Unser gottgegebenes Orientierungssystem
Richten wir unser Leben auf Jesus Christus aus, so finden wir den Weg nach Hause, harren dabei bis ans Ende aus und freuen uns bis ans Ende
Als ich mich mit 26 in meiner schönen Heimatstadt Frutillar in Chile taufen ließ, lenkte Jesus Christus mein Leben in neue Bahnen. Damals war ich beruflich viel im chilenischen Teil Patagoniens unterwegs – am Meer, an den Flüssen und Seen. Nach meiner Taufe sah ich meinen Beruf und mein Leben mit anderen, mit neuen Augen und stellte fest, dass wahrhaftig alles darauf hindeutet, „dass es einen Gott gibt“.
In freier Wildbahn schlüpfen Lachse am Oberlauf von Flüssen. Ab einem bestimmten Punkt ihres Lebens schwimmen sie stromabwärts ins Meer, wo Futter und Lebensbedingungen vorherrschen, die für ihre weitere Entwicklung vonnöten sind.
Doch der Ozean ist auch ein gefährlicher Ort – Raubtiere lauern dort auf Beute und Fischer versuchen, den Lachs mit auffälligen Angelhaken zu ködern, die zwar aussehen wie Futter, jedoch keinerlei Nahrung bereithalten. Überlebt der Lachs diese Bedrohungen, kehrt er, gestützt auf sein machtvolles inneres Orientierungssystem, in der Folge stromaufwärts an den Ort zurück, wo er geschlüpft ist. Der Weg stellt ihn vor neue, aber auch vor altbekannte Gefahren. Die Wanderung der Lachse ist wissenschaftlich seit Jahren erforscht. Es ist erwiesen, dass sich Lachse einer Art Magnetfeldkarte bedienen, die so ähnlich wie ein GPS funktioniert und sie unglaublich treffsicher ihr Endziel anpeilen lässt.
Wir alle können eines Tages in das himmlische Zuhause zurückkehren, aus dem wir gekommen sind. Wie der Lachs verfügen auch wir über eine Art Magnetfeldkarte – das Licht Christi, das uns den Weg heimwärts weist. Jesus hat seinen Jüngern erklärt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
Richten wir unser Leben auf Jesus Christus aus, so finden wir den Weg nach Hause, harren dabei bis ans Ende aus und freuen uns bis ans Ende. Präsident Russell M. Nelson hat festgestellt: „Die Freude, die wir empfinden, hat wenig mit unseren Lebensumständen und vielmehr damit zu tun, worauf wir im Leben den Blick richten.“
Unser göttliches Wesen und unsere göttliche Bestimmung
In der Proklamation zur Familie heißt es: „Jeder [von uns] ist ein geliebter Geistsohn oder eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung. … Im vorirdischen Dasein kannten und verehrten die Geistsöhne und -töchter Gott als ihren ewigen Vater und nahmen seinen Plan an, nach dem seine Kinder einen physischen Körper erhalten und die Erfahrungen des irdischen Lebens machen konnten, um sich auf die Vollkommenheit hin weiterzuentwickeln und letztlich als Erben ewigen Lebens ihre göttliche Bestimmung zu verwirklichen.“
Bevor Jesus Christus auf der Erde geboren wurde, erschien er Mose und sprach im Auftrag des Vaters mit ihm. Er ließ Mose wissen, dass er eine wichtige Arbeit für ihn habe. Im Verlauf dieses Gesprächs nannte ihn der Herr mehrmals „mein Sohn“.
Anschließend kam der Satan, versuchte ihn und sprach: „Mose, Menschensohn, bete mich an!“
Mose ging mit der Versuchung so um, dass er sich sein göttliches Wesen vor Augen führte und fragte: „Wer bist du? Denn siehe, ich bin ein Sohn Gottes.“ Diese Wahrheit befreite Mose vom Angriff des Widersachers.
Brüder und Schwestern, im Erdenleben gibt es tatsächlich solche Angelhaken! Oftmals sind sie verlockend, doch ihr Ziel ist stets dasselbe: uns aus dem Strom lebendigen Wassers herauszuziehen, der heim zum Vater und zum ewigen Leben führt.
Ich habe selbst erlebt, wie konkret solche Angelhaken des Erdenlebens sein können. Als Neubekehrter unterrichtete ich eines Sonntags eine Priestertumsklasse. Ein verstörendes Unterrichtsgespräch entwickelte sich. Es war nicht leicht für mich, den Unterricht überhaupt zu Ende zu führen. Ich fühlte mich in der Opferrolle und war beleidigt. Wortlos begab ich mich schnurstracks zur Ausgangstür – in der festen Absicht, eine Weile nun keinen Fuß mehr in die Kirche zu setzen.
Genau in diesem Augenblick verstellte mir ein besorgter Priestertumsträger den Weg. Liebevoll bat er mich, doch auf Christus zu blicken und nicht das Vorkommnis in der Klasse im Auge zu behalten. Als ich später mit ihm über diesen Vorfall sprach, erzählte er mir, dass er damals eine Stimme gehört hatte, die ihm auftrug: „Eile ihm nach! Er ist mir wichtig.“
Meine lieben Freunde, wir alle sind Gott wichtig. Präsident Nelson hat festgestellt: „Aufgrund unseres Bundes mit ihm wird Gott nie müde, uns zu helfen, und seine barmherzige Geduld mit uns erschöpft sich niemals.“ Unser göttliches Wesen und unsere Bündnisbeziehung zu Gott verleihen uns ein Anrecht auf göttliche Hilfe.
