2025
Wie aus Tränen der Verzweiflung Tränen der Dankbarkeit wurden
Februar 2025


„Wie aus Tränen der Verzweiflung Tränen der Dankbarkeit wurden“, Liahona, Februar 2025

Stimmen von Heiligen der Letzten Tage

Wie aus Tränen der Verzweiflung Tränen der Dankbarkeit wurden

Nach meiner Scheidung fühlte ich mich in meiner Aufgabe als Führungsverantwortlicher der Gemeinde unzulänglich.

aus einer dunklen Wolke fällt Regen

Illustration von Katy Dockrill

Eines Tages eröffnete mir meine Frau, mit der ich seit 10 Jahren verheiratet war, wie aus dem Nichts, sie wolle der Kirche und mir den Rücken kehren. Sicherlich war bei uns beiden ein gewisser Mangel an Reife, Güte, Vergebungsbereitschaft und Zuneigung zu beklagen. Dennoch hätte ich gerne versucht, unsere Ehe zu retten. Sie jedoch wollte das nicht.

Meiner Ansicht nach hielt ich meine Bündnisse in Ehren, vertiefte mich mit Begeisterung in die heiligen Schriften und kam meinen Pflichten in der Bischofschaft gewissenhaft nach. Doch nachdem mich meine Frau verlassen hatte, war ich so verstört, wütend und verwirrt, dass mich nachts oft qualvolle Gedanken wachrüttelten. Dann weinte ich bitterlich, und mir blieb nur noch eines – stundenlang zu beten.

Ich kam mir vor wie ein Fahrer, der sein Auto im Griff hat, dann aber plötzlich von einem außer Kontrolle geratenen Raser in einen Unfall verwickelt wird. Sollte mein Gehorsam mich denn nicht vor Unheil bewahren?

Die Mitglieder meiner Gemeinde hielten mich doch bestimmt für einen Heuchler. Ich trug Führungsverantwortung, aber meine Familie entsprach in keinerlei Hinsicht dem Idealbild. Wie konnte ich jetzt, da mein Leben in Scherben lag, den Mitgliedern der Gemeinde noch ins Gesicht schauen? Da ich mich in meiner Berufung unzulänglich fühlte, bat ich schließlich um Entlassung.

„Sich unzulänglich zu fühlen ist kein Entlassungsgrund“, meinte mein Bischof. „Wir sind alle nur Menschen und machen Fehler.“

Fünf schwierige Jahre später fiel mir auf, dass ich mich gewandelt hatte. Ich war liebevoller und vergebungsbereiter geworden. Meine Seele kam mehr und mehr zur Ruhe. Ich sah meine Schwächen als Chance, vom Heiligen Geist geläutert zu werden (siehe Ether 12:27).

Später lernte ich eine liebe Frau kennen, die aus ihrer früheren Ehe zwei Kinder mitbrachte. Im Jahr 2020 gaben wir einander das Jawort. Seitdem bin ich glücklich. Die nachts vergossenen Tränen der Verzweiflung wurden zu Tränen der Dankbarkeit. Der Herr schüttet unfassbar viele Segnungen auf mich herab.

Nach all diesen Erfahrungen mit familiären Umständen jenseits von Glück und Förderlichkeit finde ich in dem Rat Trost, den Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel einst gegeben hat: „Wenn ihr in der eigenen Familie eine schmerzliche Scheidung miterleben musstet oder darunter gelitten habt, dass euer Vertrauen verletzt wurde, dann denkt bitte daran, dass auch hier gilt: [Gottes Muster für die Familie] beginnt mit euch! … Ihr könnt eure Kette [der Generationen] stärken und möglicherweise sogar dabei mithelfen, die gebrochenen Verbindungen wiederherzustellen.“

Anmerkung

  1. David A. Bednar, „Ein Bindeglied“, Andacht für junge Erwachsene in aller Welt, 10. September 2017, Archiv Kirchenliteratur