2025
Direkt vor unseren Augen
Mai 2025


14:1

Direkt vor unseren Augen

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wächst die Zahl der Mitglieder und Familien, der Missionen und Missionare, der Gemeindehäuser und Tempel

Brüder und Schwestern, ich bin sehr dankbar, bei Ihnen zu sein. Wir haben Sie lieb, wir sind dankbar für Sie, und wir empfinden Ihre Gebete als Segen.

Präsident Russell M. Nelson sagte auf unserer letzten Konferenz: „Erkennen Sie, was direkt vor unseren Augen geschieht? Bitte achten wir darauf, dass uns die Erhabenheit dieses Augenblicks nicht entgeht! Der Herr beschleunigt sein Werk in der Tat.“

„Beschleunigt sein Werk“ – „beschleunigen“ ist ein Wort von großer Bedeutung. Es weist auf schnelle Bewegung und zunehmendes Tempo hin und auch auf eine gewisse Dringlichkeit. Was das Wachstum der Kirche und den Plan Christi anbelangt, ist eine Beschleunigung im Gange. Und wir sind alle mit dabei!

Im April 1834 rief der Prophet Joseph Smith in Kirtland im Bundesstaat Ohio alle Priestertumsträger in einem Schulhäuschen von gut 18 Quadratmeter Grundfläche zusammen. Wir könnten Dutzende solcher Schulhäuser in dieses Konferenzzentrum packen und es wäre noch Platz übrig. Joseph Smith sagte: „Es ist nur eine kleine Handvoll Priestertumsträger, die ihr hier seht, aber diese Kirche wird Nord- und Südamerika erfüllen – sie wird die Welt erfüllen.“

Diese Prophezeiung geht „direkt vor unseren Augen“ gerade in Erfüllung. In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wächst die Zahl der Mitglieder und Familien, der Missionen und Missionare, der Gemeindehäuser und Tempel sowie der Einschreibungen an unseren Seminaren, Instituten und Hochschulen in aller Welt.

Wir sind dankbar, zu einem Zeitpunkt hier auf der Erde zu sein, da die Kirche an Mitgliedern und an Einfluss zunimmt. Noch wichtiger jedoch ist, dass sie im Herzen und im Leben ihrer Mitglieder an Einfluss gewinnt. Man kennt uns als Jünger Jesu Christi. Wir legen Zeugnis für den Herrn, die Kirche des Herrn, die Wege des Herrn und seinen Weg der Bündnisse ab. Wir sind sein Volk und er ist unser Erretter.

Ich staune über das, was Präsident Nelson die „Erhabenheit dieses Augenblicks“ nennt, und sage dem Herrn aus tiefstem Herzen Dank für sein Werk. Ich möchte uns Mut machen, als seine Jünger aufrecht dazustehen, als Augenzeugen, wie sich Prophezeiungen aus alter und neuer Zeit erfüllen.

So wie zur Zeit des Propheten Joseph Smith gibt es auch heute Schwarzseher, die „Siehe hier!“ und „Siehe dort!“ rufen. In diesem edlen Werk sind und bleiben sie jedoch lediglich Randnotizen. Halten wir uns die Worte Joseph Smiths vor Augen: „Keine unheilige Hand kann den Fortschritt dieses Werks aufhalten; Verfolgung mag wüten, … aber die Wahrheit Gottes wird vorwärtsschreiten, unerschrocken, erhaben und unbeirrbar, bis sie jeden Kontinent durchdrungen, jeden Breitengrad erreicht, jedes Land überzogen hat und in jedem Ohr erklungen ist, bis die Pläne Gottes verwirklicht sind und der große Jehova sagt: Das Werk ist getan.“

Was die mir übertragenen Aufgaben in diesem Jahr angeht, sitze ich in der ersten Reihe und erlebe mit, wie der Herr sein Werk beschleunigt. Die Kirche baut in einer beispiellosen Geschwindigkeit Tempel und bietet damit mehr Mitgliedern die Möglichkeit, Gott im Haus des Herrn zu verehren. Zweitens werden durch Missionsarbeit mehr Menschen als jemals zuvor in die Herde des guten Hirten Jesus Christus gesammelt. Und drittens hat das Bildungsangebot der Kirche in seinen vielen Facetten einen neuen Höchststand bei der Wissensvermittlung an diejenigen erreicht, die „diesen Jesus … suchen“.

Heute sind in der Kirche 367 Tempel entweder in Planung, im Bau oder in Betrieb. Und zu welchem Zweck? Die Antwort wird auf jedem Tempel verkündet: „Heilig dem Herrn.“ Der Tempel ebnet den Weg zu den höchsten Segnungen, die der Vater im Himmel für jeden von uns bereithält. Brüder und Schwestern, unser „Heiligsein“ beschleunigt sich, indem wir tempelwürdig leben, Gott im Haus des Herrn verehren sowie für uns selbst und für unsere Vorfahren auf der anderen Seite des Schleiers Bündnisse mit Gott schließen.

