Aus Neu für junge Erwachsene
Was bliebe mir denn, wenn ich nicht mehr das tun könnte, was mir gefällt?
Als ich das verlor, was mich bisher ausmachte, wurde mir klar, worauf es am meisten ankommt: ein Kind Gottes zu sein
Abdruck des Fotos mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin
Volleyball war mein Leben! Es kam gleich nach Essen und Schlafen. Nach meinem Schulabschluss erhielt ich ein Stipendium, das es mir ermöglichte, an einer Universität zu spielen.
Doch bevor das Semester anfing, erklärte mir mein Arzt, dass es wegen meines Marfan-Syndroms – einer Erkrankung, die die Hauptklappe meines Herzens betrifft – zu riskant sei, damit weiterzumachen. Also untersagte meine Universität mir die Teilnahme aus medizinischen Gründen. Zwar durfte ich mein Stipendium behalten, aber ich konnte nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen.
Ich war am Boden zerstört. Ich bemühte mich weiterhin, dem Herrn nahe zu bleiben, doch mein Herz war voller Schmerz und Traurigkeit. Ich wollte schon immer Volleyballspielerin sein. Wer war ich ohne das?
Einer Eingebung folgen
Eines Tages kamen eine Mannschaftskameradin und ich nach dem Training an einem kleinen Laden vorbei. Draußen hing ein Schild mit der Aufschrift: „Aushilfe gesucht!“ Eigentlich hatte ich nicht nach Arbeit gesucht, doch da ich plötzlich so viel Zeit hatte, dachte ich mir, dass mich das vielleicht ein wenig ablenken würde, und so wurde ich noch am selben Tag eingestellt.
Der Job brachte ein wenig Freude und Sinn in mein Leben zurück, aber da ich die ganze Saison über immer noch mit der Volleyballmannschaft unterwegs war, war ich meinem Traum vom Volleyballspielen irgendwie ganz nah, und doch so fern.
Eines Abends kniete ich nieder und betete: „Vater im Himmel, ich weiß nicht, ob ich das noch länger aushalten kann.“ Als ich still dasaß, hatte ich das Gefühl, ich solle meinen Patriarchalischen Segen lesen. Mir kam immer und immer wieder ein Gedanke in den Sinn: „Geh auf Mission!“
Ich versuchte, diesen Gedanken zu verdrängen. Ich wollte nie auf Mission gehen. Doch die Eingebung verließ mich nicht.
Als ich meinen Eltern erzählte, dass ich eine Mission in Betracht zog, fragte mein Vater verständnislos: „Wieso das denn? Du hast hier ein kostenloses Studium. Kannst du dein Stipendium denn später fortsetzen?“
„Nein“, entgegnete ich.
„Und wer soll deine Mission bezahlen?“
Auf einmal machte es Klick. Dieser kleine Nebenjob war kein Zufall, sondern eine liebevolle Fügung, die es mir ermöglichen würde, meine Mission zu finanzieren.
Ich sagte meinem Vater, dass ich die Kosten übernehmen würde, und gab ihm Zeugnis, dass Gehorsam Segnungen mit sich bringt. Bald darauf erhielt ich eine Berufung nach Australien. Die tiefe Traurigkeit in meinem Herzen wich Frieden und Freude. Ich wusste, dass ich dort war, wo der Herr mich haben wollte.
Meine Identität als Kind Gottes
Auf Mission erkannte ich, dass ich weit mehr bin als nur eine Volleyballspielerin.
Präsident Russell M. Nelson (1924–2025) hat gesagt:
„Wenn [irgendein] Etikett unsere wichtigsten Erkennungsmerkmale ersetzt, kann das geistig lähmen. …
Keine Bezeichnung [sollte] diese drei dauerhaften wie ‚Kind Gottes‘, ‚Kind des Bundes‘ und ‚Jünger Jesu Christi‘ verdrängen, ersetzen oder ihnen den Vorrang abspenstig machen“.
Auch wenn sich alles ändert – und das wird es –, bleibt meine Identität als Kind himmlischer Eltern und Jüngerin Jesu Christi unverändert.
Nach meiner Mission ging ich wieder zur Schule. Vor meiner Mission war meine Herzklappe gefährlich erweitert gewesen, sodass es gar keine Option war, überhaupt noch einmal Volleyball zu spielen. Aber ich betete um Führung und las meinen Patriarchalischen Segen. Das beruhigte mich.
Nach Wundern streben und Wunder erwarten
Nach meiner Mission nahm ich an der Generalkonferenz teil. Kristin M. Yee, Zweite Ratgeberin in der Präsidentschaft der Frauenhilfsvereinigung der Kirche, erzählte von einem Gemälde des Heilands, das sie geschaffen hatte. Sie hatte versehentlich zu früh Lack aufgetragen und damit das Werk verschmiert, in das sie ihr ganzes Herzblut investiert hatte. Sie betete und arbeitete die ganze Nacht hindurch, um es zu retten.
„Ich weiß noch, wie ich das Bild am Morgen betrachtete – es sah besser aus als zuvor! … Was ich für einen irreparablen Fehler gehalten hatte, war für den Herrn eine Gelegenheit, mir seine barmherzige Hand zu zeigen. Er war noch nicht mit dem Gemälde fertig, und er war auch noch nicht mit mir fertig.“
Ich spürte, wie der Geist mir zuflüsterte, dass der Herr auch mit mir noch nicht fertig war. Ihm war mein Wunsch wichtig, wieder Volleyball spielen zu können.
Ich beschloss, einen Kardiologen aufzusuchen. Nachdem er meine neuesten Aufnahmen gesichtet hatte, sah er mich erstaunt an.
„Was haben Sie in den letzten 18 Monaten gemacht?“, wollte er wissen.
„Ich war auf Mission“, antwortete ich verwundert.
„Ihre Herzklappe war vorher 4,6 Zentimeter groß. Jetzt sind es 3,94 Zentimeter. Das ist unfassbar. Sie ist geschrumpft.“
Die Bestätigung eines zweiten Facharztes gab mir die Gewissheit: Der Zustand meines Herzens hatte sich verbessert. Ich war nicht nur stabil, sondern durfte sogar wieder Volleyball spielen.
Bald darauf bot mir eine andere Universität einen Platz in ihrer Mannschaft an – mit einem Stipendium. Ich wusste, dass dies kein Zufall, sondern ein Wunder war.
Präsident Nelson hat uns geraten: „Streben Sie nach Wundern und erwarten Sie Wunder.“ Ich habe gelernt: Wenn wir gehorsam bleiben und uns unserer göttlichen Identität bewusst sind, macht der Herr unsere Bemühungen groß. Er führt uns, heilt uns und kann Türen öffnen, die wir für immer verschlossen glaubten.