„Joseph Smith – Matthäus 1; Matthäus 24 und 25; Markus 12 und 13; Lukas 21“, Hilfen für das Schriftstudium: Neues Testament, 2024
Hilfen für das Schriftstudium
Joseph Smith – Matthäus 1; Matthäus 24 und 25; Markus 12 und 13; Lukas 21
In Jerusalem erzählt Jesus das Gleichnis von den bösen Winzern. Er spricht auch darüber, was wir Gott geben sollen, über die beiden wichtigsten Gebote und über das Opfer der Witwe. Auf dem Ölberg sagt der Erretter die Zerstörung Jerusalems voraus und geht auf die Zeichen ein, die seinem Zweiten Kommen vorausgehen. Er erzählt das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, das von den Talenten und das von den Schafen und den Böcken, um seinen Jüngern zu zeigen, wie sie sich auf seine Rückkehr vorbereiten sollen.
Material
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Hintergrund und Kontext
Was können wir aus der Joseph-Smith-Übersetzung von Matthäus lernen?
Bei der Arbeit an seiner inspirierten Übersetzung der Bibel nahm der Prophet Joseph Smith an Matthäus 24 mehr Änderungen vor als an jedem anderen Kapitel des Neuen Testaments. Diese Überarbeitung ist als Joseph Smith – Matthäus bekannt und in der Köstlichen Perle enthalten.
In Matthäus 24 sagt der Erretter die Zerstörung Jerusalems vorher und spricht über die Zeichen, die seinem Zweiten Kommen vorausgehen. Im Bericht des Matthäus ist es manchmal schwierig festzustellen, in welchen Versen die einzelnen Ereignisse beschrieben werden. Im Gegensatz dazu unterscheidet Joseph Smith – Matthäus deutlich zwischen den beiden Ereignissen. In Joseph Smith – Matthäus 1:5-21 werden Ereignisse beschrieben, die sich kurz nach dem Tod des Erretters ereignen werden, und in Vers 22-55 werden Ereignisse beschrieben, die sich in den Letzten Tagen vor seinem Zweiten Kommen ereignen werden.
Einige Formulierungen werden in anderen Übersetzungen der Bibel nur einmal genannt, in der Joseph-Smith-Übersetzung von Matthäus aber zweimal wiederholt. Außerdem gibt es in Matthäus 24 keinen Vers, der Joseph Smith – Matthäus 1:55 entspricht.
Wann fand die prophezeite Zerstörung des Tempels statt?
(Vergleiche Matthäus 24:1-3.)
Das Haus meines Vaters, Darstellung von Al Rounds
Die Zerstörung Jerusalems durch Nebusaradan, Darstellung von William Brassey Hole
Der Erretter prophezeite, dass der Tempel zerstört werden würde. Diese Prophezeiung erfüllte sich im Jahr 70 n. Chr. Nach monatelangen erbitterten Kämpfen zwischen den jüdischen Aufständischen und dem römischen Heer suchten die Aufständischen Zuflucht hinter den Mauern Jerusalems. Die Römer belagerten die Stadt. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus beschrieb die Schrecken der Belagerung und schrieb, dass die Einwohner Jerusalems „jeder Hoffnung auf ein Überleben beraubt“ waren. Unter der Führung des römischen Statthalters Titus stürmte das römische Heer die Stadt. Das Heer setzte den Tempel in Brand und verstreute die noch vorhandenen Steine. Schätzungen zufolge kamen bei dem Konflikt eine Million Juden ums Leben.
Was ist „das Ende der Welt“?
(Vergleiche Matthäus 24:3.)
„Das Ende der Welt“, wie es in Joseph Smith – Matthäus 1:4 beschrieben wird, bezieht sich auf das Ende der Schlechtigkeit. Der Prophet Joseph Smith hat erklärt: „Gemäß [den] Worten [des Erretters] besteht das Ende der Welt in der Vernichtung der Bösen. Ernte und Ende der Welt weisen direkt auf das Menschengeschlecht in den Letzten Tagen hin und nicht auf die Erde, wie manche meinen.“
Joseph Smith – Matthäus 1:12-20,31,32
Was ist der „Gräuel der Verwüstung”?
