Aus Neu für junge Erwachsene
Tägliche Umkehr klingt vielleicht kompliziert, muss es aber nicht sein
Tägliche Umkehr? Das klang nach Anstrengung, bis mir aufging, was das bedeutet.
Ich habe schon vieles über Umkehr gehört, was einfach nicht stimmt.
Lange war ich mir unsicher, ob ich überhaupt „richtig“ umkehrte. Ich hatte gelernt, dass es „Schritte“ der Umkehr gibt. Aber ich dachte, meine Sünden könnten mir nicht vergeben werden, wenn ich nicht jeden dieser „Schritte“ richtig ausführte.
Zugleich wusste ich nicht genau, wie man denn nun richtig umkehrt.
Normalerweise sagte ich dem Vater im Himmel, dass es mir leid tat, und bat um Vergebung. Dass ich ihm meine Sünden eingestand, nahm mir zwar einige Schuldgefühle, doch zugleich kam es mir eher wie eine Pflicht vor – wie ein weiterer Punkt auf meiner geistigen To-do-Liste. Der Sinn erschloss sich mir einfach nicht.
Tägliche Umkehr ist … gut?
Vor einigen Jahren sagte Präsident Russell M. Nelson: „Nichts ist befreiender, erhebender oder entscheidender für unseren persönlichen Fortschritt, als sich regelmäßig jeden Tag mit der Umkehr zu befassen.“
Das brachte mich völlig aus dem Konzept.
Mir wurde bewusst, dass ich Umkehr immer wie ein Notfallwerkzeug behandelt hatte – nur für den äußersten Fall. Doch nun erklärte der Prophet, ich solle jeden Tag umkehren – und dies solle mir gute Gefühle bringen?
Weil ich Umkehr als eine lange, mühsame Aufgabenliste ansah, rieb mich der Gedanke, dies täglich zu tun, ehrlich gesagt eher auf und klang noch abschreckender, als weiterhin herumzurätseln, ob Umkehr, so wie ich sie bislang verstand, vielleicht ja ausreichte. Ich wusste immer noch nicht, wo ich anfangen sollte oder wie tägliche Umkehr für mich aussehen könnte.
Was ist Umkehr überhaupt?
Kurz darauf kam ich in die Missionarsschule und begann, mich intensiv mit der Anleitung Verkündet mein Evangelium! zu befassen. Dort las ich: „Umkehr bedeutet, sich Gott zuzuwenden und sich von Sünde abzuwenden. Wenn wir umkehren, ändern sich unser Verhalten, unsere Wünsche und Gedanken, sodass sie mehr mit dem Willen Gottes in Einklang sind.“
Als ich das las, erkannte ich mithilfe des Heiligen Geistes, dass Umkehr nicht bloß eine Checkliste ist und auch nicht nur dann nötig ist, sobald man einen schwerwiegenden Fehler begangen hat.
Im Kern bedeutet Umkehr Veränderung.
Das bedeutet, dass es bei Umkehr nicht nur um Sünde geht. Vielmehr bedeutet es: Jedes Mal, wenn ich mir vornehme, mehr wie Jesus Christus zu werden – also mich geistig, körperlich oder intellektuell gemäß Gottes Willen weiterzuentwickeln –, kehre ich um.
Natürlich gibt es Sünden, bei denen wir die Hilfe und Führung von Priestertumsführern brauchen. Doch das Konzept von täglicher Umkehr bedeutet meiner Meinung nach, dass ich mich bei Gott regelmäßig rückversichere, ob ich das tue, was er möchte. Lässt der Heilige Geist mich dann erkennen, dass ich besser handeln könnte, heißt Umkehr: den Kurs ändern und die Hilfe des Erretters suchen, während ich auf dem Weg der Bündnisse bleibe.
Wie sieht tägliche Umkehr also aus?
Als ich darüber nachdachte, was es bedeutet, täglich umzukehren, halfen mir die Worte von Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel. Er sagte:
„Ein sinnerfülltes Morgengebet [ist] ein wichtiger Bestandteil der geistigen Schöpfung eines jeden Tages, die der zeitlichen Schöpfung oder der tatsächlichen Durchführung des Tages vorausgeht. …
Am Ende des Tages knien wir wieder nieder und erstatten dem himmlischen Vater Bericht. … Wir kehren um und erkennen – mit der Hilfe des Geistes des Herrn – Möglichkeiten, wie wir es morgen noch besser machen und noch besser werden können.“
Kurz gesagt: Bete zu Gott. Bitte ihn um seine Führung. Folge dieser Führung. Lege Rechenschaft ab. Und wiederhole dies.
Diesen Rat setze ich in meinem Leben unter anderem so um:
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In der Abendmahlsversammlung setze ich mir Ziele für die kommende Woche. Ich denke darüber nach, was ich in der vergangenen Woche gemacht habe, und höre auf die Eingebungen des Heiligen Geistes, wie ich mich verbessern und was ich ändern kann.
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Ich formuliere Ziele und Pläne und halte sie auf einem Whiteboard in meinem Schlafzimmer fest.
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Während der Woche bespreche ich meine Ziele im Gebet mit dem Vater im Himmel, bitte ihn um Hilfe dabei, sie zu erreichen, und berichte, wie es mir damit geht. Dabei achte ich auf weitere Führung und auf die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Sich jeden Tag für Christus entscheiden
Wir werden nicht wie Jesus Christus, indem wir auf einen Schlag einige wenige schwerwiegende Sünden überwinden. Ich glaube, es sind die kleinen täglichen Entscheidungen, sich auf ihn zu stützen – jeden Tag ein Prozent besser zu werden –, die im Laufe der Zeit eine echte Wandlung bewirken.
Wir können uns jeden Tag dafür entscheiden, Jesus Christus nachzufolgen. Und wenn wir Fehler machen, können wir herrlicherweise umkehren, uns erneut dafür entscheiden, ihm nachzufolgen, und dabei stetig wachsen. Das macht für mich tägliche Umkehr aus.