Aus Neu für junge Erwachsene
Wie man Intimität so sieht, wie Gott sie beabsichtigt, und sich von einer ungesunden Einstellung zur Sexualität freimachen kann
Gott hilft uns, den wahren Zweck sexueller Intimität zu verstehen
Als ich mich an der Highschool einem Berufseignungstest unterzog, lauteten die drei Top-Berufe für mich:
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Dressman
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Profisportler
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Stuntman
Nicht im Entferntesten wäre ich auf den Gedanken gekommen, ich könnte mich eines Tages als Dozent an der Brigham-Young-Universität mit Pornografiekonsum und Sexualität befassen. Doch genau das tue ich heute.
Weshalb? Weil ich miterlebe, wie viele glückliche Beziehungen durch unaufrichtigen Umgang miteinander, durch Konflikte und Verstöße gegen das Eheversprechen in Mitleidenschaft gezogen werden. Verursacht wird dies manchmal dadurch, dass ein Ehepartner Pornografie konsumiert oder eine verzerrte Sicht auf Sexualität hat.
Ich erlebe aber auch, dass Menschen genesen, sich freuen und Zuversicht entwickeln, wenn sie sich Christus zuwenden und ihre Sicht auf sexuelle Intimität am Evangelium ausrichten.
Hier ist dreierlei, was ich aus jahrelanger Forschung gelernt habe und wovon ich weiß, dass es sich im Alltag umsetzen lässt.
1. Setze dem Sühnopfer Christi keine Grenzen
Gott ist sowohl gerecht als auch barmherzig. Er gebietet uns, bestimmte Verhaltensweisen zu meiden und seine Gesetze zu befolgen. Die Stimme des Widersachers klingt indes nachsichtig: „Ist doch nicht weiter schlimm. Einmal ist keinmal.“
Geben wir der Versuchung allerdings nach, heißt es auf einmal barsch und unerbittlich: „Unfassbar, wie du alles vermasselt hast! Umkehr kannst du vergessen. Dich liebt sowieso keiner.“
Im Gegensatz dazu vernehmen wir die barmherzige Stimme Gottes, der durch den Erretter spricht: „Wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile?“ (3 Nephi 9:13.)
Trotz dieser liebevollen Aufforderung höre ich junge Erwachsene für gewöhnlich sagen: „Ich hatte ein Problem mit Pornografie; da kann ich doch nie und nimmer einer Tempelehe würdig sein“, „Ich bin zu kaputt, als dass mich jemand liebhaben könnte“, oder „Was ich getan habe, kann ich mir ja selbst nicht verzeihen“.
Wer von solchen Schamgefühlen gemartert wird, sollte sich anhören, was Elder Patrick Kearon vom Kollegium der Zwölf Apostel hierzu sagt: „Wenn Sie dazu neigen, sich Sorgen zu machen, dass Sie dem allen niemals gerecht werden oder dass das aus Liebe erbrachte unbegrenzte Sühnopfer Christi und seine Barmherzigkeit für jeden anderen gelten, aber nicht für Sie, ist das ein Missverständnis. Unbegrenzt heißt unbegrenzt. Unbegrenzt schließt Sie und Ihre Lieben mit ein.“
Der erste Schritt, sich von ungesunden Aussagen zu Pornografie und einer schädlichen Einstellung zur Sexualität zu befreien, besteht im eigenen Glauben daran, es mit der Hilfe Jesu Christi schaffen zu können.
Der Kniff besteht darin, sich nicht vor dem Vater im Himmel und Jesus Christus zu verstecken. Wende dich ihnen zu! Bei ihnen findest du Hoffnung, Hilfe und inneren Frieden.
Tamara W. Runia, Erste Ratgeberin in der Präsidentschaft der Jungen Damen der Kirche, hat erklärt, „dass Jesus Christus denen Licht gibt, die in Finsternis sitzen. Seien Sie daher an den Tagen, an denen Sie die Stimme spüren, die Ihnen sagt, dass Sie sich verstecken und sich ganz allein in einen dunklen Raum verkriechen sollen, bitte mutig und glauben Sie Christus! Bewegen Sie sich und schalten Sie das Licht ein – unseren vollkommenen Glanz der Hoffnung.“
Setze dem Sühnopfer Christi und der Art und Weise, wie der Herr in deinem Leben Wunder wirken kann, keine Grenzen.
2. Mach dir bewusst: Sexuelle Intimität dient einem göttlichen Zweck
Präsident Thomas S. Monson (1927–2018) schilderte einmal eine Szene aus dem Roman Alice im Wunderland. Alice kommt an eine Weggabelung und fragt die Grinsekatze, welchen Weg sie einschlagen soll. Die Katze erwidert: „Das hängt davon ab, wohin du willst. Wenn du nicht weißt, wohin du willst, dann kommt es auch nicht darauf an, welchen Weg du nimmst.“
Im übertragenen Sinn stehst vielleicht auch du an einer Weggabelung und musst dich zwischen einer zwanglosen Sicht auf die Sexualität und der Erkenntnis entscheiden, dass sexuelle Intimität einem göttlichen Zweck dient. Um erkennen zu können, welche Verhaltensweisen und Entscheidungen mit Gottes Wegen unvereinbar sind, musst du den Weg der Bündnisse und den göttlichen Zweck begreifen, der einer zuträglichen, von Liebe erfüllten sexuellen Intimität zugrunde liegt. Vieles von dem, was öffentlich diskutiert wird – Pornografie, lockerer Lebenswandel, verzerrte Berichte in den Medien –, fördert eine ungesunde Sicht auf Sexualität. Menschen werden als Objekte betrachtet, die lediglich der sofortigen körperlichen Befriedigung dienen.
