Generalkonferenz
Gottesverehrung
Frühjahrs-Generalkonferenz 2025


14:14

Gottesverehrung

Was bedeutet es für Sie und mich, Gott zu verehren?

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“

Die Weisen, wie sie manchmal genannt werden, waren in der Tat weise, da sie alles daran setzten, den Messias zu finden und ihn zu verehren. Für sie bedeutete Gottesverehrung, vor ihm niederzufallen und ihm Geschenke wie Gold und kostbare, wohlriechende Gewürze zu bringen.

Was bedeutet es für Sie und mich, Gott zu verehren?

Wenn wir an Gottesverehrung denken, drehen sich unsere Gedanken normalerweise um die Art und Weise, wie wir privat und im Gottesdienst unsere religiöse Überzeugung zeigen. Als ich darüber nachgedacht habe, wie wir unseren Vater im Himmel und seinen geliebten Sohn, unseren Erretter, verehren, kamen mir vier Aspekte in den Sinn: erstens die Handlungen, die unsere Gottesverehrung ausmachen, zweitens die Einstellung und die Gefühle, die bei unserer Gottesverehrung eine Rolle spielen, drittens, dass wir einzig und allein Gott verehren, und viertens, dass wir den heiligen Wesen nacheifern müssen, die wir verehren.

Erstens: die Handlungen, die unsere Gottesverehrung ausmachen

Eine der häufigsten und wichtigsten Formen der Gottesverehrung besteht darin, dass wir uns an einem geweihten Ort versammeln, um religiöse Handlungen vorzunehmen. Der Herr sagt: „Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen.“ Dies ist natürlich unsere Hauptmotivation beim Bau von Gemeindehäusern. Wenn nötig, genügt aber auch ein nicht geweihter Ort, sofern wir ihm zumindest ein gewisses Maß an Heiligkeit verleihen können.

Abendmahlsversammlung

Am wichtigsten ist das, was wir tun, wenn wir uns am Tag des Herrn versammeln. Natürlich kleiden wir uns so gut, wie es uns unsere Mittel erlauben – nicht extravagant, aber anständig, um unseren Respekt und unsere Ehrfurcht vor der Gottheit zu zeigen. Unser Verhalten ist ebenfalls andächtig und respektvoll. Wir verehren Gott, indem wir gemeinsam beten; wir verehren Gott, indem wir Kirchenlieder singen (nicht nur zuhören, sondern die Lieder auch mitsingen); wir verehren Gott, indem wir einander unterweisen und voneinander lernen. Jesus sagt: „Denke daran: An diesem, dem Tag des Herrn, sollst du dem Allerhöchsten deine Opfergaben [d.h. Opfer, gleich ob Zeit, Fähigkeiten oder Mittel im Dienst für Gott und Mitmenschen] und deine heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen.“ Wir kommen nicht zusammen, um Unterhaltung zu bieten oder zu konsumieren – wie zum Beispiel von einer Musikgruppe –, sondern um an den Herrn zu denken und noch vollkommener in seinem Evangelium unterwiesen zu werden.

Bei der letzten Generalkonferenz rief uns Elder Patrick Kearon in Erinnerung: „Wir versammeln uns am Sabbat nicht, um bloß in der Abendmahlsversammlung anwesend zu sein und dies als erledigt abzuhaken. Wir kommen zusammen, um Gott zu verehren. Zwischen diesen beiden Ansätzen gibt es einen wesentlichen Unterschied. Anwesend sein bedeutet, an einem bestimmten Ort zugegen zu sein. Gott verehren hingegen bedeutet, dass wir unseren Gott wahrhaft preisen und loben wollen, und zwar auf eine Weise, die eine innere Wandlung mit sich bringt!“

Wenn wir unseren Sabbat dem Herrn und seinen Absichten weihen, ist dies bereits ein Akt der Gottesverehrung. Vor einigen Jahren fragte Elder Russell M. Nelson, der damals Apostel war: „Wie hält man den Sabbat heilig? Als ich noch sehr viel jünger war, beschäftigte ich mich mit Listen, die andere Leute darüber zusammengestellt hatten, was man am Sabbat tun oder nicht tun sollte. Erst später erfuhr ich aus den heiligen Schriften, dass mein Verhalten am Sabbat und meine Einstellung zum Sabbat ein Zeichen zwischen mir und meinem Vater im Himmel darstellen [siehe Exodus 31:13; Ezechiel 20:12,20]. Als ich das erkannt hatte, war ich nicht mehr auf Listen von Geboten und Verboten angewiesen. Wenn ich überlegte, ob eine bestimmte Tätigkeit am Sabbat angebracht war, fragte ich mich einfach: ‚Welches Zeichen möchte ich Gott geben?‘“

Zur Gottesverehrung am Tag des Herrn gehört, dass wir den Blick vor allem auf das große Sühnopfer Jesu Christi richten. Wir feiern seine Auferstehung passenderweise besonders zu Ostern, aber auch jede Woche, wenn wir beim Abendmahl von den Sinnbildern für sein Sühnopfer, einschließlich seiner Auferstehung, nehmen. Vom Abendmahl zu nehmen, ist für die Reumütigen der Höhepunkt der Gottesverehrung am Sabbat.

