Das Zeugnis – eine ewige Gabe
Jeder Sohn und jede Tochter Gottes kann selbst ein tieferes, solideres Verständnis und Gewissheit erlangen
Meine lieben Brüder und Schwestern, in letzter Zeit habe ich über drei wichtige Wahrheiten nachgedacht, die wir der Wiederherstellung verdanken. Diese Wahrheiten haben mein Leben zutiefst bereichert. Heute möchte ich Ihnen erzählen, wie sie mich auf meinem Weg zu einem sicheren Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi geleitet haben.
1. Gott ist unser liebevoller Vater im Himmel
Er ist allwissend und allmächtig. Durch das Licht Christi und das Wirken des Heiligen Geistes ist sein Einfluss überall. Es liegt in seinem Wesen, uns zu segnen.
Er sieht unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere ewige Bestimmung. Nichts ist vor ihm verborgen.
Präsident Russell M. Nelsons Aufforderung, „celestial zu denken“, ist uns ein Ansporn, unserem Vater im Himmel in seinen Absichten und seinem Wesen nachzueifern.
Aufgrund seiner göttlichen Eigenschaften schenkt uns unser Vater im Himmel jede gute Gabe und hat bei jeder eine ewige Perspektive und Absicht im Sinn.
2. Entscheidungsfreiheit ist die Gabe, eigenständig Entscheidungen zu treffen und zu handeln
Sie bringt auch die Verantwortung mit sich, sich gut zu entscheiden.
Für diesen Vorzug hat Jesus Christus mit seinem kostbaren Blut den höchsten Preis gezahlt.
Manchmal meinen wir vielleicht, Entscheidungsfreiheit bedeute, tun zu können, was wir wollen. Doch die Tatsache, dass der Preis gezahlt wurde, bedeutet, dass Entscheidungsfreiheit eine heilige Gabe ist.
Wir bestimmen über unser Handeln, und damit geht Verantwortung einher. Wir sind also für die Entscheidungen verantwortlich, die wir auf der Grundlage unseres Wissens und der uns gegebenen Gaben treffen. Wir können keine Entscheidung treffen, ohne für die Folgen verantwortlich zu sein.
Wozu ist Entscheidungsfreiheit da?
Um das Gute zu wählen.
Um sich für Christus zu entscheiden.
3. Unser Zeugnis empfangen wir durch die Macht des Heiligen Geistes
Das Zeugnis des Heiligen Geistes ist stärker als das, was wir sehen. Er ist der alles überragende Zeuge für den Vater und den Sohn schlechthin. Präsident Nelson hat erklärt: „Es wird in künftigen Tagen nicht möglich sein, ohne den führenden, leitenden, tröstenden und steten Einfluss des Heiligen Geistes geistig zu überleben.“
Brüder und Schwestern, aus diesem Grund braucht jeder von uns heute die Macht des Heiligen Geistes.
Ein Zeugnis durch den Heiligen Geist empfängt man auf ganz unterschiedliche Weise. Es kann drastisch und plötzlich kommen, als hätte jemand in einem dunklen Zimmer das Licht eingeschaltet. Es kann sich allmählich einstellen wie ein Sonnenaufgang. Es kann wie Lichtstrahlen aufleuchten, als sei man für einen Augenblick reiner Intelligenz ausgesetzt. Auf welche Weise man sein Zeugnis auch erhält – es geschieht durch den Heiligen Geist.
Mein Zeugnis entstand in Jamaika
Ich bin im wunderschönen Jamaika aufgewachsen und hatte dort ein wunderbares Leben voller Freude. Als ich jedoch in die Highschool kam, konnten manche Mitschüler und Freunde meine Entscheidung, Mitglied der Kirche Jesu Christi zu werden, nicht verstehen. „Wie konntest du dich nur dieser Kirche anschließen?“, fragten sie. „Wie kannst du diese Geschichte glauben?“ Damit war die erste Vision gemeint. „Wie kannst du nur dieses Buch lesen?“ Das bezog sich aufs Buch Mormon. „Glaubst du das alles im Ernst?“ oder „Warum vergeudest du dein Leben?“
Diese Fragen taten weh, insbesondere wenn jemand sie stellte, der mir wichtig war.
Was jedoch niemand wusste: Ich hatte ein Erlebnis mit dem Heiligen Geist gehabt. Dieses Zeugnis erfüllte meine Seele und verdrängte alles Leid, und „für einen Augenblick [sah ich] den Glanz der Ewigkeit“.
