Generalkonferenz
Der Herr sieht das Herz
Herbst-Generalkonferenz 2025


10:41

Der Herr sieht das Herz

Damit Gott seine Absichten zuwege bringen und uns helfen kann, so zu werden, wie er es sich für uns wünscht, müssen wir ihm unser Herz voll und ganz zuwenden

Als dem Propheten Samuel geboten wurde, einen der Söhne Isais zum neuen König Israels zu ernennen, rief er beim Anblick von Isais ältestem Sohn Eliab freudig aus: „Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter.“ Aber Eliab war nicht der erwählte Diener des Herrn. Der Erretter mahnte Samuel: „Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

David war vielleicht nicht der Stärkste oder Erfahrenste unter seinen Brüdern, doch sein Herz war stark in den Augen Gottes. Er liebte Gott von ganzem Herzen und es war sein tiefer Wunsch, ihm zu gehorchen. Er glaubte unerschütterlich an Gottes Liebe, seine Macht und die von ihm verheißenen Segnungen, wie sich später zeigte, als er furchtlos gegen Goliat kämpfte und ihn mit der Hilfe des Herrn besiegte.

Diese Geschichte zeigt uns, was nötig ist, damit Gott seine Absichten zuwege bringen und uns helfen kann, so zu werden, wie er es sich für uns wünscht: Wir müssen ihm unser Herz voll und ganz zuwenden. Einem Gesetzeslehrer gebot er: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen.“ Dem Propheten Joseph Smith sagte er: „Siehe, der Herr fordert das Herz und einen willigen Sinn.“ Und die Nephiten forderte der auferstandene Erretter auf: „Ihr sollt mir als Opfer ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist darbringen.“

Warum ist das so? Der Erretter hat gesagt, dass wir dank seines Sühnopfers mit der Kraft und den geistigen Gaben gesegnet werden, die wir brauchen, um unsere irdischen Herausforderungen zu meistern, Versuchung zu widerstehen, Führung und Erkenntnis zu empfangen und Freude und Frieden zu verspüren, wenn unser Herz ihm voll und ganz zugewandt ist. „Aus etwas Kleinem geht das Große hervor.“ Er hat gesagt, dass er „Schwaches … stark werden lassen“ kann und uns mit allem segnen wird, was wir brauchen, um dieses irdische Leben zu meistern und ewiges Leben zu erlangen. „Selig, die rein sind im Herzen“, sagte er, „denn sie werden Gott schauen.“

Ich glaube, dies ist zumindest ein Grund, weshalb Jesus Christus damals die Schriftgelehrten und die Pharisäer so oft rügte. Sie befolgten zwar eifrig sein Gesetz, doch aus den falschen Beweggründen. Er wies sie zurecht: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“

Dies ist eine ernste Mahnung an alle seine Jünger. Es geht nicht nur um das, was wir tun – also unsere Worte und Taten –, sondern auch darum, warum wir das tun, was Christus uns aufträgt – also unsere Wünsche und Absichten. Er hat gesagt: „Denn ich, der Herr, werde alle Menschen gemäß ihren Werken richten, gemäß den Wünschen ihres Herzens.“ Unser Vater im Himmel möchte von seinen Kindern mehr als nur mechanischen Gehorsam und Dienst. Er möchte, dass wir mit wirklichem Vorsatz handeln, weil wir ihn von ganzem Herzen lieben. Er möchte, dass wir uns wünschen, so zu werden wie er.

Wenn die geistige Verfassung unseres Herzens dem Erretter also ein so großes Anliegen ist – sein Maßstab für einen wahren Jünger –, wie können wir dann unser Herz prüfen und herausfinden, ob es vor Gott recht ist?

Nach unserer Rückkehr von unserer Mission in Portugal haben meine Frau und ich uns einer Reihe von Untersuchungen zu unserer körperlichen Verfassung unterzogen. Einige Untersuchungen betrafen unser Herz – wie etwa Bluttests, Echokardiogramme und Belastungstests. Ich glaube, dass der Erretter uns auch eine Reihe geistiger Tests gegeben hat, mit denen wir die geistige Verfassung unseres Herzens feststellen können. Ich möchte Ihnen ein paar davon vorstellen.