(Vergleiche Matthäus 24:15-22.)
Der Prophet Daniel aus dem Alten Testament prophezeite von dem Tag, da die Streitkräfte „den unheilvollen Gräuel aufstellen“ würden [Daniel 11,31; siehe auch 12:11]“. Damit sind Zustände der Verwüstung gemeint, die durch Schlechtigkeit entstehen würden. Den Christen war klar, dass sich Daniels Prophezeiung erstmals erfüllte, als die Römer Jerusalem 70 n. Chr. zerstörten. Eine zweite Erfüllung der Prophezeiung Daniels wird eintreten, wenn zur Zeit des Zweiten Kommens des Erretters die Schlechten vernichtet werden.
„Allgemein betrachtet beschreibt die Wendung ‚Gräuel der Verwüstung‘ auch die Richtersprüche in den Letzten Tagen, die über die Schlechten ausgegossen werden, wo auch immer sie sich befinden.“ Seit Beginn dieser Evangeliumszeit hat der Herr seine Diener aufgerufen, alle Menschen vor den Richtersprüchen in den Letzten Tagen zu warnen.
Wer sind die „Auserwählten gemäß dem Bund“?
Der Begriff Auserwählte bezieht sich auf „jene, die Gott von ganzem Herzen lieben und ein Leben führen, das ihm wohlgefällig ist“. In Joseph Smith – Matthäus sind mit den „Auserwählten gemäß dem Bund“ diejenigen gemeint, die mit Gott Bündnisse geschlossen haben – getaufte Mitglieder der Kirche des Erretters.
Wofür stehen die Adler, die sich um das Aas sammeln?
(Vergleiche Matthäus 24:28.)
In diesem Vers werden die Adler (in manchen Übersetzungen „Geier“), die sich um ein Aas versammeln, mit der Sammlung Israels verglichen. „Hier heißt es, die Sammlung vollziehe sich auf die gleiche wundersame und rätselhafte Weise, wie sich Adler über einem Kadaver in der Wüste versammeln – plötzlich tauchen sie unerklärlicherweise aus allen vier Himmelsrichtungen auf und kommen aus ungeheurer Entfernung zu diesem einen bestimmten Fleck.“
Was ist das „Zeichen des Menschensohnes“?
(Vergleiche Matthäus 24:30.)
Der Prophet Joseph Smith prophezeite über die Ereignisse, die der Rückkehr des Erretters vorausgehen: „Es wird Kriege und Kriegsgerüchte geben, Zeichen droben am Himmel und unten auf der Erde, die Sonne wird sich verfinstern und der Mond in Blut verwandeln, an vielen Orten werden Erdbeben sein, und das Meer wird sich über seine Grenzen erheben; dann erst wird das eine große Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen. Was aber wird die Welt tun? Sie wird sagen, es sei ein Planet, ein Komet, oder etwas Ähnliches. Der Menschensohn aber wird so kommen wie das Zeichen seines Kommens, und es wird sein, wie wenn das Licht des Morgens aus dem Osten kommt [siehe Joseph Smith – Matthäus 1:26].“
Joseph Smith – Matthäus 1:38-40
Woher werden wir wissen, dass das Zweite Kommen Jesu nahe ist?
(Vergleiche Matthäus 24:36.)
Jesus Christus nutzte das Gleichnis vom Feigenbaum, um über sein Zweites Kommen zu sprechen. „Der Feigenbaum treibt als einer der ersten Fruchtknospen; sie sprießen noch vor den Blättern. Hat ein Feigenbaum Blätter, kann man folglich davon ausgehen, dass er auch Früchte trägt. … Der Zeitpunkt, an dem die Blätter zu wachsen beginnen, zeigt an, dass der Sommer ‚nahe bevorsteht‘ [Joseph Smith – Matthäus 1:38,39].“ Jesus nannte weder den genauen Tag noch die genaue Stunde seiner Wiederkehr. Durch das Gleichnis vom Feigenbaum machte er aber deutlich, dass er zu der Zeit wiederkommen werde, wenn die verheißenen Zeichen eintreten.
