2025
Göttliche Vollmacht, vortreffliche junge Männer
Mai 2025


11:44

Göttliche Vollmacht, vortreffliche junge Männer

Ich bin ewig dankbar, dass die Träger des Aaronischen Priestertums mit dessen Vollmachten, heiligen Handlungen und Pflichten ein Segen für uns alle sind

Danke, Elder Andersen, für die bemerkenswerten Ausführungen zur Macht des Priestertums und zur Macht des Sühnopfers des Erretters.

Als ich im Januar dieses Jahres an einem Sonntagmorgen in der Abendmahlsversammlung saß, wurde mehr als ein Dutzend junger Männer, die im Aaronischen Priestertum aufsteigen sollten, durch Heben der Hand unterstützt. Ich spürte, wie sich die Welt unter unseren Füßen veränderte.

Mir wurde bewusst, dass überall auf der Welt, in einer Zeitzone nach der anderen, in Abendmahlsversammlungen genau wie dieser zehntausende Diakone, Lehrer und Priester – darunter Easton, von dem Präsident Holland heute Morgen erzählt hat – in der Ordinierung zu einem Priestertumsdienst fürs Leben unterstützt wurden, der die Sammlung Israels in ihrer ganzen Länge und Breite in sich einschließt.

Jedes Jahr im Januar werden etwa 100.000 jungen Männern die Hände aufgelegt, um sie durch eine heilige Handlung in eine lange Vollmachtslinie aufzunehmen, die durch die Epoche der Wiederherstellung bis zu Joseph und Oliver, zu Johannes dem Täufer und zu Jesus Christus zurückreicht.

In unserer Kirche tut man sich normalerweise nicht sehr hervor. Wir neigen eher zur Untertreibung.

Und doch fragte ich mich beim Anblick dieses gewaltigen Ansturms frisch ordinierter Priestertumsträger auf der ganzen Welt, ob man das nicht ganz nach Art einer „Kirche der Freude“ von den Dächern herunterrufen sollte. „Heute“, dachte ich, „sollte es Trompetenschall und Trommelwirbel und funkelndes Feuerwerk geben. Man sollte Paraden abhalten!“

Mit dem Wissen, was Gottes Macht wirklich ist, wurden wir Zeuge, wie sich göttliche Vollmacht über die Erde ausbreitete und das Grundgefüge der Welt erschütterte.

Diese Ordinierungen sind der Startschuss für den lebenslangen Dienst dieser jungen Männer, die in folgenschweren Zeiten und an Orten leben werden, in denen ihre Anwesenheit und ihre Gebete sowie das Priestertum Gottes, das sie tragen, von großer Bedeutung sein werden.

Diese kontrollierte Kettenreaktion setzte ein, als Gott einen dienenden Engel schickte. Der auferstandene Johannes der Täufer aus vergangenen Zeiten erschien Joseph und Oliver, legte ihnen die Hände auf und sagte: „Euch, meinen Mitbrüdern im Dienst, übertrage ich im Namen des Messias das Priestertum Aarons, das die Schlüssel des Dienstes von Engeln und die des Evangeliums der Umkehr und die der Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung innehat.“ (Lehre und Bündnisse 13:1.)

Johannes nannte diese Vollmacht das „Priestertum Aarons“, nach dem Bruder des Mose, einem Mitbruder im Priestertum. Ursprünglich bestand das Priestertum Aarons darin, zu lehren und bei der Durchführung von heiligen Handlungen zu unterstützen – Handlungen, mit denen die Anhängerschaft auf den zukünftigen Messias, den Herrn Jesus Christus, ausgerichtet wurde (siehe Deuteronomium 33:10).

Das Buch Numeri weist den Trägern des Priestertums Aarons ausdrücklich die Aufgabe zu, sich um die Geräte für die heiligen Handlungen zu kümmern. „Aaron und seine Söhne aber sollst du beauftragen [mit der] Sorge für … den Tisch [und] die heiligen Geräte, mit denen sie ihren Dienst [versehen]“ (Numeri 3:10,31).

Die alttestamentliche Verordnung des Tieropfers wurde durch das Leben und das Sühnopfer des Erretters erfüllt und abgelöst. Diese heilige Handlung aus alter Zeit wurde durch die heilige Handlung ersetzt, die wir heute das Abendmahl des Herrn nennen.

Den heutigen Trägern des Priestertums Aarons trägt der Herr ziemlich genau das Gleiche auf, was sie früher getan haben, nämlich zu lehren und in heiligen Handlungen zu amtieren – und das alles, um uns an sein Sühnopfer zu erinnern.

