Generalkonferenz
Freude als bündnistreue Jünger Christi
Frühjahrs-Generalkonferenz 2025


10:58

Freude als bündnistreue Jünger Christi

Wenn wir uns verpflichten, wie bündnistreue Jünger zu handeln, wird unsere Beziehung zum Vater und zum Sohn bereichert, unsere Freude verstärkt und unsere ewige Sichtweise erweitert

Eines Tages im Jahr 2023 war Ujanga Altansuch gerade bei der Arbeit, als der mongolische Missionspräsident an ihren Arbeitsplatz in Darchan im Norden der Mongolei kam. Sie beschrieb es so:

„Ich sah ihn und fand, dass er ein helles Licht ausstrahlte. Er war sehr freundlich und scherzte mit uns. Ich empfand ihn als herzlich. Bevor er sich verabschiedete, stellte ich ihm ein paar Fragen. Ein paar Tage später kam er wieder an meinen Arbeitsplatz und fragte, ob ich zu ihm in die Kirche kommen würde. Ich dachte, es könnte ja hilfreich sein. Ich machte mir Sorgen um die Zukunft meiner Kinder, da in unserer Gesellschaft anscheinend nichts als Spannungen und schlechte Stimmung herrschen. Ich wollte, dass meine Kinder wie dieser Mann sind – dass sie Licht ausstrahlen und unter ihren Mitmenschen Freude verbreiten.

Eines Tages klärten uns die Missionare über das Gesetz des Zehnten auf. Meine Kinder riefen ganz aufgeregt: ‚Wir müssen unseren Zehnten zahlen, Mama!‘ In diesem Moment erkannte ich, wie viel Glauben meine Kinder hatten. Bevor ich mich der Kirche anschloss, sah ich mir die Generalkonferenz an und hörte Präsident Russell M. Nelson zu. Er kündigte auf der ganzen Welt neue Tempel an, darunter auch einen in Ulan-Bator in der Mongolei. Ich freute mich sehr und vergoss Tränen, ohne zu wissen warum. Durch diese Freude wurde mir bewusst, dass mein Glaube und mein Zeugnis wuchsen.“

Ujanga ist wie Millionen andere Teil der großen Sammlung Israels in Vorbereitung auf das Zweite Kommen Jesu Christi. Sie hat ihre Reise auf dem Weg der Bündnisse angetreten und ist eine Jüngerin Christi geworden. Was bedeutet es, ein Jünger Christi zu sein? Mir gefällt das japanische Wort für „Jünger“, deshi. De bedeutet „jüngerer Bruder“ und shi bedeutet „Kind“.

Jesus Christus hat erklärt: „Ich war im Anfang beim Vater und bin der Erstgeborene.“ Aufgrund dessen, wer er ist und was er getan hat, beten wir ihn an, huldigen wir ihm, geben wir ihm Ehre und folgen wir ihm nach. Christus hat uns erlöst, und wir sind ewig dankbar für sein unbegrenztes Sühnopfer.

Wir haben einen Vater im Himmel, der uns als seine Kinder liebt. Seine Liebe zu uns ist vollkommen. An Jesus Christus und seiner Mission zeigt sich Gottes Liebe zu uns. Johannes schrieb: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.“

In unserem Streben, das zu verstehen, was wir nicht wissen, verlassen wir uns manchmal vielleicht auf unsere vertrauten irdischen Erfahrungen oder auf etwas, was wir tatsächlich schon wissen. Wir können beispielsweise aus unseren Erfahrungen als Eltern und durch familiäre Beziehungen etwas über Gottvater lernen. Wir sollten uns bei unseren Bemühungen, unseren Vater im Himmel zu verstehen, jedoch davor hüten, mit diesen Vergleichen zu weit zu gehen. Die Eigenschaften Gottvaters übertreffen jegliche weniger vollkommenen Eigenschaften eines gefallenen Menschen. Gottvater ist ein vollkommener Vater. Er ist vollkommen liebevoll, gütig, geduldig und verständnisvoll und ist vollkommen herrlich. Wir können ihm vollkommen vertrauen. Die Liebe Christi spiegelt die Liebe Gottvaters wider und ist ein Ausdruck dieser Liebe.

