.

    Führen wir uns vor Augen, wie im Evangelium des Lukas im Neuen Testament Zacharias stumm wurde und „nicht mehr reden“ konnte, weil er die Verheißung des Engels anzweifelte, dass Elisabet in ihrem hohen Alter einen Sohn bekommen werde, der Johannes der Täufer werden sollte (siehe Lukas 1:20). Als Zacharias endlich wieder über seine Stimme verfügte, wurde er „vom Heiligen Geist erfüllt und begann prophetisch zu reden“. Er sagte – als erste öffentliche Ankündigung, dass die Zeit für den Messias nunmehr gekommen sei – voraus, der Herr werde kommen und er habe „das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht, an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat“ (Lukas 1:67-73; Hervorhebung hinzugefügt).

  20. „Geschichte, etwa Sommer 1832“, Joseph Smiths Berichte von der ersten Vision, Archiv Kirchenliteratur; siehe auch Abhandlungen zu Evangeliumsthemen, „Berichte über die erste Vision“, Archiv Kirchenliteratur, insbesondere den Bericht von 1832

  21. Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:29. In Lehre und Bündnisse 20:5,6 findet sich eine weitere Beschreibung, welche Rolle die Umkehr in diesen beiden großen Visionen spielt. Josephs Worten zufolge dürfe „niemand glauben, ich hätte mich irgendwelcher großen oder bösartigen Sünden schuldig gemacht“, dennoch hatte er das Gefühl, er sei seiner „Schwachheit und Unzulänglichkeiten wegen schuldig“ und bedürfe der Vergebung (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:28,29).

  22. Siehe Enos 1:1-8

  23. Alma 22:18. Almas Gebet „O Jesus, du Sohn Gottes, sei barmherzig zu mir“ führte zu einer Flut an Licht und zur Linderung der Qual (siehe Alma 36:17-20). Präsident Jeffrey R. Holland hat über Almas flehentliche Bitte gesagt: „Vielleicht ist so ein Gebet, auch wenn es kurz ist, das wesentlichste, das in einer gefallenen Welt gesprochen werden kann. Worum auch immer wir sonst beten, was auch immer wir sonst brauchen, letztlich läuft es doch stets auf die Bitte hinaus: ‚O Jesus, du Sohn Gottes, sei barmherzig zu mir!‘“ (Our Day Star Rising: Exploring the New Testament with Jeffrey R. Holland, S. 170f.)

  24. Elder Kyle S. McKay drückt es so aus: „Die regelmäßige Umkehr, die Josephs Leben kennzeichnete, schenkt mir das Vertrauen, dass ich ‚voll Zuversicht hinzutreten [kann] zum Thron der Gnade‘, damit ich Erbarmen finde.“ („Der Mann, der einst sprach mit Jehova“, Liahona, November 2024, S. 61.)

  25. Moroni 10:3

  26. Moronis Bitte am Schluss des Buches knüpft genau an das an, was Nephi zu Beginn des Buches Mormon über den Zweck seiner Aufzeichnungen auf den Platten schreibt: „Aber siehe, ich, Nephi, werde euch zeigen, dass die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn über all denen waltet, die er ihres Glaubens wegen erwählt hat, um sie mächtig zu machen, ja, zur Kraft der Befreiung.“ (1 Nephi 1:20.)

  27. Moroni 10:4

  28. Siehe Mormon 9:13

  29. Siehe Alma 40:23: „Die Seele wird dem Leib wiederhergestellt werden und der Leib der Seele; ja, und jedes Glied und Gelenk wird seinem Leib wiederhergestellt werden; ja, auch nicht ein Haar des Hauptes wird verloren sein, sondern alles wird zu seiner rechten und vollkommenen Gestalt wiederhergestellt werden.“

