Panorama
„Hoffnung bleibt in mir“ – das Oratorium Das Lamm Gottes
Basel/St. Gallen: Am Osterwochenende 2025 durften über 1350 Musikliebhaber an zwei Standorten ein besonderes geistliches Erlebnis erfahren: In Basel und St. Gallen wurde erstmals die deutschsprachige Version des modernen Oratoriums Das Lamm Gottes von Rob Gardner aufgeführt. Was sie erlebten, war mehr als Musik – es war ein eindrucksvolles Zeugnis von Hingabe, Glauben und der verbindenden Kraft des Evangeliums.
Ein Werk, das Christus in den Mittelpunkt stellt
Das Oratorium Das Lamm Gottes erzählt die letzten Tage im Leben Jesu Christi – vom Einzug in Jerusalem über Getsemani und Golgota bis hin zur Auferstehung. Die Musik ist kraftvoll, zugänglich und voller geistiger Tiefe. In Rob Gardners Worten: „Ich wollte ein Werk schreiben, das zeigt, dass in jeder Dunkelheit Hoffnung leuchtet – durch Jesus Christus.“
Diese Hoffnung war in beiden Konzerten spürbar. Die Aufführungen am Karsamstag im Stadtcasino Basel und am Ostermontag in der Tonhalle St. Gallen berührten Herzen – durch starke Chorszenen, tief empfundene Solopassagen und eine musikalische Sprache, die Trost und Zeugnis zugleich vermittelt.
Ein Chor aus allen Regionen – vereint im Glauben
Über 85 Sängerinnen und Sänger aus den Pfählen Bern, Zürich und St. Gallen kamen für dieses Projekt zusammen. Bereits im Herbst 2023 begannen regionale Proben unter der Leitung erfahrener Mitglieder. Seit Anfang 2025 fanden sich die Beteiligten zu gemeinsamen Probenwochenenden zusammen.
Das Ziel war von Anfang an klar: Christus durch Musik zu ehren – gemeinsam, verbindend, geistig getragen. Die Mitwirkenden, Laien wie erfahrene Solisten, opferten Zeit und Energie und entfalteten ihre Talente, um dieses Werk möglich zu machen.
Ein besonderer Abend in Basel
Die Aufführung in Basel wurde auch von Elder Jack N. Gerard, Generalautorität-Siebziger und Mitglied der Gebietspräsidentschaft Europa Mitte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, gemeinsam mit seiner Frau und weiteren Familienmitgliedern besucht. Elder Gerard zeigte sich nach dieser deutschsprachigen Premiere tief bewegt.
Vor dem Konzert traf Elder Gerard im Rahmen eines Empfangs im Stadtcasino auch auf geladene Gäste aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen – darunter Vertreterinnen und Vertreter anderer Glaubensrichtungen und der regionalen Wirtschaft sowie Kulturschaffende aus Basel. In offenen Gesprächen wurde deutlich, wie Musik als gemeinsame Sprache Brücken bauen kann – auch über konfessionelle und kulturelle Grenzen hinweg.
Solistische Präsenz und orchestrale Tiefe
Ein Höhepunkt des Abends war die musikalische Leistung der Solistinnen und Solisten. Die Sopranistin Susan Brownfield gestaltete die Rolle der Maria von Magdala mit grosser innerer Ruhe und stimmlicher Präsenz.
Ronja Sunke übernahm mit Wärme und klarer Linie die Partie der Maria von Betanien und überzeugte mit einer glaubwürdigen, zugewandten Interpretation. Und Ali Wood berührte als Marta mit einer sanften, überzeugenden Präsenz, die ihre Szene zu einem stillen, aber tiefen Moment der inneren Einkehr machte.
Als Maria, Mutter Jesu, brillierte Lucy Bradford mit Ausdrucksstärke und technischer Sicherheit. Die Rolle des Petrus wurde von Christopher Bradford gestaltet – in einer emotional dichten Szene nach der Verleugnung, die zu den eindrucksvollsten Momenten des Abends zählte.
Ein besonderer musikalischer Akzent ging erneut vom Solocellisten Simon Aschenbrenner aus, dessen Spiel zwischen Zartheit und Intensität die emotionalen Bögen des Oratoriums meisterhaft unterstrich. Seine Soli waren fein gezeichnete innere Monologe – klanglich sensibel, musikalisch tief.
Ein Miteinander, das verbindet
Ein besonders berührender Aspekt dieser Aufführungen war die Zusammenarbeit mit der Kammerphilharmonie Freiburg im Breisgau. Für viele Sängerinnen und Sänger des Projektchors war es das erste Mal, dass sie mit einem professionellen Orchester dieser Qualität gemeinsam auf der Bühne standen.
Doch statt Distanz entstand Nähe – musikalisch wie menschlich. Die Musikerinnen und Musiker aus Freiburg begegneten dem Laienchor mit grossem Respekt, Offenheit und Herzlichkeit. Es war ein echtes Miteinander, getragen vom gemeinsamen Ziel, etwas Schönes und Bedeutungsvolles entstehen zu lassen.
Viele Chormitglieder beschrieben dieses Zusammenspiel als zutiefst stärkend. Es war, als würde jeder Beteiligte – ob Profi oder Laie – spüren, dass es in diesem Werk nicht um Perfektion ging, sondern um ein gemeinsames Zeugnis des Glaubens. Und genau das war es, was das Publikum am Ende so tief berührte.
Eine Dirigentin mit ruhiger Kraft
Die Leitung der Aufführungen lag bei Sara Seidl-Schnyder, die mit sicherem Gespür, grosser musikalischer Klarheit und innerer Ruhe durch das Werk führte. Ihre Dirigate verbanden musikalische Präzision mit geistiger Weite. Es gelang ihr, sowohl dramatische Höhepunkte als auch andächtige Passagen in einer Weise zu gestalten, die das Herz ansprach und die geistige Botschaft des Werkes auf natürliche Weise unterstrich.
Ein Oratorium für unsere Zeit
Das Lamm Gottes, ein Werk des US-Komponisten Rob Gardner, wurde 2010 uraufgeführt und beschreibt die letzten Tage im Leben Jesu Christi – vom Einzug in Jerusalem über die Kreuzigung bis hin zur Auferstehung. Die Musik bewegt sich zwischen traditioneller Klangsprache, moderner Emotionalität und sakraler Ausdruckskraft. In deutscher Sprache erklang das Werk nun erstmals – in einer Übersetzung, die den Geist des Originals wahrt und dennoch eigenständig wirkt.
Gardners Anliegen, in jeder Dunkelheit Hoffnung aufleuchten zu lassen, wurde in beiden Aufführungen eindrucksvoll eingelöst. Der Schlusschor „Hoffnung bleibt in mir“ geriet zu einem musikalischen Nachsatz, der über das Konzert hinauswirkt – leise, aber nachhaltig.
Ein Abend, der bleibt
Was in Basel und St. Gallen zu hören war, war weit mehr als ein Konzert. Es war ein musikalisches Bekenntnis zu Hoffnung, Menschlichkeit und gelebtem Glauben. Ein Abend, der nicht nur Ohren, sondern Herzen erreichte – und viele im Publikum spürbar verwandelt zurückliess.