Wenn Diakone, Lehrer und Priester beim Spenden des Abendmahls helfen, empfangen sie daraus Segnungen wie alle anderen auch – dadurch, dass jeder den Bund hält, den er geschlossen hat, wenn er für sich selbst vom Brot und Wasser nimmt. Durch die Erfüllung dieser heiligen Pflichten lernen sie aber auch mehr über ihre Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche im Priestertum.

Das Aaronische Priestertum wird unter anderem deshalb das vorbereitende Priestertum genannt, weil seine heiligen Handlungen sie die Bedeutung und die Freude erleben lassen, die man verspürt, wenn man im Auftrag des Herrn unterwegs ist, und weil es sie auf künftige Priestertumsdienste vorbereitet, bei denen sie vielleicht zu Aufgaben herangezogen werden, die gar nicht absehbar sind – wie etwa einen inspirierten Segen auszusprechen in Zeiten, in denen Hoffnungen und Träume, ja selbst Leben und Tod, sich in einem bedenklichen Schwebezustand befinden.

Solche schwerwiegenden Erwartungen erfordern eine ernsthafte Vorbereitung.

Im Buch Lehre und Bündnisse wird erklärt, dass Diakone und Lehrer „warnen, erläutern, ermahnen und lehren und alle einladen [sollen], zu Christus zu kommen“ (Lehre und Bündnisse 20:59). Zusätzlich zu diesen Aufgaben sollen Priester „predigen … und taufen“ (Lehre und Bündnisse 20:50).

Nun ja, das klingt nach ziemlich viel, aber im echten Leben geschieht es überall auf der Welt ganz von allein.

Ein Bischof klärte einmal seine neue Diakonskollegiumspräsidentschaft über diese Pflichten auf. Die frisch gebackene Präsidentschaft sprach dann darüber, wie das in ihrem Kollegium und ihrer Gemeinde aussehen könnte. Man beschloss, erst einmal ältere Mitglieder der Gemeinde zu besuchen, um zu erfahren, was sie brauchten, und sich dann darum zu kümmern.

Zu denjenigen, denen sie helfen wollten, gehörte auch Alan, ein ungehobelter, oft grober und manchmal feindseliger Nachbar. Alans Frau Wanda hatte sich der Kirche angeschlossen, aber Alan war, wie man so sagt, ein ziemlich harter Brocken.

Doch die Diakone machten sich an die Arbeit und nahmen seine Ausfälle mit Humor, während sie Schnee schaufelten und den Müll hinausbrachten. Diakonen kann man schwer böse sein, und so gewann Alan sie schließlich lieb. Irgendwann luden sie ihn zur Kirche ein.

„Ich mag die Kirche nicht“, erklärte er.

„Aber uns mögen Sie doch“, entgegneten sie. „Kommen Sie einfach mit uns! Sie können ja, wenn Sie wollen, nur zu unserer Kollegiumsversammlung kommen.“

Mit Genehmigung des Bischofs kam er – und zwar immer wieder.

Die Diakone wurden zu Lehrern, und als sie ihm auch weiterhin halfen, brachte er ihnen bei, wie man Autos repariert und etwas zusammenbaut. Als diese Lehrer – die Diakone von einst – schließlich zu Priestern wurden, nannte Alan sie nur noch „meine Jungs“.

Sie bereiteten sich zielstrebig auf ihre Mission vor und baten ihn, mit ihnen die Missionarslektionen zu üben. Er schwor, er würde niemals zuhören oder daran glauben, aber ja, bei ihm zuhause üben könnten sie.

Dann wurde Alan krank. Und er wurde sanfter.

Eines Tages bat er sie in der Kollegiumsversammlung zaghaft, für ihn zu beten, dass er mit dem Rauchen aufhören könne. Das taten sie. Zudem gingen sie mit ihm nach Hause und beschlagnahmten seine gesamten Tabakreserven.

Als Alan wegen seines schlechten Gesundheitszustands in Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen eingeliefert wurde, halfen ihm „seine Jungs“, indem sie still und leise die Kraft des Priestertums und ungeheuchelte Liebe verbreiteten (siehe Lehre und Bündnisse 121:41).

Das Wunder setzte sich fort, als Alan darum bat, getauft zu werden, dann aber verstarb, bevor es dazu kommen konnte. Auf seinen Wunsch hin waren seine zu Priestern herangewachsenen Diakone die Sargträger und Redner bei seiner Beerdigung, wo sie – passenderweise – warnten, erläuterten, ermahnten, lehrten und alle zu Christus einluden.

Später, im Tempel, war es einer von „Alans Jungs“, der den ehemaligen Präsidenten des Diakonskollegiums an Alans Stelle taufte.

Alles, wozu Johannes der Täufer uns auffordert, taten sie. Sie taten, was Diakone, Lehrer und Priester überall in dieser Kirche und überall auf dieser Welt tun.