Vielleicht wurden Ihnen auch schon solche Fragen gestellt. Vielleicht werden Sie gerade jetzt damit bombardiert – so wie ich damals.
Die Gabe und das Zeugnis des Heiligen Geistes stehen jedem offen.
Für mich ist Jamaika das, was Palmyra für Joseph Smith war. Es ist mein heiliger Hain. Ich weiß nicht genau, an welcher Stelle Joseph im heiligen Hain niederkniete und betete. Ich weiß jedoch genau, wo ich war, als mein heiliger Hain Wirklichkeit wurde. Es geschah in der Four Grove Road in Mandeville in Jamaika, und zwar an einem Mittwochmorgen um sechs Uhr in meinem Badezimmer, drei Jahre nach meiner Taufe. Dieses heilige Erlebnis ereignete sich, weil mich zwei Wochen zuvor eine inspirierte Missionarin aufgefordert hatte, das Buch Mormon zu lesen. Sie heißt Audrey Krauss und ist heute mit ihrer Familie bei dieser Konferenz zugegen.
Dieses Erlebnis hat mich verändert.
Brüder und Schwestern, ein Zeugnis dient nicht einem vorübergehenden Zweck. Diese Gabe von unserem liebevollen Vater im Himmel soll ewig bestehen, weil auch der Geber ewig ist. Ein Zeugnis darf kein Verfallsdatum haben. Es darf nicht schwächer werden oder schwinden, weil sich etwas in meinem Leben verändert oder sich die Welt gewandelt hat. Stattdessen soll es stärker werden, denn wie bei den Talenten des Dieners in dem Gleichnis von den Talenten ist mein persönliches Zeugnis eine Gabe, die vervielfacht – und nicht versteckt – werden soll.
Wenn ich jetzt auf die schwierige Zeit der Prüfung und Verfolgung in meiner Jugend zurückblicke, sehe ich, dass sie mir geholfen hat, dahin zu gelangen, dass ich es jetzt selbst weiß. Dies ist mehr als etwas nur für wahr zu halten, zu hoffen und zu vertrauen – auch wenn dies alles wichtige Bestandteile des Glaubens auf dem Weg zu einem sicheren Zeugnis sind. Ich empfehle Ihnen, Ihren eigenen Weg zu finden, indem Sie Fragen stellen, sich mit den Schriften befassen, beten, fasten und nachsinnen. Hören Sie damit bitte nicht auf. Diesen Weg zum Zeugnis zu verfolgen, ist jede Anstrengung wert. Würden Sie jemandem oder etwas erlauben, Ihnen dies zu nehmen? „Welch größeres Zeugnis kannst du haben als von Gott?“
Jeder Sohn und jede Tochter Gottes kann selbst ein tieferes, solideres Verständnis und Gewissheit erlangen. Wie Joseph Smith, der trotz aller Widerstände Zeugnis ablegte, können auch wir mutig sagen: „Ich wusste, dass Gott es wusste; und ich konnte es nicht leugnen, und ich wagte es auch gar nicht.“
Meine lieben Brüder und Schwestern, auch wenn Ihr Zeugnis gerade erst aufkeimt – lassen Sie es in sich wirken, bis es zu einer immerwährenden, herrlichen Gewissheit heranreift.
Sollten Sie in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getauft und konfirmiert sein und noch immer denken: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich es weiß“, denken Sie bitte an diese Verheißung im Abendmahlsgebet: „damit sein Geist immer mit ihnen sei“. Dank dieser Verheißung kann jeder von uns den Weg zum Zeugnis und zur Gewissheit einschlagen.
Verantwortung für das eigene Zeugnis übernehmen
Eine unverrückbare Wahrheit ist: Wie auch immer jemandem ein Zeugnis zuteilwird – ob nach und nach wie bei einem Sonnenaufgang oder in einer herrlichen Vision –, dem Empfang einer solch kostbaren Gabe muss stets eine Entscheidung vorausgehen.
Der Entschluss „Ich entscheide mich, zu glauben!“ erleichtert es einem, ein Zeugnis von Gott zu empfangen. Wenn wir feststellen, dass unser Zeugnis schwächer wird, sollten wir bedenken, dass es an den Entscheidungen liegt, die wir treffen, wenn die Kraft unseres Zeugnisses schwindet. Das Zeugnis ist deswegen aber nicht verlorengegangen. Wir müssen nur die Verbindung damit wieder aufnehmen.
