Und wir reden von Christus
Wir sind Nachfolger Jesu Christi und wir wollen sein Licht sowohl empfangen als auch weitergeben
Einleitung
Am Ende einer langen Auslandsreise betraten meine Frau Lesa und ich das Flughafenterminal, um unseren letzten Flug anzutreten, der uns – mitten in der Nacht – nach Hause bringen sollte. Während wir zusammen mit vielen anderen in langen Schlangen standen und nur schrittweise vorankamen, konnten wir die wachsende Besorgnis der Mitreisenden spüren, die sich Gedanken über den Abflug, die Prüfung der Pässe und Visa und eine reibungslose Sicherheitskontrolle machten.
Schließlich erreichten wir eine Kontrollstelle, die mit einer Zollbeamtin besetzt war, die sich offenbar von dem hohen Maß an Stress und Unruhe im Raum nicht beeindrucken ließ. Fast mechanisch, ohne Blickkontakt aufzunehmen, griff sie nach meinen Dokumenten, überprüfte mein Foto, blätterte eine Seite nach der anderen durch und stempelte schließlich mit einem dumpfen Schlag meinen Pass ab.
Dann griff sie nach Lesas Papieren. Mit gesenktem Kopf und ohne jegliche Gefühlsregung blätterte sie mit geübtem Blick methodisch durch die Seiten und konzentrierte sich auf die Einzelheiten der vor ihr liegenden Dokumente. Wir waren einigermaßen überrascht, als sie plötzlich innehielt, den Kopf hob und Lesa mit einem freundlichen Blick in die Augen sah. Mit einem herzlichen Lächeln stempelte sie Lesas Reisepass sorgfältig ab und händigte ihr die Dokumente wieder aus. Meine Frau erwiderte das Lächeln, nahm die Dokumente entgegen und verabschiedete sich mit freundlichen Worten.
„Was war das gerade?“, fragte ich ungläubig.
Lesa zeigte mir dann, was die Beamtin gesehen hatte: eine kleine Karte mit einem Bild des Erretters. Es war versehentlich aus Lesas Handtasche zwischen die Seiten des Reisepasses gerutscht. Das hatte die Zollbeamtin gefunden. Das hatte ihr ganzes Verhalten verändert.
Gnade und Wahrheit, Darstellung von Simon Dewey, mit freundlicher Genehmigung von altusfineart.com, © 2025, Verwendung mit Genehmigung
Dieses kleine Bild des Erretters schaffte eine Verbindung zwischen den Herzen zweier Fremder, die sonst nichts miteinander zu tun hatten. Es verwandelte das Unpersönliche in etwas Persönliches, da es die Schönheit, das Wunder und die Wirklichkeit des Lichts Jesu Christi widerspiegelte. Den Rest dieses Tages und noch oft danach habe ich mit Ehrfurcht über diesen schönen, einfachen Moment nachgedacht und mich über die herrliche Wirkung des Lichts Christi auf Gottes Kinder gefreut.
Wir reden von Christus
Wir sind Nachfolger Jesu Christi und wir wollen sein Licht sowohl empfangen als auch weitergeben. Aus dem Namen der Kirche geht unsere Auffassung hervor, dass „Christus Jesus selbst“ der Eckstein ist. Durch Propheten aus alter und neuer Zeit hat unser Vater im Himmel uns aufgefordert, ihn zu hören und zu Christus zu kommen. „Wir reden von Christus, wir freuen uns über Christus, wir predigen von Christus [und] wir prophezeien von Christus.“
Wir lehren, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und dass Jesus während seines irdischen Wirkens sein Evangelium gelehrt und seine Kirche errichtet hat.
Wir bezeugen, dass Jesus am Ende seines Lebens für unsere Sünden gesühnt hat, als er im Garten Getsemani litt, gekreuzigt wurde und dann wieder auferstand.
Wir freuen uns, dass uns dank des Sühnopfers des Erretters unsere Sünden vergeben werden und wir von ihnen gereinigt werden können, wenn wir umkehren. Das bringt uns Frieden und Hoffnung und ermöglicht es uns, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren und eine Fülle der Freude zu empfangen.
Wir prophezeien, dass dank der Auferstehung Jesu der Tod nicht das Ende, sondern ein wichtiger Schritt nach vorn ist. „Wir alle [werden] nach dem Tod auferstehen. Das bedeutet, dass der Geist und der Körper eines jeden Menschen wieder vereint werden und für immer leben werden.“
Zu Christus kommen
Lebende Propheten in unserer Zeit – die Offenbarung von Gott empfangen, um uns zu lehren und zu führen – fordern uns verstärkt auf, zu Christus zu kommen. Sie helfen uns, unser Herz, unsere Ohren und unsere Augen noch vollständiger auf ihn auszurichten. Wir könnten zahlreiche Beispiele für die von der Ersten Präsidentschaft angekündigten Anpassungen und Verbesserungen anführen, die darauf abzielen, dass wir den Blick auf Jesus Christus richten, darunter etwa:
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die Entscheidung, die Bezeichnung „Mormonenkirche“ durch den richtigen Namen „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ zu ersetzen
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das Angebot neuer, inspirierter Kunstwerke zum Thema Christus, die in den Gemeindehäusern ausgestellt werden können
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die Ausrichtung auf Jesus Christus bei den Leitgedanken und der Musik für die Jungen Damen und das Aaronische Priestertum, wie beispielsweise bei den Liedern „Ich folge Christus nach“ und „Blickt auf den Herrn“
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die stärkere Betonung des Sühnopfers und der buchstäblichen Auferstehung Jesu Christi als die herrlichsten Ereignisse der Geschichte
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das Feiern des Osterfestes als besondere Jahreszeit und nicht nur als Feiertag, wobei der Schwerpunkt auf Jesus Christus liegt
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die Einführung des Wiedererkennungsmerkmals der Kirche Jesu Christi und dessen Symbolik
Betrachten wir nun die Auswirkungen einiger dieser Anpassungen genauer. Zunächst möchte ich über das Symbol der Kirche sprechen.