Jesus Christus ist für uns ein Beispiel und ein Instrument: An Christus werden uns die vollkommenen Eigenschaften des Vaters und sein Plan besser deutlich, und durch Christus empfangen wir die helfende Macht, die Neigungen des natürlichen Menschen zu überwinden, um mehr wie der Vater werden zu können.

Wie unser Vater im Himmel ist auch Jesus Christus vollkommen barmherzig und gerecht. Die göttlichen Eigenschaften Gerechtigkeit und Barmherzigkeit schließen einander nicht aus. Sie ergänzen einander. Sowohl in der Gerechtigkeit als auch in der Barmherzigkeit zeigt sich Gottes vollkommene Liebe zu seinen Kindern. Wir können Gottvater und Jesus Christus vertrauen, weil sie uns alle gerecht und fair behandeln.

Gottvater und sein Sohn Jesus Christus sind in ihren Absichten und ihrer Liebe vollkommen eins. Weil Gott und Jesus Christus uns lieben, werden uns die Gelegenheit und der Vorzug zuteil, als treue Jünger Bündnisse mit ihnen zu schließen. Wenn wir dies tun, wird unsere Beziehung zu Christus erweitert: „Und nun, wegen des Bundes, den ihr gemacht habt, werdet ihr die Kinder Christi genannt werden, seine Söhne und seine Töchter; denn siehe, am heutigen Tag hat er euch geistig gezeugt; denn ihr sagt, euer Herz habe sich durch Glauben an seinen Namen gewandelt; darum seid ihr aus ihm geboren und seid seine Söhne und seine Töchter geworden.“

Wenn wir als Jünger heilige Bündnisse schließen und halten, werden wir mit geistiger Macht gesegnet. Wir sind in einer besonderen Beziehung mit Christus und Gottvater verbunden und können ihre Liebe und Freude in einem Ausmaß verspüren, wie es denen vorbehalten ist, die Bündnisse geschlossen und gehalten haben. Unsere Fähigkeit, die Liebe Gottes in vollem Maße zu verspüren oder in seiner Liebe zu bleiben, hängt von unseren rechtschaffenen Wünschen und Taten ab.

In Johannes, Kapitel 15, Vers 9, lesen wir: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt.“ Und dann werden wir aufgefordert: „Bleibt in meiner Liebe!“

Im nächsten Vers erfahren wir, wie wir in seiner Liebe bleiben: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“

In Vers 11 sehen wir dann, warum wir die Gebote halten sollen: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.“

Als bündnistreue Jünger Christi verstehen wir das Wesen Gottes und die Freude, die er sich für all seine Kinder wünscht, allmählich besser. Außerdem verstehen wir dann allmählich einige Grundsätze besser, die zunächst verwirrend scheinen könnten. Zum Beispiel: Wie kann Gott eine Fülle der Freude haben, wenn einige seiner Kinder so sehr leiden? Die Antwort liegt in Gottes vollkommener Übersicht und in seinem vollkommenen Plan. Er sieht uns vom Anfang an bis zu unserer herrlichen potenziellen Zukunft. Er hat durch seinen Sohn Jesus Christus für uns alle, seine Kinder, einen Weg bereitet, wie wir die Schmerzen, das Leid, die Sünden, die Schuld und die Einsamkeit überwinden können, die Teil unseres Erdenlebens sind. Gott hat den Weg für uns bereitet und uns Entscheidungsfreiheit gewährt.

Beispiele derer, die als Jünger Christi Freude verspürt haben, können uns helfen, dieses Konzept besser zu verstehen. Vielleicht haben Sie schon einmal die Aussage gehört, dass wir nur so glücklich sind wie unser unglücklichstes Kind. Ich habe erlebt, dass dies nicht unbedingt zutreffen muss. Meine 94-jährige Mutter hat über 200 lebende Nachkommen. Unter diesen 200 ist immer mindestens einer, der unglücklich ist. Wenn diese Aussage wahr wäre, müsste meine Mutter ständig unglücklich sein, das ist sie aber nicht. Wer sie kennt, weiß, wie glücklich sie ist.