Doch aus Sicht des Evangeliums ist sexuelle Intimität in der Ehe zwischen Mann und Frau erheblich vielschichtiger. Sie soll seelisch und geistig eine Verbindung zwischen den Ehepartnern schaffen und ihre Beziehung vertiefen.
Vielen wird erst bewusst, wie wenig Ahnung sie von Sexualität eigentlich haben, wenn sie erfahren, wie das Thema aus Sicht des Evangeliums zu verstehen ist. Einmal habe ich mit einem jungen Mann darüber gesprochen, inwiefern Pornografiekonsum den geistigen Aspekt der Sexualität konterkariert. Überrascht meinte er, zuvor noch nie die Begriffe sexuell und geistig im selben Satz gehört zu haben.
Wenn man sexuelle Intimität aus geistiger Sicht und damit mehr als das betrachtet, was sie sein soll, fällt es leichter, den von der Welt angebotenen Zerrbildern zu widerstehen.
Für solch einen Paradigmenwechsel reicht es nicht, gefährlichen Inhalten einfach aus dem Weg zu gehen. Vielmehr müssen wir proaktiv in Erfahrung bringen, worin der sexueller Intimität zugrunde liegende göttliche Zweck besteht, und darum beten, der Geist möge uns helfen, den richtigen Blickwinkel zu finden.
3. Geh den Weg der Heilung
Hat der Heilige Geist dir einmal den sexueller Intimität zugrunde liegenden höheren Zweck begreiflich gemacht, fühlst du dich in deiner Entscheidung bestärkt, den Weg der Heilung zu gehen und dich zu ändern.
Hier für den Anfang ein paar nützliche Anregungen:
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Vielleicht bist du ja gerade bemüht, von deinem gewohnheitsmäßigen Pornografiekonsum loszukommen. Fang dennoch jetzt schon damit an, deine Informationen darüber, was normale und gesunde sexuelle Intimität ausmacht, nicht mehr aus Pornografie selbst oder medialen Zerrbildern zu schöpfen.
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Befass dich mit Material zum Thema Sexualität, das mit den Lehren des Evangeliums im Einklang steht, wie es etwa in der Rubrik „Hilfe fürs Leben“ unter Pornografie im Archiv Kirchenliteratur zu finden ist. Der Institutskurs „Die ewige Familie“ klärt darüber auf, wie man sich auf sexuelle Intimität in der Ehe vorbereitet. In der Ausgabe der Online-Zeitschrift Neu für junge Erwachsene vom August 2020 geht es darum, wie man eine gesunde Einstellung zur Sexualität entwickelt. Es gibt auch viele von vertrauenswürdigen Mitgliedern der Kirche verfasste Bücher, die nützlich sein können. Bitte den Vater im Himmel, er möge dich zu Material führen, das göttlich inspiriert ist.
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Sprich offen mit deinen Eltern, mit Führern der Kirche, denen du vertraust, oder mit klugen Mentoren oder Therapeuten. Sie alle können dir helfen, sexuelle Intimität aus dem Blickwinkel zu sehen, wie ihn Gott vorgesehen hat.
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Umgib dich mit Freunden, die dieselben Wertvorstellungen wie du haben und bestrebt sind, nach dem Gesetz der Keuschheit zu leben.
Was in der Vergangenheit begangene Fehler oder gefährliche Inhalte angerichtet haben, wird nicht über Nacht ausradiert. Wenn wir jedoch im Glauben den Weg der Bündnisse gehen, werden die weltlichen Stimmen nach und nach leiser. Präsident Russell M. Nelson hat erklärt: „Weil Jesus Christus diese gefallene Welt überwunden hat und weil er für jeden von uns gesühnt hat, können auch Sie diese Welt überwinden, die so mit Sünde gesättigt, egozentrisch und oftmals kräftezehrend ist.“
Wende dich dem Vater im Himmel zu und bitte ihn darum, er möge dir helfen, deine Einstellung zur Sexualität zu ändern. So kannst du darauf hoffen, zu deinem zukünftigen (oder jetzigen) Ehepartner eine sexuelle Beziehung aufzubauen, die auf Vertrauen, Liebe und gegenseitigem Respekt beruht.
Du kannst vollständige Heilung erfahren
Ich habe Leuten in die Augen gesehen, die durch fragwürdige Aussagen über die Sexualität tief verletzt worden sind. Die Augen derselben Leute habe ich aber auch strahlen sehen, weil sie inneren Frieden, Freude und Hoffnung erfahren hatten. Sie hatten die sexueller Intimität zugrunde liegende göttliche Wahrheit für sich entdeckt und waren, wo dies angebracht war, aufrichtigen Herzens umgekehrt.
Wenn du schon einmal das Gefühl hattest, am Boden zerstört oder durcheinander zu sein oder dich zutiefst zu schämen, dann sei dir bitte bewusst: Du kannst Heilung finden. Deinen Anspruch auf Liebe, Intimität und Freude hast du nicht verwirkt.
Du verdienst etwas Besseres als das Zerrbild einer Beziehung. Sorge für klare Sicht. Geh den Weg. Lass dich vom Licht des Sühnopfers Christi in eine Zukunft leiten, in der alles, auch Intimität, seinen rechten Platz einnimmt.