„Apostelgeschichte 6 bis 9“, Hilfen für das Schriftstudium: Neues Testament, 2024
Hilfen für das Schriftstudium
Apostelgeschichte 6 bis 9
Die Apostel berufen sieben Männer, die sie dabei unterstützen sollen, sich der Belange der Kirche anzunehmen. Stephanus, einer dieser sieben, wird verhaftet und vor die Führer der Juden gebracht. Stephanus erzählt die Geschichte Israels und erklärt, dass sie Christus getötet haben, so wie ihre Vorfahren frühere Propheten getötet hatten. Stephanus sieht in einer Vision den Vater im Himmel und Jesus Christus. Dann wird er gesteinigt, weil er für sie Zeugnis gegeben hat. Philippus predigt, tauft und wirkt viele Wunder in Samarien. Petrus weist Simon, einen Zauberer, zurecht, der das Priestertum mit Geld kaufen möchte. Der Herr schickt Philippus nach Gaza, wo sich ein Äthiopier von ihm taufen lässt. Jesus erscheint Saulus auf dem Weg nach Damaskus. Saulus verliert sein Augenlicht und wird von Hananias geheilt. Petrus heilt Äneas und erweckt Tabita (Dorkas) wieder zum Leben.
Material
Hintergrund und Kontext
Warum beriefen die Zwölf Apostel sieben Männer, um sie zu unterstützen?
Als die Kirche des Herrn wuchs, entwickelte sich ein Konflikt zwischen den jüdischen Bekehrten, die hauptsächlich Griechisch sprachen (Hellenisten), und den Bekehrten, die hauptsächlich Aramäisch sprachen (Hebräer). Es ist wahrscheinlich, dass ihre Unterschiede über die Sprache hinausgingen und auch gesellschaftliche und kulturelle Unterschiede umfassten. Die Hellenisten hatten das Gefühl, dass ihre Witwen von den Hebräern vernachlässigt wurden. Zur Zeit des Neuen Testaments waren Witwen wirtschaftlich stark benachteiligt und mussten oft versorgt werden.
Die Zwölf Apostel erklärten, dass sie das Wort Gottes nicht vernachlässigen und sich „dem Dienst an den Tischen widmen“ sollten. Mit dem Begriff „Dienst an den Tischen“ ist gemeint, dass man sich um die zeitlichen Bedürfnisse der Mitglieder der Kirche kümmert. Die Zwölf Apostel beriefen sieben hellenistische Jünger, die sich dieser zeitlichen Belange annehmen sollten, damit sich die Zwölf Apostel auf die Verkündung des Evangeliums konzentrieren konnten. Es ist nicht bekannt, welches Amt im Priestertum die sieben Männer innehatten.
Wie hat Stephanus die biblische Geschichte zu seiner Verteidigung eingesetzt?
Stephanus reagierte auf den Vorwurf der Lästerung gegen das Gesetz des Mose, indem er wichtige Teile der jüdischen Geschichte schilderte. Er sprach über „Schlüsselfiguren in der Linie des Hauses Israel, etwa Abraham, Isaak, Jakob, Josef aus Ägypten und Mose (siehe Apostelgeschichte 7:8,9,20). Stephanus betonte insbesondere die Hand des Herrn bei der Vorbereitung des Mose, und er schloss sein Zeugnis, indem er Moses Prophezeiung mit Jesus Christus in Verbindung brachte.“
Als Stephanus diese Geschichte schilderte, verglich er die Lage der Kirche mit der alttestamentlichen Geschichte. Die jüdischen Führer verfolgten und töteten Jesus Christus, so wie die ungehorsamen Israeliten die damaligen Propheten verfolgt und getötet hatten. Stephanus und andere Nachfolger Jesu Christi waren wie diejenigen, die zur Zeit des Alten Testaments den Propheten Beachtung schenkten. In diesem Zusammenhang waren es die jüdischen Führer, nicht Stephanus, die Gott nicht gehorchten.
Was meinte Stephanus, als er sagte: „Der Höchste wohnt nicht in dem, was von Menschenhand gemacht ist“?
Stephanus erklärte, dass das Offenbarungszelt und Salomos Tempel für Gott gebaut worden waren. Sie waren jedoch nicht Gottes dauerhafte Wohnstätte gewesen. Stephanus zitierte Jesaja, um deutlich zu machen, dass Gott über Himmel und Erde herrscht. Die ganze Schöpfung ist sein Tempel. Elder Bruce R. McConkie hat geschrieben: „Der große Schöpfer … wird von [uns] in seinen Tempeln verehrt – heiligen Häusern, die er gelegentlich besuch, und heiligen Stätten, in denen die Glaubenstreuen stets seinen Geist verspüren können.“
Was offenbart die Vision des Stephanus über die Gottheit?
In der Vision des Stephanus war jedes Mitglied der Gottheit als eigenständiges Wesen zugegen. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „[Stephanus] sah den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Jeder, der die Himmel offen sah, weiß, dass es dort im Himmel drei Personen gibt, die die Schlüssel der Macht besitzen, und dass einer über alle präsidiert.“ Ähnliche Kundgebungen, die die Gottheit als getrennte und eigenständige Wesen offenbaren, finden sich im Bericht über die Taufe des Erretters, den Berg der Verklärung, das Erscheinen des Erretters bei den Lamaniten und Nephiten sowie Joseph Smiths erste Vision.
Was ist mit dem Titel „Menschensohn“ gemeint?
Siehe „Matthäus 8:20. Warum bezeichnet sich Jesus Christus als ‚Menschensohn‘?“
Apostelgeschichte 8:9-13,18-24
Warum wurde Simon von Petrus verurteilt?
Simon war ein Zauberer. Nach römischem Recht war es rechtswidrig, Zauberei in böser oder betrügerischer Absicht auszuüben. Auch nach dem Gesetz des Mose war Zauberei verboten. Petrus verurteilte Simons Versuch, die Macht des Priestertums mit Geld zu kaufen. Präsident Dieter F. Uchtdorf, damals Mitglied der Ersten Präsidentschaft, hat gesagt: „Dieses Priestertum, mit allen Aufgaben, die dazugehören, kann man nicht kaufen, man kann ihm nicht gebieten. Der Gebrauch der Priestertumsmacht lässt sich durch Stellung, Reichtum oder Einfluss weder beeinflussen noch beherrschen noch erzwingen. Es ist eine geistige Macht, die einem himmlischen Gesetz gehorcht.“
Was ist so bedeutsam an der Taufe des Äthiopiers?
Nach den Angaben in Vers 27 war der Äthiopier mit großer Wahrscheinlichkeit schwarzafrikanischer Abstammung und kam aus den Gebieten südlich von Ägypten. Er war Regierungsbeamter und Eunuch. Als Eunuch war er vom Judentum ausgeschlossen. Diese Begebenheit bei der Missionsarbeit war ein Schritt auf dem Weg zur Erfüllung der Prophezeiung, dass sich das Evangelium über Judäa und Samaria hinaus verbreiten würde. Es war ein Vorgeschmack auf die gewaltige Missionsarbeit, die in Kürze unter den Heiden beginnen sollte.
Wer war Saulus?
Saulus stammte aus Tarsus, einer griechischen Stadt in Kilikien. Er war von Geburt an römischer Bürger und sprach Aramäisch und Griechisch. Er war Jude aus dem Stamm Benjamin und ein überzeugter Pharisäer, der die Nachfolger Jesu Christi voll Eifer verfolgte und drangsalierte. Später wurde er unter seinem lateinischen Namen Paulus bekannt.
Überblick über das Leben und Wirken des Paulus
Hinweis: Die Jahreszahlen beruhen auf Schätzungen.
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1 n. Chr. |
Geboren in Tarsus | |
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19 bis 29 n. Chr. |
Ist ein Schüler Gamaliëls in Jerusalem | |
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34 und 35 n. Chr. |
Verfolgt Christen und ist Zeuge des Märtyrertodes des Stephanus | |
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35 n. Chr. |
Hat eine Vision vom Erretter | |
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35 und 36 n. Chr. |
Reist von Damaskus nach Arabien; kehrt nach Damaskus zurück und verkündet das Evangelium | |
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36 n. Chr. |
Besucht Jerusalem und trifft mit Petrus und Jakobus, dem Bruder Jesu, zusammen | |
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37 bis 43 n. Chr. |
Verbringt 14 Jahre in Syrien und Kilikien (teilweise zusammen mit Barnabas auf Mission) | |
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45 bis 48 n. Chr. |
Erste Missionsreise (mit Barnabas) | |
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49 n. Chr. |
Nimmt an einer Konferenz in Jerusalem teil | |
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49 bis 52 n. Chr. |
Zweite Missionsreise | |
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52 n. Chr. |
Besucht Jerusalem | |
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53 bis 57 n. Chr. |
Dritte und letzte Missionsreise | |
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57 und 58 n. Chr. |
Besucht Griechenland | |
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59 und 60 n. Chr. |
Erstattet den Führern der Kirche in Jerusalem Bericht; Verhaftung durch die Behörden; inhaftiert in Cäsarea | |
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60 und 61 n. Chr. |
Während seiner Haft reist er auf dem Seeweg nach Rom; er erleidet Schiffbruch und verbringt einige Zeit auf der Insel Melita (Malta) | |
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61 bis 63 n. Chr. |
Wird in Rom unter Hausarrest gestellt | |
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63 bis 65 n. Chr. |
Geistliches Wirken möglicherweise in Rom und an anderen Orten in Italien | |
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66 n. Chr. |
Erneut inhaftiert in Rom | |
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68 n. Chr. |
Tod |
Eine Karte der Missionsreisen des Apostels Paulus
Was bedeutet es, gegen den Stachel auszuschlagen?
In einigen Bibelübersetzungen, wie etwa in der King-James-Bibel, endet Apostelgeschichte 9:5 mit dem Satz: „Es ist schwer für [Saulus], gegen den Stachel auszuschlagen.“ Mit Stachel war ein spitzer Stab gemeint, mit dem Tiere angetrieben wurden, wenn sie nicht weiterlaufen wollten. Doch anstatt weiterzulaufen, schlugen sture Tiere manchmal aus, um sich zu wehren – sie schlugen also buchstäblich gegen den Stachel aus. Eine solche Reaktion führt nur zu weiteren Schmerzen, da der Stachel tiefer in den Körper des Tieres eindringt. In diesem Zusammenhang sagte Jesus Christus zu Saulus, dass sein Handeln selbstzerstörerisch sei.
Wer war Barnabas?
(Vergleiche Apostelgeschichte 11:22-30.)
Die Heiligen in Jerusalem waren verständlicherweise misstrauisch, als Saulus sie bat, sich ihnen anschließen zu dürfen. Barnabas aber brachte Saulus zu den Aposteln und verbürgte sich für ihn. Barnabas war Jude aus dem Stamm Levi. Er verkaufte seinen Besitz und gab das Geld den Aposteln. Er wurde als guter und treuer Mann beschrieben.
Die Führer der Kirche in Jerusalem sandten Barnabas nach Antiochia (in Syrien), wo sich viele Menschen zum Evangelium bekehrt hatten. Barnabas war Saulus’ Mitarbeiter auf Mission.
Inwiefern erfüllten sich mit der Heilung von Äneas und Tabita die Worte des Erretters?
Lukas schrieb die Apostelgeschichte unter anderem deswegen, weil er aufzeigen wollte, dass die Macht und Vollmacht Jesu Christi fortbesteht. Als Petrus beispielsweise in Lydda und Joppe wirkte, heilte er Äneas und Tabita (auch Dorkas genannt). Damit erfüllte sich die Verheißung des Erretters, dass diejenigen, die an ihn glauben, die Art von Werken tun würden, die er getan hat. Die Heilung des Äneas durch Petrus ähnelt der Heilung eines Gelähmten durch den Erretter. Petrus erweckte Tabita wieder zum Leben – eine Parallele dazu, wie der Erretter die Tochter des Jaïrus wieder zum Leben erweckte.
Wer war Tabita?
Tabita (auch als Dorkas bekannt) war eine Jüngerin, die viele gute Taten vollbrachte. Als sie starb, bahrten die Witwen sie im Obergemach auf und ehrten sie, indem sie alle Kleidung, die sie für die Frauen angefertigt hatte, um sie herum legten. Als Petrus ankam, zeigten ihm die Witwen die Kleidung, die Tabita für sie angefertigt hatte. Petrus erweckte Tabita von den Toten, was viele dazu veranlasste, an den Erretter zu glauben.
Mehr dazu
Die Bekehrung des Saulus
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Dieter F. Uchtdorf, „Wartende auf dem Weg nach Damaskus“, Liahona, Mai 2011, Seite 70–77
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James E. Faust, „Die Kraft, sich zu ändern“, Liahona, November 2007, Seite 122ff.
Philippus dient dem Äthiopier
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Ulisses Soares, „Wie kann ich es verstehen?“, Liahona, Mai 2019, Seite 6ff.
Petrus dient Tabita
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Thomas S. Monson, „Sei ein Vorbild“, Liahona, Januar 2002, Seite 115–118
Medien
Videos
„Die Straße nach Damaskus“ (5:23)
Bilder
Ich sehe den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen, Darstellung von Walter Rane
Philippus unterweist den Äthiopier, Künstler unbekannt
Tabita, Darstellung von Dan Burr