„Wo bleiben die verheißenen Segnungen für meinen Zehnten?“ Liahona, September 2025
Wo bleiben die verheißenen Segnungen für meinen Zehnten?
Wenn wir den Zehnten zahlen, schenkt uns der Vater im Himmel statt unmittelbarer Wunder oftmals bedeutsame, jedoch eher verborgene Segnungen.
Illustration von Dilleen Marsh
Maleachi hat prophezeit: Wenn wir Gott den Zehnten geben, öffnet er die Schleusen des Himmels und schüttet „Segen im Übermaß“ herab (Maleachi 3:10).
In Zusammenhang mit dieser Verheißung hören wir oft Geschichten von wundersamen, unmittelbaren Segnungen, die denen zuteilwerden, die das Gebot des Zehnten befolgen. Aber was, wenn wir in Zeiten drängender materieller Not keinen solchen Segen erhalten? Es kann mutlos machen, wenn man selbst eine solche Segnung nicht erlebt. Man fragt sich dann vielleicht sogar: „Werde ich denn gar kein bisschen gesegnet?“
Elder Neil L. Andersen vom Kollegium der Zwölf Apostel hat uns jedoch vor Augen geführt: „Die Schleusen des Himmels öffnen sich auf vielerlei Weise. Einige Segnungen sind weltlicher Art, aber viele sind geistiger Art. Einige sind eher verborgen und werden schnell übersehen. Vertrauen Sie auf den Zeitplan des Herrn. Die Segnungen kommen immer.“
Auch die Worte Elder David A. Bednars vom Kollegium der Zwölf Apostel verdeutlichen uns, dass wir Segnungen auf tausenderlei Weise erhalten können und nicht unbedingt so, wie wir uns das vorstellen. Er sagte: „Einige der mannigfaltigen Segnungen, die wir erhalten, wenn wir dieses Gebot [das Gesetz des Zehnten] befolgen, [sind] bedeutend, aber unscheinbar. Solche Segnungen können wir nur erkennen, wenn wir in geistiger Hinsicht wachsam und aufmerksam zugleich sind (siehe 1 Korinther 2:14).“
Bedeutsame, wenn auch eher verborgene Segnungen für das Zahlen des vollen Zehnten zu suchen und zu erkennen, kann uns vor Augen führen, dass Gott sehr wohl auf uns achtet und uns segnet.
Bedeutsame, wenn auch eher verborgene Segnungen
Gottes Wille entspricht nicht immer unserem (siehe Jesaja 55:8,9). Darum fließen Gottes Segnungen uns auch nicht immer so zu, wie wir es uns wünschen oder es erwarten. Elder Bednar nennt einige Beispiele für unerwartete Segnungen, die dem Zahlen des Zehnten folgen können: „Manchmal bitten wir Gott vielleicht um Erfolg, und er gibt uns körperliches und seelisches Durchhaltevermögen. Vielleicht flehen wir um Wohlstand und erhalten einen erweiterten Blickwinkel und mehr Geduld, oder wir bitten um Wachstum und werden mit dem Geschenk der Gnade gesegnet. Er mag uns mit Überzeugung und Selbstvertrauen segnen, wenn wir uns bemühen, lohnende Ziele zu erreichen. Und wenn wir darum flehen, er möge körperliche, seelische oder geistige Schwierigkeiten lindern, verhilft er uns vielleicht zu größerer Entschlossenheit und Belastbarkeit.“
Zudem wies Elder Bednar auf Folgendes hin: „Die Segnung, die uns durch die Schleusen des Himmels zuteilwird, mag die verstärkte Fähigkeit sein, zu handeln und unsere Lebensumstände zu ändern, statt zu erwarten, dass sich diese Umstände durch jemand oder etwas anderes ändern.“ Siehe dazu etwa den Bericht eines Ehepaares aus Argentinien: „Warum zahlt ihr immer noch den Zehnten?“, Liahona, März 2013, Seite 37.
Gottes Zeitplan
Wir können auch lernen, darauf zu vertrauen, dass Gottes Segnungen gemäß seinem Zeitplan und auf seine Weise kommen.
Elder Michael John U. Teh von den Siebzigern hat erklärt: „Wenn wir das Gesetz des Zehnten befolgen, dürfen wir … dem Herrn dabei keine Fristen setzen. Manche Menschen neigen dazu, die materiellen Segnungen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erwarten, den sie selbst vorgeben. So verlieren die meisten von ihnen ihr Vertrauen in Gottes Verheißungen. Sie sind anfangs treu, hören aber nach einiger Zeit auf, gehorsam zu sein, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Uns muss klar sein, dass alles nach dem Willen und dem Zeitplan des Herrn geschieht und nicht nach unserem.“
Wenn wir begreifen, dass Gottes Zeitplan sich von unserem unterscheidet, wird uns auch klarer: Bloß weil wir nicht sofort ein Wunder erleben, heißt das nicht, dass wir nicht gesegnet werden.
