„Jesus Christus: Hoffnung und Verheißung des Osterfests“, Liahona, April 2025
Jesus Christus: Hoffnung und Verheißung des Osterfests
Dem Osterfest wohnen die Hoffnung und die Verheißung inne, dass Jesus Christus die Sehnsüchte unseres Herzens stillt und die uns auf der Seele brennenden Fragen beantwortet.
Illustrationen von Michael Dunford
Schaffen Sie sich, um diese Worte zu lesen, bitte einen ungestörten Zeitrahmen und einen ruhigen Ort geistiger Zuflucht.
Allzu oft ist unsere Welt von Lärm erfüllt, und Verstellung sowie Hochmut sind allgegenwärtig. Wenn wir jedoch uns selbst und Gott gegenüber offen und ehrlich sind und auf unseren Schutzschild verzichten, verwirklichen sich – Jesus Christus sei Dank – die Hoffnung und die Verheißung, die dem Osterfest innewohnen. In einem solchen Moment bewegen uns Fragen wie diese:
„Wie kann ich meine Angehörigen, meine Freunde, all die Menschen, die mir am Herzen liegen, wiedersehen?“
„Wo finden und empfinden meine Mitmenschen und ich in einer oftmals von flüchtigen, egozentrischen Beziehungen geprägten Welt inneren Frieden, Hoffnung und Gemeinschaft mit Gott?“ (Siehe Lehre und Bündnisse 107:19.)
„Gibt es jemanden, den ich lieben kann – und der auch mich aufrichtig liebt? Können Bündnisbeziehungen sich weiterentwickeln und Bestand haben – nicht wie im Märchen, sondern so, dass die Bande stärker sind als die Fesseln des Todes, und die Beziehung auf immer und ewig wahrlich glücklich ist?“
„Wie kann ich in einem Umfeld voller Schmerz, Leid und Ungerechtigkeit zu Frieden, Verständnis und Harmonie in Jesus Christus, in seinem wiederhergestellten Evangelium und in seiner Kirche beitragen?“
Zur Osterzeit möchte ich mein Zeugnis für Jesus Christus und für die Verheißung und Hoffnung ablegen, die er uns schenkt.
Verheißung der Zugehörigkeit durch Bündnisse und des Lebenszwecks
Gott, unser ewiger Vater im Himmel, Jesus Christus, sein geliebter Sohn, und der Heilige Geist stehen uns persönlich nahe. Ihr Licht, ihr Mitgefühl und ihre erlösende Liebe sind unbegrenzt und ewig und eng mit dem verflochten, was den Zweck der Schöpfung und unser gesamtes Sein ausmacht (siehe Alma 30:44; Mose 6:62,63).
Im vorirdischen Rat im Himmel jauchzten alle Morgensterne und jubelten alle Gottessöhne und -töchter (siehe Ijob 38:7). Wir haben damals Entscheidungsfreiheit gewählt. Jetzt gehen wir unseren Weg als Glaubende. Inmitten von Ungewissheit, Entmutigung und Herausforderungen im Erdenleben machen wir unsere eigenen Erfahrungen und entdecken die von Gott verheißene Schönheit, Klarheit, Freude und unseren Lebenszweck.
Nie war beabsichtigt, dass wir auf Erden ohne klares Ziel oder Wissen um unsere Bestimmung alleine umherirren. Wir können mit dem Himmel in Kontakt treten, unseren Glauben sowie die Zugehörigkeit zu unserer Familie und zu unseren Hausgenossen in der Gemeinschaft der Heiligen stärken. Indem wir bereitwillig, freudig und gehorsam Gottes Gebote befolgen, entwickeln wir uns zu unserem wahren, freien, echten und von Freude erfüllten Ich. Erst das von Jesus Christus vollbrachte Sühnopfer – ein Opfer der Versöhnung – ermöglicht uns die Zugehörigkeit durch Bündnisse.
Aus dem Leben und der Mission Jesu Christi erwächst Hoffnung
Tag für Tag zählen zur Hoffnung und Verheißung des Osterfests auch jene Segnungen und Lehren, die von Jesus Christus im Laufe seines vollkommenen irdischen Wirkens ausgegangen sind. Jesus Christus war ja ganz am Anfang vorherordiniert worden und kam als der einziggezeugte Sohn Gottes zur Welt (siehe Jakob 4:5; Alma 12:33,34; Mose 5:7,9). Er wuchs heran, seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen (siehe Lukas 2:52). Jesus Christus war einzig und allein bestrebt, den Willen seines Vaters zu tun. Er vergab Sünden, heilte Gebrechen, erweckte Tote zum Leben und tröstete die Kranken und Einsamen.
Nachdem er 40 Tage gefastet hatte, sagte er einst: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze.“ (Lukas 4:18; siehe auch Jesaja 61:1.)
Das schließt einen jeden von uns mit ein.
