Aus Neu für junge Erwachsene
Meine Erleuchtung über die Nachfolge Christi – in einer Familie, die in der Kirche nicht aktiv ist
Bei der Nachfolge Jesu Christi geht es mehr darum, andere zu lieben, als sie verändern zu wollen
Als ich aufwuchs, waren die Verhältnisse in meiner Familie ziemlich komplex. Zu dem Zeitpunkt, als ich dann meine Mission antrat, waren nur noch meine Mutter und ich aktive Mitglieder der Kirche.
Nach meiner Mission hatte ich das Gefühl, es sei jetzt meine Aufgabe, meinem Vater und meinen beiden Schwestern zu helfen, ihren Glauben wiederzufinden. Ich dachte, es wäre ja wie auf Mission, wo ich mit jedem Fremden gesprochen hatte, der meines Weges gekommen war.
Ich hoffte mehr denn je, dass meine Familie durch meine Hilfe die Freude verspüren könne, die ich empfand, weil ich nach dem Evangelium lebte. Und vor allem hoffte ich, dass wir uns endlich im Tempel als Familie siegeln lassen könnten. Das wünschte ich mir schon, seit ich ein kleines Mädchen war.
Doch statt all dem waren die Beziehungen in meiner Familie angespannt. Es gab zuhause viel Streit, meine Erwartungen blieben unerfüllt, und meine Vergleiche mit anderen Familien schürten Schuldgefühle nur noch an. Ich fühlte mich absolut unzulänglich, und sowohl Freunde als auch Angehörige machten mich sehr schnell darauf aufmerksam, was ich als zurückgekehrte Missionarin doch alles falsch anging.
Für mich war nicht zu erkennen, wie mein treuer Dienst meiner Familie auch nur im geringsten half. Machte ich etwas falsch?
Christliche Liebe
Nachdem ich eine Weile mit diesem Problem gerungen hatte, hatte ich eine Erleuchtung zur Nachfolge Christi. Mir wurde klar, dass es im Evangelium um viel mehr geht, als Menschen dazu zu bringen, zur Kirche zu gehen. Es geht darum, Beziehungen zu stärken und christliche Liebe zu zeigen. Dieser veränderte Blickwinkel bedeutete nicht, dass ich aufgegeben hatte – aber ich beschloss jetzt, den Blick auf die Liebe zu richten.
Tamara W. Runia, Erste Ratgeberin in der Präsidentschaft der Jungen Damen der Kirche, hat gesagt: „Obgleich keine Familie vollkommen ist, können wir doch unsere Liebe zueinander vervollkommnen, bis sie zu jener dauerhaften, unwandelbaren Liebe wird, die ungeachtet aller Vorkommnisse bestehen bleibt – der Art von Liebe also, die Veränderungen unterstützt und Wachstum und Heimkehr ermöglicht.“
Ich wusste, dass sich etwas ändern musste. Statt zu versuchen, meine Familie dazu zu bringen, nach dem Evangelium zu leben, konzentrierte ich mich darauf, sie liebzuhaben und meine Bindung zu ihr zu stärken. Mein Entschluss, sie liebzuhaben, beruhte nicht darauf, was jemand von ihnen getan oder unterlassen hatte, sondern einfach auf meinem Wunsch, denjenigen, die ich auf dieser Welt am meisten liebe, Nächstenliebe zu erweisen.
Offene Fragen
Selbst nachdem ich meine Denkweise geändert habe, bleiben viele Fragen dazu offen, wie wohl die Ewigkeit für meine Familie aussehen wird. Ich plane gerne, und es macht mir Angst, nicht zu wissen, was die Zukunft bringt.
Eine Quelle des Trostes ist mein Zeugnis vom Erlösungsplan. Zwar kann ich die Zukunft nicht sehen, aber Gott – der vollkommen weise, liebevoll und barmherzig ist – sehr wohl. Obwohl ich mir immer noch die Frage stelle, wie genau das alles enden soll, weiß ich, dass alles gut enden wird.
Elder Dale G. Renlund vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt: „Wir können versuchen, unsere Fragen über das Wie und Wann für später zurückzuhalten, und uns vielmehr darauf konzentrieren, Glauben an Jesus Christus zu entwickeln, nämlich dass er sowohl die Macht hat, alles in Ordnung zu bringen, als auch das Verlangen, dies zu tun.“ Ich kann kaum beschreiben, welche Erleichterung es mir verschafft hat, all meine Unsicherheit und meinen Kummer dem Erretter zu überlassen.
Ich weiß: „Alles, was im Leben ungerecht ist, kann durch das Sühnopfer Jesu Christi wiedergutgemacht werden.“ Ich glaube, dass Gottes Plan vollkommen ist, und weil wir seine Kinder sind, möchte er, dass wir glücklich sind. Nichts hat mir mehr Freude und Sicherheit gebracht, als nach dem Evangelium Jesu Christi zu leben.
Und nichts hat mein Herz für eine aufrichtigere Liebe zu meiner Familie und meinen Freunden so empfänglich gemacht, als dem Herrn nachzufolgen.