Die Notwendigkeit geistiger Nahrung
So wie der Lachs das Futter aus dem Ozean braucht, um heranwachsen zu können, müssen auch wir uns geistig nähren, damit wir nicht einer geistigen Mangelernährung zum Opfer fallen. Gebet, heilige Schriften, Tempel und regelmäßiger Besuch der Sonntagsversammlungen sind für unseren geistigen Speisezettel überlebensnotwendig.
Im November 1956 ließ sich in Chile Ricardo García taufen. Er wurde in meiner Heimat das erste Mitglied der Kirche. Am Tag vor seinem Dahinscheiden bezeugte er seiner Familie und seinen Freunden: „Vor Jahren haben mich die Missionare aufgefordert, mit meinen Lieben glücklich zu sein. Ich bin glücklich. Erzählt jedem in Chile, dass das Evangelium glücklich macht.“
Nachdem Ricardo durch das Evangelium Jesu Christi genährt worden war, widmete er sein gesamtes Leben dem liebevollen Dienst an Gott und seinen Nächsten. Sein Beispiel als Jünger Christi ist Generationen nach ihm ein Segen – ebenso auch mir. Der Prophet Joseph Smith hat erklärt: „Wer von der Liebe Gottes durchdrungen ist, der will nicht allein seiner Familie ein Segen sein, vielmehr will er überall, wo er ist, der ganzen Menschheit zum Segen gereichen.“
Rückkehr in unser himmlisches Zuhause
Tief im Inneren eines jeden von uns schlummert der Wunsch, in unser himmlisches Zuhause zurückzukehren, und Jesus Christus ist unser gottgegebenes Orientierungssystem. Er ist der Weg. Sein Sühnopfer ermöglicht es uns, mit Gott heilige Bündnisse zu schließen. Nachdem wir Bündnisse geschlossen haben, merken wir bisweilen, dass wir gegen den Strom schwimmen müssen. Gefahren, Enttäuschung, Versuchungen und Leid stellen unseren Glauben und unsere geistige Kraft auf die Probe. Beten Sie um Hilfe. Jesus Christus ist verständnisvoll und jederzeit gern bereit, die Last mit uns gemeinsam zu tragen.
Immerhin wird er ja als „Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut“ bezeichnet. Der Erretter hat gesagt: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ Sein Sühnopfer macht es möglich, dass uns die Sünden vergeben werden – so weit sogar, dass der Herr gar nicht mehr an sie denkt.
Wir selber vergessen unsere Sünden vielleicht nicht zur Gänze, da wir als Teil unseres irdischen Lernprozesses ja daran denken sollen, sie nicht zu wiederholen. Stattdessen denken wir, wenn wir Sonntag für Sonntag in der Kirche vom Abendmahl nehmen, an unseren Herrn. Diese heilige Handlung ist unabdingbarer Teil unseres Gottesdienstes und unserer geistigen Entwicklung. Freude stellt sich ein, wenn wir begreifen, dass dies nicht bloß ein weiterer Wochentag ist. „Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht“ – zu dem Zweck nämlich, uns vor der Welt Ruhe zu schenken und Körper und Geist zu erneuern.
Wir denken auch an den Herrn, wenn wir in den Tempel gehen, ins Haus des Herrn. Der Tempel schenkt uns tiefgründigeres Wissen über Jesus Christus, der ja der Dreh- und Angelpunkt des Bündnisses ist, das uns zu ewigem Leben führt, der größten aller Gaben Gottes.
Der Tempelbesuch schenkt mir Trost und große Hoffnung, was unsere ewige Bestimmung betrifft. Ich habe bereits eine erhabene Verbindung zu Menschen auf beiden Seiten des Schleiers erlebt. Im Leben meiner kleinen Kinder habe ich Wunder der Heilung erlebt. Zwei von ihnen leben mit Krankheiten, die man zwar nicht sieht, die aber für den Rest ihres Lebens tagtäglicher Aufmerksamkeit bedürfen.
Wenn wir uns über den Plan des Glücklichseins austauschen, kommt in unserer Familie große Freude auf. Meine Kinder strahlen, wenn sie hören, dass ihre Bedrängnisse dank Jesus Christus „nur einen kleinen Augenblick dauern“. Wir lieben unsere Kinder von Herzen und wissen, dass sie, wie Präsident Jeffrey R. Holland es ausgedrückt hat, „dereinst verherrlicht und strahlend schön vor uns stehen werden, atemberaubend vollkommen an Körper und Geist“. Unsere Bündnisse bringen uns Gott näher – bis zu dem Punkt sogar, wo Unmögliches möglich wird und jeder freie Raum der Dunkelheit und des Zweifels mit Licht und Frieden erfüllt ist.
Dank Jesus Christus gibt es Hoffnung und triftige Gründe, die Menschen, die uns am Herzen liegen, weiterhin liebzuhaben, für sie zu beten und für sie da zu sein.
Ich weiß, der Heiland lebt. Er kennt und er liebt uns. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben der Welt.
Ich bitte heute uns alle, unser Leben auf Jesus Christus und seine Lehren auszurichten. Dadurch vermeiden wir es, uns von den Angelhaken der Versuchung, des Anstoßes und des Selbstmitleids ködern zu lassen. Wir stehen dann wie Tempel da – heilig, unverrückbar und beständig. Wir überstehen dann die Stürme und schaffen es nach Hause. Wir harren bis ans Ende aus und freuen uns bis ans Ende. Im Namen Jesu Christi. Amen.