Beim Abschiedsmahl wusch Jesus Christus seinen Jüngern die Füße (siehe Johannes 13:4-8). In der Alten ebenso wie in der Neuen Welt hat „das lebendige Wasser“ und „das Brot des Lebens“ höchstpersönlich das Abendmahl eingeführt. Bei dieser heiligen Handlung rufen wir den Vater an und geloben, den Namen Jesu Christi auf uns zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten, damit sein Geist immer mit uns sei (siehe Lukas 22:19,20; 3 Nephi 18:7,10,11).
Im Garten Getsemani erlitt Jesus, um uns zu erlösen und für uns zu sühnen, mehr, als man erleiden kann. Aus jeder Pore kam Blut. Er hat diese Schmerzen für alle gelitten, damit wir nicht leiden müssen, sofern wir umkehren (siehe Lehre und Bündnisse 18:11; 19:16).
Jesus Christus wurde verraten und zu Unrecht angeklagt, verspottet und gegeißelt; auf sein in Demut geneigtes Haupt wurde ein Kranz aus Dornen gesetzt (siehe Matthäus 27:26,29; Markus 15:15,17,20,31; Lukas 22:63; Johannes 19:1,2). „Wegen unserer Sünden [wurde er] zermalmt …, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53:5.) Er wurde „auf das Kreuz emporgehoben“, um uns zu sich zu ziehen (siehe 3 Nephi 27:14,15). Selbst am Kreuz betete Jesus Christus noch um Vergebung für andere (siehe Lukas 23:34). Er trug Johannes auf, sich um seine Mutter zu kümmern (siehe Johannes 19:26,27). Er hatte das Gefühl, verlassen zu sein (siehe Matthäus 27:46; Markus 15:34). Damit sich die Schrift erfülle, sagte er, ihn dürste (siehe Johannes 19:28). Als alles vollbracht war, hauchte er von sich aus den Geist aus (siehe Lukas 23:46; siehe auch Johannes 10:17,18).
Jesus Christus weiß, wie er uns bei Krankheiten, Gebrechen, Einsamkeit, Isolation und Drangsal beistehen kann (siehe Alma 7:12). Solche Bedrängnisse sind oftmals die Folge von Entscheidungen anderer. Er weiß auch, wie er sich mit uns über unsere Glücksmomente und unsere Dankbarkeit freuen und mit uns, wenn unsere Freude voll ist, Freudentränen vergießen kann. Liebevoll ruft er uns in seinem Namen und mit seiner Stimme, um uns in seine Herde zu bringen. Sein Ruf ergeht an einen jeden, in jedem Winkel der Welt. Er fordert uns auf, das Erdenleben aus einer ewigen Sichtweise heraus zu betrachten und zu verstehen. Er verheißt uns: Wenn wir untadelig wandeln und unsere Bündnisse halten, wird alles zu unserem Guten zusammenwirken können (siehe Lehre und Bündnisse 90:24; Römer 8:28).
Alles wird zu seiner Zeit und auf seine Weise wiederhergestellt – nicht bloß so, wie es früher war, sondern auch so, wie es dereinst werden kann. Jesus Christus kann uns wirklich von Knechtschaft und Sünde, von Tod und Hölle befreien und uns helfen, unsere göttliche Identität zu erreichen. Durch Glauben und Umkehr können wir mehr werden, als wir uns je vorgestellt haben.
Uns ist Befreiung verheißen
Dank Jesus Christus ist der Tod nicht das Ende. Zu Ostern verkünden wir:
Dank des Gebots und der Macht, die er von seinem Vater erhalten hatte, konnte Jesus sein Leben hingeben und es wieder aufnehmen (siehe Johannes 10:17). Als sein Leib im Grabe lag, trat Jesus Christus unter die in der Geisterwelt Versammelten, diente ihnen, organisierte die Scharen und verkündete ihnen „ihre Erlösung aus den Banden des Todes“ (Lehre und Bündnisse 138:16).
Am Morgen des dritten Tages erhob er sich aus dem Grab. Er sprach mit Maria. Er erschien zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, und ebenso seinen Aposteln sowie anderen (siehe Matthäus 28; Markus 16; Lukas 24; Johannes 20).
Laut einem als Chiasmus abgefassten Zeugenbericht forderte Jesus seine Jünger auf, ihre Netze auf der anderen Seite des Bootes auszuwerfen; und obwohl die Netze dieses Mal voller Fische waren, zerrissen sie nicht (siehe Johannes 21:6-11; Lukas 5:3-7). Er gab den Jüngern zu essen und forderte Petrus dreimal inständig auf, seine Schafe, seine Lämmer zu weiden (siehe Johannes 21:12-17). Er fuhr in den Himmel auf und erklärte, dass seine damaligen Jünger und auch wir alle heute die frohe Osterbotschaft und sein Evangelium jeder Nation, jedem Geschlecht und jedem Volk verkünden sollen (siehe Matthäus 28:19,20; Markus 16:15).
