„Gott braucht mich in Österreich“, Liahona, Juni 2025
Stimmen von Heiligen der Letzten Tage
Gott braucht mich in Österreich
Eigentlich wollte ich im Ausland studieren – aber ich hatte vergessen, deswegen erst einmal zu beten.
Illustration von Agnieszka Więckowska
Als ich von meiner Mission in Spanien zurückgekehrt war, fühlte ich mich bereit, den nächsten Schritt im Leben anzugehen. Ich wollte die Kirche in neuem, größerem Rahmen abseits meiner Heimat Wien erleben, wo es zwar engagierte, aber relativ wenige Mitglieder gab.
Ich dachte, ich wäre an der Brigham-Young-Universität in Provo gut aufgehoben, mitten unter gleichgesinnten jungen Leuten, und hoffte auch, dort eine junge Frau kennenzulernen, die ich heiraten und mit der ich eine Familie gründen könne. Ich bestand den Englischtest und wurde bald darauf zugelassen. Meine Eltern boten mir an, die Kosten mitzutragen.
Trotzdem quälte mich ein Gedanke: Ich hatte den Herrn nicht befragt. „Wieso sollte ich um Erlaubnis bitten?“, dachte ich. Schließlich widmete ich mich ja „einer guten Sache“ und brauchte in dieser Angelegenheit keine Führung (siehe Lehre und Bündnisse 58:26,27). Da konnte der Himmel doch nichts dagegen haben, oder?
Aber der Heilige Geist gab mir immer wieder ein: „Du musst erst beten, bevor du dich entscheidest.“ Ich rechnete fest damit, dass der Herr zustimmen würde, und dachte mir: „Na gut, dann bete ich mal.“
Die Antwort kam schnell und deutlich. Es war eine der klarsten Antworten, die ich je erhalten habe. Ich hörte in meinem Herzen: „Ich brauche dich hier in Österreich, um das Reich Gottes aufzubauen.“
Ich legte den Kursplan der BYU beiseite und sagte alles ab. Ich dachte an meine Familie und daran, dass der Herr uns geholfen hatte, von Uruguay nach Österreich auszuwandern, als ich ein Kind war. Mir wurde klar, dass der Herr mich vielleicht tatsächlich hier brauchte. Mit neuem Elan konzentrierte ich mich darauf, Gottes Reich in Österreich aufzubauen, einem Land voller Schönheit, das über eine interessante Geschichte verfügt und die Wirkungsstätte vieler großer Komponisten wie Beethoven und Mozart war.
Nur wenige Wochen später lernte ich eine junge Frau kennen, die wie ich mit ihrer Familie aus Südamerika ausgewandert war. Wir wurden enge Freunde. Sie war kein Mitglied der Kirche, befasste sich aber intensiv damit, wie ich mich selbst dem Erretter und seiner Kirche widmete. Schließlich erlangte sie selbst ein Zeugnis. Zwei Jahre später heirateten wir.
Katerin und ich wurden im Tempel aneinander gesiegelt. Inzwischen haben wir drei Söhne und eine Tochter, die festen Glauben und großes Engagement an den Tag legen. Wir sind bestrebt, unser Licht leuchten zu lassen (siehe Matthäus 5:16), indem wir in unserer österreichischen Heimat allen Menschen freundlich begegnen und offen über unseren Glauben sprechen. Ich bin dankbar für die Gabe der persönlichen Offenbarung, die uns Führung gibt, wenn wir dem Herrn dienen.