Die gemeinsame Gottesverehrung als „der Leib Christi“ verleiht uns, die wir einander unterweisen, dienen und unterstützen, eine unvergleichliche Macht und hat einzigartige Vorteile. Interessanterweise ergab unlängst eine Studie, dass es bei Menschen, die ihr geistiges Leben als reine Privatangelegenheit betrachten, weniger wahrscheinlich ist, dass sie geistigem Wachstum Priorität einräumen, ihren Glauben als sehr wichtig bezeichnen oder regelmäßig andächtige Zeit mit Gott suchen. Als Gemeinschaft von Heiligen stärken wir einander bei der Gottesverehrung und im Glauben.

Wir dürfen allerdings auch die Handlungen nicht vergessen, mit denen wir Gott täglich als Einzelne und in der Familie verehren. Der Erretter ruft uns in Erinnerung: „Doch sollen deine Gelübde an allen Tagen und zu allen Zeiten in Rechtschaffenheit dargebracht werden.“ Eine Schwester hat diese kluge Feststellung getroffen: „Ich kann mir keine tiefgreifendere Möglichkeit vorstellen, Gott zu verehren, als seine Kleinen in unserem Leben willkommen zu heißen, für sie zu sorgen und ihnen seinen Plan für sie nahezubringen.“

Alma und Amulek trugen jenen Zoramiten, denen der Zutritt zu ihren Synagogen verwehrt wurde, auf, Gott nicht nur einmal in der Woche, sondern immer anzubeten, „wo auch immer ihr sein mögt“. Über das Gebet als Form der Gottesverehrung sagten sie:

„Ihr müsst eure Seele in euren Kammern und an euren verborgenen Plätzen und in eurer Wildnis ausschütten.

Ja, und wenn ihr den Herrn nicht anruft, so lasst euer Herz voll sein, ständig im Gebet zu ihm hingezogen.“

Sie sprachen auch darüber, dass man in den heiligen Schriften forschen, Zeugnis für Christus ablegen, mildtätig sein und dem Nächsten dienen, den Heiligen Geist empfangen und an jedem Tag in Danksagung leben soll. Bewegen Sie diesen Gedanken einmal in sich: „an jedem Tag in Danksagung leben“. Er hat mit meinem zweiten Aspekt zu tun:

Die Einstellung und die Gefühle, die zur Gottesverehrung gehören

Wenn wir Gott dankbar sind und dies auch zum Ausdruck bringen, erfüllen wir unsere Gottesverehrung mit einem Gefühl freudiger Erneuerung, statt sie lediglich als eine weitere Pflicht anzusehen.

Wahre Gottesverehrung bedeutet, dass wir Gott lieben und ihm unseren Willen unterwerfen. Dies ist das kostbarste Geschenk, das wir ihm machen können. Auf die Frage, welches Gebot im ganzen Gesetz das wichtigste sei, antwortete Jesus: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.“ Er nannte dies auch das erste Gebot.

Dies war das Muster, nach welchem auch Jesus selbst den Vater verehrte. Er weihte sein Leben und sein Sühnopfer der Herrlichkeit des Vaters. Tief bewegt denken wir an Jesu herzzerreißende Bitte inmitten seines unvorstellbaren Leidens und seiner Qualen: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Er fuhr jedoch fügsam fort: „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

Christus in Getsemani

Gottesverehrung bedeutet, dass wir bestrebt sind, diesem vollkommenen Beispiel zu folgen. Auf diesem Kurs gelangen wir nicht über Nacht zu Vollkommenheit, aber wenn wir dem Herrn jeden Tag „als Opfer ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist darbringen“, tauft er uns erneut mit seinem Geist und erfüllt uns mit seiner Gnade.

Drittens: Wir verehren einzig und allein Gott

Im ersten Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse bringt der Herr diese Anklage gegen die Welt vor:

„Sie sind von meinen Verordnungen abgewichen und haben meinen immerwährenden Bund gebrochen;

sie suchen nicht den Herrn, um seine Rechtschaffenheit aufzurichten, sondern jedermann wandelt auf seinem eigenen Weg und nach dem Abbild seines eigenen Gottes, dessen Abbild dem der Welt gleicht.“

Wir tun gut daran, an das Beispiel der drei jüdischen jungen Männer Hananja, Mischaël und Asarja zu denken, die als Gefangene nach Babylon geführt wurden – nicht lange nachdem Lehi und seine Familie Jerusalem verlassen hatten. Ein babylonischer Beamter gab ihnen neue Namen: Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Später, als diese drei sich weigerten, ein von König Nebukadnezzar errichtetes Standbild zu verehren, befahl dieser, sie in einen glühenden Feuerofen zu werfen. Er sagte zu ihnen: „Wer ist der Gott, der euch retten könnte aus meiner Hand?“

Sicherlich erinnern Sie sich an ihre mutige Antwort:

„Unser Gott, dem wir dienen, er kann uns retten. Aus dem glühenden Feuerofen und aus deiner Hand, König, wird er uns retten.

