Generalkonferenz
Die großen Gaben des Ewigen: das Sühnopfer Jesu Christi, die Auferstehung und die Wiederherstellung
Frühjahrs-Generalkonferenz 2025


13:57

Die großen Gaben des Ewigen: das Sühnopfer Jesu Christi, die Auferstehung und die Wiederherstellung

Wir finden zu Ostern in Jesus Christus Frieden, Wachstum und Zugehörigkeit – all das, was dauerhaft wahrhaftig, freudevoll, glücklich und für immer ist

Vor vielen Jahren lernten wir im Evangeliumsunterricht am Morgen Bibelverse auswendig. Natürlich zog es mich zu den kurzen Schriftstellen. Dazu zählte auch Johannes 11:35 – auf Englisch mit nur zwei Wörtern der kürzeste Vers in den heiligen Schriften: „Jesus weinte.“

Dass Jesus vor Kummer und Freude weint, bezeugt mir nun folgende wunderbare Wahrheit: Der himmlische Sohn Gottes kam mit einem Körper auf die Erde und lernte gemäß dem Fleische, wie er uns stets beistehen und segnen kann.

Wenn wir vor Kummer oder Freude weinen, versteht Jesus Christus uns auf vollkommene Weise. Er kann in jenen Momenten für uns da sein, in denen wir die großen Gaben des Ewigen am meisten brauchen: das Sühnopfer Jesu Christi, die Auferstehung und die Wiederherstellung.

Jesus weint

Maria und Marta weinen um ihren Bruder Lazarus, der gestorben ist. Von Mitgefühl bewegt weint Jesus. Er erweckt Lazarus von den Toten.

Jesus betrachtet Jerusalem am Vorabend des Paschafestes. Er weint – außerstande, sein Volk zu sammeln wie eine Henne ihre Küken. Heute gibt uns sein Sühnopfer Hoffnung, wenn wir um das trauern, was hätte sein können.

Der Herr des Weingartens weint, als er seine Diener, zu denen wir als betreuende Brüder und Schwestern gezählt werden könnten, fragt: „Was hätte ich sonst noch für meinen Weingarten tun können?“

Maria steht, ihres Herrn beraubt, vor dem Grab. Jesus fragt sanft: „Warum weinst du?“ Er weiß: „Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel.“ Durch die Auferstehung bricht für alle der Morgen an.

Als im Buch Mormon die Menge der Gläubigen vor ihm aufsteht, ist die Freude Jesu voll. Er weint.

„Und er nahm ihre kleinen Kinder, eines nach dem anderen, und segnete sie und betete für sie zum Vater.

Und als er dies getan hatte, weinte er abermals.“

Das ist Ostern in Jesus Christus: Er stillt das Sehnen unseres Herzens und beantwortet die Fragen unserer Seele. Er wischt all unsere Tränen ab, außer unsere Freudentränen.

Wenn Tränen fließen, entschuldigen wir uns manchmal betreten. Aber das Wissen, dass Jesus Christus die Schmerzen und Freuden des Lebens versteht, kann uns eine Kraft geben, die unsere eigene übersteigt, wenn wir Bitteres und Süßes erleben.

In Südamerika schluchzt ein Vater. Ein Lichtschimmer in seinem Leben, seine kleine Tochter, ist gestorben. „Ich würde alles dafür geben, sie wiederzusehen“, weint er in meinen Armen. Auch ich weine.

Elder Gong bei der Weihung des Puebla-Tempels in Mexiko

Bei der Weihung des Puebla-Tempels in Mexiko benetzen Freudentränen das Gesicht einer lieben Schwester. Ihr Antlitz zeugt von Glauben und von Opfern. Sie sagt: „Todos mis hijos están aquí en el templo hoy“ – „Alle meine Kinder sind heute hier im Tempel.“ Generationen, die im Haus des Herrn versammelt sind, bringen Tränen der Freude und Dankbarkeit.

In einem grausamen Bürgerkrieg haben Familien und Nachbarn einander Unaussprechliches angetan. Bittere Tränen weichen langsam der Hoffnung. Mit zitternder Stimme sagt eine Frau in einem kleinen Dorf: „Nachbar, bevor ich zu Grabe getragen werde, möchte ich dir sagen, wo du deine verschollenen Angehörigen finden kannst.“

Eine strahlende Braut und ein stattlicher Bräutigam werden im Haus des Herrn aneinander gesiegelt. Sie ist 70 Jahre alt und er ebenso. Die schöne Braut hat mit Würde auf diesen Tag gewartet. Sie schwenkt ihr Brautkleid schüchtern mal in die eine, mal in die andere Richtung. Wir vergießen Freudentränen. Gottes Verheißungen werden erfüllt. Seine Bündnisse bringen Segnungen.

