2025
Schicksalsschläge und Heilung von Sucht
Januar 2025


Stimmen von Heiligen der Letzten Tage

Schicksalsschläge und Heilung von Sucht

(AM): Ich wuchs in einer sechsköpfigen Familie auf. Als ich in die Pubertät kam, zogen meine Geschwister aus. Mein Vater trank mehr als je zuvor Alkohol und meine Mutter stürzte in eine tiefe Depression. Ich durfte mit niemandem darüber reden. Meine Einsamkeit ertrug ich, indem ich mich in die Welt von Hollywood flüchtete. Niemand bemerkte, wie lange ich vor dem Fernseher hockte.

Mit 18 zog ich in eine andere Stadt, konnte mir zum ersten Mal einen eigenen Freundeskreis aufbauen. Im ersten Berufsausbildungsjahr bekam ich einen Anruf von meinem Vater. „Deine Mutter ist tot“, hörte ich ihn sagen. Das war alles. Ich zog mich in mein Zimmer zurück und dachte: „Jetzt lohnt es sich nicht mehr, weiterzuleben.“ Es war, als ob ich eine leise Stimme vernahm, die mir sagte: Die Welt dreht sich auch ohne deine Mutter für dich weiter.

In einer Buchhandlung fand ich eine Postkarte mit diesem Satz: „Es gibt keinen Tod, es gibt nur einen Wechsel der Welten.“ Dieser Satz beruhigte mich.

Ich begann, jeden zu fragen – unabhängig von seinem Glauben –, wie er sich ein Leben nach dem Tod vorstellte. Sechs Jahre später traf ich an einer Bushaltestelle eine junge Frau. Sie fragte mich nach meinem Glauben an Gott. Ich war erstaunt. Ende der 80er Jahre sprach niemand in Deutschland öffentlich über Gott. Ich antwortete, dass ich daran glaube, dass irgendeine Macht oder Energie diese Erde erschaffen haben müsste. Ich erzählte ihr, dass ich seit sechs Jahren auf der Suche nach der Antwort war, wie das Leben nach dem Tod aussieht. Wir trafen uns, und das war der Beginn sehr interessanter Gespräche mit ihr. Als sie sagte: „Sie werden Ihre Mutter wiedersehen“, da hüpfte mein Herz vor Freude. Ich schloss mich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an, entgegen der Warnungen meiner Familie und von Freunden.

Die Jahre vergingen. Ich erfüllte eine Mission für den Herrn. Nach weiteren Jahren heiratete ich, und wir bekamen Kinder. Nur drei Jahre nach meiner Eheschließung, ein Jahr davon lebten wir getrennt, verstarb mein Mann plötzlich. Ich war allein mit meinen Kindern, hatte keine Ahnung von Erziehung. Die Behörden verweigerten jegliche Unterstützung; es gäbe keine Kapazitäten. Ich war verzweifelt.

Wieder glitt ich in eine schwere Depression.

Ich wusste um die Gefahr, im Fernsehen Trost zu suchen und verzichtete lange auf einen Fernseher. Doch zur Fußball-WM wollte ich, dass meine Kinder mitreden konnten. Ich kaufte ein kleines Gerät.

Wie befürchtet, erwies sich das „Parken“ vor diesem Gerät als sehr entspannend. So gab es Tage, an denen ich stundenlang Serien anschaute.

Dank eines aufmerksamen Bischofs fand ich wieder stundenweise Arbeit. Doch die Doppelbelastung durch die Erziehung und einen verantwortungsvollen Beruf, in dem ich mich oft überfordert fühlte, führten zu einer Onlinespiele-Sucht.

Ich spielte stundenlang, konnte uns gerade noch so mit Essen versorgen und zog mich ansonsten in der freien Zeit zurück, bis ich eines Tages bemerkte, wie stark mich dieses Verhalten vereinnahmte. Ich suchte Hilfe auf und machte eine Therapie, die viele Jahre dauerte. Als es nur noch ein halbes Jahr bis zur Rückkehr eines meiner Kinder von seiner Mission war, sagte ich mir: Ich werde ihm kein Bild wie das vor der Mission bieten. Ich schrie oft zum Herrn, er möge mir helfen. Endlich kam daher der Zeitpunkt meiner Genesung. Ich fand auch eine deutschsprachige Genesungsgruppe der Kirche des Herrn sowie eine spezielle Onlinesucht-Gruppe. Hier wurde ich verstanden, setzte mir weitere Ziele und erlernte einen vernünftigen Umgang mit Medien. Dank des Evangeliums, das Jesus mich kennenlernen ließ, fand ich allmählich Heilung. Ich lerne so viel im Genesungsprogramm. Dadurch, dass wir Gruppenmitglieder uns beständig gegenseitig Zeugnis geben, wachsen meine Kraft, Versuchungen zu widerstehen, und das Vertrauen in die Heilung durch den Herrn Jesus Christus und in mich selbst.