„Ein Monster und ein Lied“, Unser Freund, März 2025, Seite 16f.
Ein Monster und ein Lied
Plötzlich kam ihm der Text seines Lieblings-PV-Liedes in den Sinn.
Eine wahre Geschichte aus Mexiko
„Zeit zum Schlafengehen!“, sagte Mamá lächelnd.
Logan ging in sein Zimmer. Er sprach sein Abendgebet und kroch ins Bett. Dann las Mamá ihm eine Geschichte vor. Langsam schloss er die Augen. Bald war er eingeschlafen.
Aber Logan hatte einen schlimmen Traum. Er war allein an einem finsteren Ort. Er sah ein riesiges Monster mit Stacheln und spitzen Zähnen. Es fauchte ihn an. Dann rannte es auf ihn zu!
Logan wollte weglaufen. Aber er rutschte aus und fiel hin. Das Monster kam immer näher, bis –
Logan wachte auf und setzte sich erschrocken im Bett hin. Er wischte sich die Tränen aus den Augen. Draußen war es immer noch dunkel.
Er wollte seinen Eltern von dem Traum erzählen. Aber er traute sich nicht aus dem Bett heraus. Es war so dunkel, und bestimmt versteckte sich das Monster irgendwo! Jeder Schatten machte ihm Angst. Draußen bellte ein Hund – das klang wie das böse knurrende Monster.
Logan zog sich die Decke bis über die Nase. Er hatte Angst und wollte sich nicht bewegen.
Er wollte wieder einschlafen. Aber jedes Mal, wenn er die Augen schloss, sah er die wütende Fratze des Monsters und seine scharfen Zähne. Immer wieder fiel sein Blick auf die unheimlichen Schatten.
Dann aber schaute er auf das Foto auf seinem Nachttisch. Darauf war er mit seinen Brüdern und seinen Eltern vor dem Tempel in Monterrey zu sehen. Alle schauten glücklich aus!
Plötzlich kam ihm der Text seines Lieblings-PV-Liedes in den Sinn. „Ich freu mich auf den Tempel“, begann Logan leise zu singen. „Bald werd auch ich hingehn, den Heilgen Geist verspüren und andachtsvoll dort stehn.“*
Während Logan sang, dachte er an den Tag, als er mit der Familie am Tempel gewesen war. Er hatte sich ganz ruhig gefühlt. Dank des Tempels konnte er mit seiner Familie für immer zusammen sein!
Weil Logan sang, konnte er das Gekläffe des Hundes gar nicht mehr hören. Er schloss die Augen und sang weiter. „Dann sind wir vereint in Ewigkeit − im Himmel und auf Erden.“ Er verspürte im Herzen Frieden und musste lächeln. Er wusste, dass es gar kein Monster gab.
Das Zimmer war dunkel und unheimlich gewesen. Aber jetzt war es ein ruhiger, sicherer Ort. Logan legte sich wieder aufs Kissen und schlief friedlich ein.
Als er aufwachte, schien schon die Sonne. Er stand auf und sah, wie die Sonnenstrahlen auf das Foto vom Tempel fielen. Er summte sein Lieblingslied und machte sich für die Kirche fertig.
Auf dem Weg zur Kirche erzählte er seiner Familie von dem Albtraum und wie er das Lied gesungen hatte. Er hörte bei den Ansprachen zu und sang die Kirchenlieder mit. Dann war es Zeit, in die PV zu gehen.
Logan hörte gern zu, wenn jemand Klavier spielte. Und jetzt wusste er, dass manche Lieder sogar die Macht hatten, gruselige Monster zu vertreiben.
„Willkommen zur Singzeit“, sagte die PV-Präsidentin. „Welches Lied wollen wir denn zuerst singen?“
„Ich weiß!“, rief Logan und hob die Hand. „,Ich freu mich auf den Tempel‘!“
Illustrationen von Carolina Farías