Jesus Christus ist unser guter Hirte und das Lamm Gottes. Für seine Schafe gab er sein Leben hin und lebt auch heute noch für sie. Im Garten und am Kreuz hat er Unerträgliches ertragen und für uns gesühnt. Jetzt und in Ewigkeit zeigt er uns beispielhaft, wie „der Weg bereitet vor uns liegt …, damit wir herrlich auferstehn“.
Durch die Macht des Sühnopfers und der Auferstehung Christi werden unser Körper und unser Geist bei der physischen Auferstehung wieder vereint. Dann haben wir einen herrlichen, in Aussehen und Statur wiederhergestellten Körper mit allen Gliedmaßen. Selbst die Haare auf unserem Kopf werden wiederhergestellt. Wir sind dann frei von den Gebrechen des Erdenlebens – frei von Krankheiten, Verletzungen und mentalen Beeinträchtigungen. Das Sühnopfer Christi ist uns also ein Segen und lässt uns jede Art von geistiger Trennung und geistigem Tod überwinden. Unter der Voraussetzung, dass wir umkehren, werden wir von jeder Sünde und allem Kummer befreit und empfangen eine ewige Fülle der Liebe und Freude. Dann sind wir rein und frei und können mitsamt der Familienbeziehungen, die uns alles bedeuten, in die herrliche, celestiale Gegenwart Gottvaters und Jesu Christi zurückkehren.
Wir werden all unsere Lieben wiedersehen. Wenn wir dann mit ihnen wieder vereint sind, betrachten wir einander aus dem Blickwinkel der Ewigkeit – mit mehr Liebe, Verständnis und Güte. Das Sühnopfer Jesu Christi kann uns in Erinnerung rufen, was wichtig ist und Unwesentliches außer Acht zu lassen. Wenn wir auf unseren Erretter und unsere Beziehungen mit größerem Glauben und größerer Dankbarkeit blicken, bringt uns das inneren Frieden, lässt die Last leichter werden, versöhnt Herzen und vereint Familien für Zeit und alle Ewigkeit.
Hoffnung auf Überfluss und Freude
Dank Jesus Christus bedeutet Ostern, dass sich die Schleusen des Himmels öffnen, die Frucht des Weinstocks sich vermehrt und das Land uns beglückt. Dank Jesus Christus bedeutet Ostern außerdem, Witwen und Waisen, Hungernde und Hilflose sowie all jene zu trösten und zu versorgen, die in Angst leben, misshandelt werden oder unverschuldet in Gefahr geraten sind. Jesus Christus ist sich eines jeden bewusst und fordert uns auf, es ihm gleichzutun – dass wir uns unserer Mitmenschen bewusstwerden und ihnen einfühlsam und liebevoll dienen.
Alles, was gut ist, stellt Jesus Christus in überreichem Maße wieder her (siehe Johannes 10:10; Alma 40:20-24). Er verheißt uns: „Die Erde ist voll, und es ist genug vorhanden, ja, dass noch übrig bleibt.“ (Lehre und Bündnisse 104:17.) Zu seiner Wiederherstellung von allem gehören die Fülle seines Evangeliums, seine Priestertumsvollmacht und -macht sowie die heiligen Handlungen und Bündnisse, die es in der Kirche gibt, die seinen Namen trägt – nämlich Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
Dank Jesus Christus bedeutet Ostern, dass an vielen Orten mehr heilige Häuser des Herrn näher an die Kinder Gottes heranrücken und die Lehre von den Befreiern auf dem Berg Zion (siehe Obadja 1:21) in unser Herz getragen wird. Der Herr schenkt uns einen Weg, der uns heiligt und uns die Möglichkeit gibt, auf Erden selbstlos einem verstorbenen Angehörigen das anzubieten, was dieser in der Ewigkeit braucht und sich ersehnt, jedoch nicht mehr selbst erlangen kann.
Das ist meine Hoffnung, meine Verheißung und mein Zeugnis. Ich lege Zeugnis ab für Gott, unseren Vater, für unseren Erretter und Erlöser Jesus Christus und für den Heiligen Geist. Mögen wir nicht nur an Ostern, sondern jeden Tag in Gottes erhabenem Plan des Glücklichseins mit seinem Weg der Bündnisse, entlang dessen wir eine göttliche Wandlung vom Sterblichsein hin zu Unsterblichkeit und ewigem Leben erleben, ewige Hoffnung und Verheißung finden. Möge die Gewissheit des Sühnopfers Jesu Christi unsere Last Tag für Tag leichter machen. Möge sie uns helfen, anderen in ihren Sorgen beizustehen, und möge sie unsere Seele frei machen, sodass wir seine Fülle der Freude empfangen.
Dem Osterfest wohnen die Hoffnung und die Verheißung inne, dass Jesus Christus die Sehnsüchte unseres Herzens stillt und die uns auf der Seele brennenden Fragen beantwortet.