Gottes Weisheit
Präsident Dallin H. Oaks, Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, hat dargelegt: „Jemand hat einmal gesagt, das Leben sei das, was sich zuträgt, während wir gerade andere Pläne schmieden. Da es so manches gibt, worauf wir keinerlei Einfluss haben, können wir nicht alles planen und verwirklichen, was wir uns wünschen. Es gibt viele wichtige Ereignisse, die wir nicht geplant haben, und manche davon sind uns nicht willkommen.“
Selbst diejenigen, die das Gesetz des Zehnten befolgen, können auf ihrem Lebensweg durch Arbeitslosigkeit, einen unerwarteten Notfall, Misswirtschaft oder stagnierende Löhne finanziellen Schwierigkeiten begegnen. Das Wissen, dass Gott am Ruder steht, kann uns helfen, an Glauben und Geduld zuzunehmen, während wir sowohl nach den bedeutsamen als auch nach den eher verborgenen Segnungen des Zehnten Ausschau halten. Vielleicht sind einige Schwierigkeiten ja in Wirklichkeit ein Segen, der uns hilft, an einer solchen Prüfung zu wachsen.
Elder Hugh B. Brown vom Kollegium der Zwölf Apostel (1883–1975) hat einmal davon erzählt, was er gelernt hat, als er auf seiner Farm in Kanada einen Johannisbeerstrauch beschnitt.
Als er daranging, den Hof aufzuräumen und in Ordnung zu bringen, entdeckte er einen Johannisbeerstrauch, der an die zwei Meter hoch war und keine Beeren trug. Also beschnitt er ihn kräftig und ließ nur ein paar Stümpfe zurück, aus denen Harztropfen austraten, die wie Tränen wirkten. Es schien, als würde der Johannisbeerstrauch weinen, und Elder Brown vermeinte den Strauch sagen zu hören:
„Wie konntest du mir das nur antun? Ich war doch schon so groß. … Und jetzt hast du mich ganz zurückgeschnitten. … Ich habe immer geglaubt, du wärst hier der Gärtner.“
Elder Brown antwortete: „Schau mal, kleiner Johannisbeerstrauch, ich bin hier der Gärtner und ich weiß, was aus dir werden soll. Wenn ich dich so wachsen lasse, wie du es willst, wird aus dir nie etwas werden. Aber eines Tages, wenn du mit Früchten beladen bist, wirst du zurückdenken und zu mir sagen: ‚Danke, lieber Gärtner, dass du mich zurechtgestutzt hast – dass du mich genug geliebt hast, um mich zu verletzen.‘“
Wenn wir finanziell gerade schwer über die Runden kommen und die verheißenen Segnungen des Zehnten nicht sehen, fragen wir Gott vielleicht auch unter Tränen: „Wie konntest du mir das antun? Ich tue doch alles, was du von mir möchtest. Und jetzt hast du mich ganz zurückgeschnitten.“
Vielleicht nehmen wir uns dann einen Moment Zeit und denken darüber nach, ob die Prüfung, die wir gerade durchmachen, uns nicht sogar große Segnungen beschert – durch das nämlich, was wir dabei alles lernen. Wir können lernen, noch mehr auf den Gärtner und die Segnungen zu vertrauen, die er für uns bereithält, wenn wir ihm nur nahe bleiben.
Die Hoffnung nicht aufgeben und weiterhin beten
Die eher verborgenen, doch bedeutsamen Segnungen, die Gott uns für das Zahlen des Zehnten schenkt, können uns in die Lage versetzen, uns über viele Schwierigkeiten in der Welt emporzuheben. Unser liebevoller Vater im Himmel schneidet diese Segnungen in vollkommener Weise auf uns zu, damit wir wachsen und mehr wie er werden können. Wenn wir uns darin üben, alle Segnungen zu erkennen und anzunehmen, erleben wir, wie sich die Verheißung Maleachis erfüllt.
Sollten wegen finanzieller Schwierigkeiten Zweifel und Verzweiflung aufkommen und wir uns unter Tränen fragen, ob wir denn überhaupt gesegnet werden, dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben! Vielmehr sollten wir darum beten, die eher verborgenen, doch bedeutsamen Segnungen erkennen zu können, die uns der Herr schenkt, und auf den Plan des Vaters im Himmel für uns zu vertrauen.
Das hat auch Elder Andersen bezeugt: „Ich verheiße Ihnen: Wenn Sie auf den Herrn vertrauen, werden die Segnungen des Himmels folgen.“