2025
Auf der Suche nach den Affen
März 2025


„Auf der Suche nach den Affen“, Unser Freund, März 2025, Seite 4f.

Auf der Suche nach den Affen

„So ist das auch, wenn ich genau hinhöre und dann den Heiligen Geist erkenne.“

Eine wahre Geschichte aus Costa Rica

Ein Junge mit Sonnenbrille und bedrücktem Gesichtsausdruck; ein Junge und ein Mädchen hinter ihm lächeln und zeigen auf etwas, was man nicht sieht

„Cool!“, rief Ethan. „Habt ihr den gesehen?“

„Ja!“, erwiderte Lily. „Hat der ein süßes Schwänzchen!“

Boston sah nach oben, aber er konnte nur Schatten ausmachen.

„Das war schon der dritte Affe heute!“, meinte Ethan.

Boston aber hatte noch keinen einzigen gesehen! Seine Familie besichtigte gerade einen Regenwald, um freilebende Affen zu beobachten. Aber für Boston waren die Affen viel zu weit weg, um sie zu erkennen.

Boston war nämlich so gut wie blind. Er konnte nur das erkennen, was sich direkt vor ihm befand. Normalerweise störte ihn seine Blindheit gar nicht so sehr. Es gab immer noch viel Tolles, was er machen konnte! Mit den Fingern konnte er Texte in Blindenschrift lesen, und mit seinem Stock kam er im Dunkeln zurecht. Außerdem erkannte er Leute an ihrer Stimme.

Aber manchmal fand Boston es nicht schön, blind zu sein. Heute zum Beispiel.

Boston setzte sich auf den Boden und seufzte. Das ist so unfair!, dachte er.

Ein paar Minuten später hatte er aber eine Idee. Vater im Himmel, bitte mach, dass ein Affe zu mir kommt, damit ich ihn sehen kann, betete er innerlich.

Noch konnte Boston keinen Affen sehen. Dann hörte er ein Geräusch in der Ferne.

Ein Junge mit Sonnenbrille lächelt und hält sich die Hand ans Ohr

„Habt ihr das gehört?“, fragte Boston. „Ich glaub, das war ein Affe!“

„Ich habe nichts gehört“, meinte Ethan.

„Ich auch nicht“, sagte Papa. „Du hast aber ein gutes Gehör!“

Boston hörte, wie ein Affe in der Nähe des Weges durchs Gebüsch lief. Er deutete in die Richtung, aus der das Geräusch kam. „Da drüben!“

Dann hörte er noch einen Affen. Und noch einen! Ein paar Mal zeigte Boston in eine bestimmte Richtung und seine Familie sah dann dort tatsächlich Affen! Allerdings kam kein Affe so nahe, dass Boston ihn hätte sehen können.

Ein Junge mit Sonnenbrille und einer Sprechblase, die Schallwellen zeigt

Bald war es Zeit, nach Hause zu gehen.

„Es tut mir leid, dass du keinen Affen gesehen hast“, meinte Mama auf dem Weg zum Auto.

Boston zuckte mit den Schultern. „Ist schon gut. Ich wollte zwar gern einen sehen, aber dafür habe ich viele gehört.“ Da dachte er an sein Gebet. „Eigentlich ist das wie der Heilige Geist.“

„Wie meinst du das?“, fragte Mama.

„Ich habe genau hingehört und dann ist mir klargeworden, dass die Affen überall um mich herum sind! Ich habe sie gehört, obwohl ich sie nicht sehen konnte. So ist das auch, wenn ich genau hinhöre und dann den Heiligen Geist erkenne.“

„Da hast du etwas Tolles dazugelernt!“, meinte Mama.

Plötzlich hörte Boston etwas im Gebüsch neben sich. Etwas lief auf den Weg – direkt vor ihn! Es hatte ein rötliches Fell und einen langen Schwanz. Es blieb stehen und sah ihn direkt an. Dann verschwand es wieder in den Bäumen.

Ein Affe! Nun hatte er doch noch einen gesehen!

Boston lächelte. Es war manchmal schwer, blind zu sein. Aber heute hatte er dadurch etwas über den Heiligen Geist dazugelernt. Das war wirklich toll!

Ein orangefarbener Affe
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Illustrationen von Alyssa Gonzalez