Bei einem Heimlehrbesuch bei einer verwitweten Schwester hörte Boyd K. Packer als junger Mann eine bewegende Geschichte. Am Ende eines Streits mit ihrem Mann rief die Schwester ihm eine letzte verletzende Bemerkung nach. An diesem Tag ereignete sich unerwartet ein Unfall, bei dem ihr Mann ums Leben kam. „Seit fünfzig Jahren leide ich Höllenqualen, weil diese bissige, gehässige Bemerkung das letzte gewesen ist, was er von mir gehört hat“, schluchzte die Witwe.

Ostern in Jesus Christus hilft uns, unsere Beziehungen auf beiden Seiten des Schleiers zu heilen, in Ordnung zu bringen und uns zu versöhnen. Jesus kann Kummer heilen, er kann Vergebung ermöglichen. Er kann uns und andere von Sachen befreien, die wir oder sie gesagt oder getan haben und die uns sonst Ketten anlegen würden.

Ostern in Jesus Christus lässt uns Gottes Wertschätzung spüren. Die Welt sagt uns, dass wir zu groß, zu klein, zu breit oder zu schmal sind – nicht schlau, hübsch oder geistig genug. Durch eine geistige Wandlung in Jesus Christus können wir dem lähmenden Perfektionismus entfliehen.

Zu Ostern singen wir voller Freude: „Hölle überwunden ist, Sieger bleibet Jesus Christ.“ Die Auferstehung Jesu Christi befreit uns von Tod, zeitlicher Schwäche und körperlichen Unvollkommenheiten. Das Sühnopfer Jesu Christi stellt uns auch geistig wieder her. Er blutete aus jeder Pore, weinte sozusagen Blut, um uns einen Ausweg aus Sünde und Trennung zu ermöglichen. Er vereint uns, geheilt und heilig, miteinander und mit Gott. Jesus Christus stellt alles Gute in Fülle wieder her – nicht nur, was war, sondern auch, was sein kann.

Das Leben und Licht Jesu zeugen von Gottes Liebe für alle seine Kinder. Weil Gott, unser Vater, alle seine Kinder in allen Zeitaltern und Ländern liebt, finden wir in vielen Traditionen und Kulturen seine liebevolle Einladung, zu kommen und Frieden und Freude in ihm zu finden. Ganz gleich, wo oder wann wir leben und wer wir sind: Als Kinder desselben Schöpfers teilen wir eine göttliche Identität. In ähnlicher Weise teilen gläubige Muslime, Juden und Christen ein religiöses Erbe durch Vater Abraham und eine Bündnisverbindung durch Ereignisse im alten Ägypten.

Vater Abraham kam nach Ägypten und wurde gesegnet.

Josef, der als Sklave nach Ägypten verkauft wurde, wusste, dass der Traum des Pharaos sieben Jahre Überfluss und danach sieben Jahre Hungersnot bedeutete. Josef rettete seine Familie und sein Volk. Josef weinte, als er Gottes großen Plan erkannte, bei dem alles zum Guten derjenigen zusammenwirkt, die ihre Bündnisse halten.

Mose, der in Ägypten im Haus des Pharaos aufwuchs, empfing die Schlüssel zur Sammlung von Gottes Kindern und stellte sie später wieder her.

Josef, Maria und Jesus auf der Flucht nach Ägypten

Prophezeiungen wurden erfüllt, als Josef, Maria und das Christuskind in Ägypten Zuflucht suchten. In Kairo sagt ein gläubiger Muslim ehrfürchtig: „Der Koran lehrt, dass Josef, Maria und das Jesuskind Schutz und Zuflucht in meinem Land fanden. In meinem Land aß Jesus als Kleinkind unsere Speisen, machte seine ersten Schritte und sprach seine ersten Worte. Hier in meinem Land glauben wir daran, dass die Bäume sich niederbeugten, um ihm und seiner Familie Früchte zu schenken. Dass er in meinem Land war, war ein Segen für unser Volk und unser Land.“

Gottes Plan der sittlichen und irdischen Entscheidungsfreiheit ermöglicht es uns, aus eigener Erfahrung zu lernen. Einige der größten Lektionen unseres Lebens ergeben sich aus etwas, wofür wir uns selbst nie entscheiden würden. Jesus Christus ist in Liebe unter alles hinab- und über alles hinaufgefahren. Er freut sich über unsere göttlichen Fähigkeiten wie Kreativität und Begeisterungsfähigkeit, uneigennützige Freundlichkeit, Glaube zur Sündenvergebung und Vergebungsbereitschaft. Und er weint vor Trauer angesichts des ungeheuren Ausmaßes an menschlichem Leid, Grausamkeit und Ungerechtigkeit – oft durch menschliche Entscheidungen verursacht –, so wie auch die Himmel und der Gott des Himmels mit ihnen weinen.