Ich möchte noch ein weiteres Beispiel anführen. Im Januar 2019 wurden meine Frau Debbie und ich zu Präsident Nelson ins Büro gebeten. Er hatte einen Stuhl ganz in unserer Nähe aufgestellt und wir saßen fast Knie an Knie. Nachdem er unsere derzeitige Berufung ausgesprochen hatte, wandte sich Präsident Nelson Debbie zu und widmete ihr seine volle Aufmerksamkeit. Er war gütig, liebevoll, sanftmütig und voller Freude, wie ein vollkommener Vater oder Großvater. Er hielt Debbies Hand, tätschelte sie und versicherte ihr, dass alles gut gehen würde und dass unsere Familie gesegnet werden würde. In diesem Moment schien es uns, als seien wir die wichtigsten Menschen für ihn und als hätte er alle Zeit der Welt für uns. Als wir an jenem Freitagnachmittag sein Büro verließen, waren wir zuversichtlich, fühlten uns geliebt und waren voller Freude.

Am Montag darauf sahen wir die Nachrichten. Genau an dem Tag, als Präsident Nelson Zeit mit uns verbracht hatte, war eine seiner Töchter an Krebs gestorben. Wir waren fassungslos. Zutiefst bewegt trauerten wir mit ihm und seiner Familie. Aber wir waren auch zutiefst dankbar, dass er uns auf so christliche Weise Aufmerksamkeit geschenkt hatte, während er um seine Tochter trauerte, die so sehr zu leiden hatte.

Als wir über dieses Erlebnis nachdachten, fragten wir uns: „Wie konnte er in einer so schwierigen Zeit so gütig, liebevoll und sogar voller Freude sein?“ Die Antwort liegt in dem, was er weiß. Er weiß, dass Christus siegreich war. Er weiß, dass er seine Tochter wiedersehen und ewig mit ihr vereint sein wird. Freude und eine ewige Sichtweise rühren daher, dass wir mit dem Erretter verbunden sind, indem wir Bündnisse schließen und halten und ihm in christlicher Weise nachfolgen.

Präsident Nelson hat erklärt: „So wie wir durch den Heiland Frieden empfangen können, ‚der alles Verstehen übersteigt‘ [Philipper 4:7], können wir durch ihn auch eine Intensität, Tiefe und Breite der Freude erlangen, die menschlicher Logik oder irdischem Verständnis trotzt. Es scheint beispielsweise unmöglich, Freude zu empfinden, wenn das eigene Kind an einer unheilbaren Krankheit leidet, wenn man seine Arbeit verliert oder wenn der Ehepartner einen betrügt. Dies ist jedoch genau die Freude, die durch den Erretter möglich ist.“

Wenn wir Bündnisse schließen und halten, wenden wir uns ganz von allein anderen zu und möchten ihnen helfen, ein Ausmaß der Freude und Liebe zu verspüren, wie wir es in unseren Bündnisbeziehungen empfinden. Wir können bei der größten Sache auf Erden mitwirken, die es heute gibt, nämlich der Sammlung Israels. Wir können mithelfen, Gottes Kinder zu Christus zu bringen. Der Prophet Jakob hat gesagt: „Und gesegnet seid ihr, denn weil ihr bei der Arbeit in meinem Weingarten mit mir eifrig gewesen seid und meine Gebote gehalten habt und mir abermals die natürliche Frucht gebracht habt, … werdet ihr mit mir Freude haben wegen der Frucht meines Weingartens.“

Wenn wir uns verpflichten, wie bündnistreue Jünger zu handeln – in welchem Umfang wir dazu auch fähig sein mögen –, wird unsere Beziehung zum Vater und zum Sohn bereichert, unsere Freude verstärkt und unsere ewige Sichtweise erweitert. Dann werden wir mit Macht ausgestattet und können Freude in einem Ausmaß verspüren, wie es Gottes wahren und bündnistreuen Jüngern vorbehalten ist. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.