Generalkonferenz
Das Rezept der guten Nachricht
Herbst-Generalkonferenz 2025


10:39

Das Rezept der guten Nachricht

Wie könnte es wohl aussehen, wenn man dem Leben mehr Jesus Christus hinzufügt?

Wenn Sie schon einmal in meinem Heimatstaat Louisiana waren, dann kennen Sie bestimmt viele unserer schmackhaften Gerichte: Gumbo, Jambalaya, Étouffée – die Liste ist lang.

Ab und zu bringe ich tatsächlich den Wagemut auf, eines dieser leckeren Rezepte nachzukochen. Der ungeschriebene letzte Schritt, nachdem man alle Zutaten vermischt und die Anleitung haargenau befolgt hat, ist das abschließende Abschmecken. Hier zeigt sich, ob noch etwas fehlt. An diesem Punkt kann ich die Kochlegenden der kreolischen Küche förmlich flüstern hören: „Da muss noch mehr Tony’s rein.“ Tony’s ist ein kreolisches Würzmittel, das in meiner Heimatstadt Opelousas in Louisiana hergestellt wird. Es muss oft als „Geheimzutat“ herhalten, wenn man seine Schnitzer beim Befolgen des Rezepts ausbügeln muss.

Meine Frau Michelle und ich hatten die Ehre, Missionsführer in Louisiana zu sein. Es gab bei uns die Tradition, dass sie den Missionaren am letzten Abend vor ihrer Heimkehr im Missionsheim ihr Spezialrezept für Jambalaya beibrachte. Zusätzlich zu ihrem Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi verließen unsere Missionare die Mission also auch mit einer Wertschätzung für Rezepte.

Vor ein paar Monaten stöberte ich in der Mediathek der Kirche und stieß dabei auf einen Link zu einer Sammlung von Kurzvideos mit dem Titel: „Gespräche über die Wiederherstellung mit Präsident Russell M. Nelson“. Einer der Videotitel erregte meine Aufmerksamkeit und brachte mich zum Lächeln. Es stand da: „Die heiligen Schriften sind Gottes Rezepte für ein glückliches Leben.“ Ich klickte sofort auf das zwei Minuten lange Video und sah Präsident Nelson dabei zu, wie er einer Gruppe PV-Kindern eine einfache und eindringliche Botschaft über das Glücklichsein vermittelte. Er sagte: „Wenn ihr einen Kuchen backt, dann haltet ihr euch an die Anweisungen, oder? Und es kommt jedes Mal etwas Gutes dabei heraus, stimmt’s?“

Als zur Sprache kam, dass er bald 95 werden würde, fuhr er fort: „Man fragt mich: ‚Was essen Sie denn? Wie lautet nur Ihr Geheimnis?‘“ Er antwortete: „Das Geheimnis lautet: Die heiligen Schriften. Sie können es ja mal versuchen und hineinschauen.“

Da haben wir’s! Das einfache Geheimnis eines glücklichen Lebens lautet: Einfach Gottes Rezept befolgen, wie es in den heiligen Schriften näher ausgeführt ist! Ich nenne es das „Rezept der guten Nachricht“.

Was tut man, wenn beim Befolgen des Rezeptes etwas schiefläuft? Nun, im Rezept selbst ist die „Geheimzutat“ enthalten, damit man es zu guter Letzt doch immer hinbekommt. Die Antwort lautet stets: Jesus Christus.

Ich glaube, wir alle kennen solche Momente, in denen es uns so vorkommt, als wären unsere Zutaten nicht gut genug, oder in denen es uns schwerfällt, den Anweisungen zu folgen. Vielleicht bringen wir auch die Reihenfolge durcheinander oder es passiert etwas, worauf wir keinen Einfluss haben, und dergleichen mehr.

Was hilft dagegen? Man muss einfach mehr von dem beimengen, was uns für Jesus Christus empfänglich macht.

Wie könnte es wohl aussehen, wenn man dem Leben mehr Jesus Christus hinzufügt?

Während meiner Zeit als Missionspräsident hatte ich das Vergnügen, mich alle sechs Wochen mit jedem unserer jungen Missionare persönlich zusammenzusetzen. Bei diesen Gesprächen unter vier Augen suchten die Missionare üblicherweise Rat, wie sie noch erfolgreicher zusammenarbeiten könnten.

Einmal kam ein Missionar zu seiner privaten Unterredung herein und setzte sich hin. An seiner Körpersprache erkannte ich, dass ihn etwas sehr bedrückte. Ich fragte: „Elder, worüber möchten Sie heute gerne sprechen?“ Er beschrieb daraufhin einige Probleme, die er mit seinem Mitarbeiter hatte, und wie sich das auf ihre Fähigkeit auswirkte, Missionsarbeit zu leisten. Mit Tränen in den Augen blickte er mich an und fragte: „Präsident Amos, was soll ich nur tun?“

In diesem Augenblick wusste ich ganz ehrlich nicht, wie ich reagieren sollte. Ich zögerte kurz und fragte ihn dann, ob er damit einverstanden wäre, wenn wir uns gemeinsam zum Gebet hinknien und Führung beim Heiligen Geist suchen würden. Er stimmte zu, und wir knieten uns gemeinsam hin und beteten um Inspiration.