Präsident Nelson hat gesagt: „Die Angriffe des Widersachers werden exponentiell heftiger und vielfältiger. Noch nie war es für uns so notwendig, regelmäßig im Tempel zu sein. Ich bitte Sie inständig, gebeterfüllt darüber nachzudenken, wie Sie Ihre Zeit nutzen.“ Im Haus des Herrn können wir die heilige Gegenwart und seinen alles übersteigenden Frieden spüren.

Elder Rasband und seine Frau beim Mendoza-Tempel in Argentinien

Letztes Jahr durfte ich bei der Weihung des Mendoza-Tempels in Argentinien den Vorsitz führen. In meiner Botschaft zitierte ich eine Aussage von Elder Melvin J. Ballard aus dem Jahr 1926, in der er prophezeite, das Werk des Herrn in Südamerika werde eine Weile nur langsam wachsen, „so wie aus einer Eichel nur langsam eine Eiche wird. Es wird nicht an einem Tag emporschießen“, doch der Kirche würden sich Tausende anschließen, und die Nationen Südamerikas würden „zu einer gewaltigen Kraft in der Kirche“ werden. Ich sah, wie sich diese Prophezeiung direkt vor meinen Augen erfüllte.

Mendoza, die einstmals kleine Eichel, ist zu einer mächtigen Eiche geworden. Dieses Wachstum setzt sich über alle Kontinente und Inseln des Meeres fort.

Wir erkennen, dass der Herr sein Werk in den Missionen beschleunigt. 2024 waren 80.000 Missionare in 450 Missionen tätig. 36 dieser Missionen sind neu gegründet worden. Letztes Jahr wurden der Kirche durch Missionsarbeit über 308.000 neue Mitglieder zugeführt. Mehr als die Zahlen fällt ins Gewicht, dass der Geist der Sammlung Seelen zu Jesus Christus und zu seinem Evangelium führt.

Dabei kommen mir die Apostel Brigham Young und Heber C. Kimball in den Sinn, die sich 1839 als Missionare zu den Britischen Inseln aufmachten. Es ging ihnen nicht gut und die Familien, die sie zurückließen, waren krank und bettelarm. Trotzdem bestiegen die beiden einen Wagen und brachen auf. Noch in Sichtweite ihrer Angehörigen sagte Heber: „Erheben wir uns und jubeln wir ihnen zu!“ Also rappelten sie sich auf und riefen: „Hurra! Hurra für Israel!“

Bei einer Zusammenkunft mit Missionaren in Lima, Peru

Die gleiche Begeisterung für das Werk des Herrn erlebte ich in Peru, als ich in Lima mit Missionaren der Missionarsschule und der Missionen zusammenkam. Was für ein Anblick! Ich sah die Beschleunigung direkt vor meinen Augen. Allein in Lima gibt es jetzt sieben Missionen.

Am Ende unserer Versammlung hatten die Missionare eine besondere Überraschung für mich. Sie erhoben sich und jubelten vereint: „Hurra für Israel!“ Diesen Augenblick werde ich nie vergessen. Ich wünschte, Sie alle hätten dabei sein können. Direkt vor meinen Augen waren Missionare, die „den Dingen dieser Welt“ entsagt hatten, um dem Herrn zu dienen und dazu beizutragen, dass sein Kommen beschleunigt wird.

Wir erleben, dass der Herr überall auf der Welt die Schlagzahl erhöht, was die Bildungschancen für unsere Mitglieder und sogar für Andersgläubige betrifft. Uns zeichnet als Kirche unter anderem aus, dass wir Wert auf Bildung und Ausbildung legen. Der Herr gebot in der Anfangszeit der Wiederherstellung: „Trachtet nach Wissen, ja, durch Studium und auch durch Glauben.“ Genau das geschieht heute, und auch hier ist ein donnerndes „Hurra!“ angebracht.

Derzeit sind weltweit mehr als 800.000 Teilnehmer im Seminar- und Institutsprogramm eingeschrieben – die höchste Anzahl in der Geschichte der Kirche. Unsere Jugendlichen kommen auf unterschiedliche Weise zusammen: morgens, in Tages- oder Abendkursen, online oder daheim. Sie bilden ein gewaltiges, rechtschaffenes Bataillon und schöpfen voneinander Kraft, wenn sie von Jesus Christus lernen, ihm nachfolgen und bezeugen, dass er der Sohn Gottes ist.

