Generalkonferenz
Verhärtet nicht euer Herz
Frühjahrs-Generalkonferenz 2025


11:6

Verhärtet nicht euer Herz

Wenn wir aufrichtig umkehren, demütig sind, dem Herrn vertrauen und uns auf ihn verlassen, wird unser Herz erweicht

Die Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi nahm ihren Anfang, als Gottvater und sein geliebter Sohn dem jungen Joseph Smith als Antwort auf sein demütiges Gebet erschienen. Als Teil der Wiederherstellung übersetzte Joseph Smith einen alten Bericht durch die Gabe und Macht Gottes. Dieser Bericht beschreibt „Gottes Umgang mit früheren Bewohnern Amerikas und enthält die Fülle des immerwährenden Evangeliums“.

Als ich als kleiner Junge das Buch Mormon las, fragte ich mich oft, warum Laman und Lemuel die Wahrheiten nicht glaubten, die ihnen eröffnet wurden – selbst, als ein Engel des Herrn erschien und zu ihnen sprach. Wieso konnten Laman und Lemuel den Lehren ihres Vaters Lehi und ihres jüngeren Bruders Nephi gegenüber nicht demütiger und gehorsamer sein?

Ich fand eine der Antworten auf diese Frage in 1 Nephi, wo steht, dass Nephi „wegen ihrer Herzenshärte sehr bekümmert war“. Nephi fragte seine älteren Brüder: „Wie kommt es, dass ihr im Herzen so verhärtet seid und im Sinn so verblendet?“

Was bedeutet es, ein verhärtetes Herz zu haben?

Die koreanische Übersetzung von „verhärtet“ im Buch Mormon lautet 완악 (Wan-Aak: 頑惡). In diesem Ausdruck ist das chinesische Schriftzeichen „Wan“ (頑) enthalten, was „stur“ bedeutet, und „Aak“ (惡), was „böse“ bedeutet. Wenn wir unser Herz verhärten, sind wir verblendet und Gutes kann nicht in unser Herz und unseren Sinn gelangen. Wir werden stur und fangen an, uns mehr auf weltliche Begierden zu verlegen. Dabei verschließen wir unser Herz vor dem, was von Gott ist. Wir entscheiden uns dafür, allein auf unsere eigenen Gedanken zu achten, und nehmen die Meinungen und die Führung anderer nicht an. Wir entscheiden uns dafür, unser Herz nicht dem, was von Gott ist, zu öffnen, sondern stattdessen dem Einfluss des Weltlichen und des Widersachers. Wenn unser Herz verhärtet ist, wehren wir uns gegen den Einfluss des Heiligen Geistes. Wir sind „langsam, [uns] des Herrn … zu erinnern“, und mit der Zeit können wir „seine Worte nicht [mehr] fühlen“.

Alma sagte den Menschen in Ammoniha, dass einige „den Geist Gottes aufgrund der Härte ihres Herzens … verwerfen“ würden. Er sagte auch, dass „denen, die ihr Herz verhärten, … das kleinere Maß des Wortes gegeben [wird], bis sie nichts von seinen Geheimnissen wissen“. Schließlich zieht sich der Geist zurück, und der Herr nimmt sein Wort von jenen, die ihr Herz wie Laman und Lemuel verhärtet haben, weg. Weil Laman und Lemuel fortwährend ihr Herz verhärteten, sich gegen den Einfluss des Heiligen Geistes wehrten und sich dafür entschieden, die Worte und Lehren ihres Vaters und Nephis nicht anzunehmen, verwarfen sie letzten Endes ewige Wahrheiten von Gott.

Im Gegensatz zu Laman und Lemuel war Nephi beständig demütig und bemühte sich um Führung durch den Geist des Herrn. Im Gegenzug erweichte der Herr Nephis Herz. Nephi erzählt: „Ich [rief] den Herrn an; und siehe, er besuchte mich und erweichte mir das Herz, sodass ich alle die Worte glaubte, die mein Vater gesprochen hatte.“ Der Herr half Nephi, alle Geheimnisse Gottes und seine Worte anzunehmen, zu verstehen und zu glauben. Nephi war in der Lage, den Heiligen Geist als ständigen Begleiter bei sich zu haben.

Was können wir tun, um unser Herz nicht zu verhärten?

Erstens: Wir können uns in täglicher Umkehr üben.

Unser Erretter hat gesagt: „Wer umkehrt und zu mir kommt wie ein kleines Kind, den werde ich empfangen.“ Unser geschätzter Prophet, Präsident Russell M. Nelson, hat gesagt:

„Umkehr ist der Schlüssel zu Fortschritt. Reiner Glaube bringt uns auf dem Weg der Bündnisse voran.

Bitte haben Sie keine Angst umzukehren, und schieben Sie es nicht auf. Der Satan hat Freude an Ihrem Elend. … Fangen Sie heute an und erleben Sie die Freude, den natürlichen Menschen abzulegen. Der Erretter liebt uns immer, aber besonders dann, wenn wir umkehren.“

Wenn wir die Freude erleben, dass sich unser Herz erweicht, und zum Herrn kommen, werden wir „wie ein Kind, fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig, voller Liebe und willig, [uns] allem zu fügen, was der Herr für richtig hält, [uns] aufzuerlegen, so wie ein Kind sich seinem Vater fügt“.

Zweitens: Wir können uns in Demut üben.