Jeden Frühling bezeugt die Osterzeit, dass wiederkehrende geistige Zeiten sowie ihre Überschneidungen zum göttlichen Muster des Sühnopfers, der Auferstehung und der Wiederherstellung durch Jesus Christus dazugehören. Diese heilige und symbolische Überschneidung kommt nicht versehentlich oder zufällig zustande. Am Palmsonntag, in der Karwoche und zu Ostern werden das Sühnopfer Christi und seine Auferstehung gefeiert. So wie heute feiern wir jeden 6. April die Gründung und Organisation der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Diese Wiederherstellung ist einer der Gründe, weshalb wir uns jeden ersten Sonntag im April zur Generalkonferenz versammeln.

Zur Wiederherstellung gehörte auch, dass der auferstandene Jesus Christus, Mose, Elias und Elija am Ostersonntag des Jahres 1836 im damals gerade geweihten Kirtland-Tempel Priestertumsschlüssel und Vollmacht wiederbrachten. Auf diese Weise wurden der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi an jenem Tag Gottes Vollmacht und Segnungen übertragen, seine Kinder zu sammeln, seine Kinder darauf vorzubereiten, zu ihm zurückzukehren, und Familien für die Ewigkeit zu vereinen. Da die Wiederherstellung an diesem Tag sowohl mit dem Pascha- als auch dem Osterfest zusammenfiel, wurden auch Prophezeiungen erfüllt.

Elder Gong im Kirtland-Tempel

Neulich besuchte ich den Kirtland-Tempel und weitere heilige Stätten in Ohio, wo der Prophet Joseph und einige andere Gott, unseren Vater, und seinen Sohn Jesus Christus in einer Vision sahen. Der Prophet Joseph sah, wie es im Himmel ist. Im Himmel errettet der himmlische Vater durch seinen Sohn Jesus Christus „alle Werke seiner Hände“ in einem Reich der Herrlichkeit. Die einzige Ausnahme sind diejenigen, die vorsätzlich „den Sohn leugnen, nachdem der Vater ihn offenbart hat“.

Als er sein irdisches Wirken begann, erklärte Jesus, dass es seine Mission sei, jeden von uns mit allem zu segnen, was wir zu empfangen bereit sind – in jedem Zeitalter, jedem Land und jeder Lebenslage. Nachdem er 40 Tage gefastet hatte, ging Jesus in die Synagoge und las vor: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze.“

Arm, gefangen, blind und zerschlagen – das sind wir alle.

Das Buch Jesaja setzt die Verheißung von Hoffnung, Befreiung und Sicherheit durch den Messias fort: „Der Herr hat mich … gesandt, um … den Trauernden Zions Schmuck zu geben anstelle von Asche, Freudenöl statt Trauer, ein Gewand des Ruhms statt eines verzagten Geistes.“

Darum rufen wir aus: „Von Herzen freue ich mich am Herrn. Meine Seele jubelt über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit.“

Jedes Jahr zur Osterzeit feiern wir als symbolisches Ganzes die großen Gaben des Ewigen durch Jesus Christus: sein Sühnopfer, seine (und die uns verheißene) wahrhaftige Auferstehung sowie die Wiederherstellung seiner Kirche in den Letzten Tagen mit Priestertumsschlüsseln und der Vollmacht, alle Kinder Gottes zu segnen. Wir jubeln in Gewändern des Heils und dem Mantel der Gerechtigkeit. Wir rufen: „Hosanna Gott und dem Lamm!“

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“

Mögen wir alle im Sühnopfer Jesu Christi, in der Auferstehung und in der Wiederherstellung Frieden, Wachstum und Zugehörigkeit finden – in all dem, was dauerhaft wahrhaftig, freudevoll, glücklich und für immer ist. Dafür bete ich in seinem heiligen Namen, im Namen Jesu Christi. Amen.