2025
Mein eigenes Endowment
April 2025


Stimmen der Heiligen

Mein eigenes Endowment

(KDR) Meine Sehnsucht, in den Tempel zu gehen, entwickelte sich bereits in meiner Jugendzeit. Damals war ich noch kein Mitglied der Kirche, nahm an einer Tempelfahrt teil und durfte, während die anderen im Tempel waren, an einer Tempelführung teilnehmen.

Als Dreizehnjährige gläubige und aktive Katholikin wollte ich keinesfalls meine Familie und meine Freunde enttäuschen und zögerte meine Taufe hinaus. Dennoch ging ich regelmäßig zu allen Aktivitäten der Jungen Damen und nahm am Seminarprogramm teil. Irgendwie wartete ich auf den richtigen Zeitpunkt.

Eines Morgens erwachte ich mit einem brennenden Gefühl im Herzen, sodass ich weinen musste und mich innerlich total aufgewühlt fühlte. In diesem Moment wusste ich unmissverständlich, dass der Heilige Geist mich zur Taufe drängte. Alle meine Bedenken nahmen einen anderen Stellenwert ein, denn meine Gebete waren erhört worden.

Kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag wurde ich von meinem Vater, Dietmar Adams, in der Gemeinde Dortmund getauft. Die Hoffnung darauf, dass meine Schwester und meine Mutter auch diesen Weg einschlagen und wir zu einer ewigen Familie gesiegelt werden würden, rückte immer weiter in den Hintergrund. Dafür vergrößerte sich der Wunsch nach einer eigenen ewigen Familie. Diese Sehnsucht verstärkte sich, nachdem ich mit 23 Jahren heiratete. Kurze Zeit später taufte mein Vater auch meinen Ehemann. Nach vier Jahren geistigen Wachstums und der Hoffnung auf ein gemeinsames Tempelerlebnis überschlugen sich die Ereignisse innerhalb der Familie.

Eine akute Leukämie ließ unser Leben aus den Fugen geraten. Zwischen Hoffnung und Irrsinn schaukelten die Gefühle von uns Eheleuten, unserer Großfamilie und der Gemeinde umher. Ich persönlich hegte keinen Zweifel daran, wieder gesund zu werden, weil ich bereit war, mich dem Krebs zu stellen. Dabei haben mir die Himmel und viele wunderbare Menschen stets beigestanden. Während meines Kampfes trennte sich mein Mann von mir, die Beziehungen zu meiner Familie und meinen Freuden verstärkten sich jedoch und wurden inniger. In den folgenden vier Jahren erfüllten sich nach und nach alle meine angestrebten Ziele. Doch eines fehlte mir noch: das Endowment!

Da ich zwischenzeitlich auf einen Rollstuhl und Hilfe angewiesen bin, plante ich akribisch diesen Besuch in allen Einzelheiten. Als der ersehnte Tag bevorstand, erkrankten meine Eltern und waren nicht in der Lage, den Behindertentransport zu übernehmen. So kurzfristig fand sich auch kein anderer Helfer, und ich musste wieder einmal mein Vorhaben zurückstellen.

Da ein Pfahl-Tempeltag anstand, recherchierten sowohl der Bischof meiner Gemeinde als auch ich nach einem bezahlbaren behindertengerechten Fahrzeug. Wie sollte es auch anders sein, fand sich eines genau zum richtigen Zeitpunkt in erreichbarer Nähe und dazu noch zu einem hervorragenden Preis. Der Tempelpräsident stimmte zu, die Sessionen meinen körperlichen Möglichkeiten anzupassen, und ich ergatterte sogar das einzige behindertengerechte Zimmer des Gästehauses. Auch eine Begleitung mit pflegerischen Fähigkeiten wurde gefunden, und alles erschien perfekt.

Am 21.4.2023 wurde ich von dem Bischof meiner Jugendzeit nach Friedrichsdorf gefahren. Nach mehrstündiger Fahrt traf ich am Tempelplatz ein und wurde von einer Schwester übernommen. Wir besorgten Garments, machten Fotos, bezogen das Zimmer und bereiteten uns körperlich und emotional auf den Tempelbesuch vor.

Als ich abends müde und erschöpft im Tempel begrüßt wurde, hüpfte mein Herz vor Freude. Alle Opfer hatten sich gelohnt. Die Tempeloberin stellte sich mir total offen und liebevoll als Gudrun vor. Ich fühlte mich sogleich behaglich und wohl. Alles war so feierlich, friedlich und aufregend zugleich. Im Brautzimmer war dann Raum für ein persönliches Kennenlernen und eine geistige Einweisung. Schwester Schwartz nahm mir jegliche Form der Aufregung. Ruhe und Frieden umhüllten mich, während ich noch einmal über die Heiligkeit des Endowments belehrt wurde. Gleich im Anschluss erhielt ich die Vorverordnungen.

Als ich am nächsten Morgen wieder in den Tempel rollte, wusste ich, dass die vielen intensiven Gebete wertvoller Menschen in meiner Umgebung in Erfüllung gegangen waren. Mein Endowment nahte, es war einfach himmlisch! Im celestialen Saal angekommen, erfüllte mich tiefer Frieden. Obwohl mir total bewusst ist, dass ich noch viel lernen, begreifen, verändern und anwenden muss, fühle ich mich eingebettet in ewige Verheißungen und sicher bewahrt in der göttlichen Geborgenheit.

Niemals hätte ich allein diese Segnungen erhalten können. Wie der Gelähmte, der durch das abgedeckte Dach zu Jesus herabgelassen wurde, wurde ich von vielen Menschen getragen, gehalten, ermutigt, unterstützt und aufgerichtet, um die ersten Schritte zur Erhöhung zu wagen.