  30. Alma 34:16. Angesichts der Barmherzigkeit des Herrn könnten wir versucht sein, Barmherzigkeit von Gerechtigkeit zu entkoppeln und zu meinen, die liebevolle Barmherzigkeit des himmlischen Vaters könne sich alleine über die Gerechtigkeit hinwegsetzen. Doch Alma zufolge konnte „der Plan der Barmherzigkeit nicht zuwege gebracht werden, wenn nicht ein Sühnopfer gebracht wurde; darum sühnt Gott selbst für die Sünden der Welt, um den Plan der Barmherzigkeit zuwege zu bringen, um die Forderungen der Gerechtigkeit zu befriedigen, auf dass Gott ein vollkommener, gerechter Gott sei, und auch ein barmherziger Gott“ (Alma 42:15; Hervorhebung hinzugefügt).

    Sämtliche barmherzige Liebe des Erretters zu uns vermochte uns nicht zu erretten. Sein Leiden – die Qual echter, schmerzhafter Forderungen der Gerechtigkeit – ist es, was uns errettet. Das schmälert selbstverständlich in keiner Weise den Stellenwert seiner Liebe zu uns. Gewiss war es seine Liebe zu uns – und sein Wunsch, den Willen des liebevollen Vaters zu tun –, die dazu geführt haben, dass er bereitwillig das Leiden auf sich nahm (siehe Johannes 3:16; Lehre und Bündnisse 34:3). Doch Liebe allein hätte nicht gereicht.

    Manchmal konzentrieren wir uns so sehr darauf, dass er uns liebt, wie wir nun mal eben sind, dass wir aus den Augen verlieren, dass wir als natürliche Menschen unweigerlich ein Verhalten an den Tag legen, das der Erwartung, die Gebote zu halten, nicht gerecht wird, und dass die Erfordernisse der Gerechtigkeit erfüllt werden müssen. Wenn wir das missverstehen und meinen, seine Liebe könne die Forderungen der Gerechtigkeit aufheben, begrenzen wir die Gabe seines Sühnopfers und minimieren das Leiden, mit dem er den schrecklichen Preis bezahlt hat, den die Gerechtigkeit verlangt. Es wäre doch geradezu entmutigend paradox, würde seine Liebe zu uns so verstanden werden, als mache sie sein Sühnopfer unnötig. Wie viel besser ist es doch, den gesamten Forderungen der Gerechtigkeit ins Auge zu blicken und dann dankbar dafür zu sein, dass er uns ausreichend liebt, um – uns zuliebe – diese konkreten Forderungen auf sich zu nehmen.

  31. Alma 7:11,12

  32. Mosia 3:11

  33. 2 Nephi 2:25

  34. Mosia 14:5

  35. Moroni 10:4

  36. Moroni 10:3

  37. Präsident M. Russell Ballard bittet uns, Zeugnis abzulegen für das, „was Sie wissen und glauben und was Sie spüren“. („Bedenken wir, was am wichtigsten ist“, Liahona, Mai 2023, S. 107.)

  38. Diese Anregung nenne ich nicht in der Absicht, eine Art „Ersatzrezept“ für ein Zeugnis von der Wahrheit des Buches Mormon oder des Evangeliums anzubieten. Elder David A. Bednar hat in Bezug auf Offenbarung erklärt: „Das Licht in einem dunklen Zimmer einzuschalten, ist damit vergleichbar, dass man eine Botschaft von Gott ganz schnell, vollständig und mit einem Mal erhält.“ Es kann aber auch so sein, „wie das Licht beim Sonnenaufgang allmählich zunimmt, … ‚Zeile um Zeile …, Weisung um Weisung‘ (2 Nephi 28:30). Solche Mitteilungen vom Vater im Himmel fallen allmählich und auf sanfte Weise ‚auf [unsere Seele] wie der Tau vom Himmel‘ (Lehre und Bündnisse 121:45). Dieses Offenbarungsmuster ist weiter verbreitet und nicht so selten.“ („Der Geist der Offenbarung“, Liahona, Mai 2011, S. 88.)