Eine der Aufgaben, die den Trägern des Priestertums Aarons zukommen, bezieht sich auf die heilige Handlung des Abendmahls.

Letztes Jahr lernte ich einen inspirierten Bischof und seine liebe Frau kennen. Als sie neulich an einem Samstagvormittag zur Taufe ihres Sohnes fuhren, erlitten sie den tragischen und unerwarteten Verlust ihrer geliebten zweijährigen Tochter Tess.

Am nächsten Morgen versammelten sich die Mitglieder ihrer Gemeinde voller Mitgefühl zur Abendmahlsversammlung. Auch sie litten unter dem Verlust dieses makellosen kleinen Mädchens. Niemand hatte die Familie des Bischofs an diesem Morgen in der Kirche erwartet, doch ein paar Minuten vor Beginn der Versammlung trat sie leise ein und nahm Platz.

Der Bischof schritt zum Podium, ging an seinem üblichen Platz zwischen seinen Ratgebern vorbei und setzte sich stattdessen zwischen seine Priester an den Abendmahlstisch.

Während dieser qualvollen und schlaflosen Nacht, in der er um Verständnis und Frieden rang, hatte er die starke Eingebung erhalten, dass das, was seine Familie am meisten brauchte – und was seine Gemeinde am meisten brauchte –, die Stimme ihres Bischofs war, des Präsidenten des Aaronischen Priestertums ihrer Gemeinde und trauernden Vaters. Sie mussten hören, wie er die Verheißungen des Abendmahlsbündnisses aussprach.

So kniete er schließlich mit jenen Priestern nieder und sprach zu Gott, seinem Vater. Mit dem ganzen Ernst, den dieser Anlass gebot, sprach er einige der mächtigsten Worte aus, die je ein Mensch in seinem Leben laut aussprechen darf.

Worte von ewiger Tragweite.

Worte einer heiligen Handlung.

Worte des Bündnisses.

Lehrreiche Worte, die uns mit dem eigentlichen Zweck dieses Lebens und mit den herrlichsten Segnungen von Gottes Plan für uns verbinden.

Können Sie sich vorstellen, was die Anwesenden an jenem Tag in jenem Gotteshaus hörten – was für sie in den Worten mitschwang, die auch wir jeden Sonntag in unseren Gotteshäusern hören?

„O Gott, ewiger Vater, wir bitten dich im Namen deines Sohnes, Jesus Christus, segne und heilige dieses Brot für die Seele all derer, die davon nehmen, damit sie zum Gedächtnis des Leibes deines Sohnes essen und dir, o Gott, ewiger Vater, bezeugen, dass sie willens sind, den Namen deines Sohnes auf sich zu nehmen und immer an ihn zu denken und seine Gebote, die er ihnen gegeben hat, zu halten, damit sein Geist immer mit ihnen sei. Amen.“ (Lehre und Bündnisse 20:77.)

Und dann: „O Gott, ewiger Vater, wir bitten dich im Namen deines Sohnes, Jesus Christus, segne und heilige [dieses Wasser] für die Seele all derer, die davon trinken, damit sie es zum Gedächtnis des Blutes deines Sohnes tun, das für sie vergossen wurde, damit sie dir, o Gott, ewiger Vater, bezeugen, dass sie immer an ihn denken, damit sein Geist mit ihnen sei. Amen.“ (Lehre und Bündnisse 20:79.)

Dieser gute Vater und diese gute Mutter geben Zeugnis dafür, dass sich diese Verheißung erfüllt hat. Sie haben in der Tat zu ihrem immerwährenden Trost „seinen Geist“ mit sich.

Ich bin ewig dankbar, dass die Träger des Aaronischen Priestertums mit dessen Vollmachten, heiligen Handlungen und Pflichten durch die „Schlüssel des Dienstes von Engeln und die des Evangeliums der Umkehr und die der Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung“ (Lehre und Bündnisse 13:1) ein Segen für uns alle sind. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Anmerkungen

  1. Siehe Patrick Kearon, „Willkommen in der Kirche der Freude“, Liahona, November 2024, S. 36ff.

  2. In seiner Ansprache „Willkommen in der Kirche der Freude“ bei der Herbst-Generalkonferenz weist Elder Kearon in Anmerkung 10 auf eine Aussage von Präsident Gordon B. Hinckley hin: „Wenn ihr als Priester … am Abendmahlstisch kniet und das Gebet sprecht, das durch Offenbarung gegeben wurde, schließt ihr für alle Versammelten ein Bündnis mit dem Herrn. Ist das eine Kleinigkeit? Es ist etwas äußerst Wichtiges, Besonderes.“ („Das Aaronische Priestertum – ein Geschenk von Gott“, Der Stern, Juli 1988, Seite 46.)