Hilfen für das Schriftstudium
Apostelgeschichte 22 bis 28


„Apostelgeschichte 22 bis 28“, Studienhilfen zum Neuen Testament, 2024

Hilfen für das Schriftstudium

Apostelgeschichte 22 bis 28

Der Apostel Paulus hält fünf Reden, in denen er sich vor religiösen und zivilen Verantwortungsträgern in Jerusalem und Cäsarea verteidigt. Mit diesen Reden erfüllt sich die Prophezeiung des Herrn, Paulus werde vor Königen Zeugnis ablegen. In zwei seiner Botschaften berichtet Paulus über seine Bekehrung. Paulus bezeugt auch, dass Jesus Christus ihm zweimal in Jerusalem erschienen ist. Die Reise des Paulus nach Rom ist ein Beitrag zur Erfüllung des von Christus erteilten Auftrags, das Evangelium „bis an die Grenzen der Erde“ zu verkünden.

Material

Hinweis: Wird eine Quelle zitiert, die nicht von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausgegeben wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Quelle oder ihr Verfasser von der Kirche unterstützt wird oder den offiziellen Standpunkt der Kirche vertritt.

Hintergrund und Kontext

Apostelgeschichte 22:22-29

Warum berief Paulus sich auf seine Rechte als römischer Staatsbürger?

Paulus protestierte dagegen, gegeißelt zu werden, und erklärte, er sei römischer Staatsbürger. Römischer Staatsbürger zu sein, brachte wichtige Rechte mit sich, etwa den Schutz vor einer Geißelung ohne Gerichtsverfahren.

Apostelgeschichte 24:14,22

Was ist unter „dem Weg“ zu verstehen?

Lukas „bezeichnet hier die frühchristliche Bewegung als ‚den Weg‘“. Es ist gemeinhin anerkannt, dass sich der Begriff „der Weg“ von dieser Aussage Jesu Christi ableitet: „Ich bin der Weg.“

Apostelgeschichte 24:24-27; 25:9

Was wissen wir über Felix und Festus?

Die Amtszeit des römischen Statthalters Felix war von Grausamkeit gekennzeichnet. Er wurde schließlich, höchstwahrscheinlich wegen „fragwürdiger Verwaltungspraktiken“, seines Amtes enthoben. Felix hielt Paulus zwei Jahre lang im Gefängnis fest, in der Hoffnung, Geld von ihm zu erpressen. Dass er Paulus nicht freiließ, diente auch dem Ziel, die Gunst der Juden zu gewinnen. Felix’ Nachfolger Porcius Festus war eher den Juden als Paulus wohlgesonnen.

Apostelgeschichte 25:11

Warum legte Paulus beim Kaiser Berufung ein?

Paulus erkannte, dass sein Leben in Gefahr wäre, falls er zur Verhandlung nach Jerusalem gebracht werden sollte, wie Festus es wünschte. Er entschied sich dafür, stattdessen beim Kaiser Berufung einzulegen. Als römischer Bürger hatte Paulus das Recht, Berufung einzulegen und den Fall vor dem Kaiser in Rom neu verhandeln zu lassen.

Apostelgeschichte 25:13-22

Wer war Herodes Agrippa der Zweite?

Herodes Agrippa der Zweite (auch Marcus Iulius Agrippa genannt) war der siebte und letzte König der jüdischen herodianischen Dynastie. Er herrschte von etwa 53 bis 93 n. Chr. über das Gebiet nordöstlich des Sees Gennesaret und war der Sohn von Herodes Agrippa dem Ersten, der Jakobus töten und Petrus ins Gefängnis werfen lassen hatte. Er war auch der Enkel von Herodes Antipas, der Johannes den Täufer hatte enthaupten lassen, und der Urenkel von Herodes dem Großen, der die Kinder in Betlehem hatte umbringen lassen.

Das Reich von Herodes Agrippa dem Zweiten lag nördlich des Hoheitsgebiets von Festus. Agrippa und seine Schwester Berenike besuchten Festus in Cäsarea, während Paulus dort im Gefängnis war. Agrippa war Jude und mit jüdischen Angelegenheiten vertraut. Festus hoffte, Agrippa könne ihm helfen, die gegen Paulus erhobenen Anschuldigungen nachzuvollziehen und ein entsprechendes Schreiben an den Kaiser zu verfassen.

Apostelgeschichte 26:19-21,24,25

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Berichte des Paulus über seine Vision?

Als Paulus sich in Jerusalem und später in Cäsarea verteidigte, erzählte er davon, wie ihm auf dem Weg nach Damaskus Jesus Christus in einer Vision erschienen war. In der Apostelgeschichte gibt es über dieses Ereignis mehrere Berichte, die sich alle ein wenig voneinander unterscheiden. So wird beispielsweise das Licht in jeder Version anders beschrieben. Nur in einem der Berichte wird erwähnt, dass Hananias Paulus die Hände auflegte, um dessen Sehvermögen wiederherzustellen. In einem anderen Bericht wird nicht so ausführlich wie in den anderen darauf eingegangen, was die Begleiter des Paulus sahen. Diese Unterschiede kamen vermutlich dadurch zustande, dass Paulus sich beim Nacherzählung der Ereignisse aus unterschiedlichen Gründen an unterschiedliche Zielgruppen wandte.

Als Paulus mit Agrippa sprach, verknüpfte er in seinem Bericht Einzelheiten aus drei unterschiedlichen Berichten miteinander. Er erzählte davon, was Jesus auf dem Weg nach Damaskus zu ihm gesagt hatte, was Hananias ihm später gesagt hatte und was Jesus zu ihm in einer Vision in Jerusalem gesagt hatte.

