Aus Neu für junge Erwachsene
Banales bedeutsam werden lassen – am Alltäglichen Freude finden
Entschleunigung und Zielgerichtetheit verhelfen selbst beim Alltäglichsten zu mehr Freude
Ich hasse Geschirrspülen!
Es ist zeitaufwendig, die Essensreste sind eklig, und mir scheint es immer so, als würde sich die Spüle umgehend wieder füllen, sobald ich mit dem Abwasch fertig bin. An manchen Tagen ist der Gedanke ans Geschirrspülen so abschreckend, dass ich am liebsten auf die ganze Kocherei verzichten möchte.
Bestimmt geht es dir bei allerlei Haushaltstätigkeiten genauso – beim Wäschezusammenzulegen etwa oder beim Aufräumen oder Staubsaugen. Das könnte ich wirklich voll und ganz nachvollziehen.
Häufen sich diese banalen Aufgaben oder verlieren wir bei geistigen Tätigkeiten den Zweck aus den Augen, so können derartige Pflichten öde und unerfreulich werden. Dann fragt man sich vielleicht sogar, ob überhaupt ein Sinn dahintersteckt. Präsident Russell M. Nelson hat gesagt: „Wenn die Belastungen des Lebens Sie bedrängen, denken Sie celestial!“
Aber steckt denn wirklich hinter jeder banalen Aufgabe ein celestialer Zweck?
Tritt einen Schritt zurück und wirf einen Blick auf das Gesamtbild
Hast du schon mal ein Ölgemälde ganz aus der Nähe betrachtet – ein Werk von Claude Monet oder Vincent van Gogh beispielsweise? Dann stellst du fest, dass die einzelnen Pinselstriche in einem sich überlappenden Durcheinander aus Punkten und Streifen geradezu verschwimmen. Erst wenn man einen Schritt zurücktritt, erkennt man darin das wunderschöne, in sich stimmige Meisterwerk.
Diese Analogie macht wohl zum Teil aus, was Präsident Nelson mit seinem Aufruf, celestial zu denken, meint. Treten wir nämlich einen Schritt zurück und werfen wir einen Blick auf das große Ganze, bekommen wir ein besseres Gefühl dafür, was einzelne, öde „Pinselstriche“ zu unserem ewigen Fortschritt beitragen.
Elder Dieter F. Uchtdorf vom Kollegium der Zwölf Apostel hat uns versichert: „Eines Tages [werdet ihr] das vollendete Werk sehen und erkennen, dass der große Künstler mit all diesen zusammenhanglos erscheinenden Punkten einen Plan verfolgt hat. Ihr werdet erkennen, dass er euch auf Gelegenheiten und Möglichkeiten vorbereitet hat, die weit herrlicher sind, als ihr es euch jemals hättet vorstellen … können.“
Diese erweiterte Perspektive bedeutet für mich Folgendes:
Wenn ich etwas unbedingt kochen möchte, aber das Geschirr dafür gerade nicht sauber ist, habe ich kein Problem mit dem Abwasch. Meine Begeisterung für die leckere Mahlzeit übersteigt meine Abneigung gegen das Schrubben von Töpfen und Pfannen.
Darüber hinaus weiß ich, dass eine saubere Küche meine Stimmung hebt und es mir dann leichter fällt, den Geist zu spüren. Wenn ich jetzt bereits einen ordentlichen Haushalt führe, kann ich später besser für meine Familie sorgen. Und wenn ich Alltagsaufgaben umgehend erledige, entwickle ich eher die christliche Eigenschaft Fleiß.
In den heiligen Schriften steht ja: „Werdet nicht müde, Gutes zu tun, denn ihr legt die Grundlage für ein großes Werk. Und aus etwas Kleinem geht das Große hervor.“ (Lehre und Bündnisse 64:33.)
Gewohnheiten – sowohl im Zeitlichen als auch im Geistigen – sind das Kleine, worauf wir aufbauen. Wenn du dich bemühst, die Segnungen zu verstehen, die mit diesen Aufgaben Hand in Hand gehen, bleibst du motiviert, an der täglichen Routine festzuhalten und dir auch neue Gewohnheiten zu eigen zu machen, die dich in alle Ewigkeit stärken.
Entschleunige und bleib zielgerichtet
Manchmal reicht es nicht, einfach nur einen Schritt zurückzutreten. Manchmal müssen wir auch das Tempo drosseln.
Wir sollen ja für uns selbst handeln und nicht bloß auf uns einwirken lassen (siehe 2 Nephi 2:26). Wenn du dich dem Herrn zuwendest und dein Leben in die Hand nimmst, anstatt dich durch von außen Vorgegebenes antreiben zu lassen, ist deine tägliche Aufgabenliste weniger einschüchternd. Und dann hast du mental mehr Raum, um celestial zu denken und Freude zu empfinden.
Zielgerichtetheit führt dazu, dass du selbst handelst. Probiere diese Tipps, um zu entschleunigen, dich neu zu fokussieren und dir im Alltag eine ewige Perspektive zu verschaffen:
-
Genieße das, was dir Freude bereitet.
-
Triff Entscheidungen im Voraus. Routineabläufe wie das Packen der Schultasche am Vorabend sorgen dafür, dass du morgens weniger gehetzt bist.
-
Finde Zeiten der Stille, um nachzudenken, dich zu entspannen und wieder mit dem Herrn zu verbinden.
-
Übe dich aktiv in Dankbarkeit; bedanke dich für das Gute, was geschieht.
-
Schaffe hier und da ein Plätzchen, an dem du dich wohlfühlst. Ordnung und Sauberkeit ermöglichen es dem Geist, zugegen zu sein.
Du kannst Freude haben
Trotz aller Bemühungen gibt es Tage, an denen es schwierig ist, im Banalen irgendeinen Sinn zu erkennen. Das ist schon in Ordnung so. Wenn es dir ein Anliegen ist, dich am Erretter auszurichten, rappelst du dich leichter wieder auf.
Elder Patrick Kearon vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt: „[So] können wir ein wachsendes und sich verfestigendes Gefühl der Freude und des inneren Friedens hegen – dank unserer Hoffnung in Christus und weil wir um unsere eigene Rolle im herrlichen Plan des Glücklichseins wissen.“ Mit einer ewigen Perspektive und dem Blick auf diesen Plan kannst du dir inneren Frieden bewahren, auch wenn mal etwas schiefgeht oder dir manches einfach nur mühselig vorkommt.
Es gibt immer noch Tage, an denen Geschirrspülen nichts Verlockendes an sich hat (falls ich es denn überhaupt in Angriff nehme). Aber mir ist bewusst, dass meine Bestrebungen mehr Gewicht haben als bloßes Abhaken auf einer Liste. Dieser Gedanke trägt mich durch sehr hektische ebenso wie durch sehr langweilige Tage.