Stimmen von Heiligen der Letzten Tage
Ich durfte dabei sein – Dienst am Nächsten
An ihr 20. Jubiläum hat sie gar nicht gedacht. Petra Schünke aus der Gemeinde Herne setzt ihre Talente zum Wohl und zur Freude anderer ein. Wann sie ganz genau damit begann, daran konnte sie sich nicht erinnern. Wir fanden das heraus. Nur einige wenige wussten von ihrer Aktivität in der Adventszeit. Sie ist bescheiden, eher etwas ruhig, und tut, was zu tun ist, ohne dies besonders zu erwähnen.
Vor 20 Jahren fühlte sie den Wunsch, anderen Menschen etwas von sich selbst zu geben. „Ich hatte eine schwierige Zeit hinter mir, in der ich mich oft einsam und verloren fühlte“ sagt Petra Schünke. Nun galt es für sie, andere spüren zu lassen, dass sie nicht vergessen sind.
Sie kaufte die Zutaten ein und backte Plätzchen, um diese in der vorweihnachtlichen Zeit an Menschen zu verteilen, die auf sie den Eindruck machten, dass ihnen ihre kleine Geste guttun würde. Das Backen macht ihr Freude. „Das duftet so gut. Und ich nasche so gern von dem Teig.“ Sie ging in die Einkaufszone der Stadt, die umliegenden Straßen und Plätze, wo sich oftmals Menschen aufhalten, die kein Zuhause haben. Im ersten Jahr waren es 20 Tüten, die sie verteilte. Das steigerte sich dann. Im Advent 2024 waren es 1.080 Plätzchen, verpackt in 90 Tüten.
Unter den Beschenkten sind Obdachlose, Menschen, denen es finanziell nicht besonders gut geht und etliche andere, die sich über Selbstgebackenes freuen. Petra Schünke lässt sich auf ihrem Weg inspirieren, wen sie ansprechen soll. Auf die Frage, ob es nicht viel einfacher für sie wäre, jedem eine Münze zu geben, statt mühsam zu backen und zu verteilen, damit würde sie anderen ja auch helfen können, kommt die Antwort: „Nein, das ist nicht das Gleiche. Mit den Plätzchen gebe ich etwas von mir selbst. Ich backe sie mit viel Mühe und Liebe, die ich damit weitergebe. Die Menschen brauchen Liebe.“
Wegen gesundheitlicher Probleme benötigt Petra Schünke zwischenzeitlich einen Rollator. Durch diese Einschränkung ließ sie sich nicht von ihren adventlichen Touren abhalten. Im Gegenteil, sie sieht ihn als eine Hilfe. Korb und Tasche sind sehr geräumig, und wenn sie eine Pause benötigt, kann sie sich auf ihn setzen.
Petra Schünke erzählt, dass sie reich gesegnet worden ist und auf diese Weise dem Herrn etwas zurückgibt: „Alles, was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“
18 Jahre lang zog sie allein mit ihrer in Plätzchen verpackten Liebe durch die Straßen. Erst für ihre Tour im Advent 2023 sprach sie einige Schwestern an, ob diese Lust hätten, mitzugehen. Zwei begleiteten sie. Die Reaktionen insgesamt waren jedoch unterschiedlich. Sie reichten von Unverständnis bis zu Wertschätzung. Im Advent 2024 fragte sie mich und eine weitere Schwester.
Selbstverständlich wollte auch ich gern ihr Projekt unterstützen. Unsere zwei Touren zusammen mit ihr haben auch mir gutgetan. Zu den Plätzchen packten wir noch einen kleinen Schokoladennikolaus und eine kleine Überraschung. Petra Schünkes Fähigkeit, Menschen vorbehaltlos zu umarmen, ist ganz besonders. Der Lohn, den sie erhält, ist die Reaktion der Beschenkten: freudige Gesichter, Dankesworte und manchmal auch eine herzliche Umarmung. „Das ist oftmals überwältigend“ sagt Petra Schünke. Regen und Wind waren nicht angenehm, haben uns aber nicht abgehalten, anderen Freude zu bereiten. Unter den Beschenkten gab es auch zwei Geburtstagskinder.
Petra Schünke erzählt dankbar, dass ihre Weihnachtsplätzchen auch zu Freundschaften geführt haben, wie zum Beispiel zu einer Freundschaft mit Jessi. Weitermachen möchte sie gern so lange, wie sie laufen kann. Ich hoffe, dass das noch sehr viele Jahre so sein wird und der Himmel dabei zuschaut.
Als unsere 50 Tüten verteilt waren, blickte Petra Schünke glücklich in ihre leere Tasche und überraschte dann auch mich mit einer Tüte Plätzchen mit Schokoladennikolaus: Vollmilchschokolade, wie ich sie mag! Für mich ein Ansporn für das nächste Jahr. Ich bin gern wieder dabei.
„Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun.“ (Lehre und Bündnisse 58:27)