„Das Wunder am Lagerfeuer“, Unser Freund, März 2025, Seite 30f.
Pioniere aus aller Welt
Das Wunder am Lagerfeuer
„Vater im Himmel, wir haben nichts fürs Abendessen. Bitte hilf uns!“
Eine wahre Geschichte aus den USA
Der eisige Wind heulte auf, und der Schnee wirbelte um den Handkarren herum. Jane zog die dünne Decke noch fester um die Schultern. Sie konnte ihre Füße kaum noch spüren und lief dennoch weiter. Sie waren auf dem Weg nach Salt Lake City.
Jane und ihre Familie hatten in England von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gehört. Als der Prophet die Mitglieder der Kirche aufgefordert hatte, nach Utah zu kommen, hatte ihre Familie für die Reise jeden Penny gespart. Sie hatten das Meer überquert. Nun überquerten sie mit dem Handkarren die Prärie. Sie waren schon seit mehreren Monaten unterwegs, und nun ging ihnen das Essen aus.
Jane liefen Tränen über die Wangen. „Ich hab solchen Hunger“, sagte sie zu ihrem älteren Bruder Thomas. „Ich schaffe keinen weiteren Schritt.“
Thomas schnitt ein Stück loses Rohleder von einem Wagenrad ab. „Hier, darauf kannst du kauen“, sagte er. „Alles wird gut.“
„Danke“, flüsterte Jane und kaute auf dem zähen Stück Leder.
Bald war es Zeit, für die Nacht das Lager aufzuschlagen. Ein paar Männer zogen los, um Büffel zu jagen. Jane hoffte, dass sie welche finden würden. Ihr Magen war ganz leer. Während sie warteten, kauerten sich Jane und ihre Familie um das kleine Feuer. Sie waren müde und hungrig, und sie froren.
„Lasst uns beten“, schlug Jane vor.
Die Familie kniete nieder und Mutter betete. „Vater im Himmel, wir haben nichts fürs Abendessen. Bitte hilf uns!“
Einen Augenblick lang saßen Jane und ihre Geschwister einfach nur ruhig da. Dann richtete sich Mutter auf.
„Was ist?“, fragte Thomas.
„Mir ist gerade etwas eingefallen!“ Mutter eilte zum Handkarren und öffnete die Familientruhe. Sie holte eine kleine Metalldose hervor und öffnete sie. Darin befanden sich zwei hartgewordene Kekse. Es waren Überbleibsel von der Seereise Monate zuvor.
Jane wurde ganz aufgeregt. Sie hatten doch etwas zu essen! „Wir können sie teilen, dann hat jeder etwas“, schlug sie vor.
Aber die Kekse waren hart wie Stein und ließen sich nicht einmal zur Hälfte durchbrechen.
„Versuchen wir etwas anderes“, sagte Mutter. Sie legte die Kekse in einen schweren Topf und goss ein wenig Wasser darüber. Dann setzte sie den Deckel auf den Topf und stellte diesen auf die Kohlen.
Jane und ihre Familie beteten erneut. Jane musste daran denken, wie Jesus Christus in der Bibel die Fünftausend mit nur ein paar Broten und Fischen gespeist hatte. Sie wusste, dass der Vater im Himmel auch ihrer Familie helfen konnte.
Nach einer Weile öffnete Mutter langsam den Topf. Er war bis zum Rand gefüllt mit Essen! Es gab genug für die ganze Familie.
Jane umarmte ihre Mutter ganz fest. „Das ist ein Wunder!“
Illustrationen von Simini Blocker