Nach dem Gebet blieben wir noch kurz auf unseren Knien und setzten uns dann einander gegenüber auf unsere Stühle. Ich fragte, ob wir gemeinsam eine Schriftstelle lesen könnten. Während wir unsere heiligen Schriften aufschlugen, hielt ich inne und sagte zu ihm: „Elder, während wir diese Schriftstelle lesen, stellen Sie sich bitte die folgende Frage: Werden meine Mitarbeiterschaft und unsere Missionsarbeit besser, wenn ich mich an diese Eigenschaften halte?“

Dann schlugen wir Moroni 7:45 auf und lasen laut: „Und Nächstenliebe ist langmütig und ist gütig und neidet nicht und ist nicht aufgeblasen, sucht nicht das Ihre, lässt sich nicht leicht zum Zorn reizen, denkt nichts Böses und freut sich nicht am Übeltun, sondern freut sich an der Wahrheit, erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.“

Der Missionar blickte mich daraufhin mit tränenverhangenen Augen an und sagte: „Ja, Präsident, aber das ist schwierig.“ Ich pflichtete ihm bei und erinnerte ihn daran, dass er ein Sohn Gottes ist, mit dem göttlichen Potenzial, es gemeinsam mit dem Herrn zu schaffen.

Dann besprachen wir kurz das Gleichnis von der Steigung, mit dem Elder Clark G. Gilbert von den Siebzigern uns darauf hingewiesen hatte, dass wir dort anfangen müssen, wo wir gerade sind, und uns dann in einer positiven Richtung vorwärts und aufwärts bewegen müssen. Ich bemerkte, dass er sich mit den nächsten Schritten immer noch etwas überfordert fühlte. Daher bat ich ihn, zu beschreiben, wie er die folgende Schriftstelle verstand: „Durch Kleines und Einfaches wird Großes zustande gebracht.“ Er beschrieb daraufhin das Konzept, dass Großes herauskommen kann, wenn man das Kleine und Einfache tut. Ich bat ihn, sich eine Minute Zeit zu nehmen und sich zwei kleine und einfache Punkte zu überlegen, wie er seinem Mitarbeiter gegenüber nett sein konnte.

Einen Augenblick später teilte er mir seine Gedanken mit. Dann bat ich ihn, sich eine Minute Zeit zu nehmen und sich zwei kleine und einfache Punkte zu überlegen, wie er seinem Mitarbeiter gegenüber geduldig sein konnte. Fast augenblicklich teilte er mir seine beiden Gedanken mit. Er hatte ganz offensichtlich schon vor unserem Gespräch darüber nachgedacht. Ich forderte ihn auf, Gott diese paar Punkte im Gebet vorzulegen und um Bestätigung, Führung und Inspiration zu bitten, wie er seinen Plan mit wirklichem Vorsatz in die Tat umsetzen konnte. Er war einverstanden. Zum Abschluss bat ich ihn, mich in seinem wöchentlichen Brief auf den neuesten Stand zu bringen.

Im Laufe der darauffolgenden Wochen konnte ich seinen wöchentlichen Briefen entnehmen, dass es aufwärts ging. Diese Verbesserung spiegelte sich nicht nur in seinen wöchentlichen Briefen wider, sondern auch in den Briefen seines Mitarbeiters. Bei unserer nächsten privaten Unterredung war der Unterschied in seiner Erscheinung und seinem Geist wie Tag und Nacht. Ich fragte ihn: „Nun, Elder, stimmt es, dass die Nächstenliebe niemals aufhört?“ Er antwortete mit einem breiten Lächeln: „Ja, und durch Kleines und Einfaches wird Großes zustande gebracht.“

Wenn Sie das Rezept der guten Nachricht für ein glückliches Leben befolgen, sollten Sie dabei bedenken, was Präsident Nelson gesagt hat: „Welche Fragen oder Probleme Sie auch haben mögen: Die Antwort ist immer im Leben und in den Lehren Jesu Christi zu finden! Lernen Sie mehr über sein Sühnopfer, seine Liebe, seine Barmherzigkeit, seine Lehre und sein wiederhergestelltes Evangelium der Heilung und des Fortschritts. Wenden Sie sich ihm zu! Folgen Sie ihm nach!“

Wenn die Aufforderung „Ihn höre!“ Sie anspricht und Sie nicht genau wissen, wie Sie für Jesus Christus empfänglicher werden können, denken Sie über die folgenden Schritte zur persönlichen Offenbarung nach, die Präsident Nelson geschildert hat:

„Finden Sie einen ruhigen Ort, den Sie regelmäßig aufsuchen können. Demütigen Sie sich vor Gott. Schütten Sie vor dem Vater im Himmel Ihr Herz aus. Wenden Sie sich an ihn, um Antworten und Trost zu finden.

Beten Sie im Namen Jesu Christi über Ihre Sorgen, Ihre Ängste, Ihre Schwächen, ja, auch die Sehnsüchte Ihres Herzens. Und dann hören Sie zu! Notieren Sie die Gedanken, die Ihnen in den Sinn kommen. Schreiben Sie Ihre Gefühle auf und setzen Sie das, was Ihnen eingegeben wird, in die Tat um. Wenn Sie immer wieder so vorgehen, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr, werden Sie ,in das Prinzip Offenbarung hineinwachsen‘.“

Ich bezeuge, dass Jesus Christus unser Erretter und Erlöser ist. Er hat „alles vollbracht, was wir für unsere Rückkehr zum Vater im Himmel benötigen“. Im Namen Jesu Christi. Amen.