Mit geistigen Tests Ihr Herz beurteilen

Erstens: Unser Fokus, unsere Prioritäten und unsere Beweggründe

Jesus hat gesagt: „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Ein Schatz ist etwas, was uns wichtig ist, etwas, dem wir unsere Anstrengungen und unsere Aufmerksamkeit widmen. Welchen Dingen wir unsere Zeit und Aufmerksamkeit schenken und was uns zum Handeln motiviert, sagt viel über unser Herz aus. Der Erretter wies warnend darauf hin, dass zwar viele von ihm berufen sind, aber nur wenige erwählt sind, „weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge dieser Welt gesetzt haben und nach den Ehren der Menschen streben“. Spielt der Erretter in meinem Leben eine wichtige Rolle? Ist mein Auge bei allem, was ich tue, nur auf seine Herrlichkeit gerichtet?

Zweitens: Unsere Bereitschaft, Gottes Gebote zu befolgen

In den heiligen Schriften bringen der Herr und seine Propheten Stolz und Ungehorsam oft mit einem verhärteten Herzen in Verbindung. Nephi ermahnte seine Brüder: „Wie kommt es, dass ihr die Gebote des Herrn nicht haltet? Wie kommt es, dass ihr wegen eurer Herzenshärte zugrunde gehen wollt?“ Und der Herr warnte die Heiligen in Missouri: „Wer aber gar nichts tut, bis es ihm geboten wird, und ein Gebot mit zweifelndem Herzen empfängt und es auf träge Weise hält, der ist verdammt.“ Auch wenn der Erretter keine Vollkommenheit beim Befolgen seiner Gebote erwartet, möchte er doch, dass wir den Wunsch haben und von ganzem Herzen danach streben, sie zu halten.

Drittens: Unser Eifer beim Schriftstudium und beim Bemühen um Offenbarung

Der Herr forderte Oliver Cowdery auf: „Hüte diese Worte in deinem Herzen wie einen Schatz.” Wir sollen eifrig in den Schriften forschen und danach streben, durch die Macht des Heiligen Geistes in unserem Herzen Erkenntnis und ein Zeugnis von der Wahrheit des Evangeliums zu erlangen.

Der Prophet Abinadi wies die Priester des bösen Königs Noa zurecht, weil sie genau das unterlassen hatten: „Ihr habt euer Herz nicht darauf verwandt, es zu verstehen; darum seid ihr nicht weise gewesen.“ Bemühe ich mich aufrichtig, täglich in den heiligen Schriften zu lesen und mein Herz gebeterfüllt darauf zu verwenden, sie zu verstehen?

Viertens: Unsere Gedanken und Worte

Der Erretter hat gesagt: „Aus dem Herzen kommen böse Gedanken“ und „wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund“. Die Qualität unserer Gedanken und Worte ist ein guter Indikator für die Reinheit unseres Herzens. Hege ich zu viele negative Gedanken über die Taten oder Beweggründe anderer oder sogar über mich selbst? Richte und verurteile ich andere vorschnell? Versuche ich, Ausreden und Rechtfertigungen für meine Fehler zu finden? Und was ist mit meinen Worten? Erbauen und motivieren sie die Menschen in meinem Umfeld? Oder lösen sie oft Streit und Ärger aus?

Nach den Untersuchungen sagte mir der Arzt, mein Herz sei im Großen und Ganzen gesund – doch es gab ein paar Punkte, die man jetzt angehen müsse, ehe ernsthafte Schwierigkeiten entstehen. Er riet mir, an meiner Lebensweise einige Änderungen vorzunehmen. Wenn Sie die geistige Verfassung ihres Herzens prüfen und bemerken, dass sich einige negative Symptome eingeschlichen haben, ist das kein Grund zur Panik. Der Erretter hat ausgezeichnete geistige Medizin und Behandlungen bereitgestellt, um Ihnen zu helfen. Er hat sogar verheißen, Ihnen ein neues Herz zu geben! Hier sind einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihr Herz geistig zu stärken:

