Aus Neu für junge Erwachsene
Wenn du meinst, in nichts wirklich gut zu sein, erinnere dich daran: Du hast die Fähigkeit zu dienen
Zu wissen, dass ich anderen dienen kann, gibt mir das Selbstvertrauen, das mir die meiste Zeit meines Lebens gefehlt hat
Früher hatte ich oft das Gefühl, in nichts gut zu sein.
Vor meiner Mission schwirrte mir dieser Gedanke ständig im Hinterkopf herum. Ich war schon immer klein und nie besonders gut im Sport oder in der Schule. Es schien mir, als hätten alle anderen viel mehr Fähigkeiten als ich. Selbst wenn jemand freundlich sein wollte und sagte: „Du hast doch auch Talente“, tat ich diese Worte als bloße Schmeichelei ab.
Ich fühlte mich minderwertig und konnte mich nicht so annehmen, wie ich war. Doch das sollte sich ändern.
Mir selbst zugestehen, was ich kann
Meine Mission in Sydney, Australien, war anfangs schwer, weil ich als Japaner kaum Englisch sprach. Ich verstand die Menschen nicht und konnte meine Gedanken kaum ausdrücken. Oft fragte ich Gott: „Warum hast du mich bloß in ein Land berufen, das so anders ist als meine Heimat?“
Doch mein Missionspräsident und meine Mitarbeiter sprachen mir gut zu und so begann ich langsam, Englisch zu lernen. Nach und nach konnte ich mich mit den Menschen, die ich unterwies, unterhalten. Es war ein Wunder! Und zugleich bekam ich langsam neue Zuversicht. Ein stilles, aber kraftvolles Gefühl erfüllte mich, dass ich fähig war und etwas Sinnvolles für andere tat.
Das war nicht einfach. Aber ich empfand tiefe Freude, weil ich wusste, dass der Herr meinen Fähigkeiten vertraute und durch mich wirkte. Dieses Vertrauen gab mir mehr Kraft als alles, was ich je zuvor erlebt hatte.
Zuversicht durch den Dienst am Nächsten
Nach meiner Rückkehr bereitete ich eine Lektion für das Ältestenkollegium vor und stieß dabei auf eine inspirierende Ansprache, die noch nicht ins Japanische übersetzt worden war. Ich wollte die Klasse unbedingt an dieser Botschaft teilhaben lassen. Also habe ich sie aus dem Englischen übersetzt und im Unterricht vorgestellt. Viele Brüder waren von den Worten bewegt und dankbar, dass ich ihnen die Ansprache übersetzt hatte.
Dieses Erlebnis zeigte mir erneut, dass der Dienst am Nächsten nicht kompliziert sein muss. Mit der Zeit übersetzte ich weitere Ansprachen und begann schließlich, bei Andachten für junge Erwachsene freiwillig zu übersetzen. Dadurch öffneten sich neue Türen und ich erhielt eine Anstellung als Übersetzer. Obwohl ich mir vieles selbst beigebracht hatte, wurden meine Fähigkeiten durch den Dienst am Nächsten verfeinert, und ich konnte anderen ein Segen sein.
Elder Dieter F. Uchtdorf vom Kollegium der Zwölf Apostel hat einmal gesagt:
„Die Farbtupfen, aus denen sich die Augenblicke und Ereignisse unserer Tage zusammensetzen, können zuweilen zusammenhanglos und chaotisch wirken. Wir können keine Ordnung darin erkennen. Wir können uns nicht vorstellen, dass sie irgendeinen Zweck haben.
Doch wenn wir es mit etwas Abstand und aus dem Blickwinkel der Ewigkeit betrachten, wenn wir unser Leben im Licht des Evangeliums Jesu Christi betrachten, erkennen wir nach und nach, wie die verschiedenen Tupfen in unserem Leben zusammenhängen. Wir erkennen vielleicht noch nicht das fertige Bild, aber wenn wir geduldig sind, erkennen wir zumindest genug, um darauf zu vertrauen, dass es einmal großartig aussehen wird.“
Als ich nach Australien berufen wurde, fühlte sich mein Leben wie ein Durcheinander aus zusammenhangslosen Farbtupfern an, die ich nicht verstand. Rückblickend erkenne ich heute, dass all diese Gelegenheiten zu dienen und Englisch zu lernen zum Plan des himmlischen Vaters gehörten. Er wollte mich segnen und mir zeigen, dass ich fähig bin, Talente habe und Vertrauen in meine Identität als Jünger Christi und Sohn Gottes haben kann.
Er vertraut darauf, dass ich anderen diene, und dieser Dienst erfüllt mich mit Nächstenliebe – der reinen Christusliebe – für meine Mitmenschen.
Bereit, seine Liebe weiterzugeben
Wenn wir uns minderwertig fühlen, müssen wir uns nur daran erinnern, dass wir die Fähigkeit haben, Gutes in der Welt zu vollbringen – im Großen wie im Kleinen. Dienen ist nicht immer leicht. Nicht immer läuft alles so, wie wir es uns erhoffen, doch wir alle können Licht weitergeben, und unser Dienst hilft uns und anderen, sich darauf vorzubereiten, dem Erretter zu begegnen.
Elder Dale G. Renlund vom Kollegium der Zwölf Apostel hat es so formuliert:
„[Gott] erwartet von uns, dass wir unsere Gaben, Talente und Fähigkeiten dazu einsetzen, den Kindern unseres Vaters im Himmel ein Segen zu sein. …
Wenn Sie das tun, helfen Sie der Welt, sich auf das Zweite Kommen Jesu Christi vorzubereiten, und Sie werden mit ausreichend Hoffnung gesegnet, um in die Ruhe des Herrn einzugehen, jetzt und in Zukunft.“
Ich glaube, dass der Dienst am Nächsten und christliche Liebe unmittelbar den Zweck erfüllen, weshalb wir auf die Erde gekommen sind, und dass wir dadurch einander helfen können, zu ihm heimzukehren.
Wenn ich an mir selbst zweifle, kann ich doch meinem Nächsten dienen. Das ist der Schlüssel, der mir so viele Segnungen eröffnet hat, unter anderem das Vertrauen in meine göttliche Identität und das Vertrauen vor dem Herrn.