Auch über die ersten Vision des Propheten Joseph Smith gibt es mehrere Berichte. Doch wie auch bei der Vision des Paulus ändern die Unterschiede zwischen den Berichten über die erste Vision nichts an der Tatsache, dass der Prophet Joseph Smit den Vater im Himmel und Jesus Christus in einer Vision Joseph Smith gesehen hat.

Apostelgeschichte 26:22-31

Hat sich König Agrippa von Paulus überzeugen lassen?

Wie Paulus sich vor Festus und Agrippa verteidigte, gibt uns einen Einblick in seinen Lehrstil. Er erklärte, er verkünde lediglich das, was alle Propheten, darunter auch Mose, verkündet haben, nämlich „dass der Christus leiden“ und sterben und dann „von den Toten [auferstehen]“ muss. Paulus hoffte, König Agrippa würde das Christentum annehmen, und fragte ihn frei heraus, ob er den Propheten glaube. Doch Agrippa wich dieser Frage aus. „Mehreren Manuskripten zufolge, die nicht als Vorlage für die King-James-Bibel dienten, entgegnete Agrippa: ‚Hast du gedacht, du könntest mich so schnell bekehren?‘“ Festus und Agrippa kamen dann zu dem Schluss, Paulus habe nichts getan, was Tod oder Haft verdiene.

Apostelgeschichte 26:26

Was meinte Paulus damit, das alles habe „sich ja nicht in irgendeinem Winkel zugetragen“?

Paulus gab Zeugnis für das Sühnopfer und die Auferstehung Christi, die die Propheten Israels vorhergesagt hatten. Dann sagte er, König Agrippa sei dies gewiss nicht entgangen, denn das alles habe „sich ja nicht in irgendeinem Winkel zugetragen“. Mit anderen Worten: Was Paulus bezeugte, war kein Geheimnis. Vielmehr war es allgemein bekannt und wurde von vielen bezeugt.

Apostelgeschichte 27:9

Was hat es mit dem hier erwähnten „Fasten“ auf sich?

Mit dem „Fasten“ ist vermutlich der Tag der Sühne oder auch Versöhnungstag gemeint. Im gregorianischen Kalender fällt der Tag der Sühne entweder auf Ende September oder Anfang Oktober. Dies ist der Beginn der Jahreszeit mit gefährlichen Stürmen, in der es als unsicher galt, das Mittelmeer zu bereisen.

Apostelgeschichte 27:10,21,22,31

Woher wusste Paulus, was geschehen würde?

Paulus sah voraus, welcher Gefahr das Schiff ausgesetzt sein würde, das ihn nach Rom bringen sollte. Er prophezeite außerdem, es werde niemand sterben, solange alle an Bord des Schiffes blieben. Diese Verse sind ein Beispiel dafür, wie Paulus im Rahmen seiner Rolle als Apostel Jesu Christi als Seher gehandelt hat. Dem Buch Mormon entnehmen wir, dass ein Seher von Vergangenem und Zukünftigem wissen und auch Verborgenes ans Licht bringen kann.

Apostelgeschichte 27:14

Was ist ein „Eurakylon“?

Paulus schlug den Kommandierenden vor, mit dem Schiff an einem Ort namens Kaloi Limenes („guter Hafen“) an der Südküste Kretas zu verweilen. Sie missachteten seinen Rat. Nach dem Auslaufen geriet das Schiff in einen in der Einheitsübersetzung als „Eurakylon“ bezeichneten Orkan. In anderen Übersetzungen wird er Nordostwind genannt. Es handelt sich um einen äußerst heftigen, lebensbedrohlichen Mittelmeersturm mit Windgeschwindigkeiten wie bei einem Wirbelsturm.

Apostelgeschichte 28:2

Was für Menschen lebten dort, wo Paulus Schiffbruch erlitt?

Die Menschen an Bord des Schiffes fanden Schutz auf der Insel Malta. In der King-James-Bibel werden die Einheimischen als „Barbaren“ bezeichnet. Das bedeutet aber nicht, dass es sich um unzivilisierte Menschen handelte. Es waren einfach nur Nichtgriechen, die naturgemäß kein Griechisch sprachen.

Apostelgeschichte 28:17-31

Was wissen wir über das, was Paulus in Rom erlebte?

Wahrscheinlich war Paulus der erste christliche Missionar, der in Rom predigte. Wie er es zuvor schon in anderen Städten getan hatte, predigte er zuerst den Juden und dann den Nichtjuden. Der Überlieferung nach verfasste Paulus während seines Hausarrests die Briefe, die zuweilen als seine „Gefangenschaftsbriefe“ bezeichnet werden – Epheser, Philipper, Kolosser, 2 Timotheus und Philemon. In Rom stand er zwei Jahre lang unter Hausarrest. Offenbar wirkte Paulus anschließend in Asien, Griechenland und möglicherweise auch in Spanien, bevor er in Rom erneut inhaftiert wurde. Überlieferungen zufolge wurde er während der Christenverfolgungen unter Nero irgendwann zwischen 62 und 68 n. Chr. getötet.

Mehr dazu

Propheten sind Seher

Jesus Christus ist der Weg

  • Lawrence E. Corbridge, „Der Weg“, Liahona, November 2008, Seite 34ff.

Medien

Videos

„Die Straße nach Damaskus“ (5:19)

5:19

„Be of Good Cheer“ (1:37; in englischer Sprache)

1:32

Bilder

Paulus wird von römischen Soldaten gefesselt

Gefangennahme des Paulus, Darstellung von Simon Harmon Vedder

Paulus vor Herodes Agrippa dem Zweiten, König Agrippas Schwester Berenike und Porcius Festus

Die Verhandlung gegen den Apostel Paulus, Darstellung von Nikolai Bodarewski

Paulus schreibt auf Pergament

Paulus der Apostel, Darstellung von Jeff Ward