Neu für junge Erwachsene
Bei der Umkehr geht es nicht bloß darum, Sünde zu überwinden
Liahona, Januar 2026


„Bei der Umkehr geht es nicht bloß darum, Sünde zu überwinden“, Liahona, Januar 2026

Aus Neu für junge Erwachsene

Bei der Umkehr geht es nicht bloß darum, Sünde zu überwinden

Sich Christus zuwenden – unsere Einstellung ändern und unsere Sichtweise mit der seinen in Einklang bringen – ist ebenfalls eine Form der Umkehr

Illustration einer Missionarin, die zum Licht emporschaut

Illustration von Nate Wilde

Weil ich auf Mission war, verpasste ich die Hochzeit meiner besten Freundin.

Den ganzen Tag über musste ich an sie denken. Wir hatten uns im Studentenwohnheim eine Wohnung geteilt, und sie war schnell eine Art Schwester für mich geworden. Mir war bewusst, dass der Vater im Himmel uns zueinander geführt hatte.

Aber jetzt konnte ich nicht dabei sein, um einen der wichtigsten Momente in ihrem Leben zu feiern. Ich war mehr als aufgebracht.

Unerwartete Prüfungen

Vor meiner Mission war mein Leben zwar nicht perfekt gewesen, doch nett und gut. Ich ging liebend gern aufs College und hatte gerade die beste Freundschaft meines Lebens geschlossen. Ich war ziemlich glücklich.

Die Mission würde, das war mir klar, eine Herausforderung werden. Trotzdem hegte ich die Erwartung, meine Mission würde wohl die besten 18 Monate meines Lebens werden – abgesehen von einigen unbedeutenden Schwierigkeiten.

Doch nach sechs Monaten auf Mission hatte sich bereits eine ganze Liste mit unerwarteten Schwierigkeiten angehäuft, und die Hochzeit meiner besten Freundin war der Gipfel. Durch meinen Umzug ins Ausland und das Erlernen einer Fremdsprache war ich einsam und verunsichert. Die Ablehnung, die man als Missionarin zu spüren bekommt, war psychisch sehr belastend. Um ehrlich zu sein: Ich wollte einfach bloß nach Hause.

Ich war müde und frustriert und hatte das Gefühl, dass Gott mir nicht die Hoffnung und das innere Glück schenkte, die ich so dringend brauchte. Erst nachdem ich alle anderen Möglichkeiten ausprobiert hatte, wandte ich mich einer Verheißung in meinem Patriarchalischen Segen zu – dass ich nämlich durch die heiligen Schriften die Liebe des himmlischen Vaters spüren würde.

Eine neue Perspektive

Als ich in den heiligen Schriften forschte, konnte ich mich gut in die Geschichte von Eva hineinversetzen. Sie wurde aus dem Paradies in eine finstere, trostlose Wildnis gestoßen. So ähnlich war auch mir zumute. Wie bei mir war auch Evas neuer Zustand durch eine konkrete Entscheidung zustande gekommen. Ich fragte mich, ob sie ihre Entscheidung mitunter bereute – so wie ich anfing, meine Entscheidung, auf Mission zu gehen, zu bereuen.

Aber Eva hatte einen viel weiseren Standpunkt als ich. Obwohl sie im Grunde alles verloren hatte, war sie froh, als sie erfuhr, dass sie einen Erretter hatte, und sagte: „Wenn wir nicht übertreten hätten, so hätten wir … nie Gut und Böse erkannt, auch nicht die Freude unserer Erlösung.“ (Mose 5:11.)

Sie bereute ihre Entscheidung nicht! Sie war sogar dankbar dafür. Obwohl sie und Adam aus dem Paradies ausgestoßen worden waren, war die Freude über ihre Erlösung süßer als der Schmerz über ihren Verlust. Ja, es schien, als hätte ihr die Erlösung sogar noch mehr Freude gebracht, als wenn sie gar nicht hätte erlöst werden müssen.

Wie konnte das sein?

Die Süße der Umkehr

Wir meinen vielleicht, dass Umkehr nur dazu da ist, Sünden und schlechtes Verhalten aus unserem Leben zu entfernen. Dieser Vorgang kann schwierig und manchmal schmerzlich sein, sodass das Wort „Umkehr“ leicht einen negativen Beigeschmack bekommt.

Bei der Umkehr geht es aber nicht nur darum, weniger zu sündigen. Es geht auch darum, mehr wie Christus zu werden.

Sich ihm zuwenden – unsere Einstellung ändern und unsere Sichtweise mit seiner in Einklang bringen – ist ebenfalls eine Form der Umkehr.

Mir wurde klar, dass mein Groll und meine Einsamkeit mein Blickfeld eingeschränkt hatten. Ich hatte mich so sehr auf das konzentriert, was mir fehlte, dass ich nicht erkannte, was ich dazugewonnen hatte: eine engere Beziehung zu meinem Erretter.

Mir wurde klar, dass ich von meiner negativen Einstellung umkehren musste. Es dauerte eine Weile, aber als ich den Erlöser um Hilfe anflehte, wurde mir versichert, dass ich „in diesem Leben Freude haben“ werde (Mose 5:10).

Ich war immer noch traurig, dass ich die Hochzeit meiner Freundin verpasst hatte, doch mit der Zeit erhörte der Herr meine Gebete. Ich konnte mich für meine Freundin freuen, und mein Zeugnis, dass der Vater im Himmel wirklich jedes seiner Kinder wahrnimmt und liebt, bereitete mir ebenfalls große Freude. Ich habe so viel mehr dazugewonnen, als ich verpasst habe.

Kristin M. Yee, Zweite Ratgeberin in der Präsidentschaft der Frauenhilfsvereinigung der Kirche, hat gesagt: „Durch Umkehr können wir Gottes Liebe spüren und ihn auf eine Weise kennen und lieben lernen, die wir sonst nie erfahren würden.“

Dank meiner Umkehr weiß ich heute, dass Christus, wenn ich mich ihm nahe, „[meine] Wüste wie Eden“ macht und „[meine] Öde wie den Garten des Herrn. Jubel und Freude findet man in ihr.“ (Jesaja 51:3.)

Nach der Rückkehr von Mission kam ich nicht wieder ins Paradies. Das Leben nach meiner Mission ist für mich eine neue Wildnis, die es zu erschließen gilt. Es ist nicht leicht, und manchmal vermisse ich immer noch das Leben vor meiner Mission.

Aber ich weiß, dass sich dank Christus meine Freude durch das Wissen um meine Erlösung vertieft.