Die Entscheidung, zu glauben, ist ein kluger und wirksamer Gebrauch der Entscheidungsfreiheit.
Mir fällt keine bessere Möglichkeit ein, meine Entscheidungsfreiheit zu nutzen, als sie zur Verteidigung meines Zeugnisses einzusetzen.
Präsident Nelson hat erklärt: „Ich bitte euch … inständig: Übernehmt die Verantwortung für euer Zeugnis! Arbeitet daran. Fühlt euch dafür zuständig. Kümmert euch darum. Nährt es, sodass es wächst. Füttert es mit Wahrheit.“
Für mich klingen die Begriffe Verantwortung übernehmen, arbeiten, kümmern, sich zuständig fühlen, nähren und füttern danach, dass jemandem die Treuhandschaft für etwas Kostbares und Wichtiges übertragen wird.
In der Anfangszeit der Kirche ärgerte sich Parley P. Pratt einmal über den Propheten Joseph Smith und entschied sich, ihn und die Kirche zu kritisieren. Als John Taylor, dem Parley das Evangelium verkündet hatte, in der Stadt war, nahm Parley ihn zur Seite und warnte ihn davor, Joseph weiter zu folgen. John Taylor sagte zu Parley:
„Vor deiner Abreise aus Kanada hast du machtvoll Zeugnis gegeben, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes ist, … du hast gesagt, dass du dies durch Offenbarung und die Gabe des Heiligen Geistes weißt. …
Ich besitze jetzt dasselbe Zeugnis, das du damals mit so viel Freude verkündet hast. Wenn das Werk vor sechs Monaten wahr war, dann ist es auch heute noch wahr. Wenn Joseph Smith damals ein Prophet war, ist er auch jetzt noch ein Prophet.“
Ich bezeuge, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war und der Mantel des Propheten, den er empfangen hat, auch in unserer Zeit weitergegeben wird. Jesus Christus leitet dieses Werk.
Ich bitte Sie, über den Weg nachzudenken, der Sie zu einem sicheren Zeugnis von Jesus Christus und seinem Evangelium führt. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Zeugnis. Nutzen Sie Ihre Entscheidungsfreiheit weise und erkennen Sie den Herrn als Urheber aller Gaben an und würdigen Sie all seine wunderbaren Eigenschaften. Ich gebe Zeugnis, dass die Kraft dazu in Ihnen steckt. Niemand kann für Sie entscheiden. Niemand kann Ihnen diese Gabe wegnehmen. Sie können sich dafür entscheiden, zu glauben.
Ich verheiße Ihnen, dass Ihr Zeugnis in Ihnen „eine Quelle lebendigen Wassers sein wird, das zu immerwährendem Leben emporquillt“. Es wird für Sie Anker und Triebfeder sein und Ihnen in schwierigen Zeiten Halt geben. Es wird Sie befähigen, geistige Gaben zu entwickeln. Es wird Ihnen helfen, wenn Sie Ihren Mitmenschen geistlich dienen. Es wird als Waffe gegen den Satan und Ihre Widersacher dienen. Es wird Sie mit Freude erfüllen, wenn Sie sehen, wie sich Ihr Zeugnis in Ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln und in all jenen fortsetzt, die Ihnen am Herzen liegen und denen Sie dienen. Wenn Sie es nutzen, um andere daran teilhaben zu lassen und ihnen Zeugnis zu geben, werden Sie sehen, wie stark es ist.
Wenn man etwas weiß, weiß man es. Ich weiß, dass ich es weiß. Wir brauchen mehr Menschen mit einem sicheren Zeugnis von Jesus Christus und seinem Evangelium. Machen Sie sich auf! Bemühen Sie sich darum! Es eilt! Wir leben in der letzten Evangeliumszeit – der Evangeliumszeit der Fülle der Zeiten.
Jesus Christus hat verkündet: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“
Brüder und Schwestern, ein Zeugnis von Jesus Christus war nie dazu gedacht, nur eine vorübergehende Gabe zu sein. Nichts von alledem ist vorübergehend – nicht der Geber, nicht die Gabe als solche, nicht der Überbringer der Gabe, nicht der, um den sich die Gabe dreht. Möge sich auch Ihr Zeugnis auf diese Weise beschreiben lassen: Auch wenn „Himmel und Erde … vergehen“ – Ihr Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi wird nicht vergehen. Jetzt ist die Zeit, diese kostbare Gabe zu ergreifen. Im Namen Jesu Christi. Amen.