Und wenn nicht, so sei dir … kundgetan, dass wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Standbild, das du errichtet hast, nicht verehren.“

Schadrach, Meschach und Abed-Nego werden im Feuerofen gerettet

Der Ofen war so heiß, dass diejenigen, die sie hineinwarfen, umkamen, aber Schadrach, Meschach und Abed-Nego blieben unversehrt. „Da rief Nebukadnezzar aus: Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos. Denn er hat … seine Diener gerettet. Im Vertrauen auf ihn haben sie lieber … ihr Leben dahingegeben, als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott verehrten und anbeteten.“ Sie vertrauten darauf, dass Jehova sie befreien würde, „und wenn nicht“, also selbst dann, wenn Gott in seiner Weisheit ihren Tod nicht verhindern würde, würden sie ihm dennoch treu bleiben.

Alles, was für uns Vorrang davor hat, den Vater und den Sohn zu verehren, wird zu einem Götzen. Wer Gott als Quelle der Wahrheit verwirft oder jegliche Rechenschaftspflicht ihm gegenüber von sich weist, macht im Prinzip sich selbst zu seinem Gott. Ist jemandem die Treue gegenüber einer Partei oder Sache wichtiger als göttliche Weisung, verehrt er einen falschen Gott. Auch diejenigen, die zwar vorgeben, Gott zu verehren, aber seine Gebote nicht halten, gehen ihren eigenen Weg: „Sie nahen sich mir mit den Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir.“ Wir verehren ausschließlich den einzigen wahren Gott und Jesus Christus, den er gesandt hat.

Und schließlich: Wir müssen dem Vater und dem Sohn nacheifern

Wie wir leben, ist letztlich vielleicht die beste, aufrichtigste Form der Gottesverehrung. Unsere Hingabe zu zeigen bedeutet, dass wir dem Vater und dem Sohn nacheifern, indem wir uns ihre Eigenschaften und Charakterzüge selbst aneignen. Wenn das Nachahmen, wie es in einem Sprichwort heißt, die aufrichtigste Form der Schmeichelei ist, so könnten wir im Hinblick auf die Gottheit sagen, dass das Nacheifern die aufrichtigste Form der Verehrung ist. Dies lässt den Schluss zu, dass wir uns aktiv und beständig bemühen müssen, heilig zu werden. Mehr wie Christus zu werden, ergibt sich aber auch ganz von selbst aus dem, was wir tun, um Gott zu verehren. Elder Kearons von mir zitierte Aussage, dass wir Gott auf eine Weise verehren müssen, „die eine innere Wandlung mit sich bringt“, ist bedeutsam. Wahre Gottesverehrung wandelt uns.

Dies ist das Wunderbare am Weg der Bündnisse – dem Weg der Gottesverehrung, der Liebe zu Gott und der Treue gegenüber Gott. Wir betreten diesen Weg durch die Taufe, bei der wir geloben, den Namen Christi auf uns zu nehmen und seine Gebote zu halten. Wir empfangen die Gabe des Heiligen Geistes, des Boten der Gnade des Erretters, die uns von Sünde erlöst und reinigt, wenn wir umkehren. Wir könnten sogar sagen, dass wir Christus durch unsere Umkehr verehren.

Es folgen weitere heilige Handlungen und Bündnisse des Priestertums, die im Haus des Herrn geschlossen werden und uns noch mehr heiligen. Die Zeremonien und heiligen Handlungen im Tempel sind eine erhabene Form der Gottesverehrung.

Präsident Russell M. Nelson hat betont: „Für jeden Mann und jede Frau gilt: Wer an den heiligen Handlungen des Priestertums teilnimmt und mit Gott Bündnisse schließt und diese hält, hat direkten Zugang zur Macht Gottes.“ Dies ist nicht nur eine Macht, auf die wir uns stützen, um anderen zu dienen und Gutes zu tun. Es ist auch die göttliche Macht, die in uns wirkt, um uns zu läutern und zu reinigen. Wenn wir den Weg der Bündnisse gehen, wird die heiligende „Macht des Göttlichen“ in uns „kundgetan“.

Mögen wir, wie vor alters die Nephiten und Lamaniten, niederfallen zu Jesu Füßen und ihn anbeten. Mögen wir, wie Jesus es geboten hat, „niederfallen und den Vater [im] Namen [des Sohnes] anbeten“. Mögen wir den Heiligen Geist empfangen und unser Herz Gott hingeben, keine anderen Götter neben ihm haben und als Jünger Jesu Christi seinen Charakter durch unseren Lebenswandel abbilden. Ich bezeuge: Wenn wir dies tun, werden wir bei der Gottesverehrung Freude verspüren. Im Namen Jesu Christi. Amen.