Das Symbol der Kirche
Im Jahr 2020 führte Präsident Russell M. Nelson ein neues Wiedererkennungsmerkmal für die Kirche ein. Dieses Symbol spiegelt die Wahrheit wider, dass Christus im Mittelpunkt seiner Kirche steht und auch im Mittelpunkt unseres Lebens stehen sollte. Wir sehen dieses vertraute Symbol jetzt auf dem Tempelschein, auf Internetseiten und Zeitschriften der Kirche, als Icon für die App Archiv Kirchenliteratur und sogar auf den Erkennungsmarken vieler Mitglieder der Kirche, die Militärdienst leisten. Bei diesem Symbol ist der Name der Kirche in einen Eckstein eingefasst, was daran erinnert, dass Jesus Christus tatsächlich der Eckstein ist; hier die kambodschanische Fassung aus insgesamt 145 Sprachen.
In der Mitte des Symbols befindet sich eine Darstellung der beliebten Marmorstatue Christus von Bertel Thorvaldsen, die weithin mit der Kirche in Verbindung gebracht wird und in Besucherzentren und auf dem Gelände von Tempeln in aller Welt zu sehen ist. Ihre zentrale Position im Symbol der Kirche weist darauf hin, dass all unser Handeln auf Christus ausgerichtet sein soll. Ebenso verdeutlichen die ausgestreckten Arme des Erretters seine Verheißung, alle anzunehmen, die zu ihm kommen wollen. Dieses Symbol ist eine bildliche Darstellung der Liebe des Erretters Jesus Christus und eine stete Erinnerung an den lebendigen Christus.
Aus eigener Neugier habe ich mich bei vielen Familien und Freunden über ein wichtiges Element des Symbols der Kirche erkundigt. Überraschenderweise sind sich viele nicht über dessen heilige Bedeutung im Klaren. Jesus Christus steht unter einem Torbogen. Dies stellt den auferstandenen Erretter dar, der aus dem Grab steigt. Wir feiern wahrhaftig den auferstandenen, lebendigen Christus, selbst bei der Verwendung des Symbols der Kirche.
Ein edleres und heiligeres Osterfest
Lassen Sie uns nun über die Bedeutung von Ostern nachdenken. In jüngeren Osterbotschaften der Ersten Präsidentschaft wurden wir aufgefordert, „die Auferstehung unseres lebenden Erretters [zu] feiern, indem wir uns mit seiner Lehre befassen und der Gesellschaft als Ganzes dabei helfen, Ostertraditionen zu begründen – vor allem in unseren Familien“. Kurz gesagt, wir wurden aufgerufen, Ostern auf edlere und heiligere Weise zu feiern.
Ich freue mich über die fortlaufende Offenbarung in Bezug auf Ostern und bin dankbar für Ihre vielen Bemühungen, Ostern zu einem heiligen Ereignis zu machen. Neben einer einstündigen Abendmahlsversammlung am Ostersonntag sind auch die Andachten und Aktivitäten in der Gemeinde und im Pfahl am Palmsonntag und in der Karwoche angemessene Unternehmungen. Zu solchen Gedenkveranstaltungen gehören auch Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen; oft werden sie von interreligiösen Chören begleitet. Andere veranstalten Tage der offenen Tür zum Thema „Der lebendige Christus“ für Mitglieder und Freunde oder beteiligen sich an konfessionsübergreifenden Osterveranstaltungen.
Solche Aktivitäten spiegeln die Menschenmengen in der Stadt Jerusalem wider, die den Erretter bei seinem triumphalen Einzug gemeinsam priesen. Ebenso beeindruckend sind die Berichte über Ihre Bereitschaft, der Einladung der Ersten Präsidentschaft zu folgen und durch Ihre Gottesverehrung im Kreis der Familie diesen wichtigen Feiertag zu begehen.
