2025
Steht an heiligster Stätte
Für eine starke Jugend, Oktober 2025


Steht an heiligster Stätte

In den schwierigen und aufregenden Zeiten, die vor euch liegen, werden euch die Kraft und die Segnungen helfen, die mit dem Tempel verbunden sind

Eine Jugendliche

Nauvoo-Illinois-Tempel

Ich weiß noch, wie ich ein Jugendlicher war und meine Mutter ihre Tempelkleidung und die meines Vaters auf den Küchentisch legte. Dann nahm sie eine der beiden Roben und bügelte auf dem Bügelbrett sorgfältig jede Falte. Sie nahm sich immer Zeit dafür. Das zählt zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen.

Damals wusste ich den Tempel noch nicht so richtig zu schätzen, aber als ich meiner Mutter zusah, wie sie ihre Tempelkleidung und die meines Vaters bügelte, konnte ich doch sehen, wie wichtig beiden der Tempel war. Durch das Beispiel meiner Eltern habe ich gelernt, wie heilig der Tempel ist und wie wichtig es ist, an heiligen Stätten zu stehen und nicht zu wanken (siehe Lehre und Bündnisse 87:8).

Präsident James E. Faust (1920–2007) war mein Pfahlpräsident und mein geistiger Lehrer, als ich Teenager war. Er legte den Heiligen in aller Welt ans Herz, „wo immer es sich einrichten lässt, öfter an heiligen Stätten zu stehen“. Natürlich können unser Zuhause und unsere Versammlungshäuser heilige Stätten sein, aber „unsere heiligsten Stätten sind unsere heiligen Tempel“.

Wenn ihr an diesen heiligsten Stätten steht, erhaltet ihr Zugang zu Gottes Macht und Segnungen, die euch in den schwierigen und aufregenden Zeiten, die vor euch liegen, helfen werden.

Tempel in aller Welt

Als Führer der Kirche werden wir oft gefragt: „Warum bauen Sie so viele Tempel?“ Erinnert ihr euch noch, wie Präsident Russell M. Nelson in seiner Ansprache bei der Herbst-Generalkonferenz 2024 diese Frage beantwortete? Er sagte, die Kirche baue Tempel in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit, „weil der Herr es uns aufgetragen hat“.

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Tempel durch die Macht des Priestertums geweiht wurden, damit die Bündnisse, die wir dort schließen, und die Verordnungen, die wir dort empfangen, auf Erden und im Himmel verbindlich sind (siehe Matthäus 16:19). Wenn wir der Anweisung des Herrn folgen, Tempel auf der ganzen Welt zu bauen, können die Macht und die Segnungen, die der Tempel uns eröffnet, mehr Kinder Gottes auf beiden Seiten des Schleiers erreichen.

Verheißene Macht

Präsident Nelson hat gesagt: „Jeder, der in einem Taufbecken und in einem Tempel Bündnisse schließt und diese dann hält, kann vermehrt auf die Macht Jesu Christi zugreifen.“

Diese Macht wurde bei der Weihung des Kirtland-Tempels verheißen. Der Prophet Joseph Smith hat dafür gebetet, dass alle Menschen, die das Haus des Herrn betreten, die Macht des Herrn verspüren und mit seiner Macht ausgerüstet hinausgehen mögen (siehe Lehre und Bündnisse 109:13,22).

Das gilt auch für die heutige Zeit. Ich hatte die Ehre, Präsident Nelson im April 2024 bei der erneuten Weihung des Manti-Utah-Tempels zu begleiten. Dort betete er dafür, dass wir verstehen mögen, mit welcher Macht wir im Tempel ausgestattet werden.

Ich kenne die Präsidentin der Jungen Damen der Kirche, Präsidentin Emily Belle Freeman, seit ich vor Jahren ihr Bischof in einer Universitätsgemeinde war. Präsidentin Freeman hat bekräftigt, dass Jesus Christus „uns dorthin [emporhebt], wo er ist, und … uns unterdessen [befähigt], so zu werden, wie er ist“, und dabei empfinden wir durch den Tempel unsere „Bündnisbeziehung zu ihm noch tiefer“.

Verordnungen und Bündnisse bringen uns dem Herrn näher, binden uns an ihn und schenken uns einen besseren Zugang zu seiner Macht und seinen Segnungen, die wir alle ja brauchen. Präsident Nelson hat erklärt: „[Jesus Christus] – und nur er allein – [hat] die Macht, Sie über den Sog dieser Welt emporzuheben.“

Ehepaar vor dem Tempel

Mit Frieden und Freude gesegnet

Kurz nach meiner Berufung als Siebziger wurde ich beauftragt, in England zu dienen. Meine Frau und ich zogen gemeinsam mit unseren beiden jüngsten Kindern Shannon und Christian dorthin. Rasch wurde uns klar, was für ein großes Opfer dies für sie bedeutete, besonders für Christian. Er war 17, sah dem letzten Jahr an der Highschool im Kreise seiner Freunde entgegen und hatte sich auf die sportlichen Wettkämpfe gefreut, die er nun verpassen würde.

Um Shannon und Christian bei der Eingewöhnung in die neue Umgebung zu helfen, beschlossen wir, in den Preston-Tempel in England zu gehen und uns für Verstorbene taufen zu lassen. Das hatten wir in unserem Alltagsstress in den USA noch nicht getan. In dem Moment, wo wir den Taufbereich des Tempels betraten, war alles plötzlich ganz anders.

Nach den Taufen legte Christian mir die Hand auf die Schulter und stellte die vollkommen ernstgemeinte Frage: „Papa, warum haben wir das eigentlich vorher noch nie gemacht?“

Taufbereich im Preston-Tempel in England

Taufbereich im Preston-Tempel in England

An diesem Tag lernte ich eine wichtige Lektion: Der Tempel hatte unsere Perspektive verändert, uns Frieden und Freude geschenkt und uns geistig mehr aufgebaut, als irgendein Fußballturnier oder Basketballspiel dies je vermocht hätte. Wenn ihr die Möglichkeit habt, in den Tempel zu gehen, empfehle ich euch, dies so oft wie möglich zu tun. Nehmt Namen von Vorfahren mit und führt die Taufen und Konfirmierungen für sie durch. Eure Erlebnisse im Tempel werden euch und anderen hier und im nächsten Leben Frieden und Freude schenken.

Mädchen vor dem Tempel

Aufforderung

Wenn eure Eltern, Großeltern oder Geschwister schon im Tempel waren, dann achtet doch mal darauf, wie sie – durch Verhalten und Gewohnheiten – den Tempel betrachten, so wie ich seinerzeit auf meine Eltern achtete. Haltet nach Gelegenheiten Ausschau, mit eurer Familie, eurem Bischof und anderen Führungsverantwortlichen über den Tempel zu sprechen. Sie werden euch helfen.

Ich lege euch auch ans Herz, immer auf den Herrn zu blicken und würdig zu sein. Und wie mein lieber Freund, Präsident M. Russell Ballard (1928–2023), einmal sagte: „Ihr könnt froh und dankbar sein, wenn der Tag kommt, wo ihr in den Tempel geht und bereit seid, all die wunderbaren Verheißungen und Segnungen zu empfangen, die der Herr euch geben möchte.“

Ich bezeuge, dass Jesus Christus lebt. Wenn ihr in seinen Tempeln steht – unseren heiligsten Stätten –, indem ihr euch auf heilige Handlungen und Bündnisse vorbereitet und sie dann einhaltet, werdet ihr jetzt und euer ganzes Leben lang mit Frieden, Freude und Kraft gesegnet.