Für Mütter mit kleinen Kindern
Für junge Mütter, deren Baby nicht durchschläft
Schlaflose Nächte mit zwei Babys haben mir vor Augen geführt, dass der Herr niemals schlummert
Abdruck des Fotos mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin
Unsere ersten Kinder waren Zwillinge und damals neun Monate alt. Mein Mann arbeitete in der Nacht, sodass ich mich nachts stets allein um die beiden Kleinen kümmern musste. Wir wohnten in einem Mietshäuschen mit alten Holzböden, die bei jedem Tritt knarrten. Nachts war es immer wieder tückisch, denn Kinderzimmer und Schlafzimmer lagen nebeneinander, und ich passte nahezu paranoisch auf, wie ich jeden Schritt setzte.
Meistens schliefen unsere Kleinen recht gut, wofür ich dankbar war. Doch natürlich gab es Nächte, da wachte die eine auf, die an sich besser schlief, und begann zu weinen. Unweigerlich weckte sie ihr Schwesterchen, das ohnehin nur einen leichten Schlaf hatte, und unversehens stand ich mit zwei übermüdeten, schreienden Babys da.
Es versteht sich von selbst, dass es stressig und frustrierend war, mitten in der Nacht ganz alleine zwei Babys zu beruhigen.
Eines Nachts war genau das wieder der Fall. Ich schaffte es sehr bald, einen Säugling im Wohnzimmer halbwegs zum Einschlafen zu bringen. Dann ging ich zurück zu der Kleinen, die immer noch weinte, und nahm sie hoch. Ich spürte, wie mein Frust wuchs. Da fiel mein Blick auf das Bild von Christus und den Kindern oberhalb der Kinderbettchen. Wie geduldig, liebevoll und zärtlich der Heiland auf dem Bild doch aussah!
Und als ich seitwärts blickte, sah ich im Finstern meine eigene Silhouette mit der Kleinen im Arm. Als ich den kleinen Spiegel an der gegenüberliegenden Wand angebracht hatte, war mir nicht bewusst gewesen, dass er einen Bezug zum Jesusbild herstellen würde. Während mein Blick so zwischen dem Bild des Erretters mit den Kindern und mir mit dem lieben, aber schreienden Baby auf dem Arm hin- und herwanderte, kam mir schlagartig in den Sinn, dass ich dies alles nicht allein bewerkstelligen muss. Ich hatte das Gefühl, dass ich, jene müde Mama im Spiegel, dank des Erretters und seines Vorbilds geduldiger, liebevoller und zärtlicher sein kann, als mir damals eigentlich zumute war.
Dieser Augenblick wird hoffentlich unvergessen bleiben. Ich bin dankbar für den Gedanken, dass ich nie allein bin, und für Jesu Beispiel, wie ich mit meinen Kindern umgehen soll – selbst (und wohl auch gerade) in solchen Augenblicken mitten in der Nacht.
Seit damals finde ich großen Trost in Schriftstellen, die uns vor Augen führen, dass wir niemals allein sind – weder in Prüfungen noch in Kummer noch bei den erschöpfenden Aufgaben als junge Mutter.
Elder Robert D. Hales (1932–2017) vom Kollegium der Zwölf Apostel hat zum Ausdruck gebracht, „dass wir in unserem Getsemani niemals allein sind. Er, der über uns wacht, ‚schlummert nicht ein und schläft nicht‘ [Psalm 121:4]. Seine Engel hier und jenseits des Schleiers werden ‚rings um [uns] sein, um [uns] zu stützen‘ [Lehre und Bündnisse 84:88]. Ich gebe mein besonderes Zeugnis, dass die Verheißung unseres Erlösers wahr ist, nämlich: ‚Die aber auf den Herrn hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adlern wachsen ihnen Flügel. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.‘ [Jesaja 40:31].“
Ein Baby, das mitten in der Nacht aufwacht, hört vielleicht nicht sogleich wieder zu weinen auf. Doch wie tröstlich ist das Wissen, dass unser Erretter und unser Vater im Himmel immer für uns da sind – so wie auch wir trotz aller Müdigkeit und Frustration für unsere Kinder da sind!