2025
Müde
Januar 2025


Stimmen der Heiligen der Letzten Tage

Müde

Im Evangelium lernen wir, dass wir immer Kraft bekommen. Uns wird durch viele wunderbare und inspirierende Geschichten in den Schriften und aus dem Leben gezeigt, dass der Vater im Himmel Kraft verspricht, besonders im Tempel, in dem durch die Bündnisse Kraftquellen zur Verfügung gestellt werden, deren Tiefe und Wirkung kaum einer von uns ganz ermessen kann. Und doch sind wir oft müde. Manch einer ist krank oder alt, ein anderer frustriert über die Lebensumstände, die drücken und das Herz oder den Geldbeutel belasten. Müde, leer, ausgepumpt, frustriert – und da hilft das Wetter - seien es sommerliche Hitze oder trübe Wintertage - nicht gerade.

Ich hoffe, dass du gerade diesen Artikel liest und dich darin nicht wiederfindest. Aber wenn auch du müde oder frustriert bist, dir das Wetter oder die Lebensumstände zu schaffen machen,, dann lass dich von dem kurzen Artikel berühren.

Als Nephi in seinem Leben an seinem Tiefpunkt stand, war sein Vater gerade verstorben. Er fühlte sich nutzlos und frustriert. Sein ganzes Leben war geprägt davon, die Familie zusammenzuhalten, und jetzt sollte er einen Teil der Familie nehmen und eine Teilung verursachen. Hatte er versagt? Wo war der Herr? Nephi schrieb ein bemerkenswertes Kapitel, das als Nephis Psalm bekannt ist. 2 Nephi 4, ab Vers 17. Es hilft mir, wenn ich das lese.

Nephi hat allerlei Gefühle, die er beschreibt. Benenne, wie es dir geht. Sprich mit jemandem. Wenn du dich gerade schwach und geistig weit weg vom Herrn fühlst, wird dich das frustrieren, wie es auch Nephi frustriert hat, aber es soll dich irgendwann dazu führen, dass du deine Kräfte wieder mobilisieren kannst. Das tut Nephi: Er ist bedrückt darüber, dass er gerade nicht die Kraft hat, das Richtige zu tun, sondern einfach „den Regen abwartet“, aber dann denkt er über sein Leben nach und schaut auf seine Erfahrungen zurück. Er erkennt den Herrn und seine Befreiung. Denk über dein Leben nach und erkenne, wie Gott darin gewirkt hat.

Ich glaube daran, dass der Herr weiß, was er tut. Ich weiß es meistens nicht. Wenn ich alle Wünsche gewährt bekäme, wäre ich nicht besser dran und auch nicht glücklicher. Ich vertraue darauf, dass der Herr mich leitet und es gut mit mir und meinen Lieben meint. Und somit muss ich auch darauf vertrauen, dass der Herr mir aus der gegenwärtigen Situation hilft.

2 Nephi 4:26-28

Wie schaffe ich es, zu erwachen? Wo nehme ich die Kraft her, meiner Seele Feind entgegenzutreten?

Es gibt bei uns Verhaltensmuster, die wir analysieren müssen. Was müssen wir lassen, was sollten wir tun? Wenn es uns an Kraft fehlt, will das „Menschliche“ in uns so wenig Anstrengung wie möglich unternehmen. Aber oft schleifen sich bei uns dann Dinge ein, die uns nicht guttun. Wir schlafen zu spät, wir essen ungesund, wir bewegen uns nicht genug, wir lenken uns ab mit Dingen, die nicht entspannen, wir sind unzufrieden und unfreundlich, wir können uns selbst nicht leiden, wir fühlen uns leer und dergleichen. Wie kann ich die Spirale nach unten stoppen und die Spirale nach oben aktivieren, wenn die Kraft zum Atmen fehlt?

Nephi erkennt, dass es Dinge gibt, die ihm Freude, Frieden und Kraft rauben. Er versteht, dass er der Versuchung widerstehen und daher manches Kleine tun und anderes Kleine lassen muss, und er erkennt da einen Zusammenhang. (Siehe Vers 27.)

Finde etwas, was du verändern möchtest, und überlege dir etwas Kleines in deinem Verhalten, was du mit der Kraft, die du gerade hast, verändern kannst – egal wie klein sie sein mag. Ein Glas Wasser am Bett stehen haben, an jedem Tag zwei Verse lesen, ab 20 Uhr nichts mehr essen, jemanden anrufen – je kleiner das Ziel, desto eher kann man Freude erlangen, weil man es schafft, die Anstrengung dafür aufzubringen.

2 Nephi 4:29-35

Als ich mich gerade bemühte, in meinem Leben bessere Entscheidungen zu treffen und mich über kleine Erfolge zu freuen, wurde ich krank und alles war wieder dahin. So ist das und es gehört zum Leben. Das kennen wir alle. Es ist ein wichtiger Schritt, darüber dann nicht so frustriert oder wütend zu sein, dass wir nicht mit der Zeit wieder dazu kommen, über unser Leben nachzudenken. Wir sollten entsprechend unserer Kraft wieder anfangen, uns mit dem Herrn zu beraten, und versuchen, nicht zu hadern, sondern geduldig zu sein. „Denn meine Stimme wird immerdar emporsteigen“ zu ihm, auch dann, wenn ich wieder am Nullpunkt angelangt bin, obwohl ich eigentlich weiter sein sollte. Der Herr hat uns Schwäche gegeben. Das ist der Plan. Wir sind müde, aber der Herr hält Kraft für uns bereit. Lass sie uns finden und Nephis Muster folgen.