2024
Weihnachten im Frühling
Dezember 2024


Weihnachten im Frühling

Als Familie haben wir gelernt, dass man Weihnachten und Ostern am besten versteht, wenn man sie zusammen betrachtet

Eine Familie in der Weihnachtszeit

Illustrationen von Simona Love

Unser schönstes Weihnachtsfest als Familie fand nicht zu Weihnachten statt – sondern an Ostern.

Vor Jahren war unser Weihnachtsfest von der Sorge um unseren Sohn Tanner überschattet, der lebensbedrohlich erkrankt im Krankenhaus lag. 10 Wochen lang lag er in einem künstlichen Koma. Weihnachten verschlief er daher buchstäblich.

Wie freuten wir uns, als Tanner langsam wieder zu Kräften kam und im Frühjahr nach Hause kommen konnte. Als Ostern näher rückte, sprachen wir darüber, dass Tanner Weihnachten ja verpasst hatte. Seine Schwestern und sein Bruder fanden, dass er eine nachträgliche Feier verdiente. Also überlegten wir uns, dass es doch super wäre, Ostern zu einem doppelten Feiertag zu machen.

Um uns auf unser Weihnachtsfest im Frühling vorzubereiten, kramten wir den Karton mit der Weihnachtsbeleuchtung hervor, bastelten ein Weihnachtsbäumchen und kauften und verpackten kleine Weihnachtsgeschenke füreinander.

Der Abend vor Ostern war quasi unser „Heiligabend“. Wir zogen uns alte Bademäntel und improvisierte Kostüme an und spielten das Krippenspiel nach. Wir lasen in den Schriften, wie Maria und Josef ein Engel erschienen war, wie sie nach Betlehem reisten und eine Herberge suchten, jedoch keinen Platz fanden.

Eine Familie liest in den heiligen Schriften

Wir lasen auch, wie die Hirten nachts ihre Herden hüteten, der Engel des Herrn ihnen erschien und ein himmlisches Heer im Chor sang: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lukas 2:14). In unserem Krippenspiel suchten die Hirten den Stall auf, in dem unsere Kinder als Tiere verkleidet waren. (In diesem Jahr spielte sogar eine Giraffe mit!)

Doch damit war für unsere Familie das Weihnachtsfest noch nicht zu Ende. Da Ostern war, lasen wir weiter darüber, wie das Jesuskind heranwuchs, die Gelehrten im Tempel aufsuchte und sie unterwies, Wunder tat, seinem Volk diente und mit seinen Aposteln in einem Obergemach in Jerusalem zusammenkam, wo Jesus das Abendmahl einführte.

Ehrfürchtig lasen wir, wie Jesus den Garten Getsemani betrat, wo sein mächtiges sühnendes Werk begann – nämlich für uns zu leiden, sein Blut zu vergießen und zu sterben. Dann lasen wir, dass er am dritten Tag auferstand. Er überwand den Tod – seinen eigenen Tod und unseren. Wir wurden daran erinnert, dass dank ihm alles möglich ist.

Am Ostermorgen standen wir besonders früh auf. Wir freuten uns über die schöne, bunte Weihnachtsbeleuchtung, die vor der Dämmerung das Dunkel erhellte. Aufgeregt öffneten wir unsere Geschenke und aßen unser übliches Weihnachtsfrühstück mit Zupfbrot. Während die aufgehende Sonne die Welt draußen erhellte, suchten wir Ostereier und feierten das Wunder der Auferstehung. In der Kirche nahmen wir vom Abendmahl, das uns vor Augen führte, dass das Sühnopfer des Erretters wahrhaft stattgefunden hatte und hier und jetzt immer noch von Bedeutung war.

Jesus Christus spricht nach seiner Auferstehung mit Maria aus Magdala

Uns allen hat dieses „weihnachtliche Ostern“ deutlicher bewusst gemacht, dass man Weihnachten und Ostern am besten versteht, wenn man sie zusammen betrachtet: Weihnachten, weil es voller Verheißungen ist, und Ostern, weil all die Verheißungen erfüllt werden.

Wir blicken dankbar auf dieses Erlebnis zurück, denn Weihnachten konnten wir nur noch ein einziges Mal mit Tanner verbringen, bevor seine irdische Mission beendet war. Heute blicken wir mit Zuversicht voraus und wissen, dass die Trennung von Tanner nur von kurzer Dauer ist, denn wir freuen uns an Weihnachten, dass uns ein Kind geboren ist (siehe Jesaja 9:5), und wir erinnern uns an Ostern – und werden uns immer daran erinnern –, dass Jesus auferstanden ist (siehe Matthäus 28:6).