Ich glaube, dass die Gottesverehrung in den Familien zu Ostern erheblich zugenommen hat. Vor zwei Jahren erzählte ich von dem Entschluss unserer Familie, die Art und Weise, wie wir Ostern feiern, zu verbessern. Zugegeben, wir arbeiten immer noch an der Umsetzung. Wir hatten schon immer Freude an einem besonderen Essen am Ostersonntag, an Osterkörbchen und einer Ostereiersuche, und so ist es auch heute noch. Dies jedoch bewusst um eine geistige Dimension zu erweitern und uns mit Jesus Christus und seinem Sühnopfer zu befassen, hat die Art und Weise, wie wir diesem heiligsten aller Ereignisse gedenken, in ein wohltuendes Gleichgewicht gebracht.
Dieses Jahr wollen wir den dritten Versuch unternehmen, das Osterfest stärker auf Christus auszurichten. Wie die Krippenaufführung zu Weihnachten besteht auch unser Familienstück zu Ostern aus improvisierten Kostümen, dem Vorlesen von Texten aus dem Neuen Testament und dem Buch Mormon, Musik, Osterbildern, Palmzweigen und ein wenig Durcheinander, um ganz ehrlich zu sein. Kinder und Enkelkinder lesen und tragen den Gruß zum Palmsonntag vor: „Hosanna … Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“ Und: „Das ist [Jesus aus] Galiläa.“ Dies ist ebenso bedeutsam wie die Worte „Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“ zur Weihnachtszeit.
Wir haben inzwischen eine Mischung von Dekorationen. Was früher fast ausschließlich aus Hasen und Ostereiern bestand, wird jetzt um die Christus-Statue und Bilder des leeren Grabes, des auferstandenen Erretters, der im Garten vor dem Grab erscheint, und des Erscheinens des Erretters bei den Nephiten ergänzt. Wir bemühen uns auch darum, Ostern zu einer besonderen Jahreszeit und nicht nur zu einem einzelnen Feiertag zu machen. Wir versuchen, Palmsonntag und Karfreitag sowie die heiligen Ereignisse der gesamten Karwoche besser zu verstehen, darüber nachzudenken und sie gebührend zu feiern.
Das Osterfest gibt uns die Möglichkeit, sowohl das Sühnopfer Jesu Christi als auch seine buchstäbliche und freudige Auferstehung zu ehren. Unser Herz ist schwer, wenn wir uns das Leiden des Erretters im Garten und auf Golgota vorstellen, aber unser Herz frohlockt, wenn wir an das leere Grab und die Verkündung des Himmelsboten denken: „Er ist auferstanden!“
Eine buchstäbliche Auferstehung
Die Erste Präsidentschaft hat uns gerade erst wieder ermuntert, uns „auf Ostern und die Auferstehung Jesu Christi zu freuen – die herrlichste aller Botschaften an die Menschheit“. Damit unterstreicht sie die Bedeutung dieser Jahreszeit. Während es unter verschiedenen christlichen Theologen eine wachsende Tendenz zu geben scheint, die Auferstehung in bildlichen und symbolischen Begriffen zu sehen, bekräftigen wir unsere Lehre, dass „die Auferstehung bedeutet, dass alle, die jemals gelebt haben, auferstehen werden und dass diese Auferstehung wörtlich zu verstehen ist“. „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Jesus Christus hat die Bande des Todes für jede lebende Seele zerrissen.
Wir erkennen fürwahr erstaunt und bewundernd die Gnade Jesu. Wir verinnerlichen seine Worte: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“
C. S. Lewis erklärte, dass „das Christentum zu predigen [für die Apostel] in erster Linie bedeutete, die Auferstehung zu predigen. … Die Auferstehung ist das zentrale Thema in jeder christlichen Predigt, von der in der Apostelgeschichte berichtet wird. Die Auferstehung und ihre Folgen waren das ‚Evangelium‘ oder die gute Nachricht, die die Christen brachten.“
Ich verkünde: „Es gibt eine Auferstehung, darum hat das Grab keinen Sieg, und der Stachel des Todes ist in Christus verschlungen.“
Abschluss und Zeugnis
Abschließend bezeuge ich, dass alle, die die Aufforderungen unseres lebenden Propheten und seiner Ratgeber annehmen, die heiligen Ereignisse, die für Ostern stehen, bewusster zu begehen, feststellen werden, dass ihre Verbindung zu Jesus Christus immer stärker wird.
Erst vor wenigen Tagen hörte ich von einer Großmutter, die mit ihrem vierjährigen Enkel die Ostergeschichte anhand einfacher Nachbildungen des Grabes, des Steins, der das Grab verschloss, sowie von Jesus, Maria, den Jüngern und dem Engel einstudierte. Der kleine Junge sah und hörte aufmerksam zu, als seine Großmutter von der Grablegung, dem Verschließen und Öffnen des Grabes und der Szene im Garten bei der Auferstehung erzählte. Später wiederholte er die Geschichte gewissenhaft und in erstaunlicher Ausführlichkeit vor seinen Eltern, während er die Figuren dazu bewegte. Nach diesem besonderen Moment wurde er gefragt, ob er wisse, warum wir Ostern feiern. Der Junge schaute auf und antwortete mit kindlichem Scharfsinn: „Na, weil Jesus doch lebt!“
Ich schließe mich mit meinem Zeugnis dem seinen – und Ihrem und dem der Engel und Propheten – an, dass Christus auferstanden ist und dass er lebt. Dies bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.