„Göttliche Vorsehung“, Liahona, Juni 2025
Stimmen von Heiligen der Letzten Tage
Göttliche Vorsehung
Ich war dankbar für die gespendeten Schuhe – aber würden sie einem unserer Missionare passen?
Illustration von Agnieszka Więckowska
Ende des Jahres 2023 verbrachte ich eine Woche damit, in meiner Funktion als Missionsführer in Brasilien mit 60 unserer 160 Missionare Interviews zu führen. Ein Zonenleiter bat um ein persönliches Gespräch. Bei diesem Anlass gab er mir einen Schuhkarton und erzählte, seine Eltern hätten die Idee gehabt, ein Paar Schuhe zu kaufen, falls es jemanden in der Mission gäbe, der sie brauchen könnte.
Gerührt dankte ich ihm für die großzügige und aufmerksame Gabe seiner Eltern. Insgeheim dachte ich allerdings, es wäre besser gewesen, wenn die Schuhe eine Größe hätten, wie sie die meisten unserer Missionare trugen, denn dieses Paar hier war eher klein – Größe 41. Trotzdem war ich dankbar und legte die Schuhe in mein Auto.
Zwei Tage später führte ich Interviews mit weiteren Missionaren und bat in diesem Zuge einen lächelnden Missionar zu mir ins Büro. Er war erst vier Wochen zuvor aus Guatemala angekommen. Doch als ich ihn fragte, wie es ihm gehe, verwandelte sich sein Lächeln plötzlich in Schluchzen.
Unter Tränen berichtete er, es sei ihm schrecklich peinlich, dass ein anderer Missionar ihn, ohne es böse zu meinen, aufgezogen hatte, weil der oberste Knopf seines Hemds offen stand. Der junge Mann hatte sich erst vor kurzem der Kirche angeschlossen. Er war bei seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Diese hatte kaum genug Geld, um ihn und seine beiden Geschwister zu ernähren. Er trug Hemden, die jemand gespendet hatte, und weil diese zu klein waren, musste er den obersten Knopf offen lassen, was er mit dem Knoten seiner abgenutzten Krawatte zu verbergen gehofft hatte.
Ich gab ihm etwas Geld, das ein Mitglied der Kirche für Missionare gespendet hatte, die Kleidung brauchten, und sagte ihm, er solle sich ein paar neue Hemden kaufen. Dann bemerkte ich, dass seine Schuhe aus dem Leim gingen. Plötzlich fielen mir die Schuhe im Auto ein! Ich fragte ihn, welche Schuhgröße er trage, da ich sah, dass er eher kleine Füße hatte.
„Ich habe Größe 41“, antwortete er.
Mit Tränen in den Augen erzählte ich, dass die Eltern eines anderen Missionars gerade ein Paar Schuhe in seiner Größe gespendet hatten. Wir machten gemeinsam ein Foto und schickten es dem Zonenleiter. Dessen Vater, der zufälligerweise ebenfalls aus Guatemala stammte, war gerührt, dass er einem Missionar aus seinem Heimatland helfen konnte.
In unserer Mission erleben wir diese Art von Segnungen täglich. Manch einer mag sagen, das sei reiner Zufall. Aber ich stimme Elder Neal A. Maxwell (1926–2004) zu, der sie auf die „göttliche Vorsehung“ eines liebevollen Vaters im Himmel zurückführt.