Neu für junge Erwachsene
Mein Wert hängt nicht davon, ob ich vollkommen bin
Liahona, Januar 2026


Aus Neu für junge Erwachsene

Mein Wert hängt nicht davon, ob ich vollkommen bin

Als ich Gehorsam nicht mehr mit meinem Wert verwechselte, verstand ich endlich, was Gnade bedeutet

Eine junge Frau betrachtet den Sonnenuntergang

Dachtest du schon einmal, Gott sei es doch bestimmt leid, dass du immer wieder dieselben Sünden begehst? Oder dass dein Wert davon abhängt, wie gut du Regeln befolgst?

Falls es dir schon so erging, stehst du sicherlich nicht allein damit da!

Schon als Kind machte ich meinen Selbstwert daran fest, ein „gutes“ Kind zu sein − oder zumindest ein Kind, das keine Fehler macht. Ich sehnte mich nach Anerkennung. Also gab ich mein Bestes, um die allerbeste Schülerin und Tochter zu sein und mich immer schön an alle Regeln zu halten.

Aber Kinder machen Fehler. Schüler müssen korrigiert werden. Erwachsen werden bedeutet, zu lernen – zuweilen auch durch Misserfolge, Herausforderungen oder Fehler. Doch obwohl ich all das wusste, kam es mir so vor, als würde jeder Fehler meinem Wert einen Riss zufügen. Ich dachte, ich hätte in den Augen meiner Familie, Lehrer und Altersgenossen weniger Wert, wenn ich nicht alle Erwartungen vollkommen erfüllte.

Warum Christus zur Erde gekommen ist

Diese perfektionistische Denkweise übertrug sich rasch auf meinen Glauben, als ich mit 18 Jahren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beitrat. Ich glaubte, ich wäre in den Augen des himmlischen Vaters nur dann wertvoll, wenn ich gehorsamer war als alle übrigen Mitglieder. Wieder einmal bemaß ich meinen Wert daran, wie gut ich die Regeln befolgte.

Auch wenn ich gute Absichten hatte, lag ich doch falsch. Diese Einstellung untergrub nach und nach mein Selbstvertrauen.

Was hat sich also geändert?

Antwort fand ich bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2025 – insbesondere bei der Ansprache von Schwester Tamara W. Runia, Erste Ratgeberin in der Präsidentschaft der Jungen Damen der Kirche. Sie sagte: „Ich bezeuge, dass Gott zwar wegen unserer Fehler besorgt ist, dass ihm aber mehr daran liegt, was nach einem Fehler geschieht.“

Ich stand in meinem Wohnzimmer und die Tränen liefen mir übers Gesicht. Der Heilige Geist berührte mein Herz und machte mir klar, dass es falsch war, meinen Wert an meinen Gehorsam zu knüpfen – und dass ich meine Sichtweise ändern musste.

Für Gott war ich nicht weniger wertvoll, wenn ich Fehler machte. Mit dieser Meinung hatte ich völlig falsch gelegen. Schwester Runia erklärte weiter, dass Gott sich freut, wenn wir umkehren. Jede Woche habe ich beim Abendmahl die Gelegenheit, meine Bündnisse zu erneuern, neu anzufangen und es erneut zu versuchen.

Dein Wert bleibt immer konstant

Besonders beeindruckte mich, wie Schwester Runia unseren Wert als Kinder Gottes mit den Händen veranschaulichte.

Sie hob die linke Hand, um den Wert darzustellen, den jeder Mensch bereits auf die Erde mitbringt, und zeichnete dann mit der rechten Hand die Höhen und Tiefen des Lebens nach – Fehler, Erfolge, Schwierigkeiten und Fortschritt. Während sich die Hand, die unseren Gehorsam darstellte, auf und ab bewegte, blieb die Hand, die unseren Wert darstellte, unverändert.

Schwester Runia bezeugte: „Ihr Wert hängt nicht von Ihrem Gehorsam ab. Ihr Wert ist konstant. Er ändert sich nie. Er wurde Ihnen von Gott verliehen, und es gibt nichts, was Sie oder irgendjemand sonst tun können, um diesen Wert zu ändern. Gehorsam bringt Segnungen, das ist wahr. Aber Ihr Wert gehört nicht dazu. Sie haben immer ,großen Wert in den Augen Gottes‘ [Lehre und Bündnisse 18:10], wohin Ihre Entscheidungen Sie auch geführt haben.“

Das war eine machtvolle Wahrheit, die ich unbedingt hören musste.

Offenbarung für meine Seele

Während dieser Generalkonferenz beantwortete der Vater im Himmel mir eine Frage, von der ich gar nicht gewusst hatte, dass sie tief in meiner Seele verborgen war. Es war eine Offenbarung für mein Herz: Jahrzehntelang hatte ich unter geringem Selbstwertgefühl und mangelndem Selbstvertrauen gelitten – nun erfüllte mich stattdessen Gottes reine Liebe und Barmherzigkeit.

Das Evangelium Jesu Christi ist ein Evangelium der Hoffnung, weil es besagt, dass wir umkehren können. Durch unseren Erretter Jesus Christus können wir erneuert, gereinigt und geheiligt werden. Er bereitet ihm wahrhaft Freude, uns zu vergeben. Darum hat er bereitwillig für unsere Sünden und Bedrängnisse gelitten. Wenn ich mir diese Wahrheit ins Gedächtnis rufe und meinen Blick auf die unendliche Barmherzigkeit richte, die er mir jedes Mal erweist, wenn ich mich ihm zuwende, spüre ich, wie mein Selbstwertgefühl zunimmt und meine Unsicherheit schwindet.

Falls du jemals das Gefühl hattest, dein Wert hänge von deinem Gehorsam ab, denk daran: Der Vater im Himmel und Jesus Christus lieben dich auf vollkommene Weise. Sie haben einen Weg bereitet, damit du erlöst werden kannst. Frag den Vater im Himmel, wie er dich sieht – und lass diese Wahrheit tief in deiner Seele verankert sein.

Halte daran fest. Zweifle nie wieder daran.