Bei einer Ansprache vor Seminar- und Institutsteilnehmern

Letzten Herbst habe ich in einer prall gefüllten Arena anlässlich einer Andacht an der University of Utah vor Seminar- und Institutsteilnehmern und ihren Eltern gesprochen. Dass sie gekommen waren, sagt viel über ihren Wunsch aus, Jesus Christus kennenzulernen und ihm nachzufolgen. Meine Botschaft an die Anwesenden war klar formuliert: Gesteht dem Herrn gleich viel Zeit zu. Ich riet ihnen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ihrem Studium oder Schulunterricht und echter höherer Bildung herzustellen, indem sie dem „Sohn des lebendigen Gottes“ ebenso viel Zeit widmen.

Die gleiche Aufforderung richte ich heute an alle: Was immer Sie zu erledigen haben, widmen Sie dem Herrn gleich viel Zeit – nicht die Zeit, die übrig bleibt – für das persönliche Schriftstudium, das Studium mit Ihrer Familie im Lehrplan Komm und folge mir nach!, das Beten, die Berufungen in der Kirche, die Betreuungsarbeit, die Teilnahme am Abendmahl, die Gottesverehrung im Tempel und das Nachsinnen über das, was von Gott ist. Unser Herr und Erretter hat gesagt: „Lernt von mir; … und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ Nehmen Sie ihn beim Wort und widmen Sie ihm gleich viel Zeit.

Präsident Nelson hat gesagt: „Ich flehe Sie an, Gott in Ihrem Leben siegen zu lassen. Geben Sie ihm einen angemessenen Anteil Ihrer Zeit. Achten Sie darauf, was mit Ihrem positiven geistigen Schwung geschieht.“

Wir sehen, wie sich dieser Schwung im Seminar- und Institutsprogramm sowie an den Hochschulen der Kirche fortpflanzt. In diesem Umfeld steht der Herr an erster Stelle. So sollte es auch im Leben eines jeden von uns sein.

Ein weiteres Feld, auf dem sich zeigt, wie die Reichweite der Bildungsangebote in der Kirche zunimmt, ist BYU Pathway Worldwide. Die Zahl der weltweit eingeschriebenen Teilnehmer hat nahezu 75.000 erreicht und wächst weiter stark an. Die meisten gehören der Kirche an; mehr als ein Drittel von ihnen ist in Afrika zuhause. Bei Pathway dreht sich alles um den Zugang zu Bildungsmöglichkeiten. Wer einen der Kurse abschließt, hat Zugang zum Arbeitsmarkt; das wiederum ermöglicht der Familie ein besseres Leben und eröffnet mehr Möglichkeiten, dem Herrn zu dienen.

Bei einem Treffen mit Führungsverantwortlichen eines Pfahles in Uganda

Als ich in Uganda mit Führungsverantwortlichen eines Pfahles zusammenkam, erfuhr ich, dass jedes einzelne Mitglied der Pfahlpräsidentschaft bei BYU Pathway eingeschrieben war. Je besser wir zeitlich und geistig vorbereitet sind, desto besser können wir die listigen Angriffe des Widersachers vereiteln. Denken wir an die Worte des Petrus: „Der [Teufel] geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.“

Mir ist klar, dass es selbst inmitten der frohen Botschaft des Evangeliums Menschen gibt, die sich mit Problemen herumschlagen oder mit ihrem Glauben kämpfen, die Zweifel haben oder Fragen, auf die es scheinbar keine Antworten gibt. Brüder und Schwestern, die Antwort lautet Jesus Christus. Beginnen Sie mit ihm. Halten Sie nach seiner Hand in Ihrem Leben Ausschau. Hören Sie auf ihn. „Euer Herz beunruhige sich nicht“, sagte er in seinen letzten Stunden vor den Geschehnissen in Getsemani zu seinen Jüngern, bevor er sein Kreuz durch die Straßen von Jerusalem trug, vor Golgota, wo er sein Sühnopfer vollendete, was nur er – der einziggezeugte Sohn Gottes – vollbringen konnte.

Seien Sie sich bewusst, dass er Sie versteht. Er nahm all unsere Sünden auf sich, alle Fehler, all unser Elend und alle schlechten Tage, damit wir auf ewig wieder bei unserem Vater im Himmel leben können. Er hat gesagt: „Blickt in jedem Gedanken auf mich; zweifelt nicht, fürchtet euch nicht.“ Der Glaube an Jesus Christus kann Sie erheben und Ihre verwundete Seele heilen. Vertrauen Sie auf ihn! Dann werden Sie schneller von „den Armen seiner Liebe“ umschlossen sein.

Ich wiederhole, was unser lebender Prophet betont hat: „Erkennen Sie, was direkt vor unseren Augen geschieht? Bitte achten wir darauf, dass uns die Erhabenheit dieses Augenblicks nicht entgeht! Der Herr beschleunigt sein Werk.“ Mögen wir als Jünger in unserer Zeit im Zuge unserer Vorbereitung auf die Wiederkehr unseres Herrn und Erretters laut „Hurra für Israel!“ rufen. Im Namen Jesu Christi. Amen.