2025
„Wer seid ihr?“
Juni 2025


Bekehrungsgeschichte

„Wer seid ihr?“

St. Gallen: Alles begann, als der 19-jährige Schweizer Silvan Koch in die Deutschland-Berlin-Mission berufen wurde. Dort diente er als Missionar zunächst in Neumünster und Magdeburg. Danach wurde er nach Freiberg, Sachsen, versetzt. Das ist, wie viele wissen, nicht nur ein Ort, wo ein Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage steht. Vielmehr sollte dieser für ihn auch zu einem Ort werden, der die Weichen für sein zukünftiges Leben stellte.

Denn dort bezog er im Stadtzentrum eine Wohnung, die im dritten Stock lag. Sie verließ er mit einem Mitarbeiter täglich am Morgen, am Abend kehrten sie wieder zurück. Dies bekam die 14-jährige Hanna Rehmstedt mit. Sie wohnte nämlich mit ihrer Familie in dem Mietshaus genau gegenüber der Missionarswohnung, ebenfalls im dritten Stock. Dort saß sie oft an ihrem Schreibtisch, beobachtete die jungen Männer durchs Fenster und fragte sich, wer die beiden in den dunkelblauen Anzügen wohl seien.

Allerdings nicht lange, denn dann trieb die Neugier sie zur Tat. Sie schrieb auf ein Blatt Papier: „Wer seid ihr?“ Und sie klebte dieses an ihr Zimmerfenster. Die zwei jungen Geistlichen sahen dies und antworteten auf dem gleichen Weg: „Wir sind Missionare der Kirche Jesu Christi.“ Hanna aber wusste damit nichts anzufangen. Sie malte ein großes Fragezeichen auf ein weiteres Blatt Papier. Und sie brachte es wieder an ihrem Fenster an. Die Antwort der zwei war: Ein Bild von Christus.

Unzufrieden damit, dass sie sich nur von Fenster zu Fenster verständigten, gab Hanna schließlich ihre Telefonnummer preis. Es kam zur ersten Zusammenkunft. Und die jungen Prediger begannen, ihr vom Evangelium Jesu Christi zu erzählen. Treffpunkt war dabei stets eine Sitzbank, die auf der Strasse zwischen ihren Wohnhäusern stand. Hanna fing an, das Buch Mormon zu lesen. Sie betete. Und sie erhielt von Gott die Bestätigung: Das ist etwas Gutes.

Zwei Monate später bekam Silvan einen neuen Auftrag. Er zog nach Minden, Nordrhein-Westfalen. Und er diente dort geistlich weiter. Doch der Kontakt mit Hanna brach dadurch nicht ab. Vielmehr hielten die beiden ihn auf dem elektronischen Weg aufrecht – auch dann noch, nachdem er seinen zweijährigen Dienst beendet hatte.

Sobald er in die Schweiz zurückgekehrt war, bat er seine Eltern, mit ihm sein ehemaliges Missionsgebiet zu bereisen. Die drei zogen los. Und Freiberg sowie Hanna und ihre Familie waren dabei auch eine Station. Danach skypten die beiden oft. Sie unterhielten sich weiterhin über religiöse Themen. Und Hannas Interesse an der Kirche Jesu Christi – und natürlich an Silvan! – wuchs. Das Ergebnis war: Sie ließ sich von ihm taufen. Er fragte sie, ob sie seine Frau werden wolle. Und nachdem sie 18 geworden war, heirateten sie.

Heute gehören Silvan und Hanna Koch mit ihren Kindern zum Zweig Ebnat, Pfahl St. Gallen. Gefragt, wie sie über ihre Geschichte denken, antworteten sie: Sie hätten es nie für möglich gehalten, dass ihre Familie einer Papier-Verständigung zwischen zwei Fenstern entspringen könnte.