Tägliche Umkehr stimmt unser Herz demütig. Wir wollen uns vor dem Herrn demütigen, so wie ein kleines Kind, das seinem Vater gehorcht. Dann werden wir den Heiligen Geist immer bei uns haben und unser Herz wird erweicht.

Meine Frau Sue und ich lernten vor vier Jahren ein wunderbares Ehepaar kennen. Als wir die beiden zum ersten Mal trafen, war der Mann ein neubekehrtes Mitglied der Kirche und seine Frau traf sich mit den Missionaren, um das Evangelium kennenzulernen. Viele Missionare trafen sich mit ihr, um ihr zu helfen, zu Christus zu kommen. Wir spürten, dass sie ein festes Zeugnis vom Evangelium hatte und wusste, dass die Kirche wahr ist. Sie verspürte oft den Geist während unserer Treffen und nahm aktiv an allen Versammlungen teil. Sie liebte den Umgang mit den wunderbaren Mitgliedern der Gemeinde. Nichtsdestotrotz fiel es ihr schwer, sich zur Taufe zu entschließen. Eines Tages las sie Moroni 7:43,44, wo es heißt:

„Und weiter, siehe, ich sage euch: Er kann nicht Glauben und Hoffnung haben, wenn er nicht sanftmütig und von Herzen demütig ist.

Denn sonst sind sein Glaube und seine Hoffnung unnütz, denn niemand ist vor Gott annehmbar als nur die Sanftmütigen und die von Herzen Demütigen.“

Nachdem sie diese Verse gelesen hatte, wusste sie, was sie tun musste. Sie hatte gedacht, dass sie verstanden hatte, was es bedeutet, sanftmütig und demütig zu sein. Ihr Verständnis war jedoch nicht ausreichend, um den Glauben und die Hoffnung aufzubringen, die Gebote Gottes zu befolgen. Sie musste sich von ihrer Sturheit und ihrer eigenen Weisheit lossagen. Sie begann, sich in Demut zu üben, indem sie aufrichtig umkehrte. Sie fing an, Demut aus Gottes Perspektive zu verstehen. Sie vertraute auf den Vater im Himmel und betete darum, dass ihr Herz erweicht werden möge. Durch diese Gebete spürte sie, wie der Heilige Geist ihr bezeugte, dass der Vater im Himmel wollte, dass sie sich taufen ließ.

Sowohl ihr Mann als auch sie erzählten, dass sie Gottes Worte besser verstanden, je mehr sie sich in Demut übten, und dass beider Herz erweicht wurde, sodass sie die Lehren unseres Herrn Jesus Christus gern befolgten.

Drittens: Wir können unserem Erretter vertrauen und uns auf ihn verlassen.

Nephi war ein gutes Vorbild – er ließ zu, dass sein Herz durch Vertrauen in den Herrn erweicht wurde. Er sagte: „Ich habe auf dich vertraut, und ich werde auf dich vertrauen immerdar. Ich werde mein Vertrauen nicht in den Arm des Fleisches setzen.“ In ähnlicher Weise sagte der Herr dem Propheten Joseph Smith in einer Offenbarung: „Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun – ja, gerecht zu handeln, demütig zu wandeln.“ Wenn wir unser Vertrauen in den Herrn setzen und uns auf ihn verlassen, wird er unser Herz erweichen, und wir erhalten Beistand in unseren Prüfungen, Mühen und Bedrängnissen.

Wenn wir aufrichtig umkehren, demütig sind, dem Herrn vertrauen und uns auf ihn verlassen, wird unser Herz erweicht. Er wird dann seinen Geist ausgießen und uns die Geheimnisse des Himmels zeigen. Wir werden allen Worten glauben, die er gesprochen hat, und unser Verständnis wird sich vertiefen.

Unser Erretter Jesus Christus war das vollkommene Beispiel für Sanftmut. In 2 Nephi 31:7 lesen wir: „Aber ungeachtet dessen, dass er heilig war, zeigt er den Menschenkindern, dass er sich gemäß dem Fleische vor dem Vater demütigt und dem Vater bezeugt, dass er ihm im Halten seiner Gebote gehorsam sein will.“ Obwohl er heilig und vollkommen war, demütigte er sich vor dem Vater und war ihm gehorsam, indem er sich taufen ließ.

Am Ende seines irdischen Wirkens unterwarf Jesus Christus seinen eigenen Willen dem des Vaters, indem er den bitteren Kelch trank. Dieses Leiden ließ ihn „der Schmerzen wegen zittern und aus jeder Pore bluten und an Leib und Geist leiden“. Der Erretter „wollte den bitteren Kelch nicht trinken und zurückschrecken“. Dennoch sprach er: „Ehre sei dem Vater“, und er „trank davon und vollendete [seine] Vorbereitungen für die Menschenkinder.“

Brüder und Schwestern, uns wurde die sittliche Entscheidungsfreiheit gegeben. Wir können uns dafür entscheiden, unser Herz zu verhärten, oder dafür, unser Herz zu erweichen. In unserem täglichen Leben können wir uns dafür entscheiden, das zu tun, was den Geist des Herrn einlädt, in unser Herz einzuziehen und dort zu verweilen. Ich weiß, dass diese Entscheidungen zu Frieden und Freude führen.

Folgen wir dem Beispiel unseres Erretters Jesus Christus, der dem Willen des Vaters folgte. Wenn wir dies tun, hat der Herr uns verheißen: „Denn siehe, ich will sie sammeln, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, wenn sie ihr Herz nicht verhärten.“ Im Namen Jesu Christi. Amen.