Die geistige Gesundheit Ihres Herzens verbessern

Erstens: Festigen Sie Ihre Beziehung zu Christus

Wenn wir uns täglich Zeit nehmen, Christus näherzukommen, wandelt sich unser Herz. Tägliches Schriftstudium, verbunden mit aufrichtigem Gebet und regelmäßigem Fasten, vertieft Ihre Liebe zum Erretter und stärkt Ihren Glauben sowie Ihren Wunsch, umzukehren und demütig Ihr Herz Gott hinzugeben. Betrachten Sie dieses Beispiel aus dem Leben Nephis: „Darum rief ich den Herrn an; und siehe, er besuchte mich und erweichte mir das Herz, sodass ich alle die Worte glaubte, die mein Vater gesprochen hatte.“

Wenn wir das Samenkorn des Glaubens durch unsere rechtschaffenen Wünsche und Taten weiter nähren, erleben wir dieselbe Herzensheiligung wie die Nephiten: „[Sie] fasteten und beteten … oft und wurden stärker und stärker in ihrer Demut und standhafter und standhafter im Glauben an Christus, sodass ihre Seele mit Freude und Trost erfüllt wurde, ja, bis dass ihr Herz gereinigt und geheiligt wurde, und diese Heiligung kommt zustande, wenn man sein Herz Gott hingibt.“

Zweitens: Bringen Sie Ihren Willen mit dem des Herrn in Einklang

Der Erretter hat gesagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Er fordert uns auf, unsere Liebe zu ihm unter Beweis zu stellen, indem wir Bündnisse mit ihm schließen und sie halten. Wenn wir täglich danach streben, seine Gebote zu halten, aufrichtig von unseren Sünden umkehren und beharrlich seinen Namen auf uns nehmen und unseren Willen mit seinem in Einklang bringen, können wir den Heiligen Geist als ständigen Begleiter bei uns haben.

Nephi hat bezeugt: „Wenn ihr dem Sohn mit voller Herzensabsicht nachfolgt und keine Heuchelei und keine Täuschung vor Gott verübt, sondern es mit wirklichem Vorsatz tut, und von euren Sünden umkehrt und dem Vater bezeugt, dass ihr willens seid, den Namen Christi auf euch zu nehmen durch die Taufe …, dann werdet ihr den Heiligen Geist empfangen.“ Der Heilige Geist wird Sie leiten und Ihnen helfen, den Willen des Herrn zu erkennen und gute Entscheidungen zu treffen.

Und zuletzt: Dienen Sie Gott und Ihren Mitmenschen mit ganzem Herzen

Der Erretter fordert alle Menschen auf, ihm mit ganzem Herzen zu dienen. Wenn wir alles, was der Herr uns aufgetragen hat – wie etwa seine Gebote zu halten, vom Abendmahl zu nehmen, Gott im Tempel zu verehren und unserem Nächsten zu dienen –, mit aufrichtigem Herzen und wirklichem Vorsatz tun, wird jede dieser Handlungen des Dienens und der Gottesverehrung zu einem machtvollen geistigen Erlebnis, das unseren Glauben und unser Zeugnis stärkt und unser Herz mit Freude und Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen erfüllt.

Die Fragen, die der Prophet Alma stellte, gelten auch uns heute: „Seid ihr geistig aus Gott geboren? Habt ihr sein Abbild in euren Gesichtsausdruck aufgenommen? Habt ihr diese mächtige Wandlung in eurem Herzen erlebt?“

Brüder und Schwestern, ich ermuntere Sie, dem Erretter heute Ihr ganzes Herz zu schenken. Handeln Sie bei allem, was sie tun, um Gott zu verehren und zu dienen, aufrichtig und bewusst. Machen Sie sich frei von den Ablenkungen der Welt und nehmen Sie sich jeden Tag wertvolle Zeit für den Herrn. Kehren Sie um und wenden Sie sich ihm von ganzem Herzen zu, dann vergibt er Ihnen und umschließt Sie mit den Armen seiner Liebe. Trachten Sie nicht nach den Dingen dieser Welt, sondern entscheiden Sie sich dafür, das Auge nur auf seine Herrlichkeit zu richten und nach den Dingen einer besseren Welt zu trachten. Der Herr kennt Ihre Gedanken und die Wünsche Ihres Herzens, und wenn Sie zu ihm kommen, segnet er Sie mit Kraft, Zuversicht, Frieden und Freude in diesem Leben und einem Platz in seinem celestialen Reich in der Ewigkeit.

Ich weiß, dass Jesus Christus lebt. Er ist unser Erlöser. Und er liebt Sie und mich von ganzem Herzen. Im Namen Jesu Christi. Amen.