Was lernen wir anhand der Ehebräuche zu Zeit des Neuen Testaments über das Gleichnis von den zehn Jungfrauen?
Zur Zeit des Neuen Testaments war es Tradition, dass Freunde der Braut und des Bräutigams das Brautpaar am Tag der Hochzeit zum Haus des Bräutigams begleiteten. Häufig nahm die Hochzeitsgesellschaft den längsten Weg zum Haus des Bräutigams, damit mehr Menschen den Festzug sehen und sich mit ihr freuen konnten. Einige Leute warteten am Haus des Bräutigams und erwarteten die Ankunft der „umherziehenden Hochzeitsgesellschaft“. Einige Teilnehmer des Festzuges trugen Fackeln oder Lampen, andere trugen Myrtenzweige und Blumen. Nachdem die Festgesellschaft das Haus des Bräutigams erreicht hatte, wurde in der Regel ein Hochzeitsmahl veranstaltet. Dies war ein Anlass für eine große Feier.
Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen fand dieser Hochzeitszug bei Nacht statt. Die zehn Jungfrauen warteten darauf, Braut und Bräutigam willkommen zu heißen. Jede von ihnen trug eine Lampe. Frauen trugen nachts Lampen, um sich zu schützen und ihren guten Ruf zu wahren. Für eine unverheiratete Frau wäre es „undenkbar“ gewesen, im Dunkeln ohne Lampe unterwegs zu sein. Da sie nicht wussten, wann der Hochzeitszug am Haus des Bräutigams ankommen würde, musste jede Frau einen Ölvorrat für ihre Lampe haben.
Präsident Dallin H. Oaks hat in Bezug auf die Sinnbilder in diesem Gleichnis erklärt: „Alle zehn waren zum Hochzeitsfest eingeladen, aber nur die Hälfte von ihnen war vorbereitet und hatte Öl in den Lampen, als der Bräutigam kam. Die fünf, die vorbereitet waren, gingen hinein zum Hochzeitsfest, und die Tür wurde geschlossen. Die fünf, die ihre Vorbereitung aufgeschoben hatten, kamen zu spät. Die Tür war geschlossen worden, und der Herr verwehrte ihnen den Eintritt. … Die Botschaft dieses Gleichnisses ist ernüchternd. Die zehn Jungfrauen stellen offensichtlich die Mitglieder der Kirche Christi dar, denn alle waren zum Hochzeitsfest eingeladen, und alle wussten, was erforderlich war, um eingelassen zu werden, wenn der Bräutigam kam. Aber nur die Hälfte von ihnen war bereit, als es so weit war.“
Warum konnten die klugen Jungfrauen den törichten Jungfrauen nichts von ihrem Öl abgeben?
Das Verhalten der klugen Jungfrauen deutet darauf hin, dass die Vorbereitung einer Person auf die Begegnung mit dem Erretter nicht auf eine andere Person übertragen werden kann. Elder David A. Bednar hat gesagt: „Waren die fünf klugen Jungfrauen egoistisch und wollten nichts abgeben …? Kann man die geistige Kraft, die beständiger Gehorsam gegenüber den Geboten hervorbringt, an jemanden weitergeben? Kann man die Erkenntnis, die man durch eifriges Schriftstudium und Nachsinnen erlangt hat, an jemanden abtreten, der sie dringend braucht? Kann der Friede, den das Evangelium einem treuen Mitglied der Kirche schenkt, auf jemanden übertragen werden, der Not oder große Schwierigkeiten durchmacht? Die Antwort auf alle diese Fragen lautet natürlich Nein.“
Was erfahren wir aus dem Gleichnis von den Talenten über das Zweite Kommen?
(Vergleiche Lukas 19:11-27.)
Im Gleichnis von den Talenten sprach Jesus über einen Herrn, der drei Dienern einige Talente gegeben hatte. Ein Talent war eine Gewichtseinheit und bezog sich auf Geld. Anders ausgedrückt: Die Diener wurden mit den geschäftlichen Angelegenheiten des Herrn betraut. Die Diener wurden danach beurteilt, was sie mit den Talenten, die sie erhalten hatten, gemacht hatten. Im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf das Zweite Kommen stellen die Talente „jede Treuhandschaft dar, mit der wir betraut wurden und die wir für den Aufbau des Reiches groß machen müssen“. Präsident Lorenzo Snow hat festgestellt: „Sie werden von Gott dafür zur Rechenschaft gezogen, ob Sie das Talent, das Sie für ihn verwalten sollen, ehrlich genutzt haben – sei es nun groß oder klein.“
Für wen stehen die Schafe und die Böcke?
In biblischer Zeit konnten die Herden sowohl aus Schafen als auch aus Böcken, womit Ziegen gemeint sind, bestehen. In diesem Gleichnis steht die Trennung von Schafen und Böcken für das Gericht, das beim Zweiten Kommen des Erretters stattfindet. Die Schafe stehen für treue Jünger, die dem Erretter gedient haben, indem sie den Bedürftigen halfen. Diese werden einen Platz zur Rechten des Königs erhalten, der einen Platz der Ehre und der Macht darstellt. Die Böcke hingegen stehen für diejenigen, die dem Erretter nicht gedient haben, weil sie den Bedürftigen nicht gedient haben. Sie sind überrascht, dass sie für Unterlassungssünden verurteilt werden. Ihnen wird ein Platz zur Linken des Königs zugewiesen, der für Ungunst steht.
Was waren die zwei kleinen Münzen?
(Vergleiche Lukas 21:1-4.)
Vorder- und Rückseite eines Leptons, einer Bronzemünze, die in dem Jahrhundert vor dem Wirken Christi geprägt wurde
Bei den zwei kleinen Münzen, die die Witwe in den Opferkasten des Tempels warf, handelte es sich um kleine jüdische Münzen (Lepta). Zwei Lepta entsprachen einem römischen Groschen (Quadrans) – der kleinsten Münze in Rom. Der Betrag von zwei Lepta entsprach etwa einem Vierundsechzigstel des Tageslohns eines Arbeiters.
Was sind die „Zeiten der Völker“?
Diese Formulierung kommt in der Bibel nur einmal vor. Abwandlungen dieser Formulierung finden sich mehrfach in den heiligen Schriften der Wiederherstellung. Zur Zeit des Neuen Testaments wurde das Evangelium zuerst den Juden und dann den Anderen gepredigt. In diesen Letzten Tagen erging die Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums zuerst an die Nationen der Anderen und wird schließlich auch zu den Juden gelangen. Die Zeitspanne, in der die Anderen Vorrang haben und das Evangelium zuerst empfangen, wird als die „Zeit der Völker“, also der Anderen, bezeichnet.
Mehr dazu
Das Zweite Kommen
-
Amy A. Wright, „Mit Christus den Tag aushalten“, Liahona, November 2023, Seite 9–12
-
Neil L. Andersen, „Dem Erretter näherkommen“, Liahona, November 2022, Seite 73–76
-
D. Todd Christofferson, „Vorbereitung auf die Wiederkehr des Herrn“, Liahona, Mai 2019, Seite 81–84
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen
-
David A. Bednar, „Zum Herrn bekehrt“, Liahona, November 2012, Seite 106–109
Das Gleichnis von den Talenten
-
Gérald Caussé, „Unsere irdische Treuhandschaft“, Liahona, November 2022, Seite 57ff.
Medien
Videos
„Gebt dem Kaiser und gebt Gott“ (0:55)
„Was Jesus über das Opfer der Witwe sagt“ (1:05)
„Die zehn Jungfrauen“ (1:39)
„Das Gleichnis von den Talenten“ (3:08)
„Das habt ihr mir getan“ (3:13)
Bilder
Der Herr kehrt zurück, um zu herrschen und zu walten, Darstellung von Mary Sauer
Christus der Tröster, Darstellung von Carl Heinrich Bloch
Das Zweite Kommen, Darstellung von Harry Anderson
Fünf von ihnen waren klug, Darstellung von Walter Rane