Generalkonferenz
Erprobt und in Christus gestärkt
Herbst-Generalkonferenz 2025


13:11

Erprobt und in Christus gestärkt

Schwierige Zeiten sind nicht Beweis dafür, dass der Herr Sie verlassen hat. Vielmehr sind sie ein Beweis dafür, dass er Sie genug liebt, um Sie zu läutern und zu stärken.

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich verspüre die Liebe des Herrn in dieser Versammlung. Es stimmt mich demütig, dass ich zu Ihnen sprechen darf. Möge der Geist das in Ihr Herz tragen, was der Herr Sie hören lassen möchte – weit über die Worte hinaus, die ich sprechen werde.

Vor langer Zeit als Student mühte ich mich mit Physik und Mathematik ab. Ich fühlte mich überfordert. In mir kam das Gefühl auf, dass ich versuche, etwas zu lernen, was zu schwer für mich ist. Je mehr ich mich überfordert fühlte, desto weniger Kraft verspürte ich, es weiter zu versuchen. Ich war so entmutigt, dass ich das Gefühl hatte, meine Bemühungen seien fast vergeblich. Ich spielte mit dem Gedanken, aufzuhören und etwas Leichteres zu studieren.

Ich fühlte mich schwach. Als ich betete, verspürte ich, dass der Herr mir ruhige Gewissheit schenkte. Ich spürte, dass er mir zuflüsterte: „Ich prüfe dich, aber ich bin auch bei dir.“

Ich verstand damals nicht die volle Bedeutung dieser Worte. Aber ich wusste, was ich zu tun hatte – und machte mich an die Arbeit.

Als ich in den folgenden Jahren darüber nachsann und weiter an mir arbeitete, wurde mir die Bedeutung dieser ermutigenden Botschaft in den heiligen Schriften bewusst: „Alles vermag ich durch [Christus], der mich stärkt.“

Ich erkannte, dass meine Schwierigkeiten mit Physik in Wirklichkeit ein Geschenk des Herrn waren. Er zeigte mir, dass ich mit seiner Hilfe scheinbar Unmögliches tun konnte, wenn ich den Glauben hatte, dass er mir beistehen wird. Durch dieses Geschenk prüfte und stärkte mich der Herr.

Das englische Wort prove hat verschiedene Bedeutungen. Es bedeutet nicht nur „prüfen“, sondern auch „erproben“ und „härten“. Ein Stück Stahl wird gehärtet, indem es Belastung ausgesetzt wird. Hitze, Gewicht und Druck sorgen dafür, dass seine wahre Eigenschaft verbessert und offenbar wird. Der Stahl wird durch die Härtung nicht geschwächt. Vielmehr wird er zu etwas, was zuverlässig und stark genug ist, größeren Lasten standzuhalten.

In ähnlicher Weise erprobt und härtet uns der Herr, um uns zu stärken. Diese Erprobung geschieht nicht in leichten oder angenehmen Zeiten. Sie geschieht in Momenten, in denen wir das Gefühl haben, mehr belastet zu werden, als wir aushalten können. Der Herr lehrt, dass wir immer weiter wachsen und in unseren Bemühungen nie ermüden sollen, dass wir nie aufgeben, sondern es weiter versuchen sollen.

Wenn wir weiterhin Glauben an Jesus Christus haben – selbst dann, wenn uns etwas gerade unmöglich vorkommt –, werden wir geistig stärker. In den heiligen Schriften wird diese Wahrheit betont.

Der Prophet Moroni beispielsweise wurde auf diese Weise erprobt und gestärkt. Er verbrachte seine letzten Jahre alleine. Er schrieb, dass er keine Freunde hatte, dass sein Vater getötet und sein Volk vernichtet worden war. Er wurde von denen gejagt, die ihm nach dem Leben trachteten.

Doch Moroni verzweifelte nicht. Stattdessen gravierte er sein Zeugnis für Jesus Christus auf Platten – für Menschen, die er zu Lebzeiten nicht sehen würde, darunter auch die Nachkommen derjenigen, die ihn töten wollten. Er schrieb für uns. Er wusste, dass manche seine Worte verspotten würden. Er wusste, dass manche sie verwerfen würden. Aber er schrieb trotzdem weiter.

Durch Moronis Erprobung wurde sein Glaube geläutert und gestärkt. Er wurde reiner. In seinen Worten liegt die Kraft eines Menschen, der treu bis ans Ende ausharrte. Wir können diese Kraft verspüren, wenn wir sein Zeugnis lesen:

„Nun schreibe ich, Moroni, einiges, wie es mir gut scheint; und ich schreibe für meine Brüder, die Lamaniten; und ich möchte, dass sie wissen, dass mehr als vierhundertzwanzig Jahre vergangen sind, seit das Zeichen vom Kommen Christi gegeben wurde.

Und ich versiegle diese Aufzeichnungen, nachdem ich einige Worte als Ermahnung für euch geredet habe.

Siehe, ich möchte euch ermahnen, wenn ihr dieses hier lesen werdet, sofern es nach Gottes Weisheit ist, dass ihr es lest, dass ihr daran denkt, wie barmherzig der Herr zu den Menschenkindern gewesen ist, von der Erschaffung Adams an bis herab zu der Zeit, da ihr dieses hier empfangen werdet, und dass ihr im Herzen darüber nachdenkt.

Und ich möchte euch ermahnen: Wenn ihr dieses hier empfangt, so fragt Gott, den ewigen Vater, im Namen Christi, ob es wahr ist; und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen, mit wirklichem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, wird er euch durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun, dass es wahr ist.

Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr von allem wissen, ob es wahr ist.“

Moronis Zeugnis wurde in Einsamkeit geläutert, aber es leuchtet hell, um alle Generationen dazu zu bewegen, den Vater im Himmel und den Erretter Jesus Christus zu suchen.

Ein weiterer Prophet aus dem Buch Mormon, Jakob, wurde als Kind erprobt und gestärkt. Er erlebte Bedrängnisse und viel Kummer. Aber sein Vater Lehi brachte ihm bei, dass Gott ihn durch seine Prüfungen segnen würde.

„Und siehe, in deiner Kindheit hast du Bedrängnisse und viel Kummer ertragen wegen der Rohheit deiner Brüder.

Und doch, Jakob, mein Erstgeborener in der Wildnis, kennst du die Größe Gottes; und er wird dir deine Bedrängnisse zum Gewinn weihen.

Darum wird deine Seele gesegnet sein, und du wirst bei deinem Bruder Nephi sicher wohnen und deine Tage damit verbringen, deinem Gott zu dienen. Darum weiß ich, dass du durch die Rechtschaffenheit deines Erlösers erlöst bist; denn du hast geschaut, dass er, wenn die Zeit erfüllt ist, kommt, um den Menschen die Errettung zu bringen.“

Der Prophet Joseph Smith erlebte eine solche Erprobung und Stärkung, als er im Gefängnis zu Liberty war. In tiefster Qual rief der Prophet Joseph aus:

„O Gott, wo bist du? …

Wie lange noch wird deine Hand sich zurückhalten?“

Der Herr sah in Josephs Leid die heiligende Wirkung davon, dass er gut darin ausharrte. Er antwortete:

„Mein Sohn, Friede sei deiner Seele; dein Ungemach und deine Bedrängnisse werden nur einen kleinen Augenblick dauern,

und dann, wenn du gut darin ausharrst, wird Gott dich in der Höhe erhöhen; du wirst über alle deine Feinde triumphieren.“

Das größte Beispiel einer Erprobung und Stärkung war das Sühnopfer des Erretters. Er nahm die Sünden der Welt auf sich. Er ertrug unsere Schmerzen und unseren Kummer. Er trank den bitteren Kelch. Er erwies sich in jedem Augenblick als treu.

Dank seines herrlichen Sühnopfers kann uns Jesus Christus stärken, wenn wir geprüft werden. Er weiß, wie er uns beistehen kann, weil er alles Schwere, was wir im Erdenleben je erleiden, selbst verspürt hat. „Er [wird] die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen …, damit er gemäß dem Fleische wisse, wie er seinem Volk beistehen könne gemäß dessen Schwächen.“

Der Erlöser in Getsemani

Wir wissen, dass der Erlöser im Garten Getsemani den Vater fragte, ob die Prüfung an ihm vorübergehen könne – aber dann sagte er auch, dass er es tun werde, wenn es der Wille des Vaters sei. Mit anderen Worten: Der Erretter nahm sogar Zweifel und Ungewissheit auf sich, hatte aber Glauben an seinen Vater im Himmel.

Brüder und Schwestern, Ihre Erprobung und Stärkung mag nicht wie die von Moroni oder Jakob oder dem Propheten Joseph aussehen. Aber sie wird kommen. Vielleicht kommt sie still, durch die Herausforderungen des Familienlebens. Vielleicht kommt sie durch Krankheit oder Enttäuschung oder Trauer oder Einsamkeit.

Ich gebe Zeugnis, dass diese Zeiten nicht Beweis dafür sind, dass der Herr Sie verlassen hat. Vielmehr sind sie ein Beweis dafür, dass er Sie genug liebt, um Sie zu läutern und zu stärken. Er macht Sie stark genug, das Gewicht des ewigen Lebens zu tragen.

Wenn wir in unserem Dienst treu bleiben, läutert uns der Herr. Er stärkt uns. Und eines Tages werden wir zurückblicken und erkennen, dass genau diese Prüfungen ein Beweis seiner Liebe waren. Wir werden sehen, dass er uns geformt hat, sodass wir in Herrlichkeit an seiner Seite stehen können. Paulus, der Apostel des Herrn, erklärte am Ende seines Lebens: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt.“

Ich bezeuge, dass Gott Sie kennt. Er kennt die Schwierigkeiten, die Sie durchleben. Er ist bei Ihnen. Er wird Sie nicht im Stich lassen. Ich bezeuge, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Er ist unsere Stärke, unser Erlöser und unsere Hoffnung. Wenn wir ihm vertrauen, sorgt er dafür, dass unsere geistige Kraft jeder Prüfung, die uns auferlegt